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Innerer Frieden

22. Juni 2011

Fortsetzungen sind ein heikles Thema, werden aber immer beliebter. Bei Games funktioniert das Konzept der Fortsetzung meistens perfekt, bei Filmen ist das da schon schwieriger. Richtige Probleme habe ich meistens mit Fortsetzungen von Animationsfilmen. Bis jetzt habe ich noch keine Fortsetzung gefunden, die wirklich funktioniert hat. Meistens, so scheint es, denken sich die Macher: „Hauptsache, es wird schön bunt, es gibt ein paar mehr sprechende Tiere, die total süß sind und fertig!!!“ Schließlich soll es ja nur Kinderunterhaltung sein, die sind anspruchsloser.

Die, die was auf sich halten, vermeiden Fortsetzungen und machen lieber von Anfang an richtig gute Filme (aber selbst Pixar hat sich dem Fortsetzungswahn ergeben und „beglückt“ uns demnächst mit „Cars 2“). Aber ich will jetzt mal nicht den Teufel an die Wand malen, schließlich gibt es immer mal wieder die berühmte Ausnahme und so MUSS man einfach sagen, dass Dreamworks Fortsetzung zu „Kung Fu Panda“ mehr als nur gelungen ist.

Dabei hat sich auch hier nicht viel am eigentlichen Rezept geändert, dafür wurden aber die Zutaten verfeinert: Der dicke Po ist mittlerweile ein echter Drachenkrieger geworden – Kung Fu ist jetzt sein ganzes Leben. Zusammen mit den Furious Five verfeinert er seine Techniken, muss aber immer noch seinen inneren Frieden finden. Der wird aber gleich doppelt gestört: Auf der einen Seite ist Kung Fu selbst in Gefahr. Der fiese Lord Shen will mit seinen Waffen ganz China unterjochen und Kung Fu auslöschen. Auf der anderen Seite muss der Drachenkrieger seine wahre Herkunft herausfinden. Viel zu tun also für einen dicken, fetten Panda… Verzeihung… für DEN dicken, fetten Panda.

Wie gesagt, das Rezept ist gleich geblieben, nur die Zutaten wurden aufgepeppt: In einer Mischung aus Slapstick und Action stolpert Panda Po durch sein neuestes Abenteuer. Es ist alles wie in Teil 1, nur gibt es hier ein wenig mehr davon. Po ist jetzt kein einfacher Tolpatsch mehr, er ist ein kämpfender Tolpatsch mit coolen Moves und noch blöderen Sprüchen. Das Dreamworks-Team um Regisseurin Jennifer Yuh Nelson teilt ordentlich aus:

Was die Komik angeht, jagt in „Kung Fu Panda 2“ fast ein Gag den nächsten. Die sind nicht immer besonders clever, funktionieren aber meistens doch. Mit seinen Missgeschicken erinnerte mich der Panda sehr häufig an einen gewissen Homer Simpsons, der eigentlich auch mehr einsteckt als der er austeilt. Leider übertreibt es „Kung Fu Panda“ hin und wieder ein wenig, so dass es sehr schwer fällt, den Panda Po als wirklichen Helden wahrzunehmen. Er wirkt einfach zu lange wie der komplette Vollidiot.

Das haben wahrscheinlich auch die Macher gemerkt, weswegen der Dummheit des Bären seine Kampfkunst gegenübersteht. Im Vergleich zum ersten Teil ist der Panda nun ein echter Krieger und beeindruckt trotz seiner Leibesfülle mit außergewöhnlichen Moves. Mir persönlich haben die Action-Szenen in „Kung Fu Panda 2“ richtig Spaß gemacht. Ganz offensichtlich haben sich die Macher viel mit alten Kung Fu-Filmen und dem Kampfsport selbst auseinander gesetzt. Die Kämpfe sind extrem gut umgesetzt, wirken sehr realistisch und bewahren trotz aller „Gewalt“ einen amüsanten Touch, der vor allem durch verschiedene Kombos dem Slapstick-Teil des Films zu arbeitet.

Es ist etwas schade, dass Dreamworks sich auch bei „Kung Fu Panda 2“ hauptsächlich um ein optisches Spektakel bemüht und dabei seine Hauptfigur etwas vernachlässigt. Ich hatte ja schon angesprochen, dass er weiterhin ein ziemlicher Volltrottel ist, der erst am Ende zu wahrer Größe und innerem Frieden findet. Nun wollte man bei Dreamworks aber auch mehr Tiefe in die Figur einarbeiten. Daher kommt zur eigentlichen Geschichte noch die Vergangenheitsaufarbeitung von Po dazu. Ist zwar eine nette Idee, hat mich aber gestört. Immer wieder wird die Hauptstory durch Rückblenden unterbrochen, ohne wirklich viel über die Vergangenheit des Pandas zu offenbaren. Das passt alles nicht wirklich hinein, zumal das meiste aus dem Prolog des Films schon offensichtlich wird.

Aber egal, da kann man drüber hinwegschauen, denn wenn sie etwas richtig gemacht haben bei „Kung Fu Panda 2“, dann ist es die Optik. Allein die Stadt Gongmen ist überwältigend. Am meisten gefallen hat mir aber der Bösewicht des Films: Lord Shen, ein fieser Pfau. Ein herrlich böser und gleichzeitig sehr schöner Vogel, bei dem die Macher des Films Ästhetik und Kampfkunst gekonnt miteinander verknüpft haben.

Teil 2 des bärigen Kung Fu-Spektakels bietet von allem ein bisschen mehr: mehr Gags, mehr Action, mehr optische „Wow-Momente“. Da kann man dann gerne vernachlässigen, dass die Story nicht unbedingt so „Wow“ ist.

Wertung: 8 von 10 Punkten (der Bär kämpft wieder in einem optisch schöneren China, gegen einen fieseren und eleganteren Feind mit aufgemotzten Fähigkeiten)

9 Kommentare leave one →
  1. 22. Juni 2011 09:22

    Das hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Vor allem nicht von Dreamworks. ^^
    Mehr als ein DVD-Kandidat wird es wohl dennoch nicht, aber wenigstens weiß ich jetzt endlich mal, wie der Bösewicht aussieht. Apropos: wird der auch wieder von Thomas Fritsch synchronisiert? 😀

    • donpozuelo permalink*
      22. Juni 2011 09:43

      Erwartet hätte ich das auch nicht, aber es stimmt. Den Film kann man sich anschauen und man muss nicht unbedingt auf die DVD warten. Der ist auch sein Kino-Ticket wert 😉

      Ja, der Bösewicht… ich fand den absolut toll. Und nein, Thomas Fritsch ist wahrscheinlich nicht edel genug für einen Pfau 😉 Ich weiß es nicht. Gesprochen wird Lord Shen im Original ja von Gary Oldman, bei uns macht das Hans-Jürgen Dittberner.

  2. 22. Juni 2011 10:06

    Ich habe schon den ersten Teil nicht gesehen. Dabei habe ich nichts gegen Animationsfilme, aber mit Kung-Fu habe ich ja mal gar nichts am Hut.

    • donpozuelo permalink*
      22. Juni 2011 12:46

      Also man kann schon einige Animationsfilme vernachlässigen, aber „Kung Fu Panda“ kann ich nur wärmstens empfehlen.

  3. 22. Juni 2011 14:14

    Ok ok…ist ja gut, ich schau ihn mir ja schon an…

    🙂

    • donpozuelo permalink*
      22. Juni 2011 14:21

      Ja, hab schon bei maloney gesehen, dass du Sorgen wegen dem Film hattest 😉 Jetzt kannst du ja wirklich nur noch mit Freuden da hin gehen: maloney fand ihn gut, graval gibt ihm fast volle zehn Sterne… das kann doch alles nur für den Film sprechen 😀

  4. 22. Juni 2011 17:06

    Was mich besonders bei Po störte war wie cool er eingetlich die auslöschung seines Volkes nahm…ein zwei Minuten Verwirrung dann ein bisschen trauer und das wars! Aber man wollte ja auf keinen fall an seinem komischen Charakterbild kratzen.

    • donpozuelo permalink*
      22. Juni 2011 18:01

      Wohl wahr, wohl wahr…. aber es soll ja auch ein Kinderfilm sein, da dürfen tiefer sitzende Probleme scheinbar nicht zu sehr ausgelotet werden.

Trackbacks

  1. Spagat quer durch die Zeit | Going To The Movies

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