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Blinder Teufel

28. September 2011

Für dieses Jahr ist ja erst mal Schluss mit lustig. Comic-Superhelden haben sich mit „Captain America“ viel zu früh für dieses Jahr aus dem Kino verabschiedet. Ist wohl so kalkuliert: Wir stellen alle Rächer vor und dann lassen wir die Leute ordentlich zappeln, bis endlich mal wieder was Neues kommt. Gut, in gewisser Weise gibt einem das auch die Möglichkeit etwas Abstand zu gewinnen, sich nach was Anderem umzuschauen. Oder, wie in meinem Fall, mal nach anderen, bereits schon dagewesenen Helden Ausschau zu halten. Und so bin ich auf jemanden gestoßen, der mir nicht allzu viel sagte, sich aber vom Namen her recht spannend anhörte: „Daredevil“.

„Daredevil“… den Namen muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Wenn man nur den Namen hört, dann klingt das nach was gefährlichem, nach so einer Art bösem „Hellboy“. Doch ich hatte ja schon vom Hören-Sagen mitbekommen, dass „Daredevil“ als Comic-Verfilmung eher in die Schublade „Schnell Vergessen!“ gehört. Trotzdem war ich neugierig und in der Superhelden-Abstinenz-Zeit brauchte ich vielleicht auch einfach mal wieder eine Glanzfigur. Aber „Daredevil“ war da definitiv die falsche Entscheidung, die ich mir mit der Wahl des etwas längeren „Director’s Cut“ auch nicht gerade leichter machte.

Erschwerend kommt hinzu, dass Ben Affleck nun mal so gar kein Superhelden-Charisma hat und hier nicht als blinder Superheld „Daredevil“ punkten kann. Blind wird der kleine Matt Murdock durch einen blöden Unfall mit giftigen Substanzen, aber kaum ist er blind, da sind seine anderen Sinne schon geschärft. Matt bewegt sich mit Echo-Lot-Technik durch die Welt, als könnte er immer noch sehen. Als dann sein Vater von einem Unbekannten ermordet wird, schwört der kleine Matt Rache (ja, es klingt ganz böse nach „Batman“ und das zieht sich auch durch den gesamten Film). Die Zeit wird vorgedreht, Matt ist jetzt Anwalt und „Daredevil“ zugleich und bekommt es in diesem Film mit dem fiesen Kingpin (Michael Clarke Duncan), seinem angeheuerten Auftragskiller Bullseye (Colin Farrell) und der schönen Elektra (Jennifer Garner) zu tun.

Ich kenne die „Daredevil“-Comics nun überhaupt nicht und kann daher auch nicht sagen, ob diese Batman-ähnliche Entstehungsgeschichte nur für den Film genommen wurde oder ob es die tatsächlich gibt. Aber allein damit fangen bei „Daredevil“ die Probleme schon an: Wir erfahren den Grund, aber nicht die wahre Entstehung für „Daredevil“. Das lässt Regisseur Mark Steven Johnson (übrigens auch für das „Ghostrider“-Fiasko mit Nic Cage verantwortlich – nur so nebenbei) komplett weg: Nach dem Zeitsprung hat der älter gewordene Murdock schon all sein cooles Zeug – Kostüm, Maske, Name, Waffen – beisammen. Wie und woher wird nie erwähnt.

Nach den ersten Fragezeichen auf meiner Stirn wurde mir dann noch ein Gähnen auferlegt – ein ständiges Gähnen. Für einen Superhelden ist „Daredevil“ ziemlich handzahm inszeniert. Vielleicht lag’s auch am „Director’s Cut“, aber es wird doch arg viel erzählt, erzählt, erzählt. Die Liebesgeschichte zwischen Garner und Affleck mag zwar im wahren Leben funktioniert haben, im Film wirkt das Ganze doch recht steif. Als dann Elektras Vater ermordet wird und sie den „Daredevil“ dafür verantwortlich machte, dachte ich, es würde endlich ein wenig Pep in die ganze Geschichte kommen. Aber Pustekuchen: Der zwiespalt „Daredevil tötet meinen vater, aber ich liebe Matt Murdock“ wird viel zu schnell fallen gelassen und ad acta gelegt.

Stattdessen kommt endlich mal der wahre Bösewicht zum Vorschein: Michael Clarke Duncan ist eine gute Wahl für den Kingpin gewesen. Gleiches kann man auch über Colin Farrell sagen. Duncan überzeugt einfach durch seine pure Anwesenheit, während Farrell einfach nur ein verrückter Ire sein darf.

Aber da, wo das größte Potenzial steckt, um „Daredevil“ vielleicht noch herumzureißen, verschläft Johnson seine Chance. Die Action-Szenen haben zwei Probleme: Erstens habe ich mich immer gefragt, warum Murdock auf einmal von Hochhäusern springt und Riesensprünge macht und zweitens inszeniert Johnson die Kampfsequenzen einfach viel zu harmlos. Lange Einstellung und ruhige Kamerabilder will ich da mal überhaupt nicht sehen. Das darf auch mal wackeln, da darf auch mal ein wenig schneller im Schnitt gearbeitet werden – aber Johnson bleibt ruhig.

Und so bleibt auch „Daredevil“ ziemlich ruhig. Wenn man sich nur vom Namen hätte leiten lassen, wäre daraus vielleicht etwas besseres geworden. Ich hätte mir „Daredevil“ im Allgemeinen einfach etwas Düsterer, etwas Diabolischer gewünscht. So ist es nur ein Lackaffe im Kostüm, was durch Ben Afflecks schaurige Darstellung nur noch bestärkt wird (mittlerweile habe ich von Ben Affleck ein etwas anderes Bild, aber dieser Film bleibt ein Affleck-Fiasko).

