Zum Inhalt springen

Mordratschläge

5. Oktober 2011

Es ist immer toll, wenn man aus Filmen etwas mitnehmen kann. Schließlich sollen sie ja nicht NUR zur Unterhaltung dienen. Wenn man sich schon zwei Stunden Zeit nimmt, dann sollte ja schließlich auch was dabei rauskommen. Es stellt sich dann nur die Frage, ob das, was wir aus dem Film mitnehmen, wirklich sinnvoll für unser weiteres Leben ist. Was zum Beispiel lernen wir aus „Die Hard“? Barfuß über Glasscherben laufen tut ganz schön weh! Achten wir also das nächste Mal drauf. Wenn man will kann man aus jedem beliebigen Film eine Lehre ziehen: Betrüge niemals deine Frau mit ihrer besten Freundin. Nimm bloß nie einen Anhalter mit – egal, wie freundlich er aussieht und vergiss nie dein Kind über Weihnachten zu Hause. Filme können so furchtbar lehrreich sein.

Furchtbar lehrreich war auch mein neuester Kinobesuch: Vertraue niemals einem Fremden in einer Bar. Krimi-Serien im Fernsehen sollte man sich vielleicht doch mal anschauen. Und das Wichtigste überhaupt: Kannst du deinen Boss nicht leiden, bring ihn einfach um. Na gut, die letzte Lehre ist vielleicht nicht die beste, liefert aber eine erstaunlich amüsante Komödie: „Horrible Bosses“, neudeutsch auch „Kill the Boss“ genannt (ich lasse jetzt die Diskussion über bescheuerte „deutsche Titel“ einfach mal unter den Tisch fallen).

In „Horrible Bosses“ haben die drei Freunde Nick (Jason Bateman), Dale (Charlie Day) und Kurt (Jason Sudeikis) ein gemeinsames Problem: Ihre Bosse sind fürchterliche Arschlöcher. Arschloch Nr. 1 ist Nicks Boss Dave Harken (Kevin Spacey), der Nick um seine Beförderung bringt. Arschloch Nr. 2 ist Kurts Boss Bobby Pellitt (Colin Farrell), der einfach nur ein riesiges Arschloch ist. Und Arschloch Nr. 3 ist Dales Chefin, eine sexhungrige Zahnärztin, die den armen Dale permanent sexuell belästigt. Was tut man dagegen? Umbringen!!! Wie man das macht, erfahren sie von dem mysteriösen Motherfucker Jones (Jamie Foxx).

Man sieht also allein schon wegen der Besetzung ist „Horrible Bosses“ durchaus sehenswert. Wann war schließlich das letzte Mal, dass wir Kevin Spacey in einer passenden zynisch-bösen Rolle gesehen haben? In dieser Komödie darf der Gute sich mal wieder richtig ausleben. Gleiches gilt für Farrell, der besonders schmierig und prollig rüberkommt. Größte Überraschung des Films ist ohne Frage Jennifer Aniston. Als Nymphomanin ist sie einfach herrlich und befreit sich mal eben komplett von ihrer „Friends“-Rachel. Sexy Biest pur, da muss man sich fast schon fragen, warum Dale sich so anstellt 😉

Man muss Regisseur Seth Gordon schon gratulieren. Immerhin hat er den Mut gehabt, seine hochkarätigen Schauspieler mehr oder weniger in den Hintergrund zu stellen. Aber nur da passen sie in dieser Komödie wirklich hin. In genau der richtigen Dosis liefert uns Gordon die schlimmen Dinge, die dieses Bosse ihren Arbeitern antun. Gerade genug, um mit zugedrücktem Auge den perfiden Plan der Drei durchgehen zu lassen. Und auch bei diesen Dreien hat Gordon Glück: Man kennt zwar keinen der drei wirklich aus größeren Produktionen, aber das macht ja nichts. Sie spielen trotzdem wunderbar zusammen und liefern sich herrlich schräge Wortgefechte.

„Horrible Bosses“ ist mein diesjähriges „Hangover“ – eine unerwartet gute Komödie mit vielen schrägen Einfällen, absonderlichen Wendungen und einer extrem guten Besetzung. Die Witze sind manchmal etwas derb und vulgär, aber wenn selbst eine sonst so brave Jennifer Aniston schmutzige Fick-Sprüche bringen kann, dann ist dann schon sehenswert. Gordon beweist sein Gespür für das richtige Timing, seine Schauspieler beweisen ihr Talent fürs Komische und ich habe endlich einen Grund, mir vielleicht doch mal „Law & Order“ anzugucken.

