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Kapitän Spatz und die Meerjungfrauen

27. Mai 2011

Disney hatte ja schon immer ein Händchen für Meerjungfrauen. Allein schon „Arielle“ war eine ziemlich heiße Fischdame – so mit rotem wallendem Haar und diesem Muschel-BH, der verzweifelt versucht, alles bei einander zu halten. 😉 Aber jetzt haben sich die Studios so ihre Gedanken gemacht und liefern uns neues Meerjungfrauen-Futter: Und das sehr penibel ausgewählt. Jede Meerjungfrauen-Darstellerin im neuen „Fluch der Karibik“-Teil wurde auch danach „untersucht“, ob ihre „weiblichen Vorzüge“ echt sind. Künstlich nachhelfen gilt nicht, Disney mag’s lieber echt. Mann, wäre ich da gerne beim Casting dabei gewesen….

„Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten“ hat doch aber auch noch ein wenig mehr zu bieten als nur sexy Meerjungfrauen. Als besonderer Leckerbissen gab’s für mich ja auch noch Penelope Cruz; als normalen Leckerbissen (weil’s ja eh schon klar war) gab’s auch noch Johnny Depp. Auf der Liste der guten Dinge, die man über den vierten Teil der Piraten-Saga sagen kann, stehen also (in meiner Rangordnung): Penelope Cruz, Meerjungfrauen und Johnny Depp. Leider war’s das dann auch schon wieder.

Eigentlich hätte man es ja erahnen können, aber ich hatte Hoffnung, dass nach Teil 2 und 3 ein Neuanfang gemacht wird. „Fremde Gezeiten“ ist der Film mit den wohl meisten „Basiert auf“-Hinweisen der Filmgeschichte: „Basiert auf der Vorgänger-Trilogie“, „Basiert auf der Disneyland-Attraktion“ und „Basiert (zum Teil) auf der Geschichte ‚Fremde Gezeiten‘ von Tim Powers“. Schön, nicht wahr??? Da soll man noch einer behaupten, Hollywood würde nichts mehr einfallen. Aber denen fällt ja auch wirklich nichts mehr ein.

Bei aller Liebe, aber die Geschichte von „Fremde Gezeiten“ klingt zwar interessant, wird aber nicht dementsprechend umgesetzt. Captain Jack Sparrow (Depp) trifft auf seine alte Liebe Angelica (Cruz), die widerum die Tochter des gefürchteten Black Beards (Ian McShane) ist. Der wiederum ist auf der Suche nach der Quelle des ewigen Lebens, die aber auch die Spanier und die Engländer, angeführt von einem übergelaufenen Barbossa (Geoffrey Rush), suchen. Wichtig für das Gelingen der Expedition ist eine Meerjungfrau, die in der hübschen Syrena (Astrid Berges-Frisbey) auch bald gefunden ist.

Regisseur Rob Marshall hält viele verschiedene Erzählstränge in der Hand, aus denen man eine spannende Hetzjagd hätte machen können. „Hätte“ wohlgemerkt… aber wahrscheinlich hatten die Produzenten viel zu viel Angst, dass Johnny Depp nicht genug Spielzeit kriegen könnte. Schließlich lebt die Piraten-Saga fast nur durch ihn. Also bleibt man beim Altbewährten und lässt Depp ordentlich Sparrow sein. Das kann er gut und macht das auch mit sehr viel Freude… aber hey, bei einer zweistelligen Millionen-Gage hätte ich auch sehr viel Freude daran, mich vor der Kamera zum Deppen zu machen. Leider macht Depp sich hier wirklich zum Deppen: Was komisch sein soll, wirkt manchmal doch sehr befremdlich. Sei es die Anfangsjagd durch London oder dieses Wipp-Spiel im Schatzschiff in den Klippen – der Film möchte Slapstick zeigen, zeigt aber eher Erwachsene beim Kindergarten spielen. Johnny Depp fängt das alles ganz gut ab, gehört ja schließlich zu seiner Rolle, aber bei einem Geoffrey Rush ist das schon sehr albern.

Darüber hätte ich aber noch getrost hinwegsehen können, aber „Fremde Gezeiten“ ist einfach kein richtiger Piraten-Film mehr. Es gibt kaum noch Szenen an Bord eines Schiffes, Seeschlachten fehlen ganz und gar… die meisten Zeit haben wir festen Boden unter den Füßen und befinden uns eher in einem Abenteuer-Film, der mich sehr an „Indiana Jones – Der Letzte Kreuzzug“ erinnert hat. Allerdings nicht im positiven Sinne, sondern eher in dem Sinne, dass man sich den mal wieder angucken sollte, um zu wissen, wie es richtig geht.

Marshalls Neuanfang hat meiner Meinung nach ein wenig das Thema verfehlt. Wir wollen doch mehr Piraten sehen, etwas mehr Action und weniger Gelaber als am Anfang von „Fremde Gezeiten“. Der Film nimmt dann zwar noch ein wenig an Fahrt auf, aber bleibt halt zu sehr an der Figur von Jack Sparrow hängen. Dadurch haben die anderen Figuren kaum Spielraum sich entfalten zu können: So bleibt selbst meine angebetete Penelope Cruz nur schmückendes Beiwerk… wie auch die Meerjungfrauen und alles andere auch. „Fremde Gezeiten“ ist und bleibt ein Johnny-Depp-Film, der sich nicht traut, neue Risiken einzugehen.

