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Noch ein zorniger Riese

18. Juli 2011

Was habe ich doch für ein Glück: Noch vor einigen Wochen war ich noch um Ausreden verlegen, warum ich nur den „Hulk“-Film mit Edward Norton gesehen habe. Schließlich war das ja nicht der erste Film über das grüne Ungeheuer, das demnächst mit Iron Man, Thor und Co. im Kino für Gerechtigkeit sorgen wird. Wie es der Zufall nun so wollte, gab’s jetzt auch den alten „Hulk“, den Film von Ang Lee im Fernsehen. Und ich sah es als meine Pflicht an, diesen Film ebenfalls zu sehen. Allein schon des Vergleiches wegen. Und weil der Edward Norton als Hulk irgendwie nicht so cool war.

Ang Lee – beim ihm flogen Schwertkämpfer anbetungswürdig durch Bambuswälder, da kamen sich Cowboys in freier Natur näher und jetzt wird ein Wissenschaftler zu einem grünen Monster. Im Gegensatz zu Louis Leterrier fängt Ang Lee ganz vorne an, sogar richtig weit vorne – also noch vor der Geburt von Bruce Banner: Dessen Vater experimentiert fürs Militär, um das menschliche Immunsystem zu verbessern und Selbstheilung möglich zu machen. Aber Menschenversuche verbieten die Militärs – also spritzt sich Banners Vater das Zeug selbst. Und besiegelt so auch das Schicksal seines Kindes, dass wenig später gezeugt wird. Der kleine Bruce wächst mit diesen Genveränderungen auf, ohne etwas davon zu wissen. Als junger Mann und Professor führt Bruce (jetzt Eric Bana) Experimente durch, die in die gleiche Richtung gehen wie die seines Vaters (von dem er aber denkt, er wäre tot). Den Rest der Geschichte kennen wir: Ein Experiment geht schief, Gamma-Strahlung tritt aus, Banner wird (dank der Gen-Veränderungen) zum Hulk.

Man könnte meinen, dass an der Geschichte von „Hulk“ nicht viel verändert werden kann. Und nachdem ich jetzt beide „Hulk“-Filme kenne, muss ich mich schon fragen, warum dieser zweite Film überhaupt notwendig war. Auch wenn ich nichts mit „Hulk“ anfangen kann, liefert Ang Lee eindeutig die bessere Verfilmung des Stoffes ab.

Leterriers neuerer „Hulk“ beschränkt sich nur auf die Action: Militär jagt Hulk, erschafft fiesen Anti-Hulk, beide kloppen sich. Die Figuren bleiben dabei relativ blass, die Handlung vorhersehbar und der Film ist gerade mal Comic-Verfilmungsdurchschnitt. Ang Lee gibt sich da schon ein wenig mehr Mühe: Bruce Banner bekommt eine kleine Vorgeschichte – die ist jetzt zwar auch nicht tiefgründig ausgebaut, dient aber als Grundlage für eine interessante Vater-Sohn-Geschichte. Denn Papa Banner ist nicht tot, sondern beobachtet seinen Sohn fleißig. Nick Nolte gibt als wirrer Wissenschaftler mit Vorliebe für Hunde eine gute Performance ab. Besser als die Jagd des Militärs ist da die Jagd des Vaters auf seinen Sohn. Während Sohnemann sich gegen den Hulk wehrt, will der Vater es weiter erforschen. Ang Lees „Hulk“ bekommt dadurch einen besseren Gegner als nur einen blöden Anti-Hulk. Banners Vater verfügt – durch seine Selbstexperimente und ebenfalls eine Gammastrahlen-Explosion – auch über äußerst interessante Fähigkeiten, die dem Hulk ordentlich zusetzen.

Was mir aber richtig gut an Ang Lees Verfilmung gefallen hat, war die Tatsache, dass man es dem Film ansieht: „Hier geht’s um einen Comic!“ Besonders auffällig wird das – natürlich – an den häufigen Split-Screens. Eine witzige Idee – wie im Comic verfolgen wir das Geschehen auf mehreren kleinen Kästchen, die Ang Lee dabei auch noch recht kunstvoll ineinander übergehen lässt. Dazu kommt, dass sein grünes Ungeheuer etwas künstlicher aussieht, gleichzeitig aber besser an Eric Banas Gesicht angepasst ist als Leterriers Hulk an Edward Norton. Und für Skeptiker wie mich hat Lees „Hulk“ auch einfach mehr drauf: Riesensprünge, bei denen sich Lee garantiert an seinem eigenen „Tiger and Dragon“ bedient hat; Kämpfe gegen mutierte Riesenhunde, das Militär und gegen den eigenen mutierten Vater.

