Skip to content

I am Tetsuo!

20. Juli 2011

Katsuhiro Otomos Manga „Akira“ war einer meiner ersten Comics. Ich weiß noch genau, dass ich mir alle sechs Bänder auf einmal gekauft habe und mich meine Mutter nur fragte, ob ich einen Knall hätte. Es sah schon ein wenig lustig aus – immerhin ist jeder Band so dick wie ein Telefonbuch. Gekostet hatte mich der Spaß auch einiges, aber es war sein Geld wert. Und ist es immer noch. Schließlich ist der Manga nicht nur für mich von Bedeutung – es war in Deutschland immerhin die erste komplett veröffentlichte Manga-Serie überhaupt. Dass „Akira“ dazu noch ein Meilenstein der Comic-Geschichte braucht man nicht noch extra erwähnen.

In sechs dicken Bändern erzählt Otomo von einer düsteren Zukunft in Neo-Tokio, dass sich nach einer verherrenden Zerstörung im Chaos befindet. Straßengangs treiben ihr Unwesen, Freiheitskämpfer versuchen, die Macht des Militärs zu vernichten und das Militär versucht zu vertuschen, dass es selbst Schuld an der Zerstörung von Tokio ist. In dieser Welt lernen wir Kaneda kennen, Führer einer Motorrad-Gang. Kaneda und seine Freunde tun eigentlich nichts lieber als die Schule zu schwänzen und andere Gangs aufzureiben. Bei einer Verfolgungsjagd wird Kanedas bester Freund Tetsuo vom Militär gefangengenommen. Während Kaneda versucht, Tetsuo zu finden, werden an dem Experimente durchgeführt, die seine telepathischen Fähigkeiten verstärken. Diese Experimente führt das Militär schon länger an Kindern durch und diese Experimente waren es auch, die zur Zerstörung Tokios führten – ausgelöst durch einen Telepathen namens Akira. Während Tetsuos Fähigkeiten (durch seinen Zorn und seine Angst) ansteigen und dabei denen Akiras gleich kommen, schließt sich Kaneda Freiheitskämpfern an, um seinen Freund vor dem Militär zu retten. Aber Tetsuos Kräfte werden so stark, dass bald alle ihn fürchten müssen.

In fast 2000 Seiten schildert Otomo – mit zahlreichen Nebensträngen – die Geschichte von Tetsuo und Kaneda, ohne dabei den Überblick zu verlieren oder die Geschichte ins Stocken geraten zu lassen. „Akira“ als Manga ist absolut lesenswert. Da stellt sich ja fast schon wieder die Frage, wie es möglich sein kann, das alles in rund zwei Stunden Film zu packen. Wenn man überlegt, dass „Der Herr der Ringe“ als Buchreihe fast genauso lang ist und insgesamt drei Filme brauchte, um alles zu erzählen.

Zum Glück aber hat sich Otomo einfach selber daran gesetzt, aus seinem Monumentalwerk einen Anime zu machen. Dabei verzichtet er weitesgehend auf die vielen Nebenhandlungen und konzentriert sich voll und ganz auf Kaneda und Tetsuo. Was sich anfangs nur nach einem Endzeit-Film anhört, wird zu einem Film, der durchaus ernste Töne anschlägt und am Ende sogar etwas philosophisch wird (und nebenbei irgendwie auch an Kubricks „2001“ erinnert). Mit dem Anime zeigt uns Otomo eine Welt am Abgrund voller Gewalt und Hass. Eine Welt, die einen Neuanfang bitter nötig hat. Ein Neuanfang, der aber nicht für lau daherkommt.

In „Akira“ geht es nämlich ordentlich zur Sache. Es ist kein braver Anime mit niedlichen Figuren und Zauberkräften. Die Gewalt der Straßengangs ist gnadenlos, Otomo lässt nichts aus, sondern hält ordentlich drauf. Das spritzt das Blut, da zerplatzen Köpfe und Kugeln durchlöchern Körper.

