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Geschwisterliebe

29. August 2011

Jetzt mal im Ernst: Warum zur Hölle gelingt den Koreanern fast jeder Film, den sie anfassen??? Ich glaube, ich habe bis jetzt noch keinen Film, sei es Thriller oder Horror (die wohl beliebtesten Genres im Land), gesehen, der mich nicht auf die eine oder andere Art und Weise vom Hocker gerissen hat. Die Art, wie die Regisseure ihre Geschichten erzählen, ist grandios: Sie lassen sich fast immer die Zeit, ihren Figuren eine ganz persönliche Geschichte zu geben. Die Storys selbst sind in den seltensten Fällen irgendwelche 08-15-Dinger. Aber gut, ich spreche da jetzt auch nur von den Sachen, die ich bis jetzt selber gesehen habe: Mit großer Wahrscheinlichkeit gibt es auch da die Totalreinfälle – nur schaffen die es eben nicht mehr bis zu uns.

Die Sachen, die aber zu uns kommen, sind wirklich sehenswert und bekommen ja auch oft genug die zweifelhafte Ehre als US-Remake wiedergeboren zu werden. Doch gerade bei diesen Filmen bietet es sich an, das Original vorzuziehen. So auch bei „A Tale Of Two Sisters“. Wenn ich bei dem Film vorher gewusst hätte, dass es der gleiche Regisseur ist, der sich auch für „I Saw The Devil“ verantwortlich zeichnet, dann wäre ich besser vorgewarnt gewesen. Wusste ich aber nicht und bin den Film deswegen eher ruhig angegangen. Großer Fehler!!!

In „A Tale of Two Sisters“ lernen wir die Schwestern Su-mi (Im Su-jeong) und Su-yeon (Moon Geung-yeong) kennen, die nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie wieder nach Hause zurückkehren, wo sie der stille Vater (Kim Kap-soo) und die strenge Stiefmutter (Yeom Jeong-ah) auf sie warten. Wie wir im Laufe des Films erfahren, ist die Mutter der beiden Mädchen in diesem Haus gestorben, was die auftretenden merkwürdigen Ereignisse und die düsteren Erscheinungen erklären würde. Doch das, was die Schwestern befällt, ist nicht nur der Horror eines Geistes, sondern die Strenge der Stiefmutter.

„A Tale of Two Sisters“ ist also so was wie „Aschenputtel“, nur ohne Fee und ohne Prinz, dafür aber mit jeder Menge Horror. Und sogar Horror am helllichten Tag… das ist mit das Beste an diesem Film. Es sind keine dunklen Nächte, in denen die Mädchen von den unheimlichen Dingen des Hauses überfallen werden – es ist mitten am Tag. Gut, jetzt auch nicht die ganze Zeit, aber Kim Ji-Woon platziert die Stellen immer an der richtigen Stelle und teilweise mit recht widerlichen Effekten, die mir schon die ein oder andere Angstschweiß-Perle auf die Stirn getrieben haben. Viel wichtiger aber als die guten Horror-Effekte ist die durchweg düstere Geschichte, bei der man nie wirklich weiß, was denn nun eigentlich los ist. Man möchte den Vater anbrüllen, weil er so passiv ist, man möchte die Stiefmutter anbrüllen, weil sie einfach ein widerliches Monster ist und man möchte die beiden Mädchen anschreien, sie sollen doch bloss endlich davon laufen. Aber es nützt alles nichts und so müssen wir dieses Martyrium der beiden Schwestern miterleben.

Regisseur Kim Ji-woon gelingt mit „A Tale of Two Sisters“ ein Suspense-Horror-Mystery-Thriller, den man gesehen haben muss. Schleichender Horror, der einem beim Zuschauen hinter jeder Ecke und hinter jeder Tür etwas Neues, Schauerhaftes erwarten lässt. Und dieses Hinauszögern gelingt Kim Ji-woon perfekt. Einzig und allein bei der Auflösung zum Ende muss man wirklich höllisch aufpassen: Wenn der große Verwirr-Knoten gelöst wird, wird es etwas… wirr. In mehreren Rückblenden klärt sich die „Tale of Two Sisters“ auf. Das geht manchmal recht schnell und an einigen Stellen überlappen mehrere Rückblenden übereinander, sodass man erst am Ende alles in Ruhe zusammenfügen muss. Was dann aber ans Tageslicht kommt, dürfte selbst M. Night Shyamalan in seinen kühnsten Träumen nicht vorhergesehen haben.

„A Tale of Two Sisters“ ist genau die Art von stylischem Grusel-Streifen, bei dem Hollywood sich nur zu gerne die Remake-Finger leckt. Aber mit dieser Intensität kriegt man das nur einmal hin. Von daher sollte man sich lieber in die gruseligen Fänge von Kim Ji-woon begeben.

Wertung: 9 von 10 Punkten (gruselige Mär mit noch fieserer Auflösung)

7 Kommentare leave one →
  1. 29. August 2011 10:58

    Ich liebe den Film.

    Und ehrlich gesagt fand ich auch das „Remake“, welches sich ja mehr am Original orientiert als es zu kopieren, auch ganz in Ordnung.

    • donpozuelo permalink*
      29. August 2011 12:33

      Echt??? Mmh, dann kommt das Remake mal auf die Liste 😉

  2. 29. August 2011 11:03

    Klingt cool! Ich liebe ja auch koreanische Filme. =) Mir muss auch noch ein schlechter koreanischer Film unter kommen.

    • donpozuelo permalink*
      30. August 2011 17:36

      Willkommen!

      Ja, bis jetzt ist mir auch noch kein mieser koreanischer Film untergekommen. Aber sicherlich gibt’s die auch, nur finden die keinen Verleiher und so bleibt uns das Schlimmste erspart 😛

  3. luzifel permalink
    29. August 2011 16:18

    Wie heißt denn das Remake?

    • donpozuelo permalink*
      30. August 2011 09:30

      Ich glaube, „Fluch der zwei Schwestern“ 😉

Trackbacks

  1. Don’t mess with ze Sheriffnator! | Going To The Movies

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