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Riesen Affentheater

24. Oktober 2011

Es gibt klassische Geschichten, die kennt man einfach – auch wenn man sie nie gelesen. In „Moby Dick“ geht’s um den Typen, der einen Wal jagt. „Frankenstein“ ist ein Professor, der ein Monster aus Leichenteil bastelt. Diese Erzählungen sind zeitlos, haben sich über die Jahre gehalten, weil sie möglicherweise schon sehr früh, die menschlichen Urängste oder Gefühle in uns widerspiegelten und somit zu Klassikern geworden sind. Ihre Figuren sind genau wie die Geschichten über sie unsterblich geworden. Sie wurden schriftlich und filmisch verewigt und werden wohl immer weiterleben. Der altbekannte Riesenaffe „King Kong“ gehört ohne Zweifel dazu. Kong hatte ja schon 1933 bei seinem ersten Auftreten für Furore gesorgt – dank Stop-Motion wurde ein Ungeheuer lebendig und dank der dramatischen Geschichte ein Ungeheuer menschlich.

Ein Riesenaffe verliebt sich in eine heiße Blondine, wird nach New York verschleppt, wird vorgeführt, klettert auf das Empire State Building und findet in der Fremde schließlich seinen Tod. Ich glaube, bei der Geschichte muss man keinen Spoiler-Alarm geben. Da kennt man einfach das Grundgerüst der Geschichte. Und Grundgerüst ist vielleicht ein gutes Stichwort. Denn Kong hat seit seiner Premiere 1933 zahlreiche Auftritte erlebt. Das Grundgerüst blieb dabei aber meist gleich, nur die Verkleidung war hier und da mal ein wenig anders. Einer, der sich auch nur zu gerne mit dem King Kong-Mythos befassen wollte, war „Lord of the Rings“-Master Peter Jackson. Und die Voraussetzungen stimmten ja: 1) Jackson hatte gute Erfahrung damit, alte Klassiker gekonnt auf die Leinwand zu bringen. Die Mittelerde-Saga spricht da für sich. 2) Jackson hatte mit Andy Serkis seinen perfekten Motion-Capturing-Affen bereits in der Tasche. Und 3) Es war Jacksons Herzenswunsch, dem Kong seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

Mit „Lord of the Rings“ bewies Jackson sowohl Talent fürs Geschichten-Erzählen als auch für atemberaubende Special Effects und tolle Kulissen. Gut, man bzw. ich könnte ihm jetzt vorwerfen, dass die Geschichte aus Mittelerde ja von Tolkien stammt und Jackson damit nicht so viel am Hut hatte. Aber immerhin hat Jackson es geschafft, die drei Bücher richtig gut zu verfilmen.

Aber was kam dann? Eine etwas schwerfällige Variante von „The Lovely Bones“ und dann, wenn ich ganz ehrlich sein soll, auch eine sehr schwerfällige Variante von „King Kong“. Jackson verlässt sich neben King Kong auch auf andere große Namen und schickt Jack Black, Naomi Watts, Adrian Brody, Thomas Kretschmann und Jamie Bell auf die Jagd nach dem Affen. Aber all die großen Namen müssen sich größtenteils hinter den Effekten verstecken. Und die Effekte nutzt Jackson bis zum letzten bisschen voll aus.

Wenn man mal ehrlich ist, dann ist Jacksons „King Kong“ eine weitere „Jurassic Park“-Verfilmung. Nach einer beschwerlichen Reise stößt das Film-Team um Regisseur Jack Black auf „Skull Island“ – eine urzeitliche Insel mit alter Zivilisation (Menschenopfer natürlich inklusive), Dinosaurier, Rieseninsekten und halt dem großen Affen. Lange, lange… viel zu lange verbringt Jackson mit den Dinos auf Skull Island. Viel zu lange lässt er uns schmoren, bevor wir endlich mal Andy Serkis als großen Affen zu Gesicht bekommen. Das wirkt fast so, als würde Jackson uns eine Überraschung hinauszögern wollen, dabei wissen wir doch schon ganz genau, was uns erwartet. Vielleicht wollte Jackson mehr aus der Geschichte machen als sie ist, aber es zieht sich wie ein Kaugummi.

Besonders kritisch sehe ich ja diese ganze Dinosaurier-Sache. Die große Brontosaurier-Flucht durch die Schlucht war nach zwei Minuten einfach nur noch albern, der ewig lange Kampf zwischen King Kong und drei T-Rexen war anfangs noch ziemlich cool und bot ordentliche Tierkampf-Action, wurde aber auch unnötig lang gezogen. Und dazwischen immer die arme Naomi Watts, die diesen Film nur mit Schädel-Hirn-Trauma überlebt haben dürfte 😉

Nach all diesem Hin und Her und tatsächlichen zwei Stunden kriegt Jackson wieder die Kurve und konzentriert sich wieder auf das Grundgerüst der klassischen Geschichte: Kong kommt nach New York, steigt aufs Empire State Building und stirbt den Heldentod.

Zumindest in gewisser Weise kann Jackson seinem Riesenaffen etwas Tiefe verleihen: Die Überreste seiner Art in Kongs Höhle auf Skull Island sprechen dafür, dass dieses riesige Tier tief traurig ist und einfach nur jemanden zum Spielen sucht. Andy Serkis tut sein Übriges, um „King Kong“ zu einem liebenswertes Monster zu machen. Aber „Kong“ ist ja kein „Monster“ an sich – und das zeigt Jackson ganz schön.