Der gesamte Film – nicht nur bei der Gewaltdarstellung 😉 – lebt von Otomos Detailvernarrtheit: „Akira“ ist ein bildgewaltiges Meisterwerk – es gibt in einem Bild nicht nur die Figuren im Vordergrund. Auch im Hintergrund sind tausende Dinge am Laufen. Die Zeichner begnügen sich nicht damit, einfach nur die Geschichte zu erzählen – sie hauchen ihr Leben ein. Es gibt so viele Details, so viel zu entdecken, dass man sich quasi gar nicht dran satt sehen kann. Otomos „Akira“ zeigt zwar ein kaputtes Tokio, aber eins, das immer noch sehenswert ist.

Obwohl der Manga so ein Mega-Epos ist, gelingt es Otomo, die hauptsächlichen Fragen zu übernehmen. Damit will ich eigentlich folgendes sagen: Es ist nicht so wie bei Miyazakis „Nausicaä“. Da ist der Manga richtig gut, während der Anime nicht einmal die Hälfte der Geschichte erzählt. Diesen Fehler macht der Anime „Akira“ nicht: Da er sein eigenes Werk filmisch umsetzen darf, weiß er ganz genau, was er auslassen kann.

Sehenswert ist „Akira“ auf jeden Fall für jeden Anime-Fan. Wer sich aber wirklich dafür interessiert, dem empfehle ich zuerst den Manga.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Cyberpunk vom Feinsten – so muss das aussehen!)

Advertisements
20 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    20. Juli 2011 08:46

    Hört, hört! Ich wollte den Manga immer schon mal lesen. Mal sehen wo ich den her bekomme.. Der Anime hat mich damals tief beeindruckt und zusammen mit dem Ghost in the Shell meine Leidenschaft für Anime und Manga entzündet. Volle Zustimmung!

    Grüße

    • donpozuelo permalink*
      20. Juli 2011 11:15

      Der Manga ist wirklich sehr lesenswert, der Manga sehr sehenswert. Gehört wohl in die Kategorie „Meilenstein des Genres“.

      Soll ja leider Gottes demnächst auch eine Hollywood-Echt-Verfilmung dazu geben. Brrrrrrr….

  2. 20. Juli 2011 11:17

    Bei der Realverfilmung sind sie wieder mal kein Stück weiter 😀

    • donpozuelo permalink*
      20. Juli 2011 11:57

      Gott sei Dank!!! Warum muss etwas, dass schon so perfekt wie nur möglich ist, noch einmal gemacht werden??? (Und sag nichts: GELD; GELD; GELD).

  3. 20. Juli 2011 12:41

    Vom Manga hatte ich einmal die ersten zwei Bände gelesen. Fand ich ziemlich stark. Auch der Film hatte mich damals beeindruckt, wenngleich mich bei Animes oft die doch sehr überkörperlichen Monster (auch hier am Ende) stören.

    • donpozuelo permalink*
      20. Juli 2011 15:50

      Dann fehlen dir beim Manga nur noch vier Bände 😉

      Diese überkörperlichen Monster mochte ich eigentlich auch nie, aber in „Akira“ wird das Ganze ja noch glaubwürdig erklärt, warum es so sein muss.

  4. 3. August 2011 09:56

    Bin beim Manga erst bei Band 3. Der Film wartet aber bereits auf mich. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      3. August 2011 11:11

      Ich wiederhole mich gerne: Der Manga ist genial. Und der Film ist auch genial… wenn auch verkürzt genial 😉

Trackbacks

  1. Zombie-Amazone « Going To The Movies
  2. Manga-Mania in Hollywood « Going To The Movies
  3. Die Insektenflüsterin « Going To The Movies
  4. Was würdest du tun? « Going To The Movies
  5. Der Metall-Fetischist | Going To The Movies
  6. Meine Filme für die Insel | Going To The Movies
  7. Der Sci-Fi-Western-Horror-Priester | Going To The Movies
  8. Einmal und dann gern immer wieder | Going To The Movies
  9. Information overflow | Going To The Movies
  10. Blogparade: Buch vs. Film | Going To The Movies
  11. Rasen für die Liebe | Going To The Movies
  12. Doppelt was zu feiern!!! | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: