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Keine Macht den Drogen!

13. Juni 2011

Philip K. Dick ist ja ein fast unerschöpfliches Quell an Filmideen. Wenn man bedenkt, dass der Mann um die 120 Kurzgeschichten und über 40 Romane geschrieben hat, dann dürfte uns noch der ein oder andere Film mit dem Vermerk „basiert auf Philip K. Dick“ vor die Linse kommen. Aber was dürfen wir dann erwarten? Mit Dicks Werk wurden schon einige gute Filme (siehe „Blade Runner“) und mehr als nur einige schlechte Filme (siehe „Next“) gemacht. Es war halt alles schon da… und so einige wirklich gute Sachen von Dick wurden ja noch gar nicht verfilmt.

Als waschechter Philip K. Dick-Fan bin ich ja trotzdem immer auf der Suche nach neuen „Versuchen“, dem Sci-Fi-Meister gerecht zu werden. Tja, und jetzt bin ich auf einen Film gestoßen, der sich auf sehr skurrile Art und Weise mit einem Thema beschäftigt, dass für Dick sehr persönlich war: Drogen.

Dick hat sich ja schon eh und je mit dem Thema, was einen Menschen ausmacht, beschäftigt und in „A Scanner Darkly“ verbindet Dick das gleichzeitig mit Drogenkonsum – womit er sich (leider) zu gut auskannte.

In „A Scanner Darkly“ lernen wir Bob Arctor (Keanu Reeves) kennen, der zusammen mit seinen Freunden Charles Freck (Rory Cochrane), James Barris (Robert Downey Jr.) und Ernie Luckman (Woody Harrelson) in einem schäbigen Häuschen wohnt. Gemeinsam mit Freundin Donna (Winona Ryder) werden hier fleißig Drogen geschmissen – vor allem die stark abhängig machende Substanz T, T für Tod. Aber Bob Arctor ist nicht einfach nur Bob Arctor, er ist auch Fred – Undercover-Polizist, der versucht herauszufinden, wo Substanz T herkommt. Da niemand weiß, wer Fred in der kleinen Junkie-Gruppe ist (alle Polizisten tragen bei Einsatzgesprächen einen „Jedermann“-Anzug, der das Aussehen verschleiert), bekommt er im Laufe seines Einsatzes die Aufgabe, Bob Arctor genauer unter die Lupe zu nehmen. Ein Teufelskreis beginnt, der sich nur mehr und mehr zu spitzt.

„A Scanner Darkly“ ist weniger Sci-Fi als mehr eine Studie über die Menschen hinter der Droge. Richtig, richtig gut gelingt das in der Figur des Charles Freck. Rory Cochrane spielt super: diese ständigen Ticks, er sieht überall irgendwelche Krabbelkäfer, ist unruhig, schaut sich ständig um. Cochrane dabei zu zusehen, wie er seinen Abhängigen spielt, ist anstrengend und amüsant zugleich. Anstrengend, weil er einen echt nervös macht; amüsant, weil es dann doch einfach zu komisch ist, wenn er seine Theorien vom Stapel lässt. Gleiches kann man von Robert Downey Jr. sagen, der sich hier mehr durch seine Paranoia und Verschwörungstheorien hervor tut. Dass in seinen Theorien tatsächlich viel Wahrheit steckt (durch die Überwachung von Fred), weiß er aber nicht. Zu Keanu Reeves kann man folgendes sagen: Er ist gut. Er wäre wahrlich nicht meine erste Wahl gewesen, aber er spielt gut. Nicht überragend, aber gut. Zum Glück hat er hervorragende Kollegen, die aus diesem Dauer-Dialog-Feuerwerk über Drogen, das Leben und die Verschwörungen dahinter, einen sehenswerten Film machen.

