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Veni, vidi, vici

22. August 2011

Nein, ich habe mir keine der zahlreichen Asterix-Verfilmungen angeguckt, die momentan durchs TV-Programm geistern. Den Realverfilmungen kann ich als waschechter Fan gar nichts abgewinnen, während die Trickfilme an sich ja noch ganz in Ordnung sind. So richtig gut, sind aber nur die Comics – die alten zumindest.

Aber es geht ja hier nicht um Asterix, sondern um Caesar, der kam, sah und siegte. Und damit ist jetzt auch nicht der Julius gemeint, der von den Todgeweihten gegrüßt wird, sondern es geht wieder einmal um Affen. Ich schwöre, erst einmal zum letzten Mal, aber das muss jetzt noch sein. 😉 Angefangen hat diese Affen-Manie ja mit dem langen „Planet der Affen“-Filmmarathon im Fernsehen. Danach ging’s weiter mit der Überprüfung der Tatsache, dass auch ein Tim Burton mal so richtig tief in die Scheiße greifen kann und ein Remake schuf, dass zwar optisch nett war, aber sonst nichts. Und jetzt also die ganz neuen Affen, vor denen ich ja ein wenig Bange hatte: Braucht man das wirklich??? Burton hat’s doch schon nicht hinbekommen, ein Remake richtig gut zu machen, wozu also jetzt ein Prequel??? Aber viele Rezensionen und Kommentare stimmten mich dann doch um – einmal Affen mehr oder wenig würden ja jetzt auch nicht mehr schaden. Und ich kann nun verkünden: Die für mich zweite Kinoüberraschung des Sommers (nach „Super 8“) kam, sah und siegte mit dem etwas merkwürdigen Namen „Planet der Affen: Prevolution“.

Wer den vierten Affen-Film gesehen hat, der wird erkennen, dass wir es mit „Prevolution“ nicht nur mit einem Sequel, sondern auch einem Remake zu tun haben – wenigstens in Ansätzen. So hieß der junge Affe in Teil 4 auch schon Caesar und sorgte mit seinen Affen-Freunden für eine Rebellion gegen die gemeinen Menschen. Und auch in „Prevolution“ kommt es dazu. Vorher lernen wir jedoch, dass Caesar das Kind von Bright Eyes ist – eine Affen-Dame, an der der junge Wissenschafter Will Rodman (James Franco) ein Alzheimer-Mittel testet, mit dem er eigentlich seinen Vater (John Lithgow) retten will. Doch Bright Eyes dreht durch, die Geldgeber bekommen es mit der Angst zu tun und lassen alle Affen einschläfern. Nur Caesar kann Will retten. Der junge Affe wächst heran und wird ein richtig cleveres Kerlchen. Das sehen aber leider nicht alle so und so kommt es, dass Caesar in ein Primatenheim gesperrt wird, wo er zusammen mit anderen Affen unter der Tyrannei der Pfleger zu leiden hat. Caesar beschließt daraufhin den Ausbruch – mit all seinen Affen-Freunden, denen er vorher noch Wills Medikament vertreibt: Schließlich braucht er kluge Mitstreiter.

Ein Affe sieht rot! Und zum ersten Mal in der Geschichte der Reihe ist es tatsächlich ein Computer-Affe, aber was für einer. Schließlich steckt hinter all dem Motion-/ Performance-Capturing niemand geringeres als Andy Serkis selbst. Der war ja erst Gollum und dann King Kong höchstpersönlich. Der Mann hat also Erfahrung, was Affen angeht. Und sein Caesar ist wirklich großartig gespielt – Andy Serkis ist so gut, dass man teilweise sogar vergisst, dass man es nur mit einem animierten Tier zu tun hat.

Aber gute Affen haben auch Tim Burton nicht weitergeholfen. Das hat auch Regisseur Rupert Wyatt begriffen und sich ordentlich Mühe gegeben. „Planet der Affen: Prevolution“ ist ein zweiteiliger Film. Zuerst ist es die Geschichte eines jungen Mannes, der alles in seiner Macht stehende versucht, um seinen Vater zu retten. James Franco reicht hier zwar nicht an sein „127 Hours“-Erfolg ran, liefert aber dennoch eine ordentliche Darstellung ab. Man möchte seinem Will Rodman Skrupellosigkeit vorwerfen, wenn da nicht sein Wunsch wäre, seinen Vater zu retten. Skrupellos wird das Ganze erst durch diejenigen, die mit Will Geld machen wollen – und damit Mitverantwortliche beim Aufstieg der Affen werden. Die zweite Geschichte ist dann die Geschichte des Affen – und hier schlägt Wyatt eine Richtung ein, die ich nicht erwartet hätte. Caesars Erlebnisse im Primatenheim erinnern an ein Gefängnisdrama: Unschuldig eingesperrt kann Caesar seine Folter nicht lange hinnehmen, doch ist er intelligent genug, um zu wissen, dass er alleine nichts erreichen kann: Wyatt gelingt es – vor allem auch Dank eines großartigen Andy Serkis – eine sehr emotionale Affen-Geschichte zu erzählen, die im Aufstand der Unterdrückten endet. So viel politisches Statement hätte ich jetzt in diesem Affen-Film nicht erwartet, aber Wyatt inszeniert das gekonnt und mit einer sehr schönen Gänsehaut-Szene, die als die Schlüssel-Szene dieses Films lange in Erinnerung bleiben wird.