Jacksons „King Kong“ leidet trotz alledem an seiner Länge. Jackson kostet alle drei Teile seiner Geschichte – Reise, Insel, New York – voll aus und wird dabei vor allem auf der Insel mit seinen Dinos viel zu lang. Da kommen auch die Schauspieler nicht mehr hinterher.

Wertung: 4 von 10 Punkten (weniger wäre mehr gewesen – aber auch bei Jackson bleibt „King Kong“ einfach nur ein verliebter großer Affe)

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19 Kommentare leave one →
  1. 24. Oktober 2011 06:50

    Auch nur ein verliebter großer Affe? Ich hoffe du willst damit nicht sagen, daß das Original nicht der zumindest drittbeste Film der Welt ist? 😛

    • donpozuelo permalink*
      24. Oktober 2011 08:24

      Ich will damit in keinster Weise das Original in seiner Genialität untergraben, sondern lediglich sagen, dass Jackson der Figur des Affens nicht wirklich etwas Neues abgewinnen kann, was ich nicht schon im Original gesehen hätte.

  2. 24. Oktober 2011 08:18

    Für mich einer der unterhaltsamsten Filme überhaupt. Gibt von mir klare 9 Punkte. Großartig!

    • donpozuelo permalink*
      24. Oktober 2011 08:25

      Echt??? Ui!!!

      Also mir war er echt ne Nummer zu lang mit zu vielen Dinos.

      • 24. Oktober 2011 10:38

        Solch ein Film kann gar nicht zu viele Dinos haben. Aber hallo!

        • donpozuelo permalink*
          24. Oktober 2011 10:40

          😀 Wenn du das sagst!

  3. 24. Oktober 2011 17:18

    Also ich fand ihn auch sehr unterhaltend und rund um „gewaltig“. Zumal King Kong ja DER Kinostoff schlechthin ist. Was haben Kritiker und Filmfans da seit 1933 schon darüber geschrieben und diskutiert. Beispielsweise die ganzen Rassismusvorwürfe und Sexualmotive. Ich würde ihn auch nicht in eine Linie mit literarischen Stoffen wie Moby Dick oder Frankenstein setzen. King Kong ist Kino pur und handelt in sich ja auch vom Filmemachen und der Inszenierung des Spektakulären. Jacksons King Kong ist viel selbstreflektiver und dadurch lebendiger, als das platte Abfahren und Abfilmen einer Herr der Ringe-Vorlage, Szene für Szene. Was ich sagen will: 4 Punkte ?? Buuh 🙂

    • donpozuelo permalink*
      24. Oktober 2011 23:20

      Tja, was soll ich dazu sagen??? Jedem das Seine 😉

      Ich verstehe was du zum Thema Kong sagst und gestehe ein, dass die Vergleiche etwas hinken. Aber all die Sachen, die du aufzählst, fehlen mir gerade bei Jacksons Kong. Der Film war mir im Endeffekt dann doch eine Nummer zu viel Effekthascherei.

  4. 24. Oktober 2011 23:31

    Ich kann schon verstehen, dass dir die Dinosaurier-Szenen zu lange dauern. Dabei gefällt mir die Schluchtszene mit allerhand menschengroßen Insekten weit weniger. Davon abgesehen ziehe ich Jacksons Kong dem Original in allen Belangen vor. Klar waren die Effekte für 1933 umwerfend, der Inhalt war aber ziemlich mau.
    Jackson nutzt die drei Stunden nicht nur für die Effekte, sondern zeichnet hier immerhin ein paar Charaktere neben dem Riesenaffen – vielleicht etwas klischeehaft – aber immerhin nimmt er sich für die Figuren Zeit. Gekrönt wird der Film dann noch von einem schlicht grandiosen Jack Black, dem ich eine solch ernste Rolle nicht zugetraut habe. Deshalb tendiere ich auch eher zu 8 oder gar 9 Punkten.

    • donpozuelo permalink*
      25. Oktober 2011 09:38

      Ich zähle die großen Insekten mal einfach mit zu den Saurier-Szenen dazu 😉

      Jack Black war Tatsache ziemlich gut, aber Leute wie Adrien Brody und Naomi Watts haben sich hierbei ein wenig unter Wert verkauft, wie ich finde. Trotz all der Spielzeit sprang bei mir der Funke nicht so richtig über. Ich fand gerade diese Liebesbeziehungskiste zwischen Brody und Watts doch recht flach und lieblos. Bei der Zeit, die man zur Hand hatte, hätte man da mehr draus machen können.

  5. 29. Oktober 2011 22:38

    Ich muss sagen, dass er mir ziemlich gut gefallen hat. Okay, stellenweise wirkt er wirklich in die Länge gezogen aber unterm Stricht großartige Unterhaltung und Andy Serkis zeigt mal wieder, warum er zu den Göttern seiner Arbeit zählt.
    Und auch in Natura als Koch kann er überzeugen. 😀

    • donpozuelo permalink*
      30. Oktober 2011 11:49

      Andy Serkis ist wirklich großartig. Ohne Zweifel. Sein King Kong wird echt eine tragische Figur. Der Film an sich bleibt mir trotzdem zu überladen und zu lang.

  6. 31. Oktober 2011 08:34

    „Kino pur“ trifft es ziemlich auf den Punkt. Und die Effekte sind immer wieder aufs Neue ziemlich gigantisch.

    • donpozuelo permalink*
      31. Oktober 2011 10:05

      Ich sehe schon, ich stehe mit meiner Meinung ziemlich alleine da. Aber gut, wenn wir jedes Mal ein und derselben Meinung wären, wäre es ja auch langweilig. 😉

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