Stattdessen bleibt alles irgendwie beim Alten, Depp ist kultig, kann aber nur selten über die miese Story hinwegtäuschen. Für alle Nachspann-Sitzenbleiber gibt’s dann noch die Hoffnung auf Teil 5 (die Hoffnung wird natürlich auch für alle Nicht-Sitzenbleiber geschürt – also keine Sorge 😀 ). Aber ob ich nach diesem Film wirklich noch in der Stimmung bin… na gut, wenn Penelope wieder mit macht, vielleicht 😉

Wertung: 5 von 10 Punkten (kann man sich angucken, muss man aber nicht! Ich bleibe lieber beim allerersten „Fluch der Karibik“ – auch wenn Mrs. Cruz da nicht mitspielt)

12 Kommentare leave one →
  1. 27. Mai 2011 06:51

    Wenig Action ist das Stichwort. Wie ich finde. Den ganzen Film durch passiert faktisch gar nichts. Bis auf die Meerjungfrauen-Szene, welche ich zugegebenermassen ziemlich cool fand, ist alles extrem unspektakulär. Und die von dir bereits erwähnte London-Flucht-Szene ist auf eine merkwürdige Weise überaus doof. So irgendwie völlig lieblos und, ebenfalls, überaus unspektakulär. Was zum Teufel haben die mit dem Millionen-Budget angestellt?

    Und Penelopes Rolle ist, wie ich finde, völlig für die Katz. Pseudo-Tough und lediglich optische Beilage.

    Einziger Lichtblick war meiner Meinung nach Ian McShane. Den mag ich je länger je mehr.

    Fazit: Ich persönlich war sehr enttäuscht.

    PS: Die im Trailer so bedeutungsschwanger angekündigten ‚Zombies‘ waren ja wohl der Witz des Jahrhunderts.

    • donpozuelo permalink*
      27. Mai 2011 08:39

      Action gebe ich dir Recht! (Und ja das mit den Meerjungfrauen sah wirklich ziemlich cool aus!)

      Bei Penelope gebe ich dir (leider) auch Recht!

      Mit Ian McShane hast du vollkommen Recht (auch wenn ich den gar nicht so richtig kenne, aber er war großartig!)

      Fazit: Ich gebe dir bei allem Recht 😀

      Und ja, auch die Zombies waren… ja wo waren sie eigentlich??? Im Englischen sagen sie ja nur „die Mitglieder von Blackbeards Crew wären zombiefiziert….“, also nicht so richtig ganz Zombie oder irgendwie so.

      • 27. Mai 2011 09:10

        Aber in dem einen Trailer plappert jemand aus dem Off irgendwas von Zombies…und darauf hab ich mich dann auch entsprechend gefreut. Und dann das…schade. 😦

        • donpozuelo permalink*
          27. Mai 2011 15:09

          Stimmt, aber vielleicht dachten die sich, es hat in den Vorgängern schon genug Untote gegeben, da lassen wir sie hier etwas raus. Die „Zombies“, die dann da waren, waren echt traurige Gesellen.

  2. 27. Mai 2011 18:22

    Mir fiel ja lange nicht ein an was mich der ganze Film erinnert aber jetzt….NA KLAR INDIAN JONES!! gebt Jack einen Hut (naja einen andereren) und eine Peitsche und et viola ein zweiter Indi, fehlen nur noch ein paar Nazis! im Vergleich zu den Zombies eine Bereicherung!

    • donpozuelo permalink*
      28. Mai 2011 07:15

      Sag ich doch! Dadurch geht aber der Piraten-Bonus extrem verloren. Und bei Indy war’s sehr viel besser – da haben sie sich wenigstens ordentlich gejagt, um zu ewigem Leben zu kommen. Und es gab auch bessere Prüfungen, um an den Gral zu kommen.

  3. 28. Mai 2011 16:54

    Okay, da habe ich wenig hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass ich Depps Rolle hier etwas kritischer sehe, zumindest agiert er hier spürbar lustloser als zuvor. Der Eindruck mag natürlich auch mithilfe der grauenhaften Synchro zustanden gekommen sein, aber generell finde ich, dass Lovestorys Jack ganz schlecht zu Gesicht stehen. Zumal sich langsam zeigt, dass der Charakter Sparrows einfach überhaupt kein Ausbaupotential hat.

    Ansonsten: Wir sind wie immer einer Meinung. 😉

    • donpozuelo permalink*
      29. Mai 2011 12:34

      Das Synchro-Problem hatte ich zum Glück nicht, weil ich die OV geguckt habe. Von daher ging es bei mir noch, aber du hast Recht, Liebesgeschichten stehen Sparrow nicht sonderlich gut. Allerdings hat man sich im Film auch nicht sonderlich viel Mühe gegeben, wirklich eine Liebesgeschichte draus zu machen. Das ist da alles eher so halb und halb.

      Zum Thema Ausbaufähigkeit gebe ich dir auch Recht. Was eigentlicht schade ist…

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