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Ein böses, böses Mädchen

3. Juni 2011

Kindern in Horror-Filmen darf man einfach nicht trauen. Die können noch so süß und unschuldig aussehen… Das wollen die doch nur. Statt „Oh, wie süß!“ sollte man lieber schon mal die Schrottflinte laden und gebührenden Abstand nehmen. Egal wie süß und nett und hilfsbereit die Kinder auch sein mögen. Leider wissen das die wenigstens Figuren in Horror-Filmen und tappen immer wieder in die gleiche Falle. Dabei wissen wir doch seit „Das Omen“ und Co. das kleine Kinder herrlich unheimlich sein können.

Naja, Renee Zellweger verzeihen wir dann vielleicht ihr Unwissen, hat sie sich doch bis jetzt kaum was mit Horror-Filmen zu tun gehabt. Aber was eine echte Oscar-Preisträgerin ist, die beweist Mut zu unterschiedlichen Rollen, weswegen sie wohl die Rolle der Emily Jenkins in Christian Alvarts „Fall 39“ angenommen hatte. Hier verkörpert Zellweger die perfekte Sozialamt-Helferin, die sich tatsächlich um die Kinder in ihrer Obhut kümmert. Und selbst als sie ihren 39. Fall – ein kleines Mädchen namens Lilly – bekommt, kümmert sie sich ohne zu zögern um die Sache. Die scheint auch wirklich ernst zu sein: Lillys Eltern versuchen die Kleine im Backofen zu verbrennen. Die entsetzte Emily zeigt Mitleid und nimmt Lilly bei sich auf… und kommt bald zu dem Schluss, dass die Backofen-Geschichte gar nicht so blöd war.

Für sein Hollywood-Debüt bedient sich der deutsche Regisseur an einigen alten Horror-Film-Klassikern, um die doch recht altbekannte Geschichte vom bösen Kindchen etwas auf zu peppen. „Fall 39“ fängt schleichend und mit einigen Verweisen zu Takashi Miikes „The Call“ an: Nachdem Lilly gerettet ist, beginnen andere Menschen sich merkwürdig zu verhalten – ein kleiner Junge bringt seine Eltern um, Emilys Freund stirbt in seinem Badezimmer. Und alle beide erhielten vorher seltsame Anrufe. Anrufe, die den Tod bringen… und die scheinbar aus Emiliys Haus kommen. Der Verdacht fällt schnell auf Lilly, aber Alvart zögert es noch ein wenig heraus, bevor er offensichtlich mit dem Finger auf das kleine Mädchen zeigt.

„Fall 39“ ist für Horror-Fans absolute Durchschnittskost und wird mit müden Nicken durch gewunken. Die Story ist mau und weitestgehend vorhersehbar, Originalität gleich Null. Es wird versucht, die ganze Geschichte durch die verschiedenen Morde etwas zu strecken, aber wer sich auskennt, dem wird schnell etwas langweilig. Gleichzeitig bemüht Alvart sich, mit ein paar netten Schockelementen und Gruseleinlagen zu punkten, im Großen und Ganzen bringt das dann aber auch nicht viel mehr.

Dazu muss man leider Gottes sagen, dass die gute Frau Zellweger komplett unterfordert ist. Sie ist halt einfach keine Scream-Queen und bevor sie die Rolle der aufopferungsvollen Beamtin richtig ausfüllen kann, begibt die sich in ihr „Abenteuer“ mit Lilly. Mit der wiederum macht Regisseur Alvart den absoluten Glücksgriff. Die Rolle der Lilly besetzt er nämlich einfach mit der vielleicht besten Horror-Kind-Schauspielerin überhaupt: Jodelle Ferland. Dem geneigten Horror-Fan dürfte die junge Dame ja aus der „Silent Hill“-Verfilmung schon ein Begriff sein und auch in „Fall 39“ kommen ihre Vorzüge wieder voll zur Geltung. Vorzüge? Nun, die Kleine sieht auf der einen Seite so zart und gebrechlich aus, kann aber blitzschnell umschalten und herrlich fies sein. Wenn richtig in Szene und Licht gesetzt, dann kauft man es ihr einfach ab, dass sie irgendwas böses in sich hat, was Renee Zellweger in den Wahnsinn treibt.

Nachdem Alvart zuvor mit seinem Film „Antikörper“ auf sich aufmerksam machte, durfte er gleich Hollywood-Dame Zellweger für seinen nächsten Film haben. Die dachte sich wahrscheinlich noch, dass sie einen intelligenten Horror-Streifen vorgesetzt bekommt. Aber wie schon vor ihr Hilary Swank mit „The Reaping“ liefert Zellweger auch den Beweis, dass Horror-Filme durch Oscar-Preisträger nicht besser werden. Das hat sich dann auch Alvart zu Herzen genommen: Sein Sci-Fi-Horror-Streifen „Pandorum“ kommt ohne Oscar-Schauspieler aus und ist deutlich spannender. Liegt aber vielleicht auch daran, dass das Drehbuch da einfach etwas besser war als bei „Fall 39“.

Wertung: 5 von 10 Punkten (altbekanntes nach alter Formel gemacht – warum Renee nur sowas gemacht hat?)

6 Kommentare leave one →
  1. 3. Juni 2011 07:45

    Also den fand ich, milde gesagt, SEHR scheisse. Und Zellweeger fand ich hier unglaublich anstrengend…die sah den halben Film durch aus, als ob sie platzen würde. Irgendwie.

    • donpozuelo permalink*
      3. Juni 2011 11:16

      Sehr milde gesagt 😉

      Ich muss zugeben, dass ich anfangs noch sehr interessiert war, dieses Interesse dann aber sehr, sehr stark abnahm.

      Und ja, Zellweger strengt sich wirklich sehr dolle an. Vielleicht hätte sie vor den Dreharbeiten mal auf Toilette gehen müssen 😉

  2. 3. Juni 2011 20:15

    Ich als absoluter Horror-Fan kann mich nur den oberen Meinungen anschließen… Der Film ist alles andere als gruselig und ich hatte mir eigentlich mehr von der Film erhofft! Naja, wie so oft werden wir von den Kinofilmen enttäuscht 😦

    Es gibt soo wenige „Gruselfilme“, die wirklich gut sind… und im Kino vermisse ich das Genre Horror sowieso in den letzten Jahren!

    Liebe Grüße,
    Florian

    • donpozuelo permalink*
      4. Juni 2011 09:49

      Willkommen Flo! 😀

      Ja, Gruselfilme fehlen dem Kino in letzter Zeit wirklich sehr. Da muss man schon auf die alten Filme zurückgreifen, um sich daran zu erinnern, dass es noch gute Horror-Filme gab. Tja, oder man geht in den asiatischen Markt. Die sind ja wenigstens noch experimentierfreudig.

  3. 4. Juni 2011 22:00

    Ja 5 Punkte hatte ich damals auch vergeben, obwohl ich gerade dachte es wären weniger gewesen 😆
    Eigentlich ein ganz schrecklicher Film und die Zellweger ging hier gar nicht.

    • donpozuelo permalink*
      5. Juni 2011 09:56

      Ja, eigentlich hätte man auch noch weniger Punkte geben können bzw. müssen 😉

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