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Forget about it!

15. Juni 2011

Kennt jemand von euch den wahren Unterschied zwischen „a friend of mine“ und „ a friend of ours“? Weiß jemand, was ein „made guy“ ist oder warum man „Forget about it!“ eigentlich zu jeder Aussage hinzufügen kann? Wenn ja, dann seid ihr echte Mafiosi. Wenn nicht, solltet ihr euch mehr als nur dringend „Donnie Brasco“ von Mike Newell schauen.

Ihr wisst nicht, wer Mike Newell ist? Na, der hat so „tolle“ Filme gemacht wie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Mona Lisas Lächeln“ oder „Die Liebe in Zeiten der Cholera“. Wer von euch jetzt leichte Gesichtsentgleisungen bekommt, dem geht es wie mir. Als ich das gelesen habe, dachte ich nur: „Wie bitte? Und so einer macht jetzt auf Mafia-Film?“ Hat er gemacht! Und das verflucht gut. So gut, dass ich mich zu einer äußerst heiklen Aussage hingezogen fühle: Nach Coppolas „The Godfather“ ist „Donnie Brasco“ das Beste, was der Mafia-Film zu bieten hat. Und das liegt bei weitem nicht nur daran, dass Al Pacino mitspielt.

„Donnie Brasco“ erzählt die Geschichte von Joe Pistone (Johnny Depp), der sich in den späten 1970ern als Undercover-Agent in eine der fünf Mafia-Familien von New York einschleusen lässt. Als „Donnie the Jeweler“ gewinnt Donnie das Vertrauen des alten Mafia-Mitglieds Lefty (Al Pacino), der ihn dann wiederum in der „Familie“ bekannt macht.

Wem also „The Godfather I+II“ zu viel und zu lang ist, der ist mit „Donnie Brasco“ bestens bedient. Zumal – wie schon gesagt – Al Pacino mitspielt. Und Pacino als Mafiosi ist das, womit Pacino immer punkten kann. Das Krasse an „Donnie Brasco“ ist aber, dass Pacino mal keinen großen Fisch spielt. Sein Lefty ist eher ein kleines Rad in der Maschine, der seit Jahren verzweifelt versucht, in der Familie aufzusteigen. Durch Donnie erhofft er sich eine weitere Chance, aber er gehört einfach zum alten Eisen. Wenn dann noch Sonny Black (Michael Madsen) zum neuen Boss gemacht wird, ist das fast zu viel für Lefty. Schließlich verliert er dadurch auch Donnie, der mehr und mehr für Sonny arbeitet. Al Pacino gelingt dabei die Balance zwischen hartem Kerl und kleinem Kind. Es tut einem in der Seele weh, wie dieser alte Mafiosi leidet. Pacino beweist mit „Donnie Brasco“, dass er ein genialer Schauspieler ist. Allein seine letzte Szene im Film spricht tausend Worte, ohne das Pacino auch nur ein einziges sagen muss.

Man könnte jetzt meinen, dass neben einem Al Pacino alles andere verblasst, aber das ist hier nicht der Fall. Immerhin reden wir hier von Johnny Depp. Der Mann lässt sich echt durch nichts aus der Fassung bringen und spielt gekonnt den Polizisten, der zwischen drei Welten gefangen ist: da ist die Mafia, dann seine Familie, die sich vernachlässigt fühlt und seine Kollegen von der Polizei, die mehr und mehr von ihm wollen. Und Donnies größtes Problem ist die Tatsache, dass er sich durch seine Freundschaft zu Lefty immer mehr und mehr in der Mafia-Welt verliert. Weil Lefty tatsächlich zu seinem Freund wird.

Mike Newell gelingt mit „Donnie Brasco“ somit nicht nur ein geiler Mafia-Film, sondern auch ein gekonnter Blick hinter die Kulissen. Er lässt uns immer mehrere Welten sehen: Da ist die Mafia, aber sowohl Donnie als auch Lefty haben noch ein Leben außerhalb der Mafia. Ein Leben, dass sich gar nicht so sehr voneinander unterscheidet, weswegen diese beiden wirklich gut zusammen passen. Lefty kämpft mit einem drogensüchtigen Sohn, Donnie mit seiner Frau (Anne Heche), die nicht damit klar kommt, dass ihr Mann immer fort ist. Lefty und Donnie brauchen sich gegenseitig, um in der Mafia-Familie zu überleben. Es ist also auch ein Film über die Freundschaft zweier Männer, die auf eine harte Probe gestellt wird.

Meine anfänglichen Bedenken, was Mike Newells Fähigkeit angeht, so einen Film zu drehen, verflogen nach nur fünf Minuten. Auch wenn der Mann sich fast ausschließlich mit seichten Komödien (ja, er hat auch einen Harry Potter und „Prince of Persia“ gedreht) über Wasser gehalten hat, erschafft er mit „Donnie Brasco“ einen der besten Mafia-Filme der letzten Jahre. Newell versucht nichts zu beschönigen, organisiertes Verbrechen bleibt auch beim ihm ein brutales Geschäft, dass nur Geld und Erfolg kennt. Menschen bleiben auch in Newells Mafia-Welt nur ein Mittel zum Zweck. Nur der alte Lefty scheint sich noch an große Worte wie Loyalität und Ehre zu erinnern – er ist das Bild der klassischen Mafia, das aber nach und nach in den Hintergrund gedrängt wird. Deswegen wächst im Zuschauer mehr und mehr Sympathie für diesen Mafia-Oldie, während fast unbemerkt die Antipathie für Donnie steigt. Es ist also auch ein Film darüber, dass man manchmal vielleicht doch auf die Alten hören sollte. 😀

In jedem Fall ist „Donnie Brasco“ ein sensationelles Meisterwerk, das dank großartiger Schauspieler und einem tollen Skript in jeder Minute fesselt.

