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27. Juni 2011

Ich habe einmal einen Kurzfilm zu einem Wettbewerb eingereicht. Quasi mein großes Debüt als Filmemacher (;) ). Doch irgendwie lief dann alles anders als geplant. Für meine erste Sequenz wurde mir noch ein Hitchcock-Zitat gut geschrieben, bevor man sich (die Jury in diesem Falle) die Frage stellte, ob das nun alles Ernst gemeint war oder nicht (es war ernst gemeint, aber irgendwie haben dann doch alle sehr gelacht!). Tja, und so habe ich es dann erst einmal vermieden, billige Eigenproduktionen mit Freunden bei Amateur-Wettbewerben einzureichen.

Wo ist jetzt die Moral von der Geschichte??? Debüts sind schwer. Entweder man trifft den Geschmack des Publikums oder man geht sang- und klanglos unter. Geht man unter, muss man sich wohl ein Pseudonym zulegen, um es noch einmal zu versuchen. Wer sein Debüt aber schafft… tja, der hat es geschafft. Aber was passiert, wenn das Debüt auch noch ein totaler Kultfilm wird! Der Regisseur wird Hollywoods Wunderkind, macht dann noch ein paar Filme, die aber keiner mehr wirklich auf dem Schirm hat. So geschehen bei einem gewissen Herrn namens Richard Kelly.

Der macht einen Film über einen merkwürdigen Teenager. „Donnie Darko“ lebt in einem kleinen Vorort mit seiner Familie, geht zur Schule… alles schön! Von wegen. Donnie ist ein „gestörter“ Junge, wenn ich es mal vorsichtig ausdrücken darf: Donnie spricht mit einem Typen im Hasenkostüm, der eigentlich gar nicht da ist und der erstaunliche viele Dinge weiß – dazu gehört auch die genaue Zeit vom Ende der Welt. Bis dahin hat der Hase Frank aber noch ein paar andere Aufgaben.

„Donnie Darko“ ist ein bisschen wie ein David-Lynch-Film: Man kann ihn sich immer wieder und wieder anschauen und man ha trotzdem noch nicht alles verstanden. Beispielsweise was macht der Typ im roten Trainingsanzug da? Was hat es mit Großmutter Tod wirklich auf sich? Welche größere Bedeutung hat das Wort „cellardoor“ und warum zur Hölle soll es eines der schönsten Wörter der englischen Sprache sein? Funktionieren Zeitreisen wirklich? Gibt es Parallel-Universen? Ist alles in unserem Leben vorher bestimmt? Und wenn ja, warum zeigt sich der vorgeschriebene Pfad wie die Wassersäulen-Wesen aus James Camerons „Abyss – Abgrund des Todes“?

Wie Lynch wirft Kelly Fragen über Fragen auf, anders als Lynch kann man sich bei „Donnie Darko“ (nach mehrmaligen Anschauen wohlgemerkt) zumindest einige davon selbst beantworten. Kellys Film konzentriert sich zwar nur auf die Hauptfigur Donnie Darko, lebt aber von den zahlreichen Nebensträngen und Figuren. Kelly baut diese ganze Welt auf und irgendwie scheint Jake Gyllenhaal als „Donnie Darko“ ihr König zu sein. Alle Personen sind von seiner Gnade abhängig – oder vielmehr von Franks Gnade. Gyllenhaal beeindruckt durch einen gekonnt konstant gehaltenen Gesichtsausdruck. Es klingt zwar fies, aber es passt: Den depressiven Teenie kauft man ihm vollkommen ab. Trotzdem wäre Gyllenhaal nichts ohne die zahlreichen Nebenfiguren: Patrick Swayze als fragwürdiger Motivationslehrer, „ER“-Noah Wyle als Physik-Lehrer, der einiges übers Zeitreisen zu wissen scheint und Drew Barrymore als verzweifelte Englisch-Lehrerin, die angeblich durch Literatur Schüler zu Gewalttaten verleitet.

Man merkt es schon, die Welt des „Donnie Darko“ hat wenig an Freude zu bieten. Geplagt von Wahnvorstellungen und der Frage, ob Zeitreisen möglich sind, zeigt uns Richard Kelly eine komplexe Charakterstudie eines Jungen, der auf seine Weise zum Held wird, den nie jemand für seine Taten feiern wird.

„Donnie Darko“ ist ein trauriger, verwirrender, düsterer, aber unheimlich spannender Film, der irgendwie Psycho-Thriller, Science Fiction, Mystery und Teenie-Drama zugleich ist. Wer sich einmal mit „Donnie Darko“ einlässt, den lässt dieser Film so schnell nicht wieder los. Wer ihn vollständig verstanden hat, der möge sich bitte bei mir melden!!! 😉

Wertung: 9+1 für Kultstatus von 10 Punkten (Man sollte immer vorsichtig sein, wenn man Befehle von merkwürdigen Hasen bekommt!)

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23 Kommentare leave one →
  1. Owley permalink
    27. Juni 2011 07:17

    Ich habe Donnie Darko zwar noch nicht gesehen, aber eigentlich wollte ich nur sagen, dass ich deine Einleitungen immer wieder klasse finde. Du gibst damit dem Review immer eine persönliche Note, und doch ist es eben gerade das, was es so professionell wirken lässt. Und dann ist man immer gespannt, worum es nun genau geht. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      27. Juni 2011 13:41

      Vielen Dank!!! Echt, vielen Dank!