Wertung: 2 von 10 Punkten (handzahmer Teufel, der langweilt und optisch nur mit Jennifer Garner punkten kann 😉 )

18 Kommentare leave one →
  1. 28. September 2011 08:28

    Farell fand ich super, Duncan auch okay, Affleck gar nicht mal so unpassend und Garner einfach nur nervig.

    Aber gerade der Dircector’s Cut ist ja noch eher anschaubar, wie ich finde. Der Kinofassung fehlt zu viel Seele…

    • donpozuelo permalink*
      28. September 2011 09:04

      Schauspielerisch sind wir da auf einer Linie, allerdings kann ich keinen Vergleich ziehen zwischen Director’s Cut und Kinofassung. Aber selbst der Director’s Cut war einfach ne Nummer zu langatmig und ohne nennenswerte Action.

  2. 28. September 2011 09:21

    Ich mag den gerne. Find’s auch nicht weiter schlimm, das hier nicht soooo explizit erwähnt wird, wie und woher der Daredevil sein „cooles Zeug“ hat, die Origin-Nummer haben „Batman Begins“ und „Spider-Man“ breit genug getreten. Klar, ein bißchen überproportionalisiert kommen seine Fähigkeiten auf einmal schon daher, aber wat soll’s?!? 😉
    Und an einigen Stellen geht’s in dem Film doch sehr viel härter zur Sache, als in der üblichen Comicverfilmung, z.B. als der Daredevil den Dieb vor den Augen von dessen kleinem Sohn zusammenzimmert, oder als er den Typen vor die U-Bahn schmeißt und sein Umgang mit Bullseye und dem Kingpin ist auch nicht gerade zimperlich. Aber gut…
    Affleck versaut leider ein paar Momente durch bad acting, aber insgesamt ging der klar, bei Farrell und Duncan stimme ich den geäußerten Meinungen einfach mal zu.

    • donpozuelo permalink*
      28. September 2011 09:38

      Also ich hatte so das Gefühl, dass der Film der Figur trotzdem nicht so richtig gerecht wird. Ich hätte den Daredevil gerne noch eine Nummer düsterer gesehen. Die fehlende Origin-Nummer kann ich ja noch verschmerzen, aber so richtig Superhelden-Material ist der Film nicht. Was mir aber immer noch schwer im Magen liegt, ist warum ein Blinder auf einmal diese Superkräfte hat. Das will mir nicht so richtig in den Kopf 😉 Dafür habe ich mir aber jetzt einfach mal die Daredevil-Variante von Frank Miller bestellt. Mal gucken, wie es da so erklärt wird.

  3. 28. September 2011 10:33

    Duncan passt zwar nicht ganz in das Bild des Kingpin, gibt dem Omniantagonisten – mit dem es auch Spidey regelmäßig zu tun bekommt – schon seinen eigenen bärigen Touch. ^^
    Farell durfte sich richtig austoben und hat das in meinen Augen auch erfolgreich getan.

    Ansonsten ist der Film eher stinklangweilig inszeniert und nach dem 50.000. Marvelheld, der durch radioaktives Irgendwas Superkräfte bekommt, wird’s auch langsam langweilig. Dafür kann der Film dann aber nix; das liegt ja am Comic.

    Als Referenz für funktionierende Comicverfilmungen sollte man den genauso wenig wie Ghost Rider (oder dessen für nächstes Jahr geplante Fortsetzung) heranziehen.

    • donpozuelo permalink*
      28. September 2011 11:13

      Stimmt, Spidey hatte ja auch hin und wieder mit Kingpin zu tun. Aber die Rolle ging noch – zumal sie Duncan ja nicht wirklich viel machen lassen. Dafür darf Farrell ja dann etwas häufiger ran.

      Zu der Liste nicht-funktionierender Comic-Verfilmungen kommt neben diesem definitiv auch Ghostrider und Fantastic Four hinzu. 😉

  4. 28. September 2011 13:43

    Fand ich früher glaube ich gar nicht so übel, da war ich aber auch noch klein und dumm 😉
    Ben Affleck ging da gar nicht und Jennifer Garner nervt mich ohnehin immer, wenn sie auf der Leinwand auftaucht.
    Gibt mittlerweile einfach doch zu viele Superheldenfilme, obwohl ich hörte, dass das Spin-Off Elektra noch schlimmer sein muss (kein Wunder mit Garner als Hauptdarstellerin…)

    • donpozuelo permalink*
      28. September 2011 15:54

      Ich weiß gar nicht, was ihr alle gegen Jennifer Garner habt 😉

      Vom Spin-Off werde ich mich nach „Daredevil“ ganz fern halten. Wenn da auch noch ein Gastauftritt von Ben Affleck mit bei ist, ist sowieso alles zu spät.

  5. 28. September 2011 18:40

    Hier trifft wohl dein „…ist kein Typ den man unter eine Maske steckt“ Zitat ebenfalls ziemlich treffend zu 😛

  6. 16. August 2012 16:05

    Nachgelesen. Thx für die Info 😉 Den DC hab ich nicht gesehen. Nur die „Kinofassung“, die ich nicht einmal so schlecht fand. Die Comics kenne ich und es gibt einige Unterschiede und einige Übereinstimmungen. Aber gut, hier gebe ich es zu: An Daredevil scheiden sich definitiv die Geister. 😀

    • donpozuelo permalink*
      16. August 2012 20:35

      Wie bei „Prometheus“. Ich hoffe da ja sehr auf ein Reboot. Vielleicht wie bei Batman mit Orientierung an Frank Millers Daredevil. Das wäre echt super.

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