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Kamera läuft!

3. August 2011

Der Mann mir gegenüber sieht aus wie ein ganz normaler Typ. Anzug, Hemd, kaut noch schnell das herunter, was auch immer er gerade im Mund hat. Auf jeden Fall sieht der Mann vor mir nicht gerade so aus, als wäre er eine Art neue Steven Spielberg. Aber gut, woran erkennt man das schon??? Was man auch nicht sieht, ist die Tatsache, dass J.J. Abrams an diesem Tag wahrscheinlich kein Tageslicht sehen wird. Stattdessen sitzt er in diesem kleinen Zimmer, um neugierige Fragen von noch neugierigen Journalisten zu beantworten.

Unter den neugierigen Journalisten im Vorzimmer sitze auch ich. Ein wenig nervös gehe ich noch einmal den Film durch, den ich gerade in einer exklusiven Pressevorführung zu sehen bekommen habe: „Super 8“. Abrams neuester Blockbuster erzählt von einer Gruppe von Kindern, die eigentlich nur einen kleinen Zombie-Film drehen wollen. Bei nächtlichen Dreharbeiten an einem Bahnhof beobachten die Kids um „Visagist“ Joe (Joel Courtney), „Hauptdarstellerin“ Alice (Elle Fanning) und „Regisseur“ Charles (Riley Griffiths), wie ein Zug der US-Airforce entgleist. Was sich allerdings erst auf dem Super-8-Material der Kamera zeigt, ist ein undefinierbares Etwas, das aus einem der Waggons entflieht. Ein Etwas, dass bald die gesamte Kleinstadt terrorisiert und den finsteren Colonel Nelec (Noah Emmerich) auf den Plan ruft, der mal eben mit allen Panzern und Soldaten auftaucht.

Was soll ich den guten Abrams nur fragen – zu diesem Film? Dass er ein Meister des Geheimhaltens ist, wird schon beim Trailer deutlich: man erfährt einfach nicht viel, man sieht kein Monster, man weiß nicht wirklich viel. Aber man wird neugierig. Nur kann ich Abrams doch mit so einer Tatsache nicht langweilen. Dass er seit „LOST“ und Co. Dinge geheim halten kann, wissen wir. Ich kann ihm höchsten gratulieren – und das ist es dann auch, was ich tue, nachdem mich die gute Frau von der PR-Agentur zu ihm rein bittet: Ein gelungener Film, sage ich ihm. Ein wirklich toller Film. „It was mint“, sage ich (ein Ausdruck aus dem Film) und Abrams lacht laut. Das erste Eis scheint gebrochen 😉

Aber wie geht’s weiter? Soll ich ihm sagen, dass ich selber auch mal Kurzfilme gedreht habe und das mich sein Film sehr an diese Zeit erinnert hat? Nein, blöde Frage. Aber der Film lebt sehr von diesen komischen Momenten, wenn die Kinder ihren Zombie-Kurzfilm drehen. Gleichzeitig wird durch dieses Element auch deutlich, dass es sich bei „Super 8“ nicht wirklich um einen Monsterfilm handelt: „To me the very first idea for this film was “There will be a film called Super 8 about kids making movies in the late 70ies” – that was just the first thought.” Danach habe er gleich Steven Spielberg angerufen, der ebenfalls begeistert von der Idee gewesen ist. Als alte Super-8-Filmer scheint es fast so, als würden sowohl Abrams als auch Spielberg, der hier nur als Produzent fungiert, ein Stück Kindheitserinnerung verfilmen.

Und so wird aus „Super 8“ kein Monsterfilm, sondern ein fast schon nostalgischer Film. Nicht nur, weil er in den 70er Jahren spielt, sondern weil er mal wieder eine richtige Geschichte erzählt, in der nicht die Effekte, sondern die Charaktere das Sagen haben. Spannungsaufbau beherrscht Abrams ja aus dem Effeff. Und so gibt’s am Anfang eine fiese Explosion mit viel Krawall und Radau, mehr aber nicht. Stattdessen beginnt der Horror die kleine Stadt ganz leise zu befallen und wieder sind es nur die Kinder, die hier die erste Ahnung haben, was wirklich passiert sein könnte. „Super 8“ entwickelt sich dabei sehr stark in die Richtung von „Stand By Me“ oder „The Goonies“: Kinder erleben gemeinsam ein aufregendes Abenteuer und lernen dabei eine Menge über sich selbst.

Es geht um Freundschaft, aber auch darum, dass viele dieser Kids viel zu früh erwachsen werden müssen. Und gerade die Hauptfigur Joe hat damit schwer zu kämpfen, weil es sein Vater ist, der ihn immer wieder unter Druck setzt. Den Super-8-Film mit seinen Freunden zu drehen, ist da eine Angelegenheit, die ihn noch in der Kindheit hält. Und obwohl die jungen Schauspieler zum Teil zum ersten Mal vor der Kamera stehen, überzeugen sie bereits auf ganzer Linie. Für Abrams liegt das daran, dass sie noch nicht wirklich vom Hollywood-System versaut worden sind: „It was great because they weren’t jaded, they weren’t cynical, they weren’t professional, and they weren’t like that bad Hollywood kid that felt fake and plastic. These were just real kids who also could act and that was fantastic.

Natürlich darf man auch nie vergessen, dass irgendwo im Abspann der Name Steven Spielberg steht und so ist „Super 8“ auch eine Hommage an Steven Spielberg: „The movie was inspired not just by being a kid making movies, but by being a kid who loved movies, being a kid who was influenced enormously by the cinema of that era and Steven was probably the most influential director – certainly for me, but probably for many people.” Man merkt den Spielberg-Faktor recht deutlich in „Super 8“, was aber in jedem Fall positiv gemeint ist. Nach all seinen Action-Krachern beweist Abrams, dass er ein würdiger Nachfolger für Hollywoods Märchenonkel wäre, der es versteht, eine spannende Geschichte zu erzählen, mit der alle zufrieden sein können: es gibt Explosionen, es gibt eine richtige Handlung, es gibt glaubwürdige Charaktere und ein – zugegeben – etwas kitschiges Ende, dass man aber verschmerzt, weil es Abrams gelingt, die Auflösung lange geheimzuhalten.

„Super 8“ ist auf jeden Fall ein gelungener Film, den man sich ruhig im Kino anschauen sollte. Wer sich dann ins Kino setzt, der sollte unbedingt den Abspann abwarten, dann gibt’s nämlich den im Film gedrehten Kurzfilm in voller Länge. Und er ist ebenfalls grandios.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Abrams goes Old-School und es ist großartig geworden)

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18 Kommentare leave one →
  1. 3. August 2011 09:31

    Klingt gut! Mal wieder ein Grund, ins Kino zu gehen

    • donpozuelo permalink*
      3. August 2011 11:07

      Willkommen!!!

      Ja, der Film ist wirklich gelungen. Passt fürs Kino genau.

  2. 3. August 2011 10:07

    Ich freue mir einen ab. Und gönne dir die Bekanntschaft mit Herrn Abrams. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      3. August 2011 11:13

      Danke, danke.

      Der Film hat mich echt sehr positiv überrascht, eben weil es nicht nur Monster-Action ist.

      (Und darf ich mich an dieser Stelle auch bei dir bedanken: Ich find’s immer krass, dass – egal, wie lange du weg bist – du dir immer fleißig alle Sachen hier durchliest und kommentierst. Da hast du echt einen Platz in meinem Blogger-Herz für verdient 😉 )

      • 3. August 2011 11:29

        Mache ich ja freiwillig und somit ja offensichtlich auch gerne. 🙂

        Aber Bitteschön.

  3. 3. August 2011 10:32

    Nun bin ich durchaus noch interessierter, mir diese Nostalgiepackung anzusehen. 😀

    • donpozuelo permalink*
      3. August 2011 11:14

      😀 Gut, dann macht sich die Provision von J.J. also doch bezahlt!!! Nur fleißig weiter so!

  4. luzifel permalink
    3. August 2011 10:55

    Cool! Glückwunsch zu deinem sozialen und journalistischen Aufstieg ^^

    PS: Bin auf den Film gespannt..

    • donpozuelo permalink*
      3. August 2011 11:15

      😀 Danke, danke. Aber warte mal, wer mich nächste Woche (möglicherweise) erwartet. Dann ist der Aufstieg absolut perfekt!!!

  5. 4. August 2011 01:13

    Der Film ist wirklich überrschend gut vielleicht die grösste Überraschung dieses Jahres…btw. hab ich schon gesagt wie sehr ich dich beneide 😦

    • donpozuelo permalink*
      4. August 2011 09:40

      Dass mit der größten Überraschung des Jahres trifft bis jetzt voll und ganz zu, das stimmt. Aber noch ist es ja zum Glück nicht vorbei. 😉

  6. 8. August 2011 20:09

    Lese ich mir durch, wenn ich den Film gesehen habe – die Wertung konnte ich mir dann doch nicht verkneifen 🙂

    • donpozuelo permalink*
      9. August 2011 08:43

      Guck dir den an. Eine der großen Kino-Überraschungen (zumindest für mich) in diesem Jahr.

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