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Geburtsstunde einer Legende

5. September 2011

Ich habe früher immer gerne versucht, selbst Pfeil und Bogen zu bauen. Schön mit dem Messer kleine Stöckchen scharf schnitzen – wie ein echter Krieger. Dann nur noch einen schönen Stock finden, Schnur dran und der große Krieger war geboren. Tja, nur leider hatte dieser große Krieger keine Ahnung, wie man das alles so richtig macht. Wenn ich Glück hatte, dann flog eins meiner armseligen Stöckchen ein oder zwei Meter durch die Luft und fiel dann lustlos zu Boden. So ganz hatte das mit Pfeil und Bogen bei mir dann doch nicht geklappt. Und dabei war das doch gerade die Zeit, in der im Fernsehen so eine Anime-Robin-Hood-Serie lief, die wir immer zu gerne nachspielten. Aber mit meinen Bogenkünsten hätte ich nicht einmal einen Elefanten aus drei Zentimeter Entfernung getroffen und so wurde aus mir nie der coole Rächer der Enterbten, der Beschützer von Witwen und Waisen (jetzt muss ich gerade böse an den Gag von Otto Waalkes denken 😉 )

Filme über den Rächer aus dem Sherwood Forrest gibt es Dutzende, animiert und real, komisch und ernst. Für jeden Geschmack ist sicherlich der passende Robin Hood zu finden. Klar ist doch dann, dass ein Ridley Scott einen ganz neuen Ansatz zu dem Verfechter der Armen finden will. Und so erzählt er uns von der Geburtsstunde des Rächers, davon, wie es überhaupt kam, dass Robin Hood in den Wald zog und gegen die Bösen anging. In diesem „Robin Hood“ begegnen wir daher dem Soldaten Robin Longstride (Russell Crowe), der nach langen Kriegsjahren auf dem Weg zurück nach England ist. Allerdings gerät der einfache Soldat in eine Intrige: König Löwenherz wird ermordet, sein Sohn John (Oscar Isaac) besteigt den Thron und verlässt sich voll und ganz auf die „klugen“ Ratschläge von Sir Godfrey (Mark Strong) hören. Der hat aber ganz andere Pläne und will Frankreich zu einer erfolgreichen Invasion verhelfen. Irgendwo in diesem Wirrwarr versucht Robin Longstride den letzten Wunsch eines Ritters zu erfüllen und lernt dabei die resolute Lady Marian (Cate Blanchett) kennen. Gemeinsam müssen sie sich nun gegen plündernde Banden und einen rachsüchtigen Godfrey verteidigen.

Irgendwie so soll also alles angefangen haben. Scott möchte scheinbar historisch so korrekt wie möglich sein und macht aus „Robin Hood“ eher einen Kriegsfilm als einen Abenteuerfilm. Das Ganze klingt zwar nach einem netten Ansatz, hat aber einen großen Hacken: Es funktioniert leider Gottes nicht auf 160 Minuten Film. Könnte es möglicherweise daran liegen, dass jeder andere „Robin Hood“-Film diese Vorgeschichte in knappen 15 Minuten abarbeiten und dann zur Sache kommt? Wahrscheinlich ist das schon. Scott erzählt nämlich unheimlich viel. Zugegeben, er verknüpft alle Handlungsstränge gekonnt zu einem Durcheinander an Intrigen, in dass der arme Robin Longstride eher durch Zufall als willentlich gerät, aber das zündet alles nicht. Anderthalb Stunden passiert so gut wie gar nichts, selbst die Erstürmung der französischen Burg zu Beginn des Films wirkt lahm. Authentisch, aber lahm. Gut, meine starke Abneigung könnte daher kommen, dass ich etwas komplett anderes erwartet habe. Wenn auf der DVD „Robin Hood“ steht, dann will ich auch „Robin Hood“: coole Waldverstecke, Überfälle auf dicke Reiche, wilde Bogenschieß-Künste. All das bekommt man bei Scott nicht.

Wäre ich vorgewarnt gewesen, dass es sich bei seinem „Robin Hood“ um eine Art Prequel handelt… hätte ich ganz darauf verzichtet und wäre zu Kevin Costners „Robin Hood“ gegangen. Aber man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Statt Costner nun also Crowe als Robin. Auch das funktioniert ehrlich gesagt nur bedingt. Irgendwie hat er mich dann doch zu sehr an seinen „Gladiator“ erinnert: Ein paar mutige Reden schwingen, ein bisschen kämpfen und fertig. Aber wie schon bei „Gladiator“ sind es auch bei „Robin Hood“ vor allem die Nebendarsteller, die Crowe den Hals retten und ihn als Held gut aussehen lassen. Allen voran Bösewicht Mark Strong. Der „Kick Ass“-Fiesling ist das Beste, was diese „Robin Hood“-Verfilmung zu bieten hat. Sein Godfrey ist der Inbegriff des intriganten Hof-Ratgebers: In Planung und in der Durchführung gnadenlos, dazu noch Glatzkopf und eine fiese Narbe – vor diesem Mann muss man sich einfach fürchten.

