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Affe-Mensch-Beziehung

15. August 2011

Ich bin kein Kaffeetrinker. Geht bei mir einfach nicht. Ich bekomme das Zeug nicht runter. Versucht habe ich das vielleicht zwei oder drei Mal, aber mit jedem Versuch wurde es schlimmer und man hätte mich getrost mit dem Spruch „Möchtest du noch etwas Kaffee zu deinem Zucker?“ anmachen können. Also habe ich es gelassen und mir somit eine wichtige Koffein-Zufuhr versperrt. Was in der Hinsicht kein großes Problem darstellt, weil ich irgendwann auch mal gerne schlafen gehe. Letztens hätte ich aber Kaffee doch gut gebrauchen können, schließlich gab endlich mal was, wofür es sich lohnte lange wach zu bleiben: Unser aller Lieblingssender Kabel 1 bescherte uns nämlich kürzlich eine „Lange Nacht der Affen“, wenn man es so nennen möchte. Zum Kinostart von „Planet der Affen – Prevolution“ gab’s vier Filme der Original-Reihe: „Planet der Affen“, „Rückkehr zum Planet der Affen“, „Flucht vom Planet der Affen“ und „Eroberung vom Planet der Affen“. Viele Affen also, die ich mir einfach mal ansehen musste – auch wenn man eigentlich schon genau weiß, wie alles ausgeht.

Es geht los

Teil 1 also: Charlton Heston landet als Astronaut Taylor aus unerfindlichen Gründen mit seinem Raumschiff auf einem fremden Planeten. Hier muss er erkennen, dass die Affen die Herrscher sind und die Menschen nur stumme Versuchsobjekte.

Keine Ahnung, ob 1968 wirklich jemand geglaubt hat, dass ein Film über sprechende Affen profitabel sein könnte oder nicht. Schließlich hätte die größte Gefahr darin bestanden, dass sich die Leute über die Affen halb tot lachen. Ist ja auch egal, ist zum Glück nicht passiert. Was Regisseur Franklin Schaffner mit der Verfilmung des gleichnamigen Romans da abliefert, ist schließlich ein Klassiker geworden. „Planet der Affen“ ist nämlich nicht nur ein einfaches Sci-Fi-Spektakel, sondern gleichzeitig ein recht kritischer Film, der sich die Affen nur als Gleichnis nimmt. Auch bei denen herrscht Rassentrennung untereinander (v.a. Schimpanse vs. Orang Utan), die Menschen werden behandelt wie Vieh, was dazu noch durch eine strenge religiöse Schrift gerechtfertigt wird. Was der Film uns eigentlich sagen will: „Egal, ob Mensch oder Affe, Intelligenz bedeutet nicht gleich Intelligenz.“ Höher entwickelt zu sein, macht die Affen also auch nicht zu besseren Menschen, weswegen der einzig intelligente Mensch – der Charlton – etwas dagegen tun muss. So wird „Planet der Affen“ zur Mitte hin fast schon ein Gerichtsdrama, in dem Höherentwicklung und Überlegenheit diskutiert wird – etwas, dass ich in einem Charlton-Heston-Film nie vermutet hätte.

Doch neben all der Gesellschaftskritik, die der Film erstaunlich überzeugend (trotz Affenmasken) rüberbringt, ist „Planet der Affen“ auch ein Sci-Fi-Action-Film. Taylor flüchtet und versucht, das Geheimnis um den Planeten zu lüften.

Doch hier entfaltet der Film dann seine ganze Macht, denn Hestons Befreiungsversuche sind zum Scheitern verurteilt. Jetzt ist es natürlich schade, dass „Planet der Affen“ zu einem absoluten Klassiker des Science Fiction geworden ist und regelmäßig zitiert wird: Man kennt schon zu Beginn das Ende. Aber zum Glück schadet das dem Film nicht, im Gegenteil. Ich habe jetzt zum ersten Mal diesen Film vollständig gesehen und er ist einfach super-spannend, eben weil die Geschichte bis zum Schluss nicht verrät, was es mit dem Planeten auf sich hat.

Es geht weiter

Nachdem man in Teil 1 gelernt hat, was der „Planet der Affen“ wirklich ist und dass der arme Charlton Heston für immer verloren scheint, kommt Teil 2 mit dem Titel „Rückkehr zum Planet der Affen“. Wie jetzt, Rückkehr??? Heston ist in Teil 1 doch nie weggekommen. Genau, stattdessen kommt jetzt James Franciscus als Astronaut Brent auf der Suche nach Taylor auf den Planeten (ebenfalls aus unerfindlichen Gründen) und was findet er? Wieder Affen. Aber ein zweiter Teil wäre langweilig, wenn er wie der erste wäre und so gibt es plötzlich menschliche Mutanten, die unter der Erde eine Atombombe als Gottheit anbeten.

Aber es gibt nicht nur Veränderungen bei den vorher nur stummen Menschen, auch bei den Affen gibt’s neues: aggressive, kriegshungrige Gorillas, die nichts lieber tun wollen als alle Menschen zu vernichten – denn „nur ein toter Mensch ist ein guter Mensch.“ So hat Teil 2 also trotz meiner anfänglichen Zweifel einiges zu bieten: etwas mehr Action, ein paar mehr Affen in Kriegsmontur und ein drastisches Ende, das eigentlich weitere Teile komplett ausschließt.

Es geht bergab

Wer aber Hollywood kennt, der weiß, dass nie wirklich Schluss ist und so geht es 1971 fröhlich weiter… und leider auch steil bergab. In „Flucht vom Planet der Affen“ befinden wir uns in der Gegenwart in den USA. Gerade ist ein Raumschiff abgestürzt, doch als es geborgen wird, entsteigen ihm drei Affen, die kurz vor dem Ende des zweiten Teils mit dem Raumschiff aus dem ersten Teil davongeflogen sind und wieder aus unerfindlichen Gründen in der Gegenwart der Menschen landen. Was hier eigentlich gemacht wird, ist folgendes: Die Erschaffung eines der ersten Prequels!!!

Die Teile 3, 4 und 5 (den Kabel 1 mir vorenthalten hat) verdeutlichen, dass die Ereignisse aus Teil 1 – Taylor stürzt mit seinem Raumschiff über dem Planet der Affen ab – dazu führen, dass die Affen überhaupt erst die mächtigen Herrscher werden (schließlich benutzen die Äffchen in Teil 3 Taylors Raumschiff und bekommen dann den Affen, der sie alle vernichten wird – also die Menschen) Aber irgendwie ist die Luft aus der Geschichte trotzdem raus: Vielleicht liegt es daran, dass den Filmen dieser Sci-Fi-Flair mit Wüstenlandschaften fehlt, vielleicht sind es einfach zu viele „intelligente“ Menschen neben intelligenten Affen, aber Teil 3 und 4 sind furchtbar langweilig.

Also was geht?

Teil 1 und sogar Teil 2 sind super. Teil 1 ganz klar der Klassiker und Teil 2 ein schöner Beweis dafür, dass Fortsetzungen hin und wieder sogar funktionieren können. Beide Filme bilden eine recht gute Einheit. Teil 2 schließt unmittelbar an die Ereignisse des ersten Teils an und wir bekommen sogar noch einmal Charlton Heston in einer kleinen Nebenrolle zu Gesicht. Aber besonders gelungen ist den Machern – neben guter Story – die Affenmaskerade. Ich hätte es ja nicht für möglich gehalten, aber es sieht nicht albern aus. Stattdessen gelingt es selbst durch die Masken überzeugend Emotionen zu vermitteln.

Dass wird auch noch in den Fortsetzungen weitergeführt, allerdings wird die Story dann sehr vernachlässigt – ein früher Fehlgriff auf den Franchise-Zug aufzusteigen. Die ersten beiden Teile hätte vollkommen ausgereicht.

In diesem Sinne: Seid netter zu Affen!

Wertung:

Teil 1 und 2: 8 von 10 Punkten (Klassiker schlechthin und eine gute filmische Einheit mit spannender Geschichte und tollen Affen)

Teil 3 und 4: 5 von 10 Punkten (muss man sich nicht mehr antun – aber es gehört ja zu einer Reihe irgendwie dazu 😉 )

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22 Kommentare leave one →
  1. 15. August 2011 11:16

    Wo bleibt Teil 5?

    Ich fand Teil 3 übrigens um Klassen besser, als den wirklich nervigen 2. Teil. Aber das ist wohl Geschmackssache…

    • donpozuelo permalink*
      15. August 2011 11:23

      Das war die große Kabel-1-Affen-Nacht. Aus welchen Gründen auch immer haben sie uns Teil 5 vorenthalten. Den muss ich dann so mal nachreichen 😉

      😀 Geschmackssache ist ein gutes Stichwort… gerade bei den Filmen ist das wohl von besonderer Bedeutung.

  2. 15. August 2011 11:28

    Äh, ich dachte das spilet irgendwie alle auf der Erde? Kommt Taylor in Teil 1 nicht nach NYC? Wieso fliegen jetzt Menschen (oder Affen?) von Planet zu Planet?
    Och, jetzt bin ich verwirrt. Dabei hatte ich gedacht, die Filme (Teil 1und 2) begriffen zu haben

    • donpozuelo permalink*
      15. August 2011 12:37

      Ich wollte nicht spoilern (für die, die es noch nicht wissen), aber ja, du hast Recht. Es spielt alles auf der Erde. Taylor fliegt irgendwie in die Zukunft und landet in der Nähe von New York. Danach reisen dann die Affen irgendwie in die Vergangenheit und landen wieder bei den Menschen.

      Das Ganze wird eher unspektakulär erklärt…. soll heißen, wird gar nicht richtig erklärt, aber was soll’s 😉

  3. 15. August 2011 16:56

    ich kenn ja nur den von Tim Bruton und den neuen geh ich mir wahrscheinlich vielleicht auch ansehen…aber irgendwie kann ich bei einem Film mit affen in kleidern nie richtig ernst bleiben Stichwort: Hangover 2 😉

    • donpozuelo permalink*
      15. August 2011 16:59

      😀 Ja, Affen in Kleider sind schon etwas gewöhnungsbedürftig. Bei Burton sehen die ja etwas besser aus, aber im Original ist das schon recht befremdlich 😉

  4. 16. August 2011 10:14

    Super Einleitung, as usual. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      16. August 2011 11:32

      😀 Danke!!! Kaffee wäre sicherlich hilfreich gewesen. Teil 4 habe ich immer nur bruchstückhaft gesehen 😉 Scheiß Sekundenschlaf.

  5. 17. August 2011 07:50

    Der erste Film ist wirklich ein Klassiker, könnte ich mir immer wieder anschauen. Der Burton Film ist zwar auch nicht schlecht, aber auch schnell wieder vergessen. Prevolution dagegen… hat mich überraschend ziemlich umgehauen. Da wurde nicht einfach die Actionkarte gezogen, sondern man hat eigentlich ein Drama in Sciene-Fiction Gestalt gemacht.

    • donpozuelo permalink*
      17. August 2011 08:03

      Ok, damit hat’s sich erledigt. Von allen Seiten höre ich, dass Prevolution ziemlich gut ist, dann werde ich ihn mir jetzt auch anschauen gehen 😉

  6. Dr. Borstel permalink
    18. August 2011 11:07

    Ich habe ehrlich gesagt noch nie einen von denen gesehen, geschweige denn Burtons Remake. Reizt mich ehrlich gesagt auch nur mäßig. 🙂 Aber toll geschrieben!

    • donpozuelo permalink*
      18. August 2011 13:54

      Magst du etwa die Vorstellung nicht, in die Zukunft zu schauen, von Affen beherrscht zu werden oder NRA-Präsident Charlton Heston halbnackt zu sehen??? 😉

      Also Teil 1 ist, wie gesagt, ein Klassiker, den man sich irgendwann ruhig mal anschauen kann.

  7. 22. August 2011 13:04

    Teil 1 und 2 lohnen sich doch alleine wegen der halbnackten Schönheit Linda Harrison als stumme Nova 😉
    Ne, im Ernst. Der erste Film war klasse. Teil 2 erst durch das Finale wirklich gut und danach musste ich aus Gründen der Müdigkeit aufgeben. Offensichtlich habe ich nicht viel verpasst und bin dennoch für den heutigen Abend gerüstet. Die Prevolution ruft!

    • donpozuelo permalink*
      22. August 2011 13:30

      Die stumme Nova 😉 Die Frau hat mir irgendwie schon leid getan: Spielt in beiden Filmen mit und darf doch kein einziges Wort sagen…

      Du hast wirklich nicht viel verpasst und kannst dich mit „Prevolution“ auf einen wirklich guten Affen-Neuanfang freuen (siehe neusten Artikel 😉 )

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