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Auf der Überholspur

25. November 2011

Wer hat eigentlich immer behauptet, wir würden nur fünf Prozent unseres Gehirns verwenden? Das wäre doch fast genauso, als würde man sagen, wir würden nur fünf Prozent unserer Füße benutzen, nur weil wir hauptsächlich auf der Fußsohle rumlaufen. Aber tatsächlich habe ich das auch eine Zeitlang geglaubt, ich würde nur fünf Prozent meines Gehirns benutzen. Zum Glück für mich hatte ich während Studiums Psychologie im Nebenfach, da hat man mir dann mal eben erklärt, dass wir schon so einiges mehr mit unserer grauen Masse anstellen. Wäre doch sonst auch irgendwie merkwürdig, diesen dicken Batzen Etwas im Kopf herumzutragen und ihn nur auf Sparflamme zu fahren. Der Mythos „Fünf Prozent“ ist für das Gehirn also widerlegt – und wir können alle beruhigt schlafen.

In Hollywood scheint man noch nicht so weit zu sein, diese „neuen“ Erkenntnisse zu bekräftigen. Aber gut, in einem Land, in dem selbst die Evolutionstheorie ein heikles Thema ist, dürfte das niemanden verwundern. Richtig böse dürfen wir Hollywood deswegen jedoch nicht sein, schließlich bietet die Falschaussage zum Thema Gehirn spannenden Stoff für einen Film mit der Frage: „Was wäre, wenn du die restlichen 95 Prozent deines Gehirns auch noch aktivieren könntest?“

The Illusionist“-Regisseur Neil Burger nimmt sich dieser Frage an: In „Ohne Limit“ lernen wir den abgebrannten Schriftsteller Eddie Morra (Bradley Cooper) kennen, der eigentlich an seinem Buch arbeiten müsste, jedoch zu gar nichts kommt. Zufällig trifft er eines Tages den Bruder seiner Ex-Frau, ein kleiner Drogendealer, der Eddie etwas ganz Neues empfiehlt: NZT-48. NZT steigert die Fähigkeiten des Gehirns: Intelligenz, Erinnerungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit. In Nullkommanichts wird Eddie zu einer Art Superman des Intellekts, der es selbst mit Sheldon Cooper locker aufnehmen könnte. Für Eddie gibt es keine Grenzen… außer sein NZT-Vorrat verkleinert sich. Mit seinem neuen Wissen steigt Eddie zum Star der Finanzwelt auf und wird von reichen Geschäftsmännern (Robert De Niro) umworben. Doch je mehr NZT Eddie schluckt, desto chaotischer verläuft sein Leben.

Eigentlich wollte ich „Ohne Limit“ ja schon im Kino sehen, aber aus welchen Gründen auch immer (wahrscheinlich haben selbst meine verbleibenden fünf Prozent Gehirnaktivität versagt) bin ich nie hingegangen. Großer Fehler, denn „Ohne Limit“ überzeugt – vor allem mit der fast schon fragwürdigen These: „Mit der richtigen Droge kann das Leben sehr viel Spaß machen!“ Neil Burger wedelt also nicht all zu sehr mit dem Zeigefinger. Denn auch wenn NZT eine süchtig machende Droge ist, stellt Burger nie die Droge an sich, sondern immer den Menschen in Frage: Eddie Morra will die Droge – schließlich will er dieses schöne Leben, den Reichtum, die Frauen, die Freiheiten nicht verlieren. Was würdest du tun, fragt er den Zuschauer am Ende… und ganz ehrlich: Her mit NZT!!! Natürlich malt Burger nicht alles so rosarot: Mit dem steilen Aufstieg kommt auch immer ein tiefer Sturz – Eddie verliert Erinnerungen, die Stunden fliegen unbemerkt an ihm vorbei. Und auch vor Mord und Erpressung schützt ihn die Droge nicht. Aber am Ende des Tages ist es dann doch NZT, dass Eddie aus jeder Bredouille befreit – selbst wenn er dafür das Blut von einem NZT-Süchtigen trinken muss.

Die wohl größte Überraschung des Films ist Bradley Cooper. Unser neuer „Sexiest Man Alive“ beweist, dass er mehr ist als nur ein verkaterter Schönling sein. In „Ohne Limit“ funktioniert Cooper sowohl als abgebrannter Schriftsteller als auch als reicher Schönling. Als Alleinunterhalter macht Cooper seine Sache mehr als nur gut. Da kann man es dann auch verschmerzen, dass der gute Robert De Niro nur sehr wenig Spielzeit bekommt.

