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Beschütze das Ei!

2. November 2011

Ich hätte es eigentlich vorher wissen müssen, dass das nicht gut gehen kann. Eine Serie über eine Leibwächterin, die einen jungen Prinzen beschützen soll, in dem das Ei eines Wassergeistes heranwächst. Okay… sei erst einmal so dahin gestellt. Beim ersten Lesen des DVD-Textes habe ich mir nichts weiter gedacht, zu sehr war ich von den Bildern fasziniert, die ja eigentlich ganz gut aussahen. Und immerhin ist hier die Rede von einer japanischen Anime-Serie… und wenn jemand merkwürdige Geschichte gekonnt umsetzen, dann doch wohl am ehesten noch die Japaner. Leider hätte ich in diesem Fall wohl doch auf mein Bauchgefühl hören sollen, aber wahrscheinlich lag es daran, dass die letzte gute Trickfilm-Serie „Avatar – Herr der Elemente“ war und ich noch an den Entzugserscheinungen leide. Also kaufte ich mir „Guardian oft he Spirit“.

Darin bekommt besagte Leiwächterin, die Speerkämpferin Balsa, von der zweiten Kaiserin den Auftrag, auf ihren Sohn, Prinz Chagum, aufzupassen. Der trägt nämlich das Ei des Wassergeistes in sich, der vom Land gefürchtet wird. Deswegen will der Kaiser seinen Sohn töten lassen. In der Obhut von Balsa gelingt Chagum die Flucht und die Kriegerin wacht von nun an über den Jungen. Mit Hilfe des Heilers Tanda und seiner Meisterin Torogai sucht Balsa nach eine Möglichkeit, Chagum von dem Ei zu befreien. Bei ihren Nachforschungen stellen sie aber fest, dass die Geschichte des Landes falsch ist. Der Wassergeist ist ein gutmütiger Geist und das Ei muss auf jeden Fall heil auf die Welt gebracht werden, um das Land vor einer Dürre zu bewahren.

Fangen wir vorsichtig an: “Guardian of the Spirit” gibt sich sehr viel Mühe, gibt sich zu viel Mühe. Erwartet habe ich ein wenig mehr Fantasy, ein wenig mehr Speerkampf-Action, ein wenig mehr Jäger und Gejagte. Stattdessen beharrt die Serie darauf, mehr eine Familien-Serie zu sein, in der viel über Gefühle gesprochen wird und das Innere der einzelnen Figuren erforscht werden muss, um ihre Beweggründe zu offenbaren. Im Mittelpunkt steht immer das Zweiergespann Balsa-Chagum. Nach den ersten Folgen, in denen es noch einigermaßen ordentlich zur Sache geht, kehrt erstmal lange Ruhe in die Serie ein. Die Leibwächterin versteckt sich mit dem Prinzen in einer alten Mühle. Von da an besteht die Serie größtenteils aus tierisch langen Dialogen. Chagum wird von seiner vertrauten Welt in eine neue Welt gebracht – bis auf eine Szene, in der er einen Falschspieler mit simpler Mathematik austrickst, bleibt das alles recht eintönig. Dialog, Monolog, Dialog, Monolog. Die Bilder bleiben statisch, es gibt kaum Bewegung, die Geschichte erreicht sehr schnell einen Hänger. Wenn das nur ein, zwei Folgen so gewesen wäre, hätte ich das verschmerzen können. Aber es geht immer so weiter.

Im Laufe der Zeit erkennen dann auch die Sternendeuter am Hof, dass der Prinz noch lebt. Da dachte ich dann: „Jawohl, jetzt kommt wieder Fahrt auf!“ Aber nix da!!! Es wird nur weiterhin fröhlich geredet, statt um Chagums und Balsas Gefühle geht’s jetzt darum, den Prinzen zu finden und zu unterstützen. Im Großen und Ganzen wiederholt sich alles, was wir vom Anfang schon kannten: Monologe, Dialoge, statische Bilder.

Zum Ende nimmt „Guardian of the Spirit“ dann zwar ein wenig Fahrt auf, es gibt sogar ein paar merkwürdige Monster – die Eifresser – zu sehen, aber ganz in der Tradition der Serie ebben diese Action geladenen Sequenzen sehr schnell ab. Dazu kommt ein sehr miserables und enttäuschendes Finale und die Serie ist vorbei.

Zurück bleibe ich – enttäuscht und traurig. Die Animationen und Bilder der Serie sind toll, die Welt der Romanautorin Nahoko Uehashi, auf der die Serie basiert, hat sicherlich viel zu bieten, zeigt aber ihre volle Kraft nicht. Am deutlichsten wird das daran, dass die Serie kaum die zwei Welten nutzt: Nur in einigen wenigen Folgen wird deutlich, dass in der Welt der Serie zwei Welten existieren – die reale und die Geisterwelt. Statt diese Tatsache zu nutzen, fällt sie mehr oder weniger unter den Tisch.

Mit ein wenig mehr Mut hätte „Guardian of the Spirit“ eine runde Geschichte werden können. Die Voraussetzungen sind ganz offensichtlich da – weniger Gelaber und ein wenig mehr Fantasy und Action wären für die Serie genau das Richtige gewesen. So bleibt das Ganze eine zu vernachlässigende Geschichte. Schade, eigentlich!

Wertung: 4 von 10 Punkten (hat nur selten gute Folgen, bleibt weitestgehend einschläfernd langweilig, weil einfach zu statisch und zu viel geredet wird)

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