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31. Oktober 2011

Ich mag Filme, die den Zuschauer vor eine dieser kniffligen moralischen Fragen stellen. Es sind so immer diese Fragen des Lebens frei nach dem Motto „Was würdest du machen, wenn du ein prall gefülltes Portemonnaie auf der Straße finden würdest?“ Ich gebe offen zu, ich würde das Geld nehmen, aber den Rest abgeben. Möglicherweise, vielleicht, so ziemlich sicher. Aber bis jetzt ist mir das noch nie passiert, von daher kann ich nur aus der Theorie sprechen.

Eine ähnliche Frage, nur natürlich etwas krasser als mein Portemonnaie-Beispiel, stellt sich Richard Kelly in seinem dritten Film „The Box“. Wir erinnern uns: Richard Kelly war der Mann, der mit „Donnie Darko“ einen absoluten Kultfilm schuf und danach ein wenig in der Versenkung verschwunden ist. Es ist aber auch schwierig nach einem Debüt wie „Donnie Darko“: Alle Welt erwartet den nächsten großen Kracher, was den Druck natürlich enorm erhöht. Dazu kommt teils sehr, sehr kritische Auseinandersetzungen mit Kellys zweitem Film „Southland Tales“, was sicherlich nicht geholfen haben dürfte, Kellys Selbstbewusstsein zu stärken. So ein Riesenepos über ein Amerika nach der Apokalypse, dessen eigentliche Vorgeschichte zusätzlich nur als Comic erschien, ist aber auch sicherlich schwer zu schlucken (steht aber trotzdem auf meiner Liste noch zu schauender Filme 😉 ). Auf jeden Fall ist Kellys dritter Film einer, den man sich durchaus anschauen kann – und er hat halt diese äußerst interessante moralische Frage.

Ein Mann namens Arlington Steward (Frank Langella) überbringt Norma (Cameron Diaz) und Arthur Lewis (James Marsden) eine kleine Box – „The Box“. Diese Box hat einen einzigen roten Knopf. Steward unterbreitet Familie Lewis ein ungewöhnliches Angebot: Wenn sie den Knopf in den nächsten 24 Stunden drücken, wird irgendwo auf der Welt ein ihnen fremder Mensch sterben und sie bekommen dafür eine Million Dollar. Die Frage steht nun offen im Raum: Drücken oder nicht drücken – das Geld gebrauchen könnte die Familie, den Arthur hat in seinem Job bei der NASA eine wichtige Stelle nicht erhalten und auch Norma hat die Schulgeldunterstützung für ihren Sohn verloren.

Was würdest du tun? Knopf drücken oder nicht. Es ist eine spannende Ausgangsposition, die Kelly auch in vollster Länge ausschöpft. Vielleicht ein wenig zu lang, aber das ist sicherlich Geschmackssache. Ich fand es gerade gut, dass die Entscheidung nicht sofort getroffen wird. Immer wieder die Diskussion: Geld wird gebraucht, aber dafür zum Mörder werden??? Gleichzeitig wird auch die Frage aufgeworfen, was „fremd“ eigentlich genau bedeutet – und zwar in einer sehr schönen Diskussion darüber, wie gut man eine „vertraute“ Person tatsächlich kennt. Norma und Arthur Lewis schwanken hin und her, hin und her; und Kelly kostet das ordentlich aus.

Danach wird alles etwas wirr. Denn erst nach ihrer Entscheidung stellen sich die Lewis‘ die Frage, wer eigentlich dieser Arlington Steward ist. Und hier offenbart Kelly dann, dass die Idee von „The Box“ eine Geschichte aus der alten Mystery-Serie „The Twilight Zone“ ist (die wiederum auf der Kurzgeschichte von Richard Matheson). Die Auflösung um Experimente und Verschwörungen wirkt etwas sehr altbacken, aber zum Glück fängt Kelly das in der Hinsicht gut ab, dass sein Film selbst in den 70er Jahren spielt. Aber trotz der „Akte X“-artigen Theorien bleibt „The Box“ ein spannender Film. Nur langsam enthüllt Steward seine Geheimnisse und das dann auch nur stückchenweise. Man muss also schon aufmerksam sein – dann bekommt man eine nette Geschichte, die in ihren besten und rätselhaftesten Momenten tatsächlich ein wenig von „Donnie Darko“ durchblicken lässt.

Schauspielerisch war ich sehr erstaunt, dass mich sowohl „X-Men“ James Marsden als auch Cameron Diaz äußerst gut gefallen haben. Frank „Mr. Nixon“ Langella hat dieses Mysteriöse im Blut, der ist einfach von Anfang an überzeugend.

„The Box“ ist sicherlich kein Wurf wie „Donnie Darko“, aber es muss ja nicht immer diese Vergleiche geben (sie sind aber zwangsläufig da, wenn man gleich mit seinem ersten Wurf einen Kultklassiker erschafft). „The Box“ ist spannend mit einer etwas wirren, aber durchaus interessanten Geschichte und ist höchst unterhaltsam.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Drücken oder nicht drücken??? Was würdest du tun???)

6 Kommentare leave one →
  1. 1. November 2011 02:56

    Ich glaube, die Frage am Ende sollte besser lauten: Gucken oder nicht gucken??? Und nach deinem Text würde ich für mich entscheiden: Ganz klar gucken (obwohl ich Cameron Diaz echt nicht mehr sehen kann….)

    • donpozuelo permalink*
      1. November 2011 11:52

      Was hast du denn gegen die Cameron?? So oft war die doch in letzter Zeit gar nicht zu sehen. Und in „The Box“ – den man sich wirklich anschauen kann – ist sie wirklich in Ordnung.

  2. Luzifel permalink
    2. November 2011 09:13

    Nicht drücken. Geld ist nicht so geil wie moralisch halbwegs sauber durchs Leben kommen. Mein Gewissen würde mich umbringen und da kann Geld dummerweise nicht helfen..

    Da ich die Frage für mich also sauber beantworten könnte, frage ich mich ob ich den Film gucken soll oder ob der mich nur maßlos aufregen würde..

    • donpozuelo permalink*
      2. November 2011 10:04

      Du kannst den Film trotzdem gucken… denke ich. Ich finde, der Film schafft es ganz gut, die Beweggründe für ein Drücken oder Nicht-Drücken der Familie Lewis darzustellen. Verzweifelte Menschen machen halt verzweifelte Sachen, nur in der Hoffnung, ihrer Verzweiflung zu entkommen.

      „The Box“ macht das ganz gut und daher durchaus sehenswert.

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