Großer Gewinner im Kampf „Hulk“ gegen „Hulk“ (Oh, neue Idee für Hollywood???) ist damit für mich Ang Lees Version. Insgesamt etwas liebevoller was die Figuren angeht, insgesamt etwas Comic-gerechter, insgesamt ein etwas besserer Hulk.

Wertung: 9 von 10 Punkten (coolerer „Hulk“ als der Nachfolger – ich bin dann mal gespannt, wie der „Rächer“-Hulk so wird)

13 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    18. Juli 2011 07:03

    Hm.. Ich glaube ich muss mir beide Filme nochmal reinziehen um hier zu deinem Vergleich Stellung zu beziehen.

    Grüße

    • donpozuelo permalink*
      18. Juli 2011 07:30

      Mach das! Fang aber mit Ang Lees Film an, dann stimmt auch die Reihenfolge der Filme. Das macht Leterrier nämlich ganz gut: er greift ein wenig das Ende von Ang Lee auf und macht da weiter.

  2. 18. Juli 2011 08:34

    Also bitte 9 punkte ist das nicht ein bisschen zu hoch angesetzt? Fand da den „Incredible Hulk“ besser.

    • donpozuelo permalink*
      18. Juli 2011 10:00

      Zu hoch angesetzt??? Finde ich auf keinen Fall. Ich habe ja jetzt den unmittelbaren Vergleich ziehen können, und da schneidet Ang Lees Film bei mir persönlich eindeutig besser ab. Allein schon der Vergleich zwischen Edward Norton und Eric Bana ist offensichtlich: Bana ist tausendmal besser als Norton, der in seinem Hulk-Film recht blass wirkt.

  3. 18. Juli 2011 09:31

    Da hab ich dir wohl nicht zu viel versprochen 😉
    Wie beim anderen zornigen Riesen bereits erwähnt, auch für mich ist das hier der um Längen bessere Film und so ziemlich aus den selben Gründen, die du auch für dich entdeckt hast. Besserer Hulk, besserer Antagonist, mehr Comic. Guter Film. Auf den man (kleine Anekdote voraus) damals im Kino hierzulande zwei Wochen länger warten musste, da die Multiplexkinos wegen der hohen Kopiekostenforderungen des Studios den Start boykottierten.

    • donpozuelo permalink*
      18. Juli 2011 09:54

      Echt??? Ein Hulk-Boykott??? Das hat den Hulk bestimmt sehr wütend gemacht 😉 Hoffentlich war das nicht ausschlaggebend dafür, dass der Film so mies angekommen ist beim Publikum. Ich finde den nämlich wirklich um Längen besser als den anderen. Aber wie gesagt, ich bin jetzt schon sehr gespannt, wenn Mark Ruffalo grün wird.

  4. 18. Juli 2011 13:41

    Oi, wir sind mal verschiedener Meinung. ^^
    Ich habe den auch im Fernsehen nochmal gesehen und fand ihn irgendwie ziemlich schlecht. Gerade das von dir angesprochene Comic-Splitscreen ging mir nach einer Weile einfach nur noch auf die Nerven.
    Der Vater-Sohn-Konflikt war dafür gut gemacht und auch die Fähigkeiten von Banner Sr. waren interessant. Hat das Ganze für mich aber dennoch nicht retten können.

    • donpozuelo permalink*
      18. Juli 2011 14:22

      😀 Wir können ja nicht immer einer Meinung sein. Wie gesagt, ich fand die Split-Screen-Geschichte echt gut und auch nicht zu übertrieben oft eingesetzt, aber auch nicht zu wenig. War zumindest eine schöne Hommage an Comics selbst.

      Interessant ist halt, dass beide Filme zwar die gleiche Figur haben, aber sich dann scheinbar doch an ein unterschiedliches Publikum zu richten scheinen. Oder vielleicht liegt’s nur an mir 😉

      • 19. Juli 2011 09:18

        Nöö, da haste schon Recht. Wenn man sich die beiden Regisseure ansieht aber auch nicht verwunderlich. 😉
        Ich hoffe einfach, dass der Ruffalo-Hulk beim nächsten Mal alles besser macht. Und wenn nicht, haben wir immer noch Captain America, den Iron Man und THor; das geht dann auch schon so klar. 😀

  5. 19. Juli 2011 22:13

    Hui, also ich fand beide schlecht und ziemlich unansehbar, aber ich glaube Dir recht geben zu müssen, dass der hier einen Tick besser ist 😉

    • donpozuelo permalink*
      20. Juli 2011 06:39

      😀 Naja, der „Hulk“ ist halt schwer einzuordnen.

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