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Wir wollen Kinderzähne!!!

17. August 2011

Vitamin B ist heutzutage extrem wichtig. Es ist immer gut, wenn du jemanden kennst, der jemanden kennt, der vielleicht weiß, wo es was für dich zu tun gibt. Man kann noch so gut sein, noch so tolle Ideen haben – aber kennst du niemanden, kennt dich niemand. Das trifft überall zu, aber besonders in der Filmbranche tut es immer gut, einen namenhaften Gönner zu haben. Jemand, der Vertrauen und – viel wichtiger – seinen eigenen guten Namen aufs Spiel setzt, um einen Neuling ein wenig nach vorne zu bringen. Dabei hat gerade so ein Regie-Neuling dann mit zwei Problemen zu kämpfen: 1) Der Name des Unterstützers steht fett auf dem Filmplakat, während man den eigenen irgendwo im Kleingedruckten suchen muss (Oh Mann, wie oft ärgere ich mich, wenn große Namen wie Tarantino und Co. auf so einem Plakat stehen, und erst bei genauerem hingucken steht da dann nur „Produziert von…“). Aber das könnte man alles noch ertragen, Punkt 2 ist da vielleicht schon etwas schlimmer: Statt die eigene Arbeit zu bewerten, wird der Neuling immer an seinem Ziehvater gemessen. Vergleiche sind unausweichlich – der eigene Stil kann da schon mal schnell vergessen werden.

Mit ähnlichen Problemen dürfte wohl auch Troy Nixey zu tun haben. Auch bei seinem Film wird zuerst der große namenhafte Regisseur genannt, der Nixeys Film aber nur produziert hat. Doch die Nennung wäre nicht so schlimm, wenn nicht auch gleichzeitig noch so viele Parallelen zu diesem guten Mann in dem Film zu finden wären. Der Einfluss von Guillermo del Toro springt einem bei „Don’t Be Afraid Of The Dark“ schon von Beginn an förmlich ins Auge.

Es geht um ein kleines Mädchen. Sally ist hier Name und die wird von ihrer Mutter zu ihrem Vater (Guy Pearce) und dessen neuer Freundin (Katie Holmes!!!) geschickt. Papas und Freundin sind gerade dabei, ein altes, altes Herrenhaus zu restaurieren. Für Töchterchen Sally bleibt da meist wenig Zeit, zumal das Kind eh recht störrisch ist und gar keinen um sich haben will. Auf ihren Touren durch den großen Garten entdeckt Sally schließlich einen alten Keller und in diesem Keller ein verriegeltes Gitter. Nun darf man Sally nichts vorwerfen. Sie ist noch jung und kennt sich wahrscheinlich im Horror-Genre nicht so aus: Aber sehr bald muss sie lernen, dass man verschlossene Türen oder Gitter in alten Häusern besser niemals öffnet, weil es immer einen wichtigen, wichtigen Grund für die Riegel gibt.

Reden wir gleich von Anfang an Klartext: „Don’t Be Afraid Of The Dark“ bietet einem nichts, was man nicht schon kannte. Und, der Trailer verspricht eindeutig mehr als man anschließend bekommt. Troy Nixey versucht sich hier an einem klassischen Stoff: altes Haus mit dunklem Geheimnis trifft auf junges neugieriges Mädchen. Das Ambiente dafür stimmt auf jeden Fall. Blackwood Manor ist ein Gruselhaus erster Klasse: alles schön dunkel, überall dunkles Holz, Regale, die sich verschieben lassen und ein Steinkeller voller Schatten. Atmosphäre hat „Don’t Be Afraid Of The Dark“ auf jeden Fall und eine wunderbare kleine Hauptdarstellerin dazu. Neben Bailee Madison sehen Katie Holmes und Guy Pearce recht blass aus. Obwohl man sich bei den beiden eh fragen muss, ob ihnen die lange Leinwand-Abstinenz so gut getan hat. Beide wirken hier recht austauschbar. Aber gut, um sie geht’s ja auch nicht. Die kleine Bailee Madison durchlebt in Nixeys Film brav all unsere Kindheitsängste: Sind die Monster unter dem Bett oder nicht? Sollte man wirklich das Nachtlicht ausmachen oder nicht? Kind allein in einem großen dunklen Haus zu sein, ist wirklich kein Zuckerschlecken.

Wie gesagt, bis hierher macht Nixeys Film noch eine passable Figur. Zumal er es schafft, neben seiner eigenen auch die Handschrift del Toros im Film deutlich werden zu lassen. Dabei bietet sich bei „Don’t Be Afraid Of The Dark“ vor allem ein Vergleich zu „Pans Labyrinth“ an: da hätten wir das kleine Mädchen, dass sich vor der Realität verkriechen möchte. Da erinnert selbst Sallys Wanderung durch den Garten von Blackwood Manor irgendwie sehr stark an eine gewisse Ofelia die sich ihren Weg durch das Labyrinth des Pans bahnt. Viel von der Magie des Pans scheint auch in Sallys Garten zu stecken. Nur leider gibt es hier keinen guten Pan, sondern nur widerliche Monster, die mit leisem Flüstern Kinderzähnen fordern und doch nur allzu gerne Sallys neue Freunde werden sollen.