Man kann Wyatt nur gratulieren: Als Reboot à la „Batman Begins“ ist sein „Planet der Affen“ sehr gelungen. Wyatt erschafft eine neue Saga, ohne die alte zu vergessen: In zahlreichen, sehr liebevollen Anspielungen huldigt er den alten Affen, erschafft aber dabei eine neue Affen-Art, die in unsere Zeit passt. Die Möglichkeiten, die der Film für nachfolgende Filme offen lässt, sind dabei fast unbegrenzt. Die Frage ist nur, ob sie mit der gleichen Kreativität und Liebe zum Detail daherkommen werden wie dieser Film.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Andy Serkis, ich danke dir für diesen Caesar – und Rupert Wyatt, dir für einen sehr gelungenen Film)

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13 Kommentare leave one →
  1. 22. August 2011 08:22

    Also den Film empfand ich jetzt nicht gerade als soooo eine durchwegs positive Überraschung wie du. Sehr sehr unterhaltsam aber keiner, der mir lange im Gedächtnis bleiben wird.

    Aber die Effekte…also die Affen selbst, waren wirklich extrem beeindruckend. Schade nur, dass das von vielen Zuschauern gar nicht mehr wirklich gewürdigt wird.

    • donpozuelo permalink*
      22. August 2011 09:05

      😀 Vielleicht lag’s bei mir einfach daran, dass ich den Film erst gar nicht sehen wollte. Und im großen Ganzen der Affen-Filme ist „Prevolution“ schon ein Film, der – zumindest mir – im Gedächtnis bleiben wird (v.a. nach diesem Burton-Fiasko).

      Und die Affen waren wirklich, wirklich großartig. Im Trailer fand ich sie nicht so beeindruckend, aber wenn man sie dann im Film sieht, ist das wirklich toll.

    • 23. August 2011 15:33

      Ich glaube schon, dass der Film lange im Kopf bleibt. Im Gegensatz zu Popcorn-Kino wie Cowboys & Aliens hat der Film hier wesentlich mehr Story und Drama. Ich war wirklich sehr positiv davon überrascht, dass man nicht einfach einen Actionfilm daraus gemacht hat. Der würde wieder in einer potenziellen Fortsetzung drohen – ich hoffe, sie kommt nicht.

      • donpozuelo permalink*
        23. August 2011 16:04

        Mehr Story und Drama… da stimme ich dir vollkommen zu. Mich hat der Film in der Hinsicht auch ziemlich positiv überrascht. Und selbst wenn mal ein wenig Action dazu kam, war die gut durch die Story begründet und braucht sich (trotz Story 😉 ) nicht verstecken. Ich glaube, die Mischung ist bei diesem Film einfach extrem gut gelungen.

        Was potenzielle Fortsetzungen angeht, gehe ich sehr stark davon aus, dass sie kommen werden. Man muss ja denen, die sich die alten Filme nicht angucken mögen, erklären, wie es nun weiter geht 😉 (Plus… GELD!!!!!)

  2. Owley permalink
    23. August 2011 07:45

    Ich stimme dir zu, Don, Serkis ist wirklich brilliant, ich muss aber sagen, ich fand den Film zwar gut, denke aber, er wird doch ein bisschen über Wert verkauft. Es fehlt ein bisschen die Moral, auf die den ganzen Film durch hingearbeitet wird. Am Schluss sind alle Affen froh, und auch die Menschen tun, als wäre nichts passiert, was leider in Wahrheit nie so passiert wäre. Wenn man den Menschen schlägt, schlägt er immer zurück. Egal wen, und egal wie.

    • donpozuelo permalink*
      23. August 2011 07:50

      Du darfst dabei aber auch nicht vergessen, dass wir hier von Hollywood reden. Und dass der Film nichts anderes als eine Vorbereitung ist: Sobald der erfolgreich genug war, bekommen wir dann auch noch zu sehen, was passiert, wenn der Mensch zurück schlägt. Im Prinzip macht „Prevolution“ ja nichts anderes als die Grundlage zu bilden – wie es weitergeht, kennt man ja eigentlich auch schon durch die alten Filme.

      Und was die Moral angeht, das fand ich eigentlich durch die „Gefängnisszenen“ ganz gut abgedeckt: Frei nach dem Motto: „Was du nicht willst, das man dir tut…“ Klar hätte man das alles noch ein wenig besser ausarbeiten können, aber als Neustart fand ich das echt gut.

      Mal schauen, was danach so kommt 😉

      • Owley permalink
        23. August 2011 08:28

        Mir fehlte halt allgemein eine Reaktion der Menschen, nicht einmal in Form eines Schlags gegen die Affen, aber einfach irgendeine Reaktion. Nach der Brücke waren die Menschen nicht mehr wichtig, dabei hatten sie diese „Schlacht“ ja verloren, und waren damit ähnlich wichtig wie die Affen selbst.

        • donpozuelo permalink*
          23. August 2011 09:37

          Das stimmt. Aber wie gesagt, Teil 2 wartet bestimmt schon sehnsüchtig darauf, diese Frage zu beantworten. Wenn sie das in dem Film auch noch verbraten hätten, wäre das ein 3-Stunden-Knaller gewesen, denn auch keiner sehen will. So bleiben halt ein oder zwei Fragen offen und genug Stoff für den nächsten Teil.

  3. 23. August 2011 12:06

    Nun, wer den Abspann abgewartet hat, weiß ja, was mit den Menschen (zu großen Teilen) passieren wird. Insofern funktioniert der Film, aus meiner Sicht, als alleinstehendes Reboot sehr gut. Eine Fortsetzung bräuchte ich jetzt aber wirklich nicht, denn der Film ist zu gut geworden, als dass man ihn wieder ausschlachten sollte… Aber mit wem rede ich da? Hollywood wird schon dem Geld folgen…

    • donpozuelo permalink*
      23. August 2011 13:07

      Ja, eine Fortsetzung bräuchte ich zu dem Film eigentlich auch… obwohl es mich irgendwie schon auch interessieren würde, wie sie von diesem Film aus weitergehen würden 😉

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