Wertung: 9 von 10 Punkten (sollte der Pflichtfilm auf jeder Betriebsfeier und auf jedem Manager-Seminar werden – als Vorwarnung sozusagen)

20 Kommentare leave one →
  1. 5. Oktober 2011 07:54

    Ich war überrascht, wie scharf Aniston aussieht. 🙂
    Und wie scheisse Farell aussieht. Das übrigens liebe ich…wenn sich Schönlinge so hässlich machen…so alt die Idee auch sein mag.

    • donpozuelo permalink*
      5. Oktober 2011 09:15

      Naja, dass die Aniston ein scharfes Gestell hat, hat mich nicht überrascht. Eher wie freizügig sie damit umgeht 😉

  2. 5. Oktober 2011 09:43

    Hätte ich jetzt wirklich nicht erwartet, dass der Film so gut aufgefasst wird. Vielleicht ist er ja doch einen Blick wert, obwohl die Bezeichnung als Hangover-des-Jahres mich nicht unbedingt hinterm Ofen herlockt 😉 Den fand ich ziemlich fruchtbar…

    • donpozuelo permalink*
      5. Oktober 2011 09:53

      Echt? Du fandest „Hangover“ furchtbar??? Ich habe mich damals im Kino förmlich weggeschmissen vor Lachen. Der war für mich die totale Überraschung, vor allem weil ich Angst hatte, die ganzen guten Sachen schon im Trailer gesehen zu haben. Ähnlich ist das auch mit „Horrible Bosses“.

      Damit soll natürlich aber nicht gesagt werden, dass „Horrible Bosses“ genau wie „Hangover“ ist… es ist halt einfach nur eine weitere positive Überraschung für mich gewesen.

      • Owley permalink
        5. Oktober 2011 18:06

        Du hast doch falsch gelesen, Don. Er fand ihn fruchtbar. Muss also gut sein. 😉

        • donpozuelo permalink*
          6. Oktober 2011 10:26

          Stimmt 😉

  3. 5. Oktober 2011 10:16

    Hätte eigentlich gedacht, dass der nicht so doll wird und gerade die typische Titelumbenennung verschaffte mir schon wieder Schauer des Grauens. Inzwischen höre ich jedoch immer mehr positive Meldungen. Wohl doch mal ein DVD Kandidat.

    • donpozuelo permalink*
      5. Oktober 2011 13:19

      Oh Gott, ja. Die Titelumbenennung. Furchtbar. Vom Englischen ins Englische. Ich glaube, sowas kriegen auch nur die deutschen Verleiher hin. Aber davon sollte und darf man sich in diesem Fall nicht abschrecken lassen. Es ist wirklich eine gute Komödie geworden.

  4. 5. Oktober 2011 10:29

    Ich freue mich auch schon auf den Film. Tolle Darsteller (Charlie Day, Jason Bateman usw.) und eine spannende Idee. Wird spätestens auf DVD/Blu-ray im O-Ton geschaut.

    • donpozuelo permalink*
      5. Oktober 2011 13:27

      Ja, definitiv ein O-Ton-Film!!! 😉

  5. 5. Oktober 2011 16:24

    Würde ihn auch mit Hangover gleichsetzen..nur ja kein Sequel drehen! 😛
    Motherfucker!

    • donpozuelo permalink*
      5. Oktober 2011 17:29

      Jawoll, Motherfucker. Bloss kein Sequel (obwohl die Möglichkeiten dafür sogar gut stehen könnten – einfach drei neue Typen und drei neue Bosse nehmen – aber wir wollen ja jetzt keine Ideen ins Internet stellen 😉 )

      • 5. Oktober 2011 17:37

        Sag das bloss nicht zu laut wer weiss wer alles so deinen Blog mitverfolgt 😛

        • donpozuelo permalink*
          6. Oktober 2011 20:22

          Tja, wer weiß. Wenn Teil 2 kommt, dann werden wir es wissen 😉

  6. Owley permalink
    5. Oktober 2011 18:08

    Ich war glaube ich der einzige, der gelacht hat, als Mr. Fantastic auf den Plan trat.

    • donpozuelo permalink*
      6. Oktober 2011 10:26

      Mr. Fantastic??? Ist mir was entgangen???

      • Owley permalink
        6. Oktober 2011 18:04

        Ioan Gruffudd als Callboy?

        • donpozuelo permalink*
          6. Oktober 2011 20:22

          Achso… der war Mr. Fantastic. Siehst du, so sehr sagen mir die „Fantastic Four“ zu. 😉 Aber grandios war der trotzdem. „wet work“ brrrrrrrrrrrrrrr…..

  7. 6. Oktober 2011 18:53

    Hahha…ja voll! Wet Work 😀

Trackbacks

  1. Review: HORRIBLE BOSSES – EXTENDED CUT | ChristiansFoyer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: