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No women, no kids!

1. Juni 2011

Keine Frauen, keine Kinder – lobenswerte Einstellung für einen Auftragskiller, nicht wahr. Stellt sich nur die Frage, ob das allgemein gilt oder nur für die auszuführenden Aufträge. Wenn es eine allgemeine Regel ist, dann ist die sicherlich schwer einzuhalten, hätte aber dennoch ihre Relevanz. Ein Auftragskiller soll schließlich eher eine seelenlose Maschine sein, die keine festen Wurzeln durch persönliche oder gesellschaftliche Beziehungen hat. Am besten ist es ein Einzelgänger, der brav seine Aufträge erfüllt und sich anschließend ein schönes Glas Milch gönnt.

Natürlich ist hier die Rede von Jean Renos vielleicht größter und besten Rolle überhaupt: „Leon – Der Profi“. Warum Renos beste Rolle??? Nun, zum einen hat Regisseur Luc Besson die Rolle direkt für Reno geschrieben, zum anderen ist Jean Reno einfach Leon. Milch trinken, Pflanze putzen, im Sessel sitzen und „schlafen“. Dass Leon wirklich ein Profi ist, beweist uns Besson gleich in seinem ersten Einsatz, bei dem sich der gute Killer Ninja-mässig in den Schatten versteckt und im Alleingang die Gang eines Drogen-Paten auseinandernimmt.

Aber wer „Leon – Der Profi“ noch nicht gesehen hat (Schande über euch!!!), der darf jetzt keinen einfachen Auftragskiller-Film erwarten. Nein, denn Luc Besson traut sich etwas sehr interessantes und das geht so: Leon beobachtet durch den Türspion, wie die Nachbarsfamilie durch den Drogen-Cop Stan (Gary Oldman) ermordet wird. Alle Familienmitglieder gehen drauf – bis auf die junge Mathilda (Natalie Portman), die gerade vom Einkaufen wiederkommt. In der für mich aufregendsten Szene des Films sehen wir die weinende Mathilda vor Leons Tür. Sie klingelt und klingelt, Leon zögert und zögert – „no women, no kids“!!!. Einer von Stans Männern wird auf die Kleine aufmerksam und will zu ihr gehen, da öffnet sich für Mathilda die Tür und warmes Licht umgibt ihr weinendes Gesicht. Das Tor zu einer anderen Welt wird für sie aufgestoßen, Leon bricht seine wichtigste Regel und Mathilda hat einiges zu lernen. Denn sie will von Leon zum Killer ausgebildet werden, um nicht etwa ihre Eltern zu rächen, sondern ihren kleinen Bruder.

Kleines Mädchen trifft auf einsamen Auftragskiller. Die kleine Natalie Portman zeigt schon lange vor „Black Swan“, dass sie eine tolle Schauspielerin ist und klaut dem fast stummen Jean Reno ganz heimlich die Show. Denn obwohl der Film „Leon – Der Profi“ heißt, spielt die kleine Mathilda eine bedeutende Rolle. Mathilda weiß ziemlich schnell, wie sie Leon um den Finger wickeln kann, um zu bekommen, was sie möchte. Und der arme Leon kann sich eigentlicht gar nicht wehren.

Portman und Reno geben ein tolles, wenn auch recht skurriles Leinwand-Pärchen ab. In dem famosen Director’s Cut von „Leon – Der Profi“ zeigt Luc Besson dann auch mehr davon, wie Mathilda und Leon sich zusammen entwickeln. Viele haben dem Franzosen ja vorgeworfen, dass die Beziehung zwischen der Mindejährigen und dem Killer zu sexuell aufgeladen ist. Aber das sind wieder die Kritiker, die verzweifelt etwas finden müssen, an dem sie sich aufregen können. Natürlich spielt die Thematik Liebe auch eine Rolle, aber wenn Mathilda Leon erzählt, dass sie ihn liebt, hat das nichts mit Sex zu tun. Es ist eine unschuldige Aussage von einem Mädchen, dass alles verloren und in Leon einen Leidensgenossen gefunden hat. Vom Prinzip her wird Leons geliebte Pflanze ein Sinnbild für beide Figuren: Sie sind ohne Wurzeln. Aber mit der Ankunft von Mathilda wachsen – wenn man das mal so schwülstig nennen darf – beiden Figuren Wurzeln. Sie haben jemandem, dem sie vertrauen. Wer da jetzt böse Sachen hinein interpretieren will, der sieht diesen Film vollkommen falsch. Es ist einfach nur eine außergewöhnliche Freundschaft zwischen zwei Personen, die zwar unterschiedlicher nicht sein können, im Endeffekt aber das Gleiche wollen: ihren Frieden. Im Director’s Cut baut der Film die Beziehung zwischen Mathilda und Leon noch stärker aus. Da gibt es dann auch etwas zärtlichere Szenen, die aber nie ausarten – was man Besson und vor allem Natalie Portmans Eltern gutschreiben muss, die sich sehr für eine ordentliche Umsetzung der Geschichte eingesetzt haben.

Neben Mathilda und Leon gibt es den bösen Teufel der Geschichte und wie bei seinen beiden Hauptfiguren hat Luc Besson auch hier den Richtigen gefunden. Gary Oldmans Stan ist echt unheimlich. Pfeift sich Drogen ein, liebt klassische Musik und ist ein absoluter Choleriker. Was Oldman wirklich gut macht. Der ist selbst dann noch fies, wenn er eigentlich nett sein will. Als Bösewicht ist das allererste Sahne.

Luc Besson findet Zeit für menschlichen Momente, aber haut auch ordentlich auf den Putz. „Leon – Der Profi“ ist ein Film fürs Herz und für den Action-Fan.

Es gibt Filme, die kann man sich immer wieder anschauen. Immer und immer wieder. Da stimmt die Geschichte, die erzählt wird. Da stimmt die Art und Weise, wie erzählt wird. Da stimmen die Schauspieler, die diese Geschichte tragen. Da stimmt einfach alles. Ein solcher Film ist „Leon – Der Profi“.

Wertung: 10 von 10 Punkten („no women, no kids“ funktioniert nicht immer, was aber nichts Schlechtes sein muss 😉 )

17 Kommentare leave one →
  1. 2. Juni 2011 08:20

    Ja also. Hmm, ja. Da muss man nicht mehr viel dazu sagen.

    Mit genau solchen Filmen bin ich Danke meines I-Don’t-Give-A-Fuck-About-Altersbeschränkungen-Vaters aufgewachsen. Wofür ich ihm heute noch regelmässig bei ihm bedanke. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      2. Juni 2011 19:49

      Du Glücklicher! So einen Vater hätte ich auch gerne gehabt! 😉 Meiner hat mir gar nicht erst nen Fernseher zur Verfügung gestellt. 15 Jahre lang nichts außer Bücher und Kino…. da musste ich lange auf „Leon – Der Profi“ warten. Aber es hatte sich gelohnt 😉

  2. 2. Juni 2011 15:26

    Einer meiner Allzeitfavoriten. Keine Frage. Bestimmt schon ein dutzend Mal gesehen und immer noch gut. Muss jetzt endlich mal die Blu-ray einwerfen.

    • donpozuelo permalink*
      2. Juni 2011 19:50

      Meiner auch. Ich habe letztens sogar festgestellt, dass ich den tatsächlich zwei Mal im Regal stehen habe: Kinofassung und Director’s Cut. Da war ich so lange ein „Leon“-Nerd, ohne es selbst gemerkt zu haben 😀

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