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Freund oder Feind?

17. Oktober 2011

Er ist der Racheengel schlechthin und auch noch einer der sympathischsten Superhelden überhaupt. Denn er ist am greifbarsten, weil er einfach keine Superkräfte hat. Er kann nicht fliegen, Eisentüren aus ihrer Fassung reißen oder mit Röntgenblick durch Wände schauen. Obwohl er kann es schon, es ist ihm halt nur nicht angeboren, er stammt nicht von einem anderen Planeten, er wurde nicht von Strahlung getroffen oder von einer Spinne gebissen. Er ist ein fast normaler Typ. Fast aber auch nur, denn was ihn von den Normal-Sterblichen unterscheidet, ist die enorme Summe auf seinem Bankkonto. Und damit vertritt er die einzig wahre Supermacht, die wir tatsächlich in unserer Welt finden können: Geld. Damit gelingt es ihm dann auch zu fliegen, Eisentüren aus ihren Fassungen zu reißen oder mit Röntgenblick durch Wände zu schauen. Er kauft sich einfach die Technik, lässt sie weiterentwickeln und nutzt sie, um Gutes zu tun. Natürlich ist sein Name nicht „Money-Man“, sondern „Batman“.

Und auch wenn ich ein bekennender Spider-Man-Fan bin, hatte „Batman“ von Anfang an einen festen Platz in meiner Superhelden-Welt. Er ist halt ein echter Mensch, der sich nur auf seine Gadgets verlässt. „Batman“ – mit der Trickfilmserie bin ich auf den Dunklen Ritter aufmerksam geworden und freute mich dann wie Keks, als ich das erste Mal den richtigen Film dazu sehen konnte. Nun ist man natürlich durch Christopher Nolans Verfilmungen schon etwas gebrandmarkt, aber Tim Burtons Variante kann sich auch durchaus sehen lassen. Dabei verzichtet Burton weitestgehend auf die Entstehungsgeschichte des „Batman“. Stattdessen ist der Flattermann schon Alptraum der Kleinganoven, wenn auch bei den meisten mehr als Gerücht. Doch als sich ein übler Ganove namens Joker in der Stadt breitmacht, muss auch der Batman zeigen, dass es ihn wirklich gibt.

Die große Frage, die jeden Burton-Batman-Neuling wohl als erstes stellt, ist: „Wer bitte ist Michael Keaton?“ Nun, Michael Keaton ist in diesem Fall Bruce Wayne und Batman. Obwohl Schauspieler wie Pierce Brosnan oder Mel Gibson im Gespräch waren (stellen wir uns mal bitte Mr. Bond als Batman vor und vergessen diesen Gedanken schnell wieder), wollte Burton Keaton. Ich gestehe, damit habe ich immer ein wenig zu kämpfen, wenn ich mir den alten Batman-Film anschaue. Michael Keaton sieht nicht wie ein Bruce Wayne aus. Er sieht eher wie ein lustiger Buchhalter aus, der irgendwo im Wayne-Imperium Zahlen in Tabellen einfügt. Als Batman geht es dann zum Glück, da hat er ja schließlich seine Maske auf. Wesentlich mehr Glück hatte Burton da mit seinem Joker. Natürlich darf man jetzt hier keine Prä-Ledger-Performance erwarten, aber mit Jack Nicholson ist wohl die Rolle perfekt ausgefüllt. Nicholson hat einfach dieses manisch-psychotische Etwas, wenn er einfach nur seine Augenbraue hebt und irre in die Kamera lacht. Dazu noch ein wenig Schminke und dieses sympathische Joker-Lächeln und fertig ist der Batman-Gegenspieler.

Auch wenn man mit Keaton so seine Probleme haben könnte, ist Tim Burtons „Batman“ eine geile Verfilmung. Gotham City erinnert ein wenig an die düstere Welt des „Blade Runner“, die Pläne des Jokers sind so grausam wie nur möglich und Batman ist der Dunkle Ritter. Vielleicht liegt es in der Natur von Tim Burton oder auch daran, dass man nicht so recht wußte, wie man den Dunklen Ritter wirkungsvoll in Szene setzt, aber Michael Keatons Auftritte als Batman wirken manchmal recht theatralisch. Hoch die Arme, damit das Cape sich auch entfaltet. Starrer Blick nach vorne. Der Sprung vom Hochhaus. Batman in Aktion. Okay, das klingt so jetzt natürlich sehr albern, aber es ist nicht so. Es wirkt zwar theatralisch und überzogen, aber das ist einfach Tim Burtons „Batman“. Der Film besitzt nicht diese düstere Intensität eines Christopher Nolans, schafft es aber trotzdem seiner Figur mehr als nur gerecht zu werden. Es ist ein waschechter Burton mit skurrilen Figuren, es ist aber auch ein waschechter Batman… mit einem Lando Calrissian als Harvey Dent 😉

Auf jeden Fall ist Burtons „Batman“ ein würdiger „Batman“, den man definitiv mal gesehen haben sollte.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Burton haucht Batman richtig Leben ein)

P.S.: An dieser Stelle vielen Dank an Maloney, der mit seinen Rezensionen in mir akutes nostalgisches Batman-Heimweh verursacht hat!!!

13 Kommentare leave one →
  1. 17. Oktober 2011 06:27

    Immer wieder gern…und bei Keaton hatte ich etwa ähnliche Gefühle, aber im Kostüm ist er eifnach beinahe unschalgbar

    • donpozuelo permalink*
      17. Oktober 2011 09:35

      Im Kostüm sehen sie alle noch halbwegs gut aus. Aber für das Kostüm braucht man ja nur ein markantes Kinn. Den Rest macht das Kostüm 😉 Nur für den Bruce Wayne-Teil muss der Schauspieler selber ran… und da passt Keaton dann doch nicht so richtig 😉

  2. 17. Oktober 2011 07:43

    Klar, es ist unabdingbar. Aber man sollte erst gar nicht Vergleiche zwischen den Burtons und den Nolans ziehen. Das sind einfach jeweils andere Interpretationen von völlig unterschiedlichen Regisseuren. Und Batman lässt ja eh viel Raum für Interpretationen, was man schon an den Comics merkt.

    • donpozuelo permalink*
      17. Oktober 2011 09:38

      Da hast du Recht, Vergleiche zwischen Nolan und Burton sind wirklich nicht zu empfehlen. Aber natürlich ist der Vermerk wichtig – für all die, die nur Nolan kennen 😉

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