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Die Insektenflüsterin

27. Juli 2011

Der geneigte Anime-Fan weiß sofort etwas mit dem Namen Hayao Miyazaki anzufangen. Und alle die den Namen kennen, wissen das Miyazaki ein wahrer Naturfreund ist. Für alle, die sich jetzt nicht so sehr mit Miyazaki auskennen: In fast jedem seiner Film spielt die Natur eine essenzielle Rolle. In „Prinzessin Mononoke“ sind es die verletzten Götter des Waldes, die auf die Menschen losgehen, in „Chihiros Reise ins Zauberland“ treffen wir unter anderem einen verdreckten Flussgott. Miyazakis wichtigste Botschaft ist immer wieder: „Achtet die Natur!“ Und für die heutige Zeit ist das immer wieder eine gute Botschaft – zumal Miyazaki nie den direkten Zeigefinger hebt, sondern alles in einer spannenden Geschichte verpackt.

Seinen größten Beitrag zum Thema „Achtet die Natur!“ liefert Miyazaki mit einem jungen Mädchen, das nach einer Prinzessin aus Homers Odyssee benannt worden ist: Nausicaä. Miyazakis „Nausicaä aus dem Tal der Winde“ stellt uns eine furchtbare Welt vor. Nach den sieben Tagen des Feuers hat der Mensch die Natur fast komplett zerstört. Statt Flora und Fauna herrscht das „Meer der Fäulnis“, in dem giftige Pilzsporen dafür sorgen, dass sich dieses Meer immer weiter ausbreitet und die Menschen mehr und mehr bedroht. Die einzigen, die in dieser Umgebung überleben können, sind Insekten. In dieser unwirtlichen Welt muss die junge Prinzessin Nausicaä den Menschen deutlich machen, dass sie nicht gegen ihre Umgebung kämpfen sollen. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Miyazaki erzählt mit „Nausicaä“ keine brave Kindergeschichte. Die Figuren sehen zwar vielleicht ganz niedlich aus, Nausicaä bekommt auch das obligatorische Tierchen an die Seite, aber wer jetzt an Disney-Romantik denkt, der ist hier fehl am Platze. Nausicaäs Welt ist eine von Bedrohung und Krieg. Bedrohungen lauern überall, fremde Invasoren und die Insekten. Allerdings müssen wir bald erkennen, dass weder die Insekten noch das „Meer der Fäulnis“ eine Bedrohung darstellen. Doch was Nausicaä und wir wissen, wollen die Menschen im Land nicht wahrhaben. Und wieder droht Krieg, wieder gibt es Tote und Leid. Miyazaki verpackt seine Botschaft unter viel Drama und viel Terror und lebt seinen Traum vom Fliegen gleich noch mit dazu aus.

Nausicaä selbst ist eine begabte Fliegerin und auch viele Schlachten werden in der Luft geführt. Das sorgt im Film für dieses „Top Gun“-Gefühl und ist Adrenalin pur. Miyazaki lässt riesige Ungetüme von Flugzeugen und leichte Segler los. Die Flieger-Action verbunden mit der Geschichte machen „Nausciaä aus dem Tal der Winde“ zu einem sehr, sehr sehenswertem Anime.

Einen DICKEN Wermutstropfen gibt es dennoch: Miyazaki verfilmte hier seinen eigenen Manga, bestehend aus sieben Bändern. Der Film umreißt, mit einigen Änderungen, gerade einmal die Anfänge des Mangas, der sich in einen riesigen Krieg stürzt und die Grundfesten der gesamten Welt erschüttert. Ich habe damals – wie es sich gehört 😉 – zuerst den Manga gelesen und war schwer beeindruckt. Als ich dann hörte, dass Miyazaki das Ganze dann auch selbst in einen Film gepackt hatte, war ich begeistert. Immerhin hat das schon bei „Akira“ gut funktioniert, wenn der Autor des Mangas auch ganz hinter dem Film steht.

Bei „Nausicaä“ war das leider nicht der Fall. Für mich endete der Film mitten im Nirgendwo, den großen weiten Weg, den Nausicaä noch vor sich hat, bleibt Miyazaki seinen Zuschauern schuldig. Lest das jetzt aber bitte nicht als Kritik am Film, der ist in sich abgeschlossen, schlüssig und – ich wiederhole es gerne nochmal – sehr sehenswert. Im Fall von „Nausicaä aus dem Tal der Winde“ stellt sich demnach nur ein Problem: Zu viel Wissen ist schlecht!!! In diesem Sinne sollte man sich vielleicht lieber erst den Film anschauen und danach den Comic zur Hand nehmen, um zu wissen, wie es wirklich ausgeht.

Aber – ich will’s noch einmal sagen – der Film ist großes Kino. Man spürt Miyazaki in jeder Figur und bekommt die Naturschutzlektion auf anschauliche Art und Weise vorgesetzt.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Lest, wenn ihr könnt, den Manga! Nausicaäs Welt wird dadurch sehr viel größer. Wenn nicht, dann bietet auch der Film beste Unterhaltung.)

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25 Kommentare leave one →
  1. Owley permalink
    27. Juli 2011 09:04

    Ich glaube ja, das Beste ist, beide Versionen, also Film und Manga als zwei paar Schuhe zu betrachten. Der Manga ist so weit ich ihn gelesen habe, sehr umfangreich und dadurch imho sehr verworren, dafür ist er optisch ein Highlight – der Film ebenfalls, aber er ist einfach das Ganze in Light, und endet irgendwo im 2. oder 3. Band des Manga. Als eigenständiges Werk ist er aber sehr gelungen, und diente offensichtlich ein bisschen als Inspiration für Mononoke.

    Der Film selber ist wirklich gut, stellenweise ist er aber auch nicht gefeit vor der Abgedrehtheit des Manga. Sprich – zeitweise ist es echt verwirrend, und manchmal musste ich wirklich gut aufpassen, um zu wissen, wer mit wem ist. 😉 Und manchmal merkt man dem Film sein Alter stark an.

    Anyway, gerade angesichts der Fukushima-Story finde ich, dass er sehr sehr aktuell war, mit der Atom-Kriegs-Thematik, auch wenn die seit Jahrzehnten eben schon aktuell ist. Which I find ein bitzeli recht traurig.

    Zum Thema Natur und Miyazaki fällt mir noch ein, dass er ja jährlich mit einigen Helfern neue Bäume pflanzt, wobei diese meist in erster Linie wegen Miyazaki hinfahren. Wie ein (ehemaliger) Mitschüler von mir: http://denkyo.blogspot.com/2011/01/one-morning-with-hayao-miyazaki.html

    Finde ich noch eine interessante Story 🙂

    • donpozuelo permalink*
      27. Juli 2011 12:19

      Ja, du hast Recht. Man muss das Ganze wirklich getrennt sehen. Wie gesagt, für den Film selbst ist zu viel Wissen schlecht. Es ist einfach so. Wenn man den Manga kennt, enttäuscht diese Light-Variante schon ein wenig. Ohne Vorwissen ist es aber ein großartiger Film.

      recht hast du auch, was die Verworrenheit des Mangas angeht. Mit diesen ganzen Bürgerkriegsgeschichten und wer gegen wen muss man doch sehr aufmerksam lesen. Zumal auch die Geschichte im Tempel am Ende etwas wirr ist. Das hat Miayazaki aber beim Film vermieden. Dadurch dass er diese Light-Variante ist, kann man dem Ganzen recht gut folgen, wie ich finde.

      Und was Miyazakis Mission angeht: Ich finde es immer wieder toll, wie eindringlich er auf diese Umwelt-Themen eingeht, ohne dass es dem Film schadet. Im Gegenteil, es fesselt einen umso mehr.

      • 27. Juli 2011 12:57

        Ich finde, er geht auf eine respektvolle Art mit dem Thema Natur und Mensch um, er hebt – wie du sagst – nicht den Mahnfinger, aber er zeigt den Zuschauern auf, was passieren kann, indem er die den Zuschauer lieben Protagonisten mit den Folgen konfrontiert.

        Ich glaube, beim Tempel war ich noch nicht, ich hab nur Band 1 – 3 oder 1 und 2. 🙂

        • donpozuelo permalink*
          27. Juli 2011 18:00

          Ja, der Tempel kommt erst zum Ende 😉

  2. 27. Juli 2011 10:05

    Wieder mal herrvoragend geschrieben ich glaube in letzter zeit bist du ziemlich dem asiatisachen Kino zugetan odr 😉 ja Nausicaä ist sicher einer von Miyazakis besten Filmen auch wenn ich Chihiro fast noch eine Spur besser finde. Das mit dem abprupten Ende stimmt natürlich aber der Meister weigert sich ja hartnäckig Fortsetzungen zu drehen…

    • Owley permalink
      27. Juli 2011 11:16

      *pfeif* Das kommt davon, wenn man sich nicht mehr für Anime-News interessiert – Klick me 😉

      • 27. Juli 2011 12:57

        Ts das ist schon seit Ewigkeiten angekünkdigt wenn man wieder was konkretes im Raum steht reden wird weiter aber bis dahin…

      • Owley permalink
        27. Juli 2011 16:31

        Womit es trotzdem ein Sequel ist… und bleibt. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      27. Juli 2011 12:22

      Danke schön. Ja, in letzter Zeit schon, was aber auch daran liegen könnte, dass ich mal alle Animes rausgekramt habe, die ich so im Regal zu stehen habe und damit den Mittwoch bei mir zum inoffiziellen Anime-Rezension-Tag gemacht habe.

      Chihiro ist deswegen eine Spur besser, weil die Geschichte ausgereifter ist. Bei Nausicaä merkt man wahrscheinlich selbst als nicht Manga-Kenner, dass da etwas fehlt. Um allerdings mehr Filme daraus drehen zu wollen, hätte Miyazaki den Film selbst ganz anders angehen müssen. Beispielsweise hätte dann der riesige Gigant nicht so schnell sterben dürfen (nur so als Hinweis 😉 )

      • 27. Juli 2011 12:54

        Stimmt, ich fand die ganze Titan-McGuffin-Sache recht komisch, da bauschen sie die ganze Zeit auf, wie schlimm er ist (was er ja auch war), und dann wird er so einfach weggehauen 😦

  3. 1. August 2011 15:46

    Ich kenne den Manga noch nicht, werde das aber nachholen. Bis dahin halte ich „Nausicäa“ aber schon mal für den vielleicht besten Miyazaki. Die Story mag ihre Längen haben, mich hat der Film aber so sehr berührt, wie das nur selten ein Trickfilm schafft.

    • donpozuelo permalink*
      1. August 2011 19:49

      Wenn dir der Anime schon so gut gefällt, dann ran an den Manga. Der ist richtig, richtig gut 😉

  4. Owley permalink
    2. August 2011 01:28

    La La Lalala La La, La La Lala La.

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