Cooper der Übermensch – man hätte vermuten können, dass das alles ein wenig mehr ausgebaut wird, etwas fieser und gehässiger. Aber Burger bringt so viele Elemente in seinem Film unter, dass er auf solche Feinheiten nicht auch noch achten konnte. Gelungen ist der Film dennoch: „Ohne Limit“ ist Paranoia-Thriller, Drogen-Film, Rise-and-Fall-Drama und vor allem ein echt guter Bradley Cooper-Film. Sicherlich hätte Neil Burger auch filmtechnisch ein wenig mehr herumexperimentieren können – denn nur dieser Bilderschlauch-Effekt und Objektivwechsel allein reichen nicht wirklich aus, um den Drogenrausch, den Eddie Morra erlebt, darzustellen.

Trotzdem, „Ohne Limit“ ist ein gelungener Film, schnell und spannend – und immer wieder mit der Frage: „Was würdest du tun?“

Wertung: 8 von 10 Punkten (NZT steht schon jetzt auf meiner Wunschliste 😉 )

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16 Kommentare leave one →
  1. Owley permalink
    25. November 2011 09:03

    Habe ich dazu eine Review geschrieben? Ich glaube nicht. Ich fand den Film jedenfalls mittelmässig, was zum Teil an seiner Moral lag, die imho völlig deplaziert war. Da zeigt der Film die ganze Zeit je länger je mehr, welche Schattenseiten die Droge haben kann und plötzlich ist alles kein Problem mehr. Und Drogen? Ach, wenn man da selbst rumbastelt, sind die voll okay. Hätte ich vom prüden Amerika gleich noch weniger erwartet. Und nicht dass ich selbst jetzt all zu prüde bin, aber ein Film mit so einem Plot sollte doch etwas eine ernstzunehmendere Moral haben?

    • donpozuelo permalink*
      25. November 2011 09:17

      Ach, wie gesagt, ich fand das jetzt nicht so tragisch. Eher witzig, um ehrlich zu sein, denn du hast schon Recht: Von einem amerikanischen Film hätte ich auch eine andere Moral erwartet. Mehr den Totalabsturz, denn das, was uns der Film anbietet. Ist schon ein wenig Drogen verherrlichend, aber das nehme ich dem Film nicht krumm. Man sollte ja schließlich nicht alles ernst nehmen… ansonsten befänden wir uns gleich auch noch in dieser dämlichen „Killer-Spiele“-Diskussion wieder.

      • Owley permalink
        25. November 2011 16:56

        Mhm, ich bin auch nicht gerade ein Fan von Moralin in Filmen, aber der Film arbeitete die ganze Zeit auf so ein Fazit hin, und dann? Naja, es gab 2011 durchaus schlechteres… 😉

        • donpozuelo permalink*
          25. November 2011 22:02

          😀 Da hast du wohl Recht.

  2. 25. November 2011 10:54

    Ich werde mir den Film evtl. heute Abend ansehen, deshalb habe ich das Review nur überflogen. Bin aber auf jeden Fall sehr gespannt. Nun noch mehr… 🙂

    • donpozuelo permalink*
      25. November 2011 11:44

      Na dann, viel Spaß dabei. Der Film ist echt nicht schlecht und kann, wie du an Owleys Kommentar siehst, durchaus kritisch gesehen werden 😉

  3. 25. November 2011 17:47

    Hmja, okay. Ich würde zu einer etwas geringeren Wertung tendieren, denn „Limitless“ reizt sein Potential leider eher selten aus, könnte auch bissiger sein. Überraschend positiv ist dafür natürlich Bradley Cooper zu sehen.

    • donpozuelo permalink*
      25. November 2011 22:03

      Ein bisschen mehr Biss wäre sicherlich nicht verkehrt gewesen, aber ich finde den Film trotzdem gelungen. Kurzweilig, aber gut!!!

  4. 28. November 2011 06:38

    Super coole Bilder…so in etwa das, was mir am meisten geblieben ist.

    • donpozuelo permalink*
      28. November 2011 08:30

      Super coole Bilder waren teilweise schon da… hätte man aber auch noch ein wenig mehr von haben können 😉

  5. 20. Dezember 2011 16:25

    Werd ich mal auf meine to-watch Liste setzten…

    • donpozuelo permalink*
      20. Dezember 2011 18:46

      Willkommen!!!

      Mach das!!!

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