Für die Liebe wird mit Cate Blanchett auch noch gesorgt. Zwar gibt’s hier keine Bryan Adams-Songs, weil die Liebe noch nicht so heiß und innig ist, aber zumindest sorgt Ridley Scott mit dieser Pärchen-Bildung für etwas Auflockerung. Der achso-harte Alltag des Robin Longstride erhält dadurch fast schon einen komödiantischen Touch, bei dem Blanchett aber immer die Nase vorn hat.

Naja… ähnlich wie meine selbstgemachten Pfeile versagt Scotts „Robin Hood“-Prequel kläglich: Lange Zeit passiert gar nichts und dann ist der Film auch schon wieder vorbei. Das echte Robin-Hood-Feeling kommt nur in den seltensten Szenen auf. Scotts Film ist zwar handwerklich einwandfrei – gerade in den Schlachtenszenen zeigt er, was er kann – aber dem Film fehlt einfach Tempo und Esprit. Vielleicht hätte man es dabei belassen sollen, wie alle anderen es auch schon gemacht haben: fünf Minuten Vorgeschichte und dann richtig loslegen.

Wertung: 5 von 10 Punkten (der Pfeil hat nicht ins Schwarze getroffen – verzeiht den schlechten Wortwitz)

11 Kommentare leave one →
  1. 5. September 2011 10:07

    Was meiner Meinung nach auch nicht passt: Russell Crowe ist in einem Alter, in dem die Leute damals schon zum „alten Eisen“ gehörten. Das passt zu einem Prequel überhaupt nicht.

    • donpozuelo permalink*
      5. September 2011 10:12

      Da hast du natürlich Recht. Zumal damals die ganzen Kreuzritter wahrscheinlich eh alles junge Burschen gewesen sind. Es bleibt ja auch die Frage, ob es zu diesem Film eine Fortsetzung gibt, die den tatsächlichen Hood-Mythos aufleben lässt.

  2. 5. September 2011 12:06

    Oi, ich fand den deutlich besser. Mir hat das Bemühen um die Historie gefallen, könnte aber auch daran liegen, dass ich keinen üblichen Robin Hood erwartet habe. Ein simples Remake hätte mir aber auch lange nicht so zugesagt.
    Die Darsteller fand ich durchweg gut, natürlich auch Mark Strong, wenngleich er einem mit seinen ständigen bösen Rollen so langsam aber sicher auf den Nerv geht.
    Sicher nicht der Beste Robin Hood – denn das ist aufgrund von Kindheitsnostalgie einfach die Disneyversion 😉 – aber doch ein sehr guter.

    P.S. Kurz Klugscheißen muss auch noch sein. John ist nur der Bruder, nicht der Sohn von Richard Lionheart. ^^

    • donpozuelo permalink*
      5. September 2011 13:49

      Das Bemühen um die historie ist auch okay. Fand ich sogar sehr erfrischend. Ich glaube, bei mir lag’s echt daran, dass ich vorher tatsächlich nicht wirklich wusste, dass es sich um ein Prequel handeln soll. Nichtsdestotrotz, selbst mit diesem Wissen hätte der Film nicht sonderlich besser abgeschnitten. Er ist einfach zu lang und leiert seine Story ganz schön aus.

      Die Darsteller sind alle gut. Wie gesagt: Es ist für mich das „Gladiator“-Paradoxon. Crowe ist so lala, wird aber durch die guten Nebendarsteller aufgefangen.

      Und natürlich geht nichts über die Disney-Variante 😉

  3. 5. September 2011 12:47

    Der Ansatz hat mir deutlich besser gefallen als dir; mit medievalem Realismus kann ich sicher mehr anfangen als mit Waldschratromantik. Trotzdem hat Scott den Film gründlich in den Sand gesetzt, deiner Wertung würde ich mich darum anschließen. Bezeichnend, dass das Gelungenste an dem Film der Abspann ist.

    • donpozuelo permalink*
      5. September 2011 13:50

      😀 Ja, da hätte ich lieber etwas mehr Waldschratromantik gehabt.

  4. 6. September 2011 07:15

    Schade war ja, dass er im naheliegenden Vergleich mit Gladiator, wesentlich unbrutaler zur Sache ging. Allgemein ein scheiss Trend in Hollywood…auf Gewalt verzichten, nur damit man den Film ab 12 oder so machen kann.

    Ansonsten: Cate ❤

    • donpozuelo permalink*
      6. September 2011 08:07

      Ja, Cate ist tatsächlich ❤ 😉

      Das mit dem Gewaltverzicht ist wirklich schade. Aber die Besucherzahlen sollen ja stimmen. Und da braucht man dann den Film halt schon ab 12.

  5. 6. September 2011 13:35

    Russell Crowe ist in einem Alter, in dem die Leute damals schon zum „alten Eisen“ gehörten.

    Hä? Russell Crowe ist jung und schön , und er wird es ewig bleiben. 😉

    • donpozuelo permalink*
      6. September 2011 14:15

      Boah 😀 Geiles Bild. Ein Mann, nein, ein Robin Hood, so wie wir ihn uns vorstellen: Athletisch, jung und schön. Du hast Recht. Also wollen wir aufhören über Crowe zu lästern 😉

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