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Zocken ist doof!

25. Mai 2011

Die Zeit der Casino-Filme ist vorbei. Martin Scorsese hat sich schon lange von seinem „Casino“ verabschiedet und ich glaube, auch Soderbergh hat genug „Ocean’s“-Filme gemacht (hoffentlich!!!). Dass wir in nächster Zukunft nochmal ins (Film-) Casino gehen, ist daher wohl eher fraglich. Zumal, die wenigstens Comics irgendwas mit Casinos oder Glücksspiel zu tun haben (es sei denn, ein Bösewicht ist in Glücksspiele verwickelt). Somit dürfte Robert Luketics „21“ ein (vorerst) letzter Abstecher in die bunte Welt des Zockens gewesen sein.

Und wenn ich ganz ehrlich sein soll, es hat auch wirklich nicht so viel Spaß gemacht, diesen „Rainman 2.0“ zu schauen: Der junge Student Ben (Jim Sturgess) ist intelligent, super-intelligent so zu sagen. Studium am MIT mit Hoffnung auf Harvard, wenn da nicht ein paar Geldprobleme wären. Wie es der Zufall so will, hat Professor Rosa 😉 (Kevin Spacey) ein interessantes Projekt: Er krallt sich die cleversten Studenten, übt mit ihnen Kartenzählen und lässt sie anschließend in Las Vegas beim Black Jack gewinnen. Nach anfänglichem Zögern macht Ben mit… und es macht ihm Spaß, bis alles auffliegt!

Das Ganze hört sich original nach „Rainman“ an, nur statt einem autistischen Dustin Hoffmann zählen hier schlaue Studenten die Karten. Ihr Tom Cruise heißt in diesem Fall Kevin Spacey, und ihr Schicksal ist wie das vom „Rainman“: sie fliegen auf! Was in „Rainman“ für eine kurze Episode im Film vollkommen ausreichte, wird bei „21“ nun ein elendig langer 2-Stunden-Film, der ziemlich gradlinig und große Überraschungen abläuft.

„21“ versucht den Aufstieg und den Absturz der Studenten zu beschreiben. In gewisser Weise versucht Regisseur Luketic sogar mit einem warnenden Zeigefinger zu wedeln: Der einst so anständige und gute Ben wird durch das viele Geld und den Luxus komplett versaut. Er vernachlässigt seine Freunde und denkt nur noch an Geld. Good boy goes bad, so zu sagen. Das wäre ja alles gar nicht so verkehrt, zumal wir Kevin Spacey als Fäden ziehenden „Teufel“ im Hintergrund haben. Leider, leider nutzt der Film diese ganzen Möglichkeiten nicht aus. Statt Spacey auch wirklich einzusetzen, lässt man diesen wirklich großartigen Schauspieler nicht von der Leine. Spacey verkauft sich hier für lau und kommt nicht so richtig in Fahrt, denn: Böse und hinterhältig kann der Mann noch besser.

Das wäre ja noch irgendwie zu verkraften, aber Luketics Film macht einen sehr gravierenden Fehler: Es geht um Aufstieg und Fall. Normalerweise ist sowas mit einer Moral verbunden, die unser Filmheld lernt – die wir als Zuschauer auch lernen sollen. Aber weit gefehlt: In „21“ lernen wir nur: Fallen wir auf die Fresse, dann stehen wir auf und machen einfach weiter. Klingt zwar im ersten Moment gar nicht so verkehrt, nur macht sich gerade dieser Film damit alles kaputt: Statt sich wieder zum normalen Studenten zu entwickeln, bleibt Ben beim Kartenzählen – als Wiedergutmachung für seine vernachlässigten Freunde nimmt er die nun einfach mit. Da hat irgendjemand was ganz, ganz falsch verstanden.

Diesen dramaturgischen Fehlschlag hätte ich verzeihen können, aber nach gut anderthalb Stunden war ich schon ziemlich gelangweilt und kurz davor den ganzen Film abzubrechen. Denn „21“ gestaltet sich nicht gerade als äußerst spannender Film mit irgendwelchen Plottwists. Stattdessen kommt, was wir bei „Gruppen-Filmen“ schon oft genug gesehen haben: Es gibt Streit innerhalb der Zocker, Neid und Eifersucht. Ben darf das schöne Mädchen haben und Emotionen kommen ins Spiel. Alles verläuft brav nach Schema F, dazu noch ein paar coole Las-Vegas-Parties und der Hochglanz-Film sollte perfekt sein.

Hätte es auch sein können, aber diese Zocker überschätzen sich. Für zwei Stunden Film war das, was wir geboten bekommen haben, eher mickrig – halt nur eine kurze „Rainman“-Episode, die – das sollte man dem Drehbuchschreiber gut schreiben – wenigstens noch mal erwähnt wird (für alle, die es nicht von selbst erkennen).

Wertung: 3 von 10 Filmen (man hätte mehr mit Spacey machen sollen – so wird es ein Teenie-Film mit fragwürdiger Moral)

13 Kommentare leave one →
  1. 25. Mai 2011 06:58

    Wargh…den fand ich auch ganz ganz anstrengend und langweilig. War bei uns voll der Hit, weil da Poker gerade total in war…worauf der Film glaube ich seinerzeit auch abzielte.

    Aber ich verstehe Poker im Allgemeinen und Kartenzählen sowieso bis heute nicht…daher zählt meine Meinung auch nicht. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      25. Mai 2011 08:14

      Poker versteh ich auch nicht… Kartenzählen noch weniger. Aber ich glaube, selbst mit Verständnis für all das wird dieser Film nicht besser. Der ist und bleibt langweilig.

      • christiansfoyer permalink
        25. Mai 2011 10:20

        Die pokern doch gar nicht – die spielen Black Jack. Macht den Film aber natürlich auch nicht besser/interessanter/spannender/sehenswerter 😉

  2. 25. Mai 2011 08:16

    Ich habe den damals im Fernsehen gesehen und da ging das schon klar. Ein großer Wurf ist das bei Weitem nicht. Die Moral musste – wie du schon sagst – anscheinend vor dem Casino warten und überhaupt ist der Spannungsbogen eher eine flache Ebene.

    Spaceys Talent wurde vollkommen verschenkt und Fishburne…naja reden wir nicht drüber. 😉

    • donpozuelo permalink*
      25. Mai 2011 08:20

      Ja, was Spacey und Fishburne an diesem Film gereizt hat, versteh ich auch nicht. Da hat man schon zwei große Superstars und dann müssen die sich hinter den „Kleinen“ anstellen. Von denen kann dann aber auch keiner den beiden „Großen“ das Wasser reichen.

      Somit ist es ein ständiges Hin und Her, dass einfach keinen Spaß macht.

  3. christiansfoyer permalink
    25. Mai 2011 10:19

    Hat meine volle Zustimmung – bis auf eine Sache: Soderbergh hat noch lange nicht genug „Ocean’s“-Filme gemacht, da dürft’s meinetwegen noch Dutzende mehr von geben 😉

    • donpozuelo permalink*
      25. Mai 2011 11:58

      Mmh… ist das jetzt Ernst gemeint oder darf ich die Augen-Zwinker-Smiley als Ironie verstehen???

      Bei „Ocean’s“ finde ich das immer schwierig: Teil 1 war okay, Teil 2 war oberflächliche Grütze und Teil 3 war dann wieder okay. Das reicht dann aber auch aus 😀

      „21“ kann man eigentlich komplett in die Tonne schmeißen. Dann doch lieber „Ocean’s“.

      • christiansfoyer permalink
        25. Mai 2011 15:10

        Nein, das ist keine Ironie, zumindest nicht grundsätzlich: es müssten nicht Duzende mehr sein, aber zumindest einen weiteren dürft’s gerne noch geben. Denn ich liebe die „Ocean’s“-Filme, besonders den ersten. Zwei und drei sind sicher Geschmackssache, aber es gibt wohl filmisch sonst nix, das mir dermaßen die Laune aufhellt, wie die Jungs und ihre Raubzüge.

        • donpozuelo permalink*
          25. Mai 2011 15:37

          Ui… naja, ich gehöre eher zu der Kategorie, die sagt: „Jetzt reicht’s mir!“ Noch einen fände ich doof, so viel mehr gibt’s da doch eigentlich nicht zu erzählen.

  4. 25. Mai 2011 22:49

    Der einzige wahrhafte Widerspruch: So für einen entspannenden Abend ist „21“ ganz erträglich, was ich von „Ocean’s 27“ nun wirklich nicht mehr behaupten möchte. Und im Gegensatz zu Tom Cruise und dem zunehmend ergrauenden Nespresso-Onkel ist Kevin der Grosse natürlich ein Schauspieler. P-:

    • donpozuelo permalink*
      26. Mai 2011 05:23