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Let’s Zeppelin

7. Oktober 2011

Wenn ich so an meinen Musikunterricht zurückdenke, dann wird mir klar, warum wir Deutschen als so komplett unmusikalisch gelten: Klanghölzer, Triangel und Blockflöte – das sind meine drei „Instrumente“, mit denen zahlreiche Musiklehrer mir Rhythmus beibringen wollten. Dazu noch ein paar uralte Liederchen und schon war die musikalische Unbegabtheit pädagogisch bekämpft. Gut, mittlerweile hat man sich von solchen Lehrmethoden hoffentlich abgewendet. Immerhin werden ja schon Ungeborene mit Mozart oder Beethoven beschallt, damit sie intelligenter werden. Das sollte doch auch auf den Musikunterricht abgefärbt haben.

Musikunterricht mal anders liefert uns Hollywood-Spaßkugel Jack Black mit seiner „School of Rock“. Als arbeitsloser Gitarrist sucht er verzweifelt einen Weg, um beim „Battle of the Bands“ mitmachen zu können. Immerhin winken 20.000 Dollar Siegerprämie, aber der Weg zu einer neuen Band ist schwierig. Und weil es der Zufall so will, erschleicht sich der dicke Dewie einen Job an einer privaten Grundschule. Und weil es der Zufall so richtig gut mit dem dicken Dewie meint, steckt seine Klasse, die er eigentlich unterrichten soll, voller hochbegabter Musikgenies. Das Schulprojekt „Rockband“ ist geboren.

Es gibt für jeden Schauspieler die eine Rolle, die ihm so perfekt auf den Leib geschnitten ist, dass sie ihn ein Leben lang nicht wieder loslassen wird. Für die einen kommt diese Rolle früh, für andere später und für einige vielleicht auch nie. Jack Black aber hat das unverschämte Glück, so eine Rolle spielen zu dürfen. Als Überrocker der Band „Tenacious D“ dürfte es Black nicht sonderlich schwer gefallen sein, seine Begeisterung für den Rock vor der Kamera zur Schau zu stellen. Wenn der dicke Mann da erst einmal anfängt, über „den Widerstand gegen die Bosse“ zu sprechen oder er mal eben so zu rocken anfängt und wild mit seiner Gitarre durchs Klassenzimmer tanzt, dann kann man nicht anders als laut zu lachen. Black spielt hier nicht – zumindest kommt das nicht so rüber. Er stellt sich einfach vor die Kamera und redet albernes Zeug, spielt Musik und singt. Das kommt alles so locker-flockig rüber, dass man sich nur wünschen kann, jemals so einen Musiklehrer wie ihn gehabt zu haben. Und genau deswegen macht mir „School of Rock“ jedes Mal wieder total viel Spaß, weil er einfach diese absolute Liebe zur Musik einfängt.

Gekonnt untermauert wird durch das durch die grandiose Schar an Jungdarstellern, die mit Jack Black mitrocken. Köstlich ist dabei, wie Black bzw. Dewey aus diesen stocksteifen Kids nach und nach echte Rocker macht – mit Videoauswertung alter Legenden, Musikhausaufgaben und Rock-Geschichtsunterricht. Aus gelangweilten Kindern macht Black in mühsamer Arbeit kleine Rocker, die ihm zwar komödiantisch nicht das Wasser reichen können, ihn dafür aber locker musikalisch an die Wand spielen. Schließlich sind alle Musiker im Film auch Musiker im wahren Leben… wenn man das so sagen darf.

Natürlich verläuft „School of Rock“ dem vertrauten Schema der Komödie. Es tauchen immer wieder mal Schwierigkeiten auf (auch in Form einer grandiosen Joan Cusack als hypernervöse Direktorin), aber Rock kennt keine Hindernisse im Kampf gegen die Bosse.

„School of Rock“ rockt auch dank eines absolut grandiosen Soundtracks. Ob nun Ramones, The Who, The Doors oder Cream – der Soundtrack steckt voller Rock-Leckerbissen. Besonders witzig ist ein nettes kleines Video, dass man im DVD-Extra-Menü finden kann. Hier bittet Jack Black mit der gesamten Crew inständig die Götter des Rock – also Led Zeppelin selbst – um die Ehre, einen ihrer Songs mit in den Soundtrack aufnehmen zu dürfen. Das Video ist großartig, der Beweis, dass es geklappt hat, findet sich mit dem „Immigrant Song“ im Film wieder.

Wer Jack Black oder gar Rock nicht mag, der sollte sich diesen Film anschauen. Wer danach immer noch Jack Black oder Rock nicht mag, der hat offensichtlich keine Ohren. In the words of AC/DC: We roll tonight… to the guitar bite… and for those about to rock… I salute you.

Wertung: 9,5 von 10 Punkten (eine schöne Ehrung des Rock mit einem perfekt aufgelegten Jack Black)

8 Kommentare leave one →
  1. 7. Oktober 2011 11:43

    Ein wunderbarer, genialer, rockiger Film. Es kommt wirklich nur höchst selten vor, dass ich eine Komödie immer und immer wieder gucke – und noch seltener, dass ich immer und immer wieder dabei zum Lachen gebracht werde (und das sogar in der deutschen Synchro, die hier wirklich fabelhaft gelungen ist). Jack Black ist eben Rocker durch und durch und das merkt man in jeder Filmsekunde.

    • donpozuelo permalink*
      7. Oktober 2011 12:05

      Was soll man dazu noch sagen? 😉 Stimmt!!! Sogar das mit der deutschen Synchro. Obwohl O-Ton mir hierbei trotzdem besser gefällt.

  2. 7. Oktober 2011 23:02

    Für das, dass du angeblich iCarly verabscheust erstaunt es mich, dass du gerade Miranda Cosgroves Name in den Tags angibst…obwohl sie ja nur eine Nebenrolle hat ;P

    • donpozuelo permalink*
      8. Oktober 2011 01:28

      Das habe ich tatsächlich nur für dich gemacht. Da musste ich an genau diese Sache mit icarly denken. Ausserdem ist Sie hier richtig gut und die einzige, die man von den Kids kennt. 😉

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