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Nächster Halt: Parallel-Universum

6. Juni 2011

Filme, die sich auf einen einzigen Schauplatz konzentrieren, wollen gut durchdacht sein. Wenn das Setting konstant bleibt, muss alles daran gesetzt werden, dass es die Geschichte nicht ist. Noch wichtiger wird eine gute Story, wenn sich die Haupthandlung alle acht Minuten wiederholt, so wie in Duncan Jones‘ neuestem Film „Source Code“. Da jagt er Jake Gyllenhaal als Soldat Colter Stevens via mysteriösem „Source Code“ in einen fahrenden Zug. In diesem Zug erlebt Stevens die letzten acht Minuten von Sean Fentress, bevor dieser mit allen Passagieren an Bord in die Luft fliegt.

Man könnte meinen, dass Duncan Jones genau der richtige Mann wäre, um diese Geschichte zu verfilmen. Immerhin hat er mit „Moon“ bewiesen, dass man einen spannenden Film mit nur einem Schauplatz und vor allem mit nur einem Schauspieler drehen kann. In „Source Code“ wiederholt Jones das „Ein-Schauplatz-Szenario“, nimmt sich aber ein paar mehr Schauspieler mit an Bord. Als starke Frau hinterm „Source Code“ sehen wir Vera Farmiga, als Liebschaft im Zug Michelle Monaghan – schlussendlich dreht sich aber alles um den guten Jake. Der macht seine dann zwar auch gut, aber eben nur im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten – und der wird ihm deutlicher durch die Nebenfiguren gegeben. Es ist etwas schade, dass Jones seine Nebenfiguren tatsächlich nur einfache Nebenfiguren sein lässt, deren einzige Bestimmung es ist, der Hauptfigur mehr Leben zu verleihen. Wenn es wenigstens dazu geführt hätte, dass Gyllenhaals Figur mehr Tiefe bekommen hätte, hätte ich nichts dagegen gehabt; aber selbst Jakes Colter Stevens bleibt nur eine recht oberflächlich gezeichnete Figur.

Und oberflächlich ist – so hart das auch klingen mag – das Stichwort für „Source Code“. Es ist kein schlechter Film, er ist nur sehr oberflächlich gehalten. Die Geschichte rund um das Finden der Bombe ist gefühlt nach einer halben Stunde vorbei: Jones rast ähnlich wie sein Zug durch die ganze Geschichte. Es fängt an mit einer kleinen Hommage an „Und täglich grüßt das Murmeltier“, in der Stevens seine Mitreisenden näher unter die Lupe nehmen muss. „Source Code“ bietet uns dafür ein, zwei Szenen, die verdeutlichen sollen, wie schwer es für den Soldaten ist, in einem vollen Zugabteil einen Bösewicht auszumachen. Da verfällt der gute Mann auch schon mal in Klischees und knüpft sich als erstes NATÜRLICH die Personen, die offensichtlich ausländisch/ südländisch/ verdächtig anders aussehen. Es kommt zu ein paar Handgreiflichkeiten, ein paar verzweifelten Versuchen, die Bombe selbst zu entschärfen oder gar Menschen zu retten, die aber alle mit dem gleichen Ausgang enden: die Bombe geht hoch, Stevens landet wieder im „Source Code“.

In dieser „Nebenhandlung“ außerhalb des Zuges versucht sich Duncan Jones dann auch, die Rechtfertigung für die Bezeichnung „Science Fiction“ zu verdienen. Der „Source Code“ ist ein Mittel, mit dem Stevens in verschiedene Parallel-Universen reist und immer die letzten acht Minuten von Sean Fentress mit erlebt – jedes Mal ein wenig anders, aber immer mit dem gleichen Ziel: Stevens soll die Bombe vernichten. Diese ganze „Source Code“-Geschichte hat einen interessanten Touch. Eine Idee, die sich interessant anhört, aber sich ebenfalls in Oberflächlichkeit verliert. Jones erzählt alles einfach so, ohne in die Tiefe zu gehen. Klar verbirgt sich hinter dem „Source Code“ und warum ausgerechnet Colter Stevens in ihm ist, ein kleines Geheimnis, aber auch dass wird ziemlich schnell verraten. Alles das, was eigentlich spannend gewesen wäre, verrät Jones scheinbar ohne triftigen Grund ziemlich früh im Verlauf des Films.

Das wiederum degradiert den Film zu einem einfachen „Ein-Mann-im-Zug-sucht-Bombe-Film“. Das war’s!!! Dem Film fehlen wirklich emotionale Momente, dem Film fehlt es an Spannung und vor allem an Rätseln. Dazu kommt dann auch noch ein recht merkwürdiges Ende, das mir etwas unlogisch vorkam – aber es musste wohl dringend ein Happy-End her.

„Source Code“… was soll man dazu noch sagen??? Alles, was Duncan Jones in „Moon“ richtig gemacht hat, scheint er in „Source Code“ falsch zu machen. Statt die großen Rätsel erst zum Ende hin aufzulösen wie in „Moon“, passiert das hier alles gleich zu Beginn. Der Zuschauer bleibt etwas ratlos zurück und muss sich fragen: „Was mache ich hier eigentlich?“. Die Antwort lautet: „Du schaust die einen Film an, der eine interessante Grundidee damit verspielt, unglaublich vorhersehbar zu werden, indem alles vorher schon erzählt wird.“

Vielleicht wäre Duncan Jones lieber im Weltall geblieben – allein auf dem Mond. Zugfahren mit ihm macht jedenfalls nicht so viel Spaß wie verrückt durch eine Raumstation zu laufen.

Wertung: 4 von 10 Punkten (ich möchte dann doch lieber aussteigen und meinen eigenen Quellcode schreiben!)

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22 Kommentare leave one →
  1. 6. Juni 2011 07:55

    Mach keinen Scheiß, ich will den morgen sehen. 😉

    • donpozuelo permalink*
      6. Juni 2011 08:22

      Ui, sorry. Aber es ist, wie es ist… Der Film nimmt sich selbst die Spannung. vielleicht sehe ich das auch nur zu ernst, ich weiß es nicht.

  2. 6. Juni 2011 13:14

    Bewegt denn Steven Seagal – äh – Jake Gyllenhaal wenigstens ab und zu sein Gesicht?

    • donpozuelo permalink*
      6. Juni 2011 15:22

      Mmh… jetzt, wo ich so drüber nachdenke: Kaum!!!

  3. 6. Juni 2011 19:47

    Huii 4 Punkte und der Trailer sah sooo vielversprechend aus :/

    • donpozuelo permalink*
      6. Juni 2011 19:59

      Es tut mir ja auch ganz furchtbar leid! Aber dieser Film ist wieder der klassische Fall von „Trailer gut; Film nicht gut“.

  4. 7. Juni 2011 22:05

    Ich habe ihn jetzt gesehen und muss ehrlich sagen, dass ich ihn mehr als gut fand. ^^
    Gut, der eine Storytwist kam etwas früh, aber das war ja bei Moon ähnlich. Das Ende war auf seine Art sowohl kitschig als auch cool. Gyllenhaal, Farmiga und Wright spielen im Rahmen ihrer Rollen auch gut.

    Einzige Kritikpunkte sind meiner Meinung nach , dass die Rollen nicht ganz so tief wie bei Moon waren und dass manches ein wirklich ein wenig vorhersehbar war. Aber gerade dieses Spiel mit den Paralleluniversen und den kleinen Sonderheiten, die jedes besitzt fand ich cool umgesetzt.

    Anschauen kann man ihn sich meiner Meinung nach auf jeden Fall, aber der Trailer vermittelt wirklich ein falsches Bild.

    • 8. Juni 2011 05:41

      😀 Tja, das ist doch gut.