Wie sehenswert der Film ist, habe ich ja aber noch gar nicht erwähnt. Zum einen schafft es Regisseur Richard Linklater trotz der Dialog lastigen Handlung spannend zu bleiben, was aber am Ende ein Verdienst Dicks bleibt. Dessen Geschichte um Bob Arctor/ Fred erreicht einen eher unschönen Hintergrund, der aber aufzeigen soll, zu welchen drastischen Mitteln die Polizei greifen muss, um die Hintermänner von Substanz T aufzudecken – frei nach dem Motto: „Was kümmert uns ein Leben, wenn wir Tausende damit retten können?“.

Damit „A Scanner Darkly“ aber keine gewöhnliche Verfilmung eines Dick’schen Romans wird, hat Linklater einen Animationsfilm daraus gemacht. Aber einen ganz besonderen: Gedreht wurde „A Scanner Darkly“ nämlich noch ganz normal mit den Schauspielern mit den jeweiligen Sets und Kulissen. Nach einer Drehzeit von nur knapp einem Monat ging der Film dann anderthalb Jahre in die Post-Produktion. Über jedes einzelne Bild wurde dann gezeichnet – sodass aus den Originalfiguren diese Zeichentrickfiguren wurden, die aber trotzdem alle Züge ihrer Darsteller beinhalteten. Quasi die richtig komplizierte Variante vom Motion-Capturing. Das Ganze ist gewöhnungsbedürftig, was ich gerne zugeben will, aber es sieht einfach geil aus. Der Film bekommt einen ganz eigenen, aber irgendwie sehr passenden Look. Es ist fast so, als hätte man selber etwas eingeworfen: Ecken und Kanten bewegen sich als hätten sie ein Eigenleben, die Figuren wirken durch ihre Comicgestalt weniger erbärmlich (immerhin reden wir hier von Junkies) und Linklater hat alle Vorteile eines Zeichentrickfilms, um viel mehr mit Verfremdungen zu arbeiten.

Linklaters „A Scanner Darkly“ ist ein ausgesprochen sehenswerter Film, der sicherlich auch dem Sci-Fi-Meister sehr gefallen hätte.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Animation mal anders, Dick so wie er sein sollte)

8 Kommentare leave one →
  1. 13. Juni 2011 09:45

    Genau. Fand den Film damals ähnlich beeindruckend.

    • donpozuelo permalink*
      13. Juni 2011 18:56

      Ich muss allerdings gestehen, dass ich anfangs meine Probleme hatte. Ich musste mich erst dran gewöhnen, aber dann ist es wirklich toll.

  2. 14. Juni 2011 07:36

    Hab ich schon seit Eeeeewigkeiten vor…allein schon der Technik wegen.

    • donpozuelo permalink*
      14. Juni 2011 08:13

      Mach das. Der ist nicht nur wegen der Technik sehenswert 😀

  3. 14. Juni 2011 16:13

    Ich habe ihn erst vor kurzem ein zweites Mal gesehen, primär, um meinen Ersteindruck noch mal zu hinterfragen, denn ich fand den Film schon beim ersten Mal eher anstrengend. Massiv Style over Substance fahrendes Anti-Drogen-Filmchen, bei dem mir Reeves und Downey Jr. um die Wette auf die Nerven gehen. Ehrlich, ich finde gerade Downey Jr., den ich sonst wie die meisten sehr gerne mag, hier unglaublich nervig. Unterm Strich ist der Film immer noch okay dank richtiger Message und der gelungenen Technik, aber für meine Begriffe stark überschätzt.

    • donpozuelo permalink*
      14. Juni 2011 18:06

      Ich gebe zu, dass mir der Film beim ersten Mal auch so meine Probleme mit dem Film hatte. Mittlerweile mag ich den Film aber unheimlich gerne.

      Den Vorwurf Style over Substance finde ich etwas übertrieben. Der Style ist mir beim ersten Mal gucken extrem aufgefallen, jetzt beim wiederholten Schauen konnte ich mich dann besser auf die Story konzentrieren, die ich ziemlich gut umgesetzt fand.

      Vielleicht muss man aber auch hinzufügen, dass das Buch von Dick ebenfalls ziemlich anstrengend zu lesen ist. Von daher ist noch eine gute Adaption gelungen.

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