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Ein wahrer englischer Gentleman

13. Juli 2011

Ein adretter englischer Gentleman mit Mantel und Hut löst schwierige Kriminalfälle, in dem er einfach Beweise sammelt, Leute befragt und scharfsinnig kombiniert, um auf des Rätsels Lösung zu kommen. Bei dieser Beschreibung hätte man früher automatisch gesagt: „Klar, der redet doch über Sherlock Holmes!“ Aber der gute Mr. Holmes ist mittlerweile Schnee von gestern (trotz Wiederbelebungsversuche durch Guy Ritchie), ein neuer Mann sorgt jetzt für Recht und Ordnung, indem er Fälle löst. Dabei ist der gute Mann, um den es geht, nicht einmal ein richtiger Detektiv, sondern nur ein ziemlich schlauer Professor. Natürlich, es geht um Professor Layton, den Sherlock Holmes der Neuzeit.

Lange habe ich warten müssen, bis ich mich mal intensiv mit dem Herrn Professor beschäftigen konnte: erst fehlte der Nintendo DS, dann die Spiele, dann die Zeit. Jetzt hat aber mal alles geklappt: Ich habe den alten DS von meinem Bruder, die Spiele lieferte der freundliche Elektronik-Großmarkt um die Ecke und Zeit… tja, die gab’s an den Wochenenden irgendwo auch mal. Und so habe ich mich dann fleißig durch die Layton-Spiele gerätselt… anfangs sogar etwas skeptisch: Einfach nur Rätsel lösen als Grundlage für ein Spiel??? Klingt etwas eintönig, aber schon bei „Professor Layton und das geheimnisvolle Dorf“ (also Teil 1 der Reihe) wurde deutlich: Hier ist gar nichts eintönig. Die Geschichte rund um die Rätsel ist spannend und witzig erzählt. Teilweise sogar in recht filmreifen Zwischensequenzen lernen wir Professor Layton und seinen Lehrling Luke kennen. Die beiden bilden das Layton-Team, dass sich durch die wildesten Fälle rätselt. Bei seinen Ermittlungen muss der Spieler allerlei Leutchen befragen. Man wandert also durch das Spiel, lernt die witzigen Nebenfiguren kennen und befragt diese. Doch die meisten geben ihre Informationen nur preis, wenn man ihre Rätsel löst.

Und die Rätsel machen dann den wichtigsten Teil der Spiele aus. Und es gibt viele Rätsel: Teil 1 hat etwa 130, die Nachfolger bieten natürlich noch mehr. Meine größte Angst war ja immer, es könnten zu viele eintönige Rätsel, zu viele Wiederholungen oder gar zu schwierige Rätsel auftauchen. Aber, alles Pustekuchen: Klar, werden die Rätsel im Laufe des Spiels etwas anspruchsvoller, sind aber mit logischem Denken immer lösbar (zur Not gibt’s auch Hinweise, die man sich kaufen kann).

„Professor Layton“ bietet also tatsächlich bunten Rätsel-Spaß mit witzigen Geschichten. Die Reihe beschert Nintendo neue, zahlreiche Fans und wohl eine Menge Geld. In Zeiten, wo das Wort „Franchise“ ein sehr beliebtes geworden ist, muss man das natürlich auskosten: Also gibt’s neben den Spielen auch einen Film: „Professor Layton und die ewige Diva“.

Im Film treffen wir natürlich den Professor und Lehrling Luke, die einer Einladung zu einer Oper folgen. Kaum ist die Vorstellung aber vorbei, verspricht eine merkwürdige Stimme aus dem Nichts demjenigen ewiges Leben, der alle Rätsel richtig löst. Diejenigen, die es nicht schaffen… nun ja, die schaffen es halt nicht.

Der Film hält sich sehr genau an die Spiele. Klar, am Design der Figuren braucht man bei einem Anime nicht viel ändern. Da es schon gute Animationen in den Spielen gab, erkennt man die auch im Film. Viel spannender ist natürlich die Frage, wie wird der Rätsel-Faktor filmisch umgesetzt. Und auch da arbeitet der Film sehr genau: Einzelne Rätsel (sogar nummerier wie im Spiel) sorgen für Hektik unter den Anwesenden, schließlich bringt einen nur die richtige Lösung weiter. Schön gemacht ist die Tatsache, dass man mitunter tatsächlich selbst Zeit zum Mitraten hat, was den Fan-Fun-Faktor enorm steigert.

Und trotzdem ist „Professor Layton und die ewige Diva“ ein furchtbar langweiliger Film geworden. Es wird sehr viel geredet, jede Lösung muss natürlich in Worten begründet werden, weswegen der Film sehr dialoglastig wird. Dazu kommt eine Story, die zwar versucht spannend zu sein, in ihrer Auflösung aber recht albern wirkt. Es wird alles recht wirr, verzweifelt versucht man hier, Fantasy-Story mit Layton-Flair zu verbinden und scheitert gewaltig an der Geschichte.

Alles, was einem bleibt, sind die Figuren und die Rätsel – das ist zwar sehr nett, aber das bekommt der Fan bei den Spielen tausendmal besser als im Film. Es ist halt wieder ein trauriges Beispiel für die Geldgier der Unternehmer. Das Maul einfach nicht voll genug kriegen und dann sowas verzapfen. Man kann sich den Film daher sparen und lieber einfach fröhlich weiter zocken.

Wertung: 4 von 10 Punkten (Layton auf DS rockt, Layton im Film floppt)

7 Kommentare leave one →
  1. ღDreams☆of☆Shadowღ permalink
    13. Juli 2011 10:12

    kleiner besuch eine schöne Seite hast du , ich wünsche dir einen schönen Mittwoch

  2. 13. Juli 2011 10:19

    Aber mein Don ich hätte nicht gedacht, dass du herablässt…DARÜBER ein Review zu schreiben! 😉

    • donpozuelo permalink*
      13. Juli 2011 12:22

      Wieso??? Die Spiele sind doch genial. Dass der Film dagegen abstinkt, muss einfach erwähnt werden, damit sich alle braven Fans des Professors nicht in die Falle locken lassen.

  3. 13. Juli 2011 12:18

    Da ich kein Besitzer eines DS bin, habe ich die Spiele nicht gespielt. Und um ehrlich zu sein, haben sie mich nie sonderlich gereizt – der Film (und das dachte ich mir schon nachdem ich die Tags durchstöbert hatte) wird mich auch nicht umstimmen.

    • donpozuelo permalink*
      13. Juli 2011 12:24

      😀 Doch, gereizt haben mich die Spiele wie nichts gutes… den Film sollte man da wirklich komplett ausblenden.

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