Wertung: 10 von 10 Punkten (der beste Mafia-Streifen seit „The Godfather“ – ungelogen!!!)

P.S.: „a friend of mine“ ist nur ein Freund einer Person, „a friend of ours“ ist ein Freund der Familie und somit ein „made guy“ – einer, der es geschafft hat, in der Familie angesehen zu werden.

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16 Kommentare leave one →
  1. christiansfoyer permalink
    15. Juni 2011 06:53

    Naaaaa ja… Ist zwar ewig her, dass ich den gesehen habe und der ist sicher gut, aber „der beste Mafia-Streifen seit „The Godfather““? „einen der besten Mafia-Filme der letzten Jahre“, obwohl der schon vierzehn Jahre alt ist (zugegeben, danach kam sooo viel nicht mehr)? Zwischen dem hier und „The Godfather“ liegen aber immerhin noch „GoodFellas“, „Once Upon a Time in America“, „The Untouchables“, „Casino“, „Carlito’s Way“, „Miller’s Crossing“,… – die sind mir zumindest alle besser in Erinnerung. Aber ach, lieber Don, was erdreiste ich mich hier, dir dein Vergnügen an „Donnie Brasco“ zu zerlabern?! Schließlich kommt da doch irgendwie zusammen, was zusammen gehört! 😛

    • 15. Juni 2011 08:16

      😀 Ich bleibe dabei!!! Allein, wenn man sich Al Pacino anschaut – der ist zum Niederknien gut. Allein seine letzte Szene, wie viel der Mann da ohne Worte rüberbringt – grandios.

      Klar will ich nichts gegen „Casino“ & Co sagen, ich liebe „Casino“ und Co., aber irgendwie hat mich „Donnie Brasco“ ganz besonders bewegt. Es wirkt schon wie ein kleiner Abgesang auf den Mafia-Film, wenn selbst Ober-Mafiosi Al Pacino hier nichts mehr bringt.

      Vielleicht sehe ich das auch alles zu euphorisch – manchmal sollte ich nicht direkt nach dem Film was schreiben, sondern vielleicht einen Tag verfliegen lassen. 😀

  2. 15. Juni 2011 07:36

    WIR SIND FUCKING SEELENVERWANDT. Ich schwöre (bei meinem Erstgeborenen).

    • 15. Juni 2011 08:17

      Bist du etwa mein Bruder, der im Krankenhaus entführt wurde??? 😀

      We are FUCKING seelenverwandt… i like!

      • 15. Juni 2011 10:24

        Nein, ernsthaft. Was hat dich dazu bewegt, den Film jetzt plötzlich anzuschauen? Ich hab mir den nämlich gestern Abend bestellt. Ich hatte einfach plötzlich Lust den wieder ein mal zu sehen…UND DANN KOMMST DU MIT EINEM REVIEW UM DIE ECKE.

        • donpozuelo permalink*
          15. Juni 2011 11:04

          😀 Das ist ja wirklich witzig. Zumal ich den Film und die Rezension schon vor zwei Wochen geschrieben habe. Irgendwie hab ich’s dann immer hingeschoben und heute dachte ich mir: „Es ist ein guter Tag für Donnie Brasco!“

          Zufälle gibt’s…. 😀

  3. 15. Juni 2011 10:17

    Als würden die erstgenannten Film von Newell nicht schon reichen, um skeptisch zu werden würde ich spätestens bei der Erwähnung von PoP nicht weiterlesen. Da ich das aber gemacht habe und es durchaus interessant klingt, kommt er wohl doch noch auf die ellenlage Muss-ich-endlich-mal-gucken-Liste. 😀

    • donpozuelo permalink*
      15. Juni 2011 11:05

      Die genannten Filme sollen ja eigentlich auch nur zeigen, dass man trotz recht „merkwürdiger“ Filme auch einen richtig, richtig tollen Film machen kann.

  4. 15. Juni 2011 12:41

    Da kann ich leider nicht zustimmen. Der beste Mafia-Film seit „The Godfather“ wäre in meinen Augen eher „GoodFellas“ oder vielleicht „Carlito’s Way“, wobei letztgenannter wohl nur selten diesen Status zugesprochen bekommt.

    • 15. Juni 2011 12:53

      „GoodFellas“ ist gut, aber hat bei mir nie so einen bleibenden Eindruck hinterlassen. (Sollte ich vielleicht noch einmal schauen!)

      „Carlito’s Way“ habe ich – Schande über mein Haupt – noch nicht gesehen.

  5. 16. Juni 2011 09:45

    Habe ich (noch) nicht gesehen und würde von daher den Titel des besten Mafiafilmes seit „The Godfather“ auch „GoodFellas“ zuschreiben – vorerst. 😉

    • 16. Juni 2011 14:33

      Was habt ihr nur alle mit „GoodFellas“? Soooo gut habe ich den gar nicht mehr in Erinnerung. Aber das werde ich am Wochenende mal nachholen 😀

    • 17. Juni 2011 08:08

      Naja, der war vielleicht handwerklich nicht so überragend wie „The Godfather“, dafür aber verdammt unterhaltsam. Dass Mafiafilme Spaß machen, ist ja nicht unbedingt die Regel.

      • donpozuelo permalink*
        17. Juni 2011 08:22

        Naja, es gibt schon einige, die „Spaß“ machen. Aber wie gesagt, wenn ich am Wochenende die Zeit finde, werde ich mich nochmal mit dem Film beschäftigen.

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