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Milchbubi auf Schatzsuche

5. Dezember 2011

Wenn ich nach reiner Sympathie gehen würde, dann wäre ich in erster Linie ein absoluter Asterix-Fan. Ich habe immer noch alle Comics in einem Schuber im Regal und habe auch die Trickfilme dazu gerne gesehen. Dann allerdings machte irgendwer irgendwo einen schweren Fehler: Man erachtete Asterix und seine wilden Gallier als berühmt genug, um einen Realfilm verdient zu haben. Für mich hörte da aber der Spaß auf. Asterix funktioniert in Comic-Form, eben weil da den Möglichkeiten für allerlei Schabernack keine Grenzen gesetzt. Mit den Realverfilmungen hat Asterix ein wenig von seinem Charme verloren, weil vieles einfach nur noch extrem albern und witzig wirkt.

Für alle, die jetzt mit Asterix nichts am Hut haben, ist vielleicht ein anderes Beispiel deutlicher: Schaut euch die Realverfilmung von „Avatar – Herr der Elemente“ an. Jeder, der die Serie kennt, wird wissen, was ich meine. Und für die letzten, die immer noch nicht richtig greifen können, was ich eigentlich sagen will: Comics sollten manchmal einfach Comics bleiben bzw. höchstens animiert das Licht der Leinwand erblicken.

Zum Glück für uns sahen das zwei große Regisseure Hollywoods ähnlich und haben eine für mich eher uninteressante Comicfigur animiert auf die Leinwand gebracht. Klar, die Rede ist von Steven Spielberg und Peter Jacksons „Tim und Struppi“-Adaption. Die Comic-Reihe über den immer jungen Journalisten Tim und seinen treuen Gefährten Struppi (ein Hund wohlgemerkt – ein weißer Hund, damit sich der Kreis zu Asterix bzw. Obelix schnell wieder schließt) habe ich ehrlich gesagt nie so richtig wahrgenommen. Von Hergés Kreation kannte ich Ausschnitte von alten Trickfilmen, mehr aber auch nicht. Aber „Tim und Struppi“ sind mittlerweile seit Jahrzehnten unterwegs, auf Schatzsuche und sonstigem, da musste eine würdige Verfilmung her.

Ob würdig oder nicht (in Bezug auf die Comics), vermag ich nicht sagen, aber für einen Hergé-Nichtkenner wie mich war Spielbergs „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ trotzdem großes Kino. Reporter Tim wird hier in einen Fall verstrickt, in dem es anfangs nur um ein Modellschiff geht. Doch das Modell der „Einhorn“ birgt ein Geheimnis, den Hinweis zu einem riesigen Schatz. Wie wichtig dieser Schatz für einige ist, müssen Tim und Struppi auf harte Weise kennenlernen. Gemeinsam mit dem versoffenen Käpitan Haddock machen sie sich auf Schatzsuche.

Soll ich mal ganz ehrlich sein? „Das Geheimnis der Einhorn“ ist für mich genau das, was ich mir von dem letzten „Indiana Jones“ erhofft hatte – eine spannende Abenteuerreise mit viel Witz, guter Action und einem liebenswerten Duo/ Trio. Wenn man sich „Tim und Struppi“ so anschaut, dann muss man sich schon die Frage stellen, was Spielberg da vor ein paar Jahren mit unserem Lieblingsarchäologen angestellt hat. Schließlich beweist er mit „Tim und Struppi“ das er immer noch genau das kann, wofür wir ihn so lieben.

Wie bereits erwähnt, ist „Tim und Struppi“ ein Animationsfilm, Spielbergs Eintritt in die Welt von 3D und Performance-Capturing. Und wenn man davon spricht, dann ist eine Ikone dieser neuen Schauspielkunst nicht weit: Andy Serkis! Der gibt den versoffenen Kapitän Haddock. Serkis ist das große Highlight des Films. Während Jamie Bell als Tim relativ starr bleibt, darf sich Serkis mal so richtig ausleben. Kein Affe, kein Gollum… nur ein ständig betrunkener Rauschebart, der einfach nur großartig ist (ich will demnächst die Abenteuer von Kapitän Haddock 😉 ).

Zum Glück für alle hat sich Spielberg für Animation entschieden und hat so die Freiheiten, Comic Comic sein zu lassen. Die Animationen bieten so viele Möglichkeiten für komische, tragische und spannende Momente. Man nehme nur zwei Szenen, die dafür stehen, dass Realverfilmung vollkommen daneben gewesen wäre: Da wäre dieser ewig lange One-Shot, in der Tim und Struppi und Haddock auf einem Motorrad einem Falken hinterherjagen. Die ganze Zeit kreist die Kamera um das Geschehen rum, es gibt geile Stunts und irrwitzige Manöver. Wäre das real gewesen, wäre das nicht nur schwierig, sondern auch irgendwie unrealistisch gewesen. Als Animation wirkt es wunderbar und ist eine der besten Szenen des gesamten Films. Und dann wäre da noch ein absurder Zweikampf zwischen zwei Lastenkränen. Allein die Tatsache, dass zwei echte Kräne diese Szene nie so perfekt hätten bewältigen können, spricht für sich.

„Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ ist – zumindest für mich – eine große und vor allem positive Überraschung gewesen, die leider nur einen einzigen Haken hatte. Mir persönlich war das Ende zu abrupt. Ich weiß auch nicht, nachdem alles so passiert ist, habe ich dann noch mehr erwartet. Aber gut, Spielberg und Jackson wollen ja eh abwechselnd einen Tim und Struppi-Film machen. Schließlich sind sie ja große Fans. Und ich jetzt irgendwie auch.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Tim und Struppi und Haddock – endlich lerne ich euch besser kennen und dann seid ihr auch noch das, was „Indiana Jones“ im neuen Film hätte sein müssen)

19 Kommentare leave one →
  1. 5. Dezember 2011 06:54

    Fand ich auch sehr toll. Eine der besseren Szenen fand ich übrigens, nebst den von dir genannten, auch die Erzählung der Seeschlacht. Die Übergänge sind grossartig.

    • donpozuelo permalink*
      5. Dezember 2011 08:58

      Stimmt, die Seeschlacht hatte ich jetzt total vergessen. Das war auch wirklich großartig.

      • Owley permalink
        5. Dezember 2011 14:51

        Jup. Und auch wie diese mit der genialen Musik von John Williams funktionierte. 🙂

        • donpozuelo permalink*
          5. Dezember 2011 15:10

          Musikalisch gesehen war „Tim und Struppi“ sowieso ein ganz großer Hit. Das hat in allen Szenen echt gut zusammengepasst.

  2. 5. Dezember 2011 10:00

    Klingt gut! Hast du den in 3D gesehen und wenn ja, hat’s was gebracht? Ich stehe dem ja sehr kritisch gegenüber, höre mir aber immer gern andere Meinungen an 😉

    • donpozuelo permalink*
      5. Dezember 2011 10:31

      Bei Filmen, die von auf 3D konzipiert sind, versuche ich immer in 3D zu schauen. Und man sollte vielleicht wirklich nur große Regisseure wie Cameron und Spielberg (oder bald auch Scorsese) in 3D drehen lassen. Die wissen wenigstens auf was es ankommt.

      „Tim und Struppi“ macht echt Laune und sieht sehr gut in 3D aus. Da stimmen sowohl Effekte als auch Story. Kann man also gerne mal das Extra-Geld ausgeben. (Und das würde ich nun wirklich nicht zu jedem Film sagen 😉 )

  3. 5. Dezember 2011 10:42

    Alles klar, danke für die Einschätzung. Und bei den Regisseuren Peter Jackson nicht vergessen, der gerade den „Hobbit“ komplett in 3D dreht (und anschließend den zweiten „Tim und Struppi“) 😉

    • donpozuelo permalink*
      5. Dezember 2011 10:54

      Hast Recht. Den hatte ich glatt vergessen!

  4. 5. Dezember 2011 19:12

    Da kann ich dir nur zustimmen, großartiger Film! Für mich sogar der beste, den ich in diesem Jahr im Kino sehen durfte. Zum Ende: Das war im Comic ähnlich unspektakulär und bodenständig. Warum man sich an einigen Stellen so weit vom Comic abgewendet hat und dann am Ende wieder so nach dran war, muss man zwar nicht verstehen, aber ich fands gut 😉

    • donpozuelo permalink*
      6. Dezember 2011 08:11

      Das Ende erkläre ich mir jetzt tatsächlich eher so, dass ja noch zwei Filme folgen sollen. Vielleicht wollen sie die Geschichten ja miteinander verknüpft halten… von wegen im zweiten Teil finden sie heraus, von wo der Schatz eigentlich stammt und gehen dem dann nach. Wer weiß…

      Auf jeden Fall ist „Tim und Struppi“ für mich auch ein absolutes 3D-Highlight des Jahres gewesen.

  5. 5. Dezember 2011 21:47

    Ich war ja noch nie großer Comic-Fan. Immerhin habe ich einige Asterix-Bände mit Freude gelesen und die Zeichentrickfilme genossen.
    Irgendwann lernte ich dann in Französisch den Titel „Tintin“ kennen – und wusste bis zur Filmankündigung nicht, um welches Comic es sich eigentlich dreht.
    Aber gereizt hat mich der Film dann auch nie wirklich, vielleicht sehe ich ihn mir mal auf Blu-ray – dann eben ohne 3D – an.

    • donpozuelo permalink*
      6. Dezember 2011 08:13

      Groß gereizt hat mich der Film ehrlich gesagt auch nicht, aber nach zahlreichen guten Rezensionen war ich dann doch vorsichtig interessiert 😉

      Ich denke mal, dass der Film in schönem Blu-ray auch immer noch seine Vorteile haben wird. Aber spätestens dann MUSST du ihn dir anschauen!!!

  6. 9. Dezember 2011 22:59

    Ja, den mochte ich auch. Ich fand den schon nahe am Comic. Die hatte ich als Kid verschlungen 🙂

    • donpozuelo permalink*
      10. Dezember 2011 09:02

      Doch nahe am Comic, ja??? Dann ist es ja gut. Wie gesagt, Comic-technisch kenne ich mich da überhaupt nicht aus.

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