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Sie wurden aktiviert!

24. Juni 2011

Google kann mittels IP-Adresse Suchbegriffe des Users sammeln und so ein Profil über jeden Benutzer der Suchmaschien erstellen. Das Gleiche gilt für Verkaufsportale wie amazon, die anhand der gekauften Sachen Profile erstellen und Vorschläge machen, was einem sonst noch so gefallen könnte. Jedes Handy kann per Satellit und GPS fast punktgenau lokalisiert und überwacht werden. Jede Bezahlung mit EC- oder Kreditkarte kann Auskunft über Einkäufe und Bewegung eines jeden von uns geben. Eigentlich bewegen wir uns durch eine Welt, in der nichts mehr wirklich geheim ist, wenn man nur weiß, wo und wie man danach suchen muss.

Wer jetzt sagt: „Gähn! Erzähl uns mal was Neues!“, der ist schon abgehärtet gegen die großen „Gefahren“ unserer Zeit. Wer jetzt aber sagt: „WAS??? Das ist doch unmöglich!“, der hat vermutlich die letzten zwanzig Jahre in einem Wald unter einem Baum gelebt und sich von leckeren Käfern ernährt. Nun soll es ja auch die geben, die sich weder von Käfern ernähren noch sich groß um diese Internet-Paranoia kümmern… und irgendwie haben die wohl am ehesten Recht. In einer Zeit, wo selbst der Kühlschrank schon seine Internetverbindung hat und mir erzählt, wann die Milch schlecht ist, sollten wir uns eigentlich über gar nichts mehr wundern.

Gewundert hat mich dann an D.J. Carusos „Eagle Eye“ auch nichts wirklich – außer der Tatsache, dass ich den Film dann doch irgendwie halbwegs spannend fand. Und das will was heißen, kann ich mich doch nur recht selten mit Shia LaBeouf anfreunden (das liegt aber mehr daran, dass der Mann die Frechheit besitzt, nach Indiana Jones‘ Hut zu greifen).

LaBeouf spielt Jerry, der, nach dem Tod seines Zwillingsbruders Ethan, unfreiwillig zum Terroristen abgestempelt wird. Aber hey, in einem paranoiden Amerika lassen ein im Irak gestorbener Bruder, der plötzliche Geldsegen von 750.000 Dollar und jede Menge Hightech-Waffen in der eigenen Wohnung schon die Terrorismus-Leuchten blinken. Dumm nur, dass Jerry keine Ahnung, was eigentlich los ist. Verwirrter wird er nur noch dadurch, dass eine Unbekannte sich an seinem Telefon meldet, ihm Anweisungen gibt und ihn mit der jungen Rachel (Michelle Monaghan) zusammenpackt, um ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem FBI zu spielen.

Spannend ist der Film bis zur Hälfte: Wir wissen nicht, wer die Frau ist, die Jerry und Rachel immer wieder Anweisungen gibt, sich scheinbar in jedes Computer gesteuerte System hacken kann und damit den beiden Protagonisten immer wieder zur Flucht verhelfen kann, um einen nicht näher definierten Plan durchzuführen. Man denkt tatsächlich automatisch erst einmal an Terroristen. Allein der Spruch „Sie wurden aktiviert!“ klingt anfangs sehr nach Schläfer. Das glaubt auch FBI-Mann Morgan (Billy Bob Thornton) und macht so Jagd auf das Pärchen wider Willen.

Diese Jagd inszeniert Caruso ohne Atempause. Es geht Schlag auf Schlag. Die Unbekannte sorgt für grüne Ampeln, offene Türen, hält Züge an und spielt mit Kränen. Bei Caruso geht es rund: Action heißt hier auch wirklich Action. Hier fliegen Sachen in die Luft, es brennt, es kracht – schnelle Schnitte machen es unmöglich sich noch im Bild orientieren zu können. Und trotzdem macht das Ganze tierisch Spaß. Was wohl daran liegt, dass der Film auch immer wieder darauf aufmerksam macht, wie sehr unser Leben eigentlich von Kameras verfolgt wird. Immer wieder werden Bilder aus Sicherheitskameras eingebunden: Jerry und Rachel sind nie wirklich allein.

Wie gesagt: „Eagle Eye“ ist in der ersten Hälfte schön spannend, weil eigentlich mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet werden. Problematisch wird es dann, wenn dann aufgeklärt wird, wer die Unbekannte ist, die Jerry und Rachel „steuert“. Ich will jetzt nichts verraten, aber sobald diese Auflösung kommt, verliert der Film an Glaubwürdigkeit – außerdem fängt man automatisch an, an die Filme zu denken, die ein ähnliches Thema dann doch etwas besser verfilmt haben.

„Eagle Eye“ wird nach dieser Auflösung vorhersehbarer und baut reichlich ab. Der Film ist das klassische Beispiel dafür, wie schwierig es doch sein kann, einen intelligenten Actionthriller zu drehen. Dabei muss man doch sagen, dass LaBeouf als nichtsahnender Typ seine Sache relativ gut macht. Aber hey, hier ist er auch nicht durch Harrison Ford oder überdimensionale Roboter abgelenkt und darf dann doch zeigen, dass er ein wenig schauspielern kann.

Carusos Paranoia-Film hätte echt richtig, richtig gut sein können, wenn man sich die Auflösung noch ein wenig aufgespart hätte. Aber selbst da wird versucht, durch coole Verfolgungsjagden die Story-Schwächen auszubügeln. Das könnte alles halbwegs funktionieren, aber endgültig versaut sich Caruso den Film durch dieses erzwungene Happy-End. Das ist ähnlich wie bei „Running Scared“: wahrscheinlich wollten die Produzenten doch noch ein gutes Ende und einen Kuss, weswegen ein wesentlich krasseres Ende vermieden. Hier wäre aber ein bisschen mehr Mut gut gewesen.

In diesem Sinne: Lasst uns alle im Wald leben, damit uns so was nicht passiert! Aber im Ernst: Der Film hätte grandios sein können, wenn man sich mehr getraut hätte. Trotzdem irgendwie sehenswert, weil er uns doch noch einmal auf actionreiche Weise verdeutlicht, dass wir nicht allein sind.

Wertung: 7 von 10 Punkten (coole Action, die etwas zu früh abnimmt und dann nur noch zum Retuschieren der Story-Schwächen dient)

8 Kommentare leave one →
  1. 24. Juni 2011 07:55

    Der gefällt mir auch sehr gut. Ich mag solche Action-Filme die NICHT auf irgend einer Franchise beruhen oder Fortsetzungen oder Remakes sind. Einfach locker leichte Actionknüller. Gibt es viel zu wenig heute.

    Ausserdem: Die Drohnen-Szene fetzt unheimlich.

    • donpozuelo permalink*
      24. Juni 2011 08:00

      Naja, sehr gut würde ich nur den Anfang nennen, aber man kann ihn sich anschauen.

      Und ja, diese Franchise-Geschichten sind langsam echt nervig… nur werden sie immer mehr und mehr. Lässt sich ja scheinbar gutes Geld mit verdienen.

  2. 25. Juni 2011 10:25

    Sehe ich ähnlich. Die Auflösung hinter der ominösen Frau am Telefon kam einfach zu früh. Aber die Actionszenen waren tatsächlich cool anzuschauen.

    • donpozuelo permalink*
      25. Juni 2011 12:22

      Nicht nur dass die Auflösung zu früh kam, aber was danach kommt, dem fehlt einfach die Spannung vom Anfang.

  3. 25. Juni 2011 20:38

    😆 da hatte ich gerade mal 1 Punkt vergeben; ich fand den so grottenschlecht. Staatsfeind Nr.1 war wenigstens noch gut gemachter Verfolgungswahn, aber das hier?

    • donpozuelo permalink*
      26. Juni 2011 08:48

      „Staatsfeind Nr. 1“ kenn ich leider nicht, vielleicht hätte ich dann ähnlich gewertet 😉

      Aber wie gesagt, gerade den Anfang fand ich eigentlich schon ziemlich gut umgesetzt.

  4. 29. Juni 2011 10:56

    Habe den noch nicht gesehen, was aber vor allem daran liegen könnte, dass mir Shia (unmöglich richtig zu schreibenden Nachnamen bitte gedanklich einfügen) zur Zeit des Release mit seinen vielen Filmen etwas auf die Nerven ging. ^^

    • donpozuelo permalink*
      29. Juni 2011 11:09

      Ja, für eine gewisse Zeit ging mir Shia LaBeouf auch auf den Geist, aber mittlerweile kann ich eigentlich ganz gut mit ihm leben… nur, dass er es gewagt hat, nach dem Hut von Indy zu greifen, kann und werde ich ihm nie verzeihen können 😉

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