Zum Inhalt springen

Über den Zaun – und weg

26. August 2011

Für gewöhnlich gebe ich ja immer sehr gerne damit an, wenn ich – jobbedingt – mit irgendwelchen Stars Interviews führen darf. Zum einen bedeutet das, ich kriege eine nette Pressevorführung, zum anderen darf ich mich fünf bis sechs Minuten in der Präsenz von Leuten wie J.J. Abrams, Daniel Craig oder Harrison Ford aufhalten. Blöd nur, dass es bei diesen Terminen immer ein striktes Foto-Verbot gibt, dass mich daran hindert, meine großen „Erfolge“ auch für die Nachwelt festzuhalten. Aber leider besteht meine Aufgabe dann auch immer wieder mal darin, Filme zu sehen, die ich mir freiwillig nun mal so gar nicht antun würde. Und das sind vor allem deutsche Filme. Und noch schlimmer wird’s bei deutschen Filmen mit DDR-Thematik.

Ich weiß nicht, woran es liegt, aber bei deutschen Filmen hatte ich bisher nur schlechte Erfahrungen und sperre mich deswegen mittlerweile schon von vornherein dagegen, mir sowas auch nur anzuschauen. Entweder sind es irgendwelche albernen Komödien oder ernst trockene Dramen oder Geschichtsschinken. Ganz besonders gruselig wird’s bei Filmen zum Thema rund um die DDR. Ich habe zwar die ersten sechs Jahre meiner Kindheit in der DDR gelebt (danach war sie dann weg), aber an so richtig viel kann ich mich nicht erinnern. Filme könnten da ja eigentlich gut nachhelfen – wenn es da nicht dieses Problem gäbe: Entweder es ist wieder ein bierernster Stoff oder eine Komödie.

Als ich nun also letzten Freitag erfuhr, dass ich mir den Film „Westwind“ anschauen muss, lief es mir kalt den Rücken runter: eine DDR-Geschichte nach wahrer Begebenheit. Zwei Schwestern fahren 1988 nach Ungarn – Rudertrainingslager am Ballaton. Auf dem Weg dorthin lernen sie zwei Jungen aus Hamburg kennen. Die eine Schwester verliebt sich in den anderen Jungen und der will sie dann auch gleich mitnehmen. Klang erst einmal wenig spannend. Meine Freude auf diesen Film (und die anschließenden Interviews) dementsprechend niedrig.

Sehr zu meinem Erstaunen änderte sich das aber während des Films. „Westwind“ ist zum Glück ein DDR-Film ohne DDR. Gut, die Klamotten und sowas alles schreien schon förmlich nach DDR (man denke nur an diese geilen mega-kurzen Hosen für die Herren…. Gruselig!!!), aber ansonsten konzentriert sich Regisseur Robert Thalheim doch viel eher auf seine Protagonisten Doreen und Isabel. Gespielt werden die von Friederike Becht und Luise Heyer. Und auch wenn die beiden Damen nicht verwandt sind, konnte ich sie während des ganzen Films nicht auseinander halten. Will sagen: Sie funktionieren wunderbar als Zwillinge (was die Original-Schwestern in dem „Nach einer wahren Begebenheit“ sind). Sehr schön spielen sie anfangs als wären sie eine Person. Doch nachdem Doreen sich mehr und mehr mit Arne (Franz Dinda) und weniger mit ihrer Schwester beschäftigt, bekommt diese Schwesternliebe starke Risse. Becht und Heyer liefern eine wirklich grandiose Darstellung ab, was mehr oder weniger den ganzen Film rettet.

Der Film selbst ist vorhersehbar bis ins kleinste Detail. Wenn Thalheim zwar auf die sonst üblichen DDR-Klischees verzichtet (außer auf Singen am Lagerfeuer und ein paar sehr systemtreue Volldeppen), bleibt er in der Dramaturgie seines Films sehr einfallslos und schlicht. Erst ein wenig komisch, dann ein bisschen romantisch, am Ende etwas dramatisch und ein optimistisches Happy End. Dazwischen werden ein paar „Mauer-Trennungssymbole“ wie Küsse durch den Zaun gepackt.

Wie schon gesagt, wenn die Schauspieler nicht wären, wäre dieser Film ein Schnarchfest geworden. So ist er aber der wohl erste deutsche Film seit langem, denn ich nicht sofort in der Luft zerreißen muss. Zwar würde ich dafür nicht freiwillig ins Kino gehen, aber als TV-Film ist der beste Unterhaltung.

Wertung: 7 von 10 Punkten (kurzweiliger Film mit recht überzeugenden Hauptdarstellerinnen)

2 Kommentare leave one →
  1. 26. August 2011 11:06

    Oh, ja. Deutsche Filme sind meistens auch nicht meins. Muss sich wohl aber bald ändern, wenn das Studium beginnt. Hoffentlich sind dann nicht viele DDR-Thematik-behaftete deutsch Produktionen im Plan…

    • donpozuelo permalink*
      26. August 2011 11:22

      Was studierst du denn dann demnächst, wenn deutsche Produktionen wohl auch dran kommen könnten???

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: