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Kodama

21. September 2011

Vergessen wir für einen Augenblick Al Gore oder Leonardo DiCaprio, die sich mit ihrem Promi-Status irgendwann mal mit Dokumentationen, die ich nicht gesehen habe, für die Umwelt einsetzen wollten. Ob unbequem oder nicht, es hat auch nicht viel weitergeholfen… außer das Gore für seine Wahrheit sogar mehrfach ausgezeichnet wurde. Aber wir brauchen diese US-Promis nicht, die Umweltschutz mal eben kurz nutzen, um sich in den Vordergrund zu stellen. The Godfather of Umweltschutz ist jemand, den kurzweiliger Ruhm nicht interessieren. Er ist auch niemand, der sich nur mal einmal kurz für die Rettung der Natur einsetzt. Und es wird eine Zeit geben, in der wir Hayao Miazaki wie eine Art Nostradamus behandeln werden, der auf abstrakte Art und Weise die schwerwiegenden Folgen von Raubbau und Umweltverschmutzung aufzeigt. Kein anderer hat mir bis jetzt so ein Bewusstsein für Umweltschutz nahegelegt wie Miayazaki. Und das ohne mit dem Zeigefinger direkt vor meiner Nase zu wedeln. Nö!!! Stattdessen bekomme ich noch gute Geschichten erzählt.

Vielleicht liegt meine Begeisterung für Miyazaki aber auch einfach darin, dass ich mit seinen Filmen überhaupt angefangen habe, mein Bild von Animes zu verändern. Und angefangen hat das mit seiner „Prinzessin Mononoke“. Und es war ein fulminanter Anfang. Ich meine, „Mononoke“ hat alles, was gute Unterhaltung brauchte: Ein Krieger (Ashitaka), der versucht, sich von dem Fluch eines wildgewordenen Waldgottes zu befreien. Ein junges Mädchen (San, die Dämonenprinzessin, wie die Übersetzung des Originaltitels wohl lauten muss), das von Wölfen aufgezogen wurde und nun mit diesen gegen die Menschen kämpft, die ihren Wald zerstören. Außerdem gibt es Waldgeister, wilde Bestien, hinterlistige Mönche, Krieg, Gewalt, Dramatik, tolle Landschaften, etc. pp.

„Prinzessin Mononoke“ ist kurzum einfach großartig. Ein toller Anime. Sowohl zeichnerisch als auch erzählerisch ein wahres Fantasy-Epos. Zeichnerisch hat man bei Miyazaki ja sowieso nicht wirklich etwas zu meckern. Da stehen alle Filme für grandiose Bilder, die den Zuschauer in ihren Bann ziehen. Erzählerisch ist und bleibt Miyazaki der Mann für tolle Charaktere und spannende Geschichten. Hier hat jede noch so winzige Figur ihren ganz eigenen Charakter – ob nun großer Wolf oder diese kleinen Waldgeister, die Kodama, die mit ihrem Klackern und Klicken die Seele des Waldes darstellen. Ideenarmut kann man Miyazaki wahrlich nicht vorwerfen, obwohl er mit der japanischen Götter- und Geister-Welt ja auch einen großen Fundus hat, aus dem er Inspiration nehmen kann.

Was mich wiederum an „Prinzessin Mononoke“ extrem erstaunt hat, war die teils recht krasse Gewaltdarstellung. Da schießt Ashitaka fröhlich Köpfe und Arme mit seinen Pfeilen ab. Da werden Horden wütender Wildschweine gnadenlos in die Luft gejagt. Da wird sogar ein echter Gott geköpft. Aber man merkt sofort, dass das für Miyazaki kein blosses Haschen nach einer größeren, möglicherweise Action-orientierten Zuschauerschar ist. Die drastischen Darstellungen unterstreichen in seinem Fall nur immer wieder, wie stark sich Natur und Mensch gegenübertreten. Miazaki beschönigt nichts: Wer sich an der Natur vergreift, der bekommt es doppelt und dreifach zurück.

Ich glaube (ich weiß es aber nicht so hundertprozentig), dass Miyazaki mit „Prinzessin Mononoke“ endlich auch bei uns Beachtung gefunden hat. Soweit ich mich erinnern kann, war das der erste Anime, der überhaupt mal im Kino lief. Außerdem wartet die englische Fassung auch noch mit zahlreichen Hollywood-Größen in den Sprecher-Rollen auf.

Aber das ist nur ein Nebeneffekt. Wichtiger ist der Film an sich! Und den kann ich wirklich nur wärmstens empfehlen. Es ist nicht ganz so harmlos wie „Chihiro“ und es ist ausgereifter als „Nausicaä“ – wirklich ein großartiger Miyazaki, der uns die unbequeme Wahrheit auf spektakulärste Weise präsentiert.

Wertung: 10 von 10 Punkten (großartige Geschichte, großartige Figuren, großartiger Soundtrack – kurz: großartiger Miyazaki)

23 Kommentare leave one →
  1. 21. September 2011 10:43

    Ich mochte den Film auch. Aber so richtig warm werde ich mit Animes immer noch nicht.

    • donpozuelo permalink*
      21. September 2011 12:06

      Dann guck dir auch mal filme wie ghost in the Shell oder paprika an. Das ist auch nochmal wieder was ganz anderes.

  2. 21. September 2011 20:24

    Absolut kann dir nur in allem beipflichten…genialer film bei dem einfach alles stimmt! Nur Chihiro ist noch ein Hauch besser

    • 21. September 2011 22:41

      btw. ich bin dafür, dass man dich zum Einleitungenschreiben mieten kann!

      • donpozuelo permalink*
        22. September 2011 09:03

        😀 Danke schön!!!

        „Chihiro“ mag ich auch, aber dadurch dass „Mononoke“ mein erster Miyazaki war, bleibt er mir besonders im Herzen 😉

  3. 21. September 2011 21:19

    Ich mochte „Chihiro“ und „Nausicäa“ dennoch lieber, trotzdem ein toller Film.

    • donpozuelo permalink*
      22. September 2011 09:04

      „Nausicäa“ fand ich auch toll, aber aufgrund meiner Manga-Kenntnisse etwas enttäuschend.

  4. Owley permalink
    28. September 2011 14:56

    Bei mir war auch MONONOKE der Anfang einer grossen Anime-Liebe: Ich fand den Film lange Blödsinn, aber erst als ich ihn Jahre später auf Drängen einer Kollegin noch einmal sah, gefiel er mir richtig gut. Die Stimmung, die Bilder, der Sound – alles passte einfach.

    Und ja, im Film wird erstaunlich viel gemetzelt – finde ich aber gut, weil es die Gnadenlosigkeit von Mensch/Natur unterstreicht.

    Und von Miyazakis aktivem Naturengagement (was mich fast noch mehr beeindruckt, als seine Botschaften in den Filmen) habe ich dir ja schon einmal erzählt 🙂

    • donpozuelo permalink*
      28. September 2011 15:56

      „Mononoke“ metzelt schon ordentlich. aber es hat ja auch einen tieferen Sinn, dann sei das verziehen. Dass Miyazaki sich auch außerhalb seiner Filme für die Umwelt so intensiv einsetzt, find ich echt gut.

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