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Höllischer Nachbar

30. September 2011

Nachbarn können echt anstrengend sein. Im Studentenwohnheim hatte ich wohl die schlimmsten Nachbarn überhaupt: egal, von welcher Seite – oben, unten, links, rechts – irgendwo war immer Lärm (Musik, Sex, etc.). Es war echt anstrengend. Mittlerweile bin ich umgeben von eher älteren Herrschaften, da ist das Zusammenleben mit den Nachbarn viel angenehmer geworden. Ein kurzes Hallo auf dem Weg die Treppe runter (wenn ich sie überhaupt mal zu Gesicht bekomme) und das war’s.

In „Lakeview Terrace“ bekommen wir den wohl fiesesten höllischen Nachbarn zu Gesicht: Das junge Paar Chris (Patrick Wilson) und Lisa Mattson (Kerry Washington) ziehen in ein nettes, riesiges Haus in einer netten kleinen Wohnsiedlung in Kalifornien. Es könnte alles wirklich idyllisch und traumhaft sein, wenn da nicht Nachbar Abel Turner (Samuel L. Jackson) wäre. Der Cop ist ein Mann strenger Regeln und nicht zu widerrufenden Ansichten. Ein weißer Mann, der mit einer Afroamerikanerin verheiratet ist, reicht da schon aus, um die Aufmerksamkeit des Polizisten zu erregen. Anfangs sind es nur Tageslicht-Strahler, die das Haus der Mattsons mitten in der Nacht erleuchten oder auch mal eine zerstörte Klimaanlage, aber schnell wird vor allem Chris klar, Abel Turner hat was gegen seine neue Nachbarn.

„Lakeview Terrace“ hat mich ein wenig verwundert sitzenlassen, worüber ich jetzt ein wenig verärgert bin. Denn eigentlich dachte ich schon, ich werde in meiner Rezension für diesen Film vor Freude überschäumen. Schließlich haut Regisseur Neil LaBute nicht sofort auf die Pauke. Stattdessen lässt er seinen Schauspielern genügend Freiraum, sodass sich die Dynamik des Films ganz allein auf die Beziehungen der einzelnen Charaktere bezieht. „Little Children“-Star Patrick Wilson und Kerry Washington spielen das scheinbar glückliche Pärchen, doch wird schnell deutlich, dass hier viel vorgetäuscht wird. Auf diese leicht „gestörte“ Paar-Beziehung stößt dann dieser Teufel in Person. Und der ist so absolut perfekt von Samuel L. Jackson verkörpert.

Ich mag Samuel L. Jackson ja sowieso schon total gerne (wer tut das nicht??? 😉 ), aber was er hier in „Lakeview Terrace“ abliefert, ist erste Sahne. Ob nur ein böser Blick oder ein böser Spruch, es sitzt alles. Wenn der Mann mir so an der Haustür begegnen würde, ich wäre innerhalb von Sekunden wieder aus dem Haus raus. Jackson spielt diesen fiesen Teufel mit so einer Hingabe, dass man einfach Angst vor ihm haben muss. Und das Skurrile an seiner Rolle ist, man kann sie nicht durchschauen. Warum macht dieser Typ das? Was ist sein Problem??? Die gleichen Fragen, die sich die Mattsons stellen müssen, stellen wir uns auch. Und das Gute an Jacksons Rolle ist, sie liefert uns nur unzureichende Erklärungen. Wir bekommen kein psychiatrisches Protokoll. Dieser Abel Turner scheint einfach von Natur aus ein Arschloch zu sein – ein rassistisches Arschloch.

Die erste Stunde von „Lakeview Terrace“ ist wirklich super gemacht: Es ist spannend, es ist mitreißend und Samuel L. Jackson ist ein großartiges Arschloch. Aber irgendwann werden seine Übergriffe etwas krasser, etwas absurder. „Lakeview Terrace“ versucht dann sehr viel stärker ein Thriller zu werden und schreckt auch vor drastischen Maßnahmen nicht zurück. Leider verliert sich der Film dabei in den absurden Handlungen von Abel Turner. Aus den Figuren, die vorher so überzeugend vorbereitet wurden, werden Hollywood-typische Gegensätze: Die Guten auf der einen, der Böse auf der anderen Seite. Irgendwie wirkt das Ganze am Ende sehr lieblos zusammengehauen – es wird härter und härter, bekommt dann so ein fast schon kitschig wirkendes Ende und das war’s.

Und dann sitzt man vorm Fernseher und fragt sich: „Wo ist der richtig, richtig gute Film nur hin, den ich bis vor kurzem noch gesehen habe??? Samuel L. Jackson ist noch da, aber alles andere ist verschwunden.“ Dabei kann ich noch nicht einmal richtig greifen, was mich denn nun wirklich gestört hat. Habe ich doch eine Erklärung für Turners Handeln vermisst??? Möglicherweise…

Tja, in dieser Hinsicht ist „Lakeview Terrace“ schon ein recht bemerkenswerter Film: Ich kann mich nicht so richtig mit ihm anfreunden, kann aber auch nicht hunderprozentig sagen, was mich denn nun wirklich gestört hat. Vielleicht sollte ich ihn mir irgendwann noch einmal anschauen. Aber egal, wie sehr der Film am Ende doch nachlässt, eines bleibt konstant: Ein famoser Samuel L. Jackson. Und das reicht ja schon fast als Wiederholungsgrund aus 😉

Wertung: 7 von 10 Punkten (Samuel L. Jackson in einer absoluten Parade-Rolle!!!)

6 Kommentare leave one →
  1. 30. September 2011 19:06

    Nun, ich mag Samuel L. Jackson nicht unbedingt – er ist mir allerdings auch nicht zu wider. Aber wenn seine Leistung hier wirklich gut ist, wie du schreibst, lohnt sich die DVD ja bei Gelegenheit möglicherweise…

    • donpozuelo permalink*
      1. Oktober 2011 14:35

      Oh doch, ich mag den guten Samuel allein schon wegen seiner herrlich undurchschaubaren Rollenauswahl. Ich glaube, der Mann hat ja wirklich schon fast alles gespielt. Und er kann das auch immer wieder hervorragend.

  2. 3. Oktober 2011 06:46

    Fand ich auch grossartig, den Film. Ist so ein bisschen ein klassischer Film, den man irgendwie nur mit den richtigen Schauspieleren umsetzten kann. In diesem Falle also Jackson. Ohne ihn würde das vermutlich kein bisschen funktionieren.

    Aber ich mag auch Wilson. IMMER. Egal was der macht.

    • donpozuelo permalink*
      3. Oktober 2011 11:10

      Stimmt, ohne Jackson hätte das Ding keine 5 Minuten funktioniert. Der trägt den Film ja fast alleine… aber nur fast 😉

  3. 4. Oktober 2011 18:16

    Dachte bei der Überschrift zuerst an „Meine teuflische Nachbarn“ !!! DEN müsste ich mal wieder auf VHS rauskramen, danke für den indirekten Tipp! 🙂

    • donpozuelo permalink*
      5. Oktober 2011 09:16

      😉 So war das zwar nicht gedacht, aber gut…

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