      Tatsächlich brauche ich die meiste Zeit immer, um mir was gutes für die Einleitung einfallen zu lassen. Manchmal klappt’s mit was persönlichem, manchmal nicht.

      Und was „Donnie Darko“ angeht: Setzt dich da mal ran!!! 😉

  2. luzifel permalink
    27. Juni 2011 10:36

    *nervöses Zucken* Ja.. Sie haben gelacht.. Gelacht.. *nervöses Zucken* Oh Gott.. So peinlich!!

    Aber zum Film: Ja.. Der Donnie Darko war ein merkwürdiger Film und ich hab mir den damals sogar auf DVD geholt weil irgendwie viele Leute davon gesprochen hatten. Kultfilm und so.. Ich vermute den Film nicht verstanden zu haben und ich vermute weiterhin, dass ich von dem Streifen enttäuscht war. Sicher bin ich aber nicht – sind ja auch schon Jahre dazwischen ^^

    Grüße,
    Luzifel

    • donpozuelo permalink*
      27. Juni 2011 11:01

      Wieso wusste ich nur, dass dich dieser Beitrag zu einem Kommentar hinreißen wird??? 😉

      Aber zum Film: Guck ihn dir einfach noch mal an. Der Film hat zurecht seinen Kultstatus und du wirst sicher nicht enttäuscht werden. Das ist so einer dieser Filme, die sich einem nicht beim ersten Mal erschließen. Dieser Film verlangt nach Wiederholung!!!

  3. Vici Graf permalink
    27. Juni 2011 11:17

    Donnie Darko find ich großartig!

    Das schöne „cellar door“ stammt übrigens von J.R.R. Tolkien: „Most English-speaking people … will admit that cellar door is ‚beautiful,‘ especially if dissociated from its sense (and from its spelling).“ Zitiert nach http://en.wikiquote.org/wiki/J._R._R._Tolkien

    • donpozuelo permalink*
      27. Juni 2011 13:40

      Willkommen, Vici!!!

      Und wenn „cellar door“ von Tolkien kommt, dann gefällt mir das Wort gleich noch viel besser 😉

  4. 27. Juni 2011 11:30

    NOCH EIN PUNKT MEHR! 😀 Ein großartiger Film, für mich der beste des letzten Jahrzehnts. Ein herrlich surreal-albtraumhafter Coming-of-Age-Film mit großartigen Darstellern, wunderbarer Kameraarbeit, einem perfekten Einsatz von Musik – für mich ein perfekter Film, wiewohl es einiges gibt, was unverständlich bleibt, was von Kelly vielleicht auch etwas zu gewollt unverständlich konstruiert wurde, um dem Lynch-Vergleich nahezukommen. Völlig egal, Meisterwerk, punktum.

    „warum zur Hölle soll es eines der schönsten Wörter der englischen Sprache sein?“

    Das wenigstens hat Kelly sich nicht aufgedacht; siehe Wikipedia.

    • donpozuelo permalink*
      27. Juni 2011 13:25

      Danke für den cellardoor-Hinweis!

      Ich finde den Film auch großartig und vollkommen zu Recht verlangst du einen Punkt mehr (der wird durch den Kultstatus automatisch dazu gerechnet 😉 )

  5. 27. Juni 2011 11:38

    Ich habe mich damit abgefunden, nicht alles in dem Film verstanden zu haben. So lange man kapiert, wie und warum sich am Ende alles so entwickelt wie es soll, ist man nicht nur zufrieden mit dem Werk, sondern wird es lieben!

    • donpozuelo permalink*
      27. Juni 2011 13:26

      Eben, das sag ich doch!!!

      Und je öfter man ihn sich anschaut, desto mehr begreift man von dem „Wie“ und dem „Warum“ und wird jedes Mal zufriedener. 🙂

  6. 27. Juni 2011 15:56

    Ich weiss, das sagen viele und ich sage es daher auch nicht gerne, weil ich total hip und antimainstream bin und überhaupt voll cool und so: Aber Donnie Darko gehört tatsächlich zu meinen Lieblingsfilmen.

    • donpozuelo permalink*
      27. Juni 2011 16:36

      Das hast du gut gesagt. Und keine Angst, hier darfst du das sagen!!!

  7. 27. Juni 2011 16:20

    Bekommt man dein Debüt auch irgendwo mal zu sehen? Hoffe ich doch sehr! 🙂

    Ansonsten: Bei mir gibt es für die Kinofassung ganz klar auch 10 Punkte. Einfach großartig!

    • donpozuelo permalink*
      27. Juni 2011 16:38

      Das beschriebene Debüt eher nicht. Da wurde ich ausdrücklich drum gebeten 😉 Aber vielleicht das nächste… in einem Kino deiner Wahl 😀 (Das wäre schön!!! Dann dürft ihr auch alle umsonst reinkommen!!! Großes Ehrenwort!)

      Ansonsten: Ja, wie gesagt, die zehn Punkte hat er auch voll verdient. Kultstatus einfach mit zu meinen 9 Punkten rechnen.

  8. 29. Juni 2011 10:54

    Großartiger Film. Ich stimme Borstel zu: die 10 wären auch verdient gewesen aber so geht’s ja auch. Auf jeden Fall ein Pflichtfilm für….eigentlich jeden. 😀

    • donpozuelo permalink*
      29. Juni 2011 11:10

      OK… so viele haben die 10 gefordert, jetzt machen wir ihn auch zu einer 10!!! Das hat er ja auch wirklich verdient, der „Donnie Darko“!!!!

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