Wie immer glaubt anfangs niemand an die Geschichten, die Sally erzählt – schließlich hat keiner die Viecher jemals gesehen. Aber irgendwann sehen wir sie und erkennen auch an ihnen sofort den del Toro-Touch für recht skurrile Viecher. Leider sieht man die Viecher dann ein wenig zu oft, dazu kommt dann noch eine etwas verworrene Hintergrundgeschichte, die alte Kindersagen mit etwas Horror aufpeppen will, aber einfach zu viele Lücken offen lässt. Leider wirken die Viecher dann nach einer Weile auch reichlich albern und nerven am Ende nur noch.

Ich bin nun, was „Don’t Be Afraid Of The Dark“ angeht, sehr zwiegespalten. Wenn ich es gut meinen würde mit dem Film, müsste es wie folgt heißen: „Troy Nixeys Film ist eine wunderbare Hommage an die alten ‚Haunted House‘-Filme mit einer großartigen Protagonisten und einem wirklich schaurigen alten Gemäuer voller dunkler Geheimnisse, in dem Nixey unseren Kindheitsängsten ein Gesicht gibt.“ Wäre ich weniger gut auf den Film zu sprechen, müsste es wie folgt lauten: „Der Film liefert nichts Neues, es gibt ein paar Gruseleffekte, die einen langjährigen Filmfan nur zu einem müden Gähnen anregen können. Zudem ist die Geschichte doch sehr unausgereift und lässt einiges zu wünschen übrig.“

Tja, was soll man da noch sagen: Irgendwie ist „Don’t Be Afraid Of The Dark“ irgendwo zwischen diesen beiden Aussagen. Nur genau festnageln könnte ich es jetzt nicht. Zum Glück, kann ich nur sagen, habe ich den Film im Kino gesehen. Auf dem heimischen Fernseher würde gerade in Punkto Atmosphäre noch einiges flöten gehen.

Wertung: 5 von 10 Punkten (wird ein wenig zu märchenhaft albern am Ende, um wirklich guter Horror zu sein)

8 Kommentare leave one →
  1. 17. August 2011 07:47

    Och… 😦

    Aber ich freue mich trotzdem.

    Und: „Produziert von…“ geht ja noch. Viel schlimmer ist es, wenn es gar nichts mit dem Namen zu tun hat. Neulich gelesen: „Der Film, von dem sich QUENTIN TARANTINO zu KILL BILL inspirieren liess.“ Und die beiden Namen natürlich riiiiieeeesig.

    DAS ist übel.

    Und 2: Deine Werbung zu unterst geht ja mal gar nicht klar. Wenn schon Werbung, dann für irgendwas cooles. Und nicht so Dumme-User-Fallen.

    • donpozuelo permalink*
      17. August 2011 08:05

      Oh ja, da hast du Recht. Filme mittlerweile nur noch als Inspirationsquellen anzupreisen ist wirklich noch fieser als das „Produziert von…“

      Und was bitte, meinst du mit Werbung??? Wo mach ich denn Werbung???

      • 17. August 2011 09:14

        Ich schwöre bei meinen ungeborenen Kinderheerscharen, da war vorhin zwischen Artikel und Kommentarbereich eine Werbung à la „Sie sind der 10000. Besucher“.

        WTF?

        • donpozuelo permalink*
          17. August 2011 09:56

          WTF zurecht!!!! Was ist denn das für ein Scheiß??? Ich seh’s bei mir nur leider nicht. Böses WordPress!!! Ich werd mich mal schlau machen.

  2. 17. August 2011 11:47

    Ich hab mich nämlich noch gewundert… 🙂

    • donpozuelo permalink*
      17. August 2011 13:37

      Bei mir hat’s der Ad-Blocker gleich verschwinden lassen. Aber es ist auch komisches Ding – mal taucht es auf, dann ist es wieder weg. WordPress hat jetzt von mir eine „freundliche“ Mail bekommen. Mal gucken, was die dazu sagen 😉

  3. 22. August 2011 13:09

    Wollte ich mir eigentlich auch beim Fantasy Filmfest angucken, komme aber durch das bald startende Studium + Wohnungssuche zumindest nicht in den Genuss des Filmfests. Hoffentlich läuft er dann später auch so in Kinos.

    • donpozuelo permalink*
      22. August 2011 13:32

      Naja, der wird auf jeden Fall in die Kinos kommen – da musst du dir keine Sorgen machen.

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