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Everybody was Kung Fu fighting…

11. Juli 2011

Wenn ich so zurückdenke, an die Filme, die ich sehen MUSSTE (weil ich zu jung war um zu protestieren), dann sind es vor allem zwei Genres: Western (mit meinem Opa die alten John Wayne-Filme) und Kung Fu-Filme (die vor allem mit meinem Vater). Während mir die Western-Filme irgendwann sehr auf den Sack gingen, konnte ich mich sehr lange an den Kung Fu-Filmen erfreuen. Naja… zum Teil zumindest. Als alter Judoka bekam ich von meinem Vater immer ausführliche Audio-Kommentare zu den Filmen: wie lange ich bräuchte, um so kämpfen zu können; dass die, die hinfallen, mehr drauf haben als die, die austeilen, etc., etc., etc.

Ähnlich aufgewachsen ist scheinbar auch Stephen Chow – im Gegensatz zu mir hat er aber tatsächlich auch ein wenig Kung Fu gelernt und hat dazu auch noch einen recht amüsanten Film gemacht. Amüsant deswegen, weil sein „Kung Fu Hustle“ mit einem sehr blinzelnden Auge auf die alten Kung Fu-Filme schaut.

„Kung Fu Hustle“ spielt im Shanghai der 40er Jahre. Mafia-ähnliche Gangs beherrschen die Stadt – die berüchtigtste ist die Axt-Gang. Möchtegern-Gangster Sing (Stephen Chow) und sein grenzdebiler Freund Gu (Lam Tze-chung) wollen unbedingt Mitglied der Gang werden. Bei einem Überfall auf ein Mietshaus geben die beiden sich als Axt-Gangster aus, bekommen aber ordentlich auf die Nase. Als dann zufällig echte Axt-Gangster vorbeikommen, gibt’s auch für die ordentlich auf die Nase. Für die Axt-Gang ein Frevel: Niemand gibt sich fälschlicherweise für einen Axt-Gangster aus und niemand stellt sich gegen die Axt-Gang. Problem also für Sing und für die Mieter des Hauses, wenn einige von denen nicht selbst große Kung Fu-Meister wären.

Stephen Chows Film ist wohl eher etwas für den Liebhaber. Sehr stark überzeichnet bietet „Kung Fu Hustle“ vor allem eins: sehr viel Komik. Chow nimmt sich vor allem die alten Kung Fu-Streifen vor. Die waren ja immer ein wenig wie Pokemon-Kämpfe: Typen mit merkwürdigen Namen beherrschen merkwürdige Kampftechniken und hauen sich gegenseitig auf die Fresse. So haben auch Chows Kung Fu-Meister so klangvolle Namen wie „Die Eisenfaust“, „Stählerner Speer“ oder „Das Biest“. Mit Kampftechniken wie „Die Hand Buddhas“ oder „Löwengebrüll“ treten die Gegner gegeneinander an. Dass Chow aber nicht nur alte Filme kopiert, zeigt sich an den Choreographien, die mit fliegenden Kämpfern sehr stark an die leichtfüßigen Krieger aus „Tiger & Dragon“ oder „Hero“ erinnern. Nur leider haben die wenigsten der Kämpfer so etwas würdevolles wie bei den neueren Filmen: die Vermieterin ist ein kettenrauchendes Biest, ihr Mann ein kleiner Spanner und auch die anderen Vermieter und Meister des Mietshauses haben so ihre merkwürdigen, aber äußerst witzigen Eigenheiten.

Die Kämpfe sind das absolute Highlight von „Kung Fu Hustle“ – leben sie doch durch sehr fantasievolle Ideen wie etwa ein sehr interessanter Kampf mit zwei Harfen-Spielern und stark überzeichneten Comic-Elementen, wenn sich beim Weglaufen die Beine kreisen wie im Cartoon oder Gegner einfach mal wie kleine Steine durch die Luft geschmissen werden.

„Kung Fu Hustle“ nimmt sich selbst nicht zu ernst, zitiert auch mal „Spider-Man“, „Blues Brothers“, „Forrest Gump“ oder „The Shining“. Stephen Chow setzt aufs Lachen und Wiedererkennen statt auf Seriosität. Darunter leidet vielleicht etwas die Story (wenn man es überhaupt so nennen darf 😉 ), aber in gewisser Weise ist das wohl auch eine Hommage an die alten Kampfkunst-Filme – mickrige Story, die man dank guter Fights gerne erträgt. Vor allem dann, wenn sie so lustig daherkommt wie in „Kung Fu Hustle“.

Den ein oder anderen dürfte „Kung Fu Hustle“ vielleicht eine Nummer zu albern sein – genauer betrachtet ist es aber eine sehr witzige Hommage an alle Kung Fu-Meister von damals bis heute.

Wertung: 9 von 10 Punkten (es hätte nur noch animiert sein müssen, um der witzigste Kung Fu-Film überhaupt zu werden)

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11 Kommentare leave one →
  1. 11. Juli 2011 21:21

    Sthet auch noch auf meiner Liste…hab leider nur noch den Schluiss gesehen 😦

    • donpozuelo permalink*
      11. Juli 2011 22:14

      Aiii… das musst du echt nachholen. Bei diesem Film kann man sich herrlich kaputt lachen – immer vorausgesetzt, man kann mit diesem Kung-Fu-Veralbern was anfangen 😉

  2. 12. Juli 2011 00:03

    Ja der Film ist eigentlich nuuuurrrr lustig aber mehr auch nicht, und die Kämpfe sind auch ganz cool. Fand den Film trotzdem langweilig 🙂

    Aber wie immer, eine schöne Krtitik zum Film 😉

    • donpozuelo permalink*
      12. Juli 2011 06:46

      Echt??? Mmh, naja… ich hatte mir schon gedacht, dass nicht jeder diesen Film so toll findet wie ich 😉 Aber für mich ist „Kung Fu Hustle“ so ein herrlicher Film zum Abschalten. Nicht nachdenken, nur gucken…

  3. 12. Juli 2011 12:48

    Bei Fast and the Furious 5 klappt das auch mit dem nichtdenken, nur gucken, zumindest bei mir 😀

    • donpozuelo permalink*
      12. Juli 2011 16:26

      Das stimmt. Die gleiche Sache… für mich zumindest 😉

  4. 25. Juli 2011 12:01

    Habe ich aus irgendeinem Grund bisher nur einmal gesehen, und das ist schon Jahre her. Der sehr positive Eindruck hat sich aber gehalten, sollte ich wohl mal auffrischen. Toller Film!

    • 25. Juli 2011 14:06

      Ja, das war jetzt hier auch meine zweite Sichtung nach dem Kinobesuch. Der Film ist wirklich toll!!!

  5. 3. August 2011 09:54

    In der Tat ein grandioser Film. Auf eine sehr eigene Art und Weise. Ich dachte bis anhin, den finden sonst alle scheisse. Schön zu lesen, dass dem nicht so ist.

    • donpozuelo permalink*
      3. August 2011 11:09

      Wie kann man diesen Film bitte scheiße finden??? So herrlich bekloppt wie der ist, muss man ihn einfach lieben 😀

Trackbacks

  1. Blogparade: My 100 greatest films of the 21st century… so far | Going To The Movies

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