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Insektenforscher

7. November 2011

Tom Six sieht eigentlich ganz normal aus. Zumindest, wenn man sich sein Foto auf Wikipedia so anschaut. Lässig mit Hut und Hemd – sieht wie ein netter Kerl aus. Ein netter Kerl, der einiges auf dem Kerbholz hat. Menschen vorführen scheint er besonders zu mögen – nicht umsonst gehört er zu den kreativen Köpfen hinter Endemols „Big Brother“. Aber das alles ist Pipifax im Vergleich zu dem, was sich Six für seine filmische Karriere ausgesucht hat. Angefangen haben soll alles mit einem Witz darüber, wie man Kinderschänder bestrafen sollte. Aus der absurden Idee wurde in Six‘ Kopf mehr und das Konzept für einen Horrorfilm entstand. Ein Horrorfilm, der es irgendwie geschafft hat, produziert zu werden.

In diesem Film versucht ein verrückter deutscher (natürlich) Wissenschaftler (Dieter Laser) mit unfreiwilliger Unterstützung (natürlich) von drei Touristen – zwei amerikanischen Touristinnen und einem wild fluchenden Japaner – einen menschlichen Hundertfüßler zu erschaffen. Dabei näht der Wissenschaftler die drei an Mund und Anus zusammen. (Jetzt bitte bloß keine Fragen nach dem Warum oder Wieso, denn damit hält sich der Film nicht auf. Wahrscheinlich fällt das einfach in die Kategorie „Durchgeknallter Wissenschaftler will es einfach machen, weil er es kann!“)

Bei der Suche nach Finanzierung für sein „The Human Centipede“ ließ Six diesen letzten Teil einfach mal weg, sodass die Geldgeber erst bei der Fertigstellung des Films eine Ahnung von dem bekamen, was sie da unterstützt haben. Dass es der Film dann trotzdem geschafft hat, öffentlich gezeigt zu werden, grenzt fast schon an ein Wunder. Er ist nämlich echt widerlich. Und zwar so richtig. Es ist nicht etwa, dass Six hier das Blut spritzen lässt, sondern dass er es eben nicht tut. All die wirklich widerlichen Dinge geschehen ohne dass es die Kamera zeigen kann. Aber die stillen Schreie der Opfer und die Kommentare des Doktors tun ihr übriges, um im Kopfkino einige äußerst unangenehme Bilder aufkommen zu lassen.

Zur Unterstützung des Kopfkinos kommt die erschreckende Darstellung von Dieter Laser hinzu. Erschreckend in der Hinsicht, dass er der Figur des „verrückten Wissenschaftlers“ eine völlig neue Bedeutung gibt. Sein Dr. Heiter ist nicht nur verrückt, dieser Doktor ist total verrückt und in seiner Menschenverachtung und seiner Skrupellosigkeit ein absolutes Monster. Laser gibt dieser Figur eine unglaubliche Gefühlskälte – diesem Doktor möchte niemand begegnen.

„The Human Centipede“ ist definitiv nichts für schwache Nerven, aber auch nicht wirklich was für jeden Geschmack. Ich kann mir irgendwie nur schwer vorstellen, dass man diesen Film gut finden kann. Auch wenn „The Human Centipede“ unter der abartigen Oberfläche auch „nur“ ein „Verrückter-Wissenschaftler-erschafft-Monster“-Film ist, bleibt es ein Film, den ich definitiv nicht weiterempfehlen kann. Dass ich mit dieser Meinung nicht vollständig alleine stehe, zeigt sich daran, dass selbst die Briten so ihre Probleme mit diesem Film haben. Dazu muss man vielleicht wissen, dass es auf der Insel sonst so gut wie jeden Scheiß gibt, aber selbst vor „The Human Centipede“ machen die einen großen Bogen. Der angekündigte Teil 2 hat dort anfangs keine Zulassung bekommen, darf jetzt aber nach langen Verhandlungen in gekürzter Fassung doch gezeigt werden. Und wer sich jetzt denkt: „Wie bitte? Teil 2!“, dem kann ich nur sagen, dass Six diesen Film als Auftakt für eine Trilogie sieht. Es werden – leider Gottes – noch weitere menschliche Hundertfüßler folgen.

Für mich ist aber schon bei diesem Film Feierabend.

Wertung: 1 von 10 Punkten (diesen Film braucht echt kein Mensch)

15 Kommentare leave one →
  1. 7. November 2011 08:44

    Hatte vor kurzer Zeit schon mal von dem Film und dessen Prinzip gehört. Das klingt so dämlich und sadistisch, dass es mich wirklich wundert, wie man Geld für die Produktion dieses Mists bereitstellen konnte. Aber heutzutage wird ja anscheinend jeder Rotz produziert.

    Zuletzt noch meinen tiefen Repekt, dass du dir den wirklich angetan hast. 😉

    • donpozuelo permalink*
      7. November 2011 09:17

      Naja wie gesagt, Six hat die eigentliche Geschichte ja bis zum Schluss selbst vor seinen Produzenten geheimhalten können. Wie er das geschafft hat, ist mir ein absolutes Rätsel.

      Und danke für das Respekt-Zollen 😉 Es war wohl wie immer mehr die Neugierde, die mich zu diesem Film getrieben hat. Ständig diese Artikel über den Stress von Teil 2 in England, da war ich gefesselt davon zu sehen, worum es eigentlich so geht. Gut, im Nachhinein hätte ich drauf verzichten können. Aber so ist das halt, wenn man neugierig ist. Manchmal ist es nicht wirklich gut 😉

  2. 7. November 2011 09:55

    Jetzt weiß ich auch wovon sich die erste Southpark Folge der 15. Staffel „inspirieren“ lassen hat.

    • donpozuelo permalink*
      7. November 2011 15:42

      Willkommen!!!

      Ich weiß jetzt zwar nicht, ob es stimmt. Aber wenn du es sagst, dann wird’s schon stimmen. Das Thema bietet sich ja auch förmlich an, in irgendeiner Art und Weise ver“arscht“ zu werden.

  3. Owley permalink
    7. November 2011 13:24

    Haha, davon hat mir eine Kollegin erzählt. DA war bei mir schon Feierabend. ^^

    • donpozuelo permalink*
      7. November 2011 13:37

      😀 Wie gesagt, es war dann doch die Neugierde.

  4. 7. November 2011 14:22

    Hmm…ich muss mir den auch mal anschauen. Trotz allem. Oder gerade deswegen.

    • donpozuelo permalink*
      7. November 2011 15:31

      😀 So ging’s mir auch. Alle regen sich drüber auf, also muss man sich das mal anschauen.

  5. 7. November 2011 19:18

    Ich hatte bewusst nen Bogen drum gemacht, weil schon ohne ihn zu sehen totales Kopfkino bei mir spielt.
    Beim FFF hatte ich ganz kurz überlegt, aber es dann doch gelassen.
    Obwohl er ja laut Deiner Beschreibung seine Qualitäten hat und das Six ausgerechnet Dieter Laser verpflichten konnte hatte mich besonders überrascht. Laser steht für mich schon für gutes Schauspiel, aber auch ganz andere Produktionen :)) Na ja immerhin hatte er wohl für diesen Streifen sogar eine Auszeichnung bekommen.

    • donpozuelo permalink*
      8. November 2011 12:47

      Laser war mir ehrlich gesagt überhaupt kein Begriff, aber er rettet den Film davor, im Null-Punkte Bereich zu landen. Trotzdem kann man um diesen Film getrost einen GROSSEN Bogen machen.

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