      Die Rollen sind wirklich nicht so gut beschrieben wie in „Moon“, aber gut, da gab’s ja auch nur einen Typen und seinen Roboter 😉

      Von der Story her fand ich „Moon“ wesentlich spannender. „Source Code“ hat mir einfach zu viel vorab verraten, war mir an manchen Stellen zu vorherhsehbar und an wieder anderen Stellen einfach zu unlogisch – vor allem was auch so die Motivation unseres Bombenlegers betrifft 😉

      • 8. Juni 2011 12:44

        Gut, der Bombenleger war halt leicht geisteskrank, was nicht so schlimm wäre. Wie man aber total weich in der Birne sein und trotzdem so eine Bombe bauen kann, weiß ich auch nicht. 😀

        • donpozuelo permalink*
          8. Juni 2011 12:59

          Jaja, die lieben geisteskranken Bombenleger… die haben halt nix zu tun 😉

  5. 7. Juni 2011 22:16

    Ich fand ihn auch nicht so doll. Die Erwartungshaltung war nach Moon auch zu hoch. Ich weiß nicht, Gyllenhaal und Monaghan sind nicht wirklich überzeugend und die Farmiga fast schon Verschwendung. War irgendwie auch von vornherein klar, dass es auf ein hollywoodmäßiges Ende hinausläuft, allerdings hatte ich die Hoffnung, dass er nicht diesen paradoxen Fehler am Schluss macht. Na ja, bei mir vielleicht ein zwei Pünktchen mehr – ich werde noch mal drüber schlafen 😉

    Huch – er will den Kommentar nicht 😦
    Hm, also über Facebook…

    • donpozuelo permalink*
      8. Juni 2011 05:46

      Doch er will den Kommentar… nur sobald du eine „neue Quelle“ angibst, muss ich die erst freischalten. Ist jetzt getan und du darfst wieder kommentieren, was das Zeug hält 😉

      Und schön, dass wir mal wieder einer Meinung sind 😉 Ich fand Gyllenhaal und Monaghan vor allem als Liebespaar nicht sonderlich überzeugend, weil die Liebesgeschichte auch ziemlich „lieblos“ eingeführt wurde. Über Farmiga müssen wir wirklich nicht reden.

  6. 7. Juni 2011 22:45

    Schließ mich Laosüü ( 😉 ) an.

    Nur hat mir am Ende dann doch die Pizza gefehlt. ^^

    • donpozuelo permalink*
      8. Juni 2011 05:47

      Willkommen, Andrea 😀

      Was soll ich noch sagen: Pizza hat wirklich gefehlt 😉

  7. 10. Juni 2011 13:49

    Au weia … Der Bewertung nach geht er ja wirklich als neuer „Inception“ durch. :mrgreen: Aber ich fand „Moon“ auch schon recht mies …

    • 10. Juni 2011 14:26

      Also wirklich… den „Inception“-Witz hättest du dir sparen können – vor allem bei den vielen „Inception“-Jüngern hier 😀 Aber aus deiner Perspektive hast du damit natürlich recht 😉

      Was hast du denn nur gegen „Moon“. Den fand ich echt gut.

      • 11. Juni 2011 14:08

        Hätte ich, aber es passte doch so gut. 🙂

        Hab vor, zu „Moon“ noch was zu schreiben, evtl. nach einer Zweitsichtung. Irgendwann in naher (?) Zukunft. 😉

        • donpozuelo permalink*
          12. Juni 2011 20:17

          Warte nur nicht zu lange, sonst sitzt du noch auf dem Mond und redest mit deinem Computer 😉

  8. 14. Juni 2011 07:41

    Die Bombe war allerdings beeindruckend. Oftmals ist in solchen Filmen die Bombe einfach ein bisschen Sprengstoff und so. Voll langweilig. Aber hier ist die Vorstellung einer solchen Explosion schon ziemlich krass.

    Ansonsten fand ich den Film okay…aber auch nicht viel mehr.

    Allerdings wette ich um mein Erstgeborenes, dass ihm das Studio das Happy End aufgezwungen hat. 🙂 Das will nämlich so ganz und gar nicht passen.

    • donpozuelo permalink*
      14. Juni 2011 08:16

      Ja, ich glaube, da ist dein Erstgeborenes sicher 😀 So ein Typ wie Jones hätte das sicher ganz anders gemacht. Aber gut, es war ja jetzt auch nicht sein eigenes Drehbuch, von daher…

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