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Jeder läuft davon!

5. August 2011

Die Zukunft, das große unbekannte Morgen! Was da wohl auf uns zukommen mag? Wie gut, dass wir Hollywood für solche wichtigen Fragen haben. Ich fand’s ja schon immer großartig, wie Science Fiction-Filme uns die Zukunft vorstellen: fliegende Autos, Roboter im Haushalt, Weltraum-Kolonien und so weiter und so fort. Die Möglichkeiten hatten nur in der Fantasie ihre Grenzen. Manches war abgefahren, anderes recht überzeugend. Das einzige, was mich wirklich immer gestört hat, war die Zeit. Gerade bei älteren Filmen steht dann da „Die Welt im Jahr 2000“ und alles sieht unglaublich aus. Und dann guckt man nach draußen und vermisst Jet-Pack-Rucksäcke, schwebende Autos und Roboter im Haushalt. Tja, manchmal ist man in Hollywood dann doch nicht so innovativ wie gedacht.

Aber… die Zeiten ändern sich. Realismus muss her. Wir sind mittlerweile so abgebrüht, dass man uns nicht mehr jeden Mist als Zukunftsvision verkaufen kann. Wir wollen Realismus, Gegenstände, die es tatsächlich irgendwann mal geben könnte, wir wollen echte Visionen. Und Hollywood bemüht sich. Und noch viel intensiver hat sich Steven Spielberg bemüht. Während seine Zukunftsvision in „A.I.“ noch relativ kunterbunt war, hatte sich Spielberg für sein Nachfolge-Projekt richtig ins Zeug gelegt. Mit Hilfe von sogenannten Zukunftsforschern wurden mögliche Trends und Entwicklungen für das Jahr 2054 erstellt. Und es sind tatsächlich ein paar interessante Sachen dabei herausgekommen. Zum Beispiel die elektronische Zeitung, die sich nach den neusten Nachrichten ausrichtet; zielgerichtete Werbung, die sich an den bereits getätigten Einkäufen orientiert; Identifikation über die Augen und selbst fahrende Autos. Das klingt doch gleich alles viel überzeugender, nicht wahr. Und gleichzeitig hilft das Ganze auch Herrn Spielberg bei der Finanzierung seines Films: Schließlich zeigt die Autofirma Lexus gleich mal seine neuste Auto-Studie.

Realismus ist also genug vorhanden, fehlt nur noch eine gelungene Science-Fiction-Story, um all das zu präsentieren. Und wo geht Hollywood als erstes hin, wenn man eine gute Story sucht??? Richtig, es wird wieder einmal der famose Mr. Philip K. Dick in Anspruch genommen. Spielberg nimmt sich seine Kurzgeschichte „Minority Report“ und macht daraus „Minority Report“ mit Tom Cruise in der Hauptrolle.

Im Jahr 2054 gibt es Washington, D.C. keine Morde mehr. Die Abteilung Precrime unter Führung von John Anderton (Cruise) kann mit Hilfe von drei Precogs Verbrechen verhindern, bevor diese überhaupt passieren. Das System scheint zu funktionieren und soll bald in den USA eingesetzt werden. Aber es gibt ein Problem, dass in Form von Danny Witwer (Colin Farrell) vom Justizministerium auftaucht: Sind die Verurteilten wirklich schuldig, wenn sie das Verbrechen noch gar nicht begangen haben??? Doch bevor er philosophische Fragen beantworten kann, wird Anderton durch die Precogs selbst beschuldigt, einen Mord zu begehen. Anderton glaubt an eine Verschwörung und versucht nun – als Gejagter – seine Unschuld zu beweisen.

Spielberg at his best, würde ich mal einfach so sagen. „Minority Report“ hat wirklich alles, was gute Sci-Fi-Unterhaltung braucht. Tom Cruise überzeugt als gehetzter Held mit zahlreichen Gewissensbissen, die Action überzeugt mit gekonnter Inszenierung, Spielberg überzeugt dank fantastischer Bilder und einer spannenden Geschichte. Natürlich könnte der Nörgler in mir jetzt wieder sagen, dass gerade die philosophischen Fragen, die Dick in seiner Kurzgeschichte aufwirft, etwas zu kurz kommen. Die Frage, ob die Verurteilten nun tatsächlich schuldig sind, obwohl sie noch nichts verbrochen haben, wird nur ein, zwei Mal aufgeworfen. Aber schließlich sind wir hier nicht im Philosophie-Unterricht, sondern in Hollywood. Und „Minority Report“ gehört definitiv zu den sehenswerteren Verfilmungen von Dick. Spielberg greift die Grundidee der Geschichte auf, macht sie aber irgendwie auch zu seiner eigenen. Was auch wichtig ist, um daraus einen wirklich spannenden Film zu machen. So bekommen die Precogs etwas mehr Spielraum im Film, Anderton wird vom alten Mann zu einem jüngeren, dynamischeren und die Auflösung, was es denn nun mit diesem mysteriösen „Minority Report“ auf sich hat, ist etwas angenehmer zu verstehen als bei Dick.

Mit „Minority Report“beweist Spielberg, dass er immer noch weiß, wie man es richtig macht. „Minority Report“ gehört definitiv zu den besten Sci-Fi-Filmen des noch jungen Millenniums und gehört in jede gute Dick-Sammlung.

Wertung: 9 von 10 Punkten (geniale Zukunftsvision von Spielberg – spannend und realistisch zugleich)

13 Kommentare leave one →
  1. 5. August 2011 10:56

    Eine der wenig würdigen Dick-Verfilmungen. Dessen Rechte sind einfach zu leicht zu habe…siehe beispielsweise Next.

    Minority Report aber ist wirklich fantastisch. Einer meiner absoluten Lieblings-Science-Fiction-Filme.

    • donpozuelo permalink*
      5. August 2011 14:16

      Stimmt, neben „Blade Runner“ tatsächlich eine mehr als nur gelungene Dick-Verfilmung.

  2. 5. August 2011 13:33

    Ich mag den Film auch sehr. Sehr schöne Zukunftsatmosphäre, die Dick wenigstens noch erahnen lässt. Sollte ich auch mal wieder schauen.

    • donpozuelo permalink*
      5. August 2011 14:17

      Zukunftsatmosphäre ist wirklich gelungen, aber dafür hat Mr. Spielberg ja auch Spezialisten angeheuert. Den Dick erahnt man auch an einigen Stellen, hätte aber ruhig noch ne Prise mehr sein können.

  3. 5. August 2011 14:25

    Minority Report hat es einfach geschafft eine glaubwürgie Zukunft im Film zu zeigen, genau wie bei I Robot oder 6th Day

    • donpozuelo permalink*
      5. August 2011 15:22

      Auf jeden Fall: Es ist Science Fiction ohne übertrieben Science Fiction zu sein.

      • 5. August 2011 16:55

        Obwohl schaut man nicht Science Fiction gerade wegen der Science Fiction? 😀

        • donpozuelo permalink*
          5. August 2011 20:17

          Irgendwie schon… 😀

  4. 9. August 2011 15:00

    Klingt sooo gut, will ich gucken – aber da gibt es auch noch so viel anderes derzeit 😀

    • donpozuelo permalink*
      9. August 2011 16:48

      „Minority Report“ ist klasse. Da kann alles andere auch kurz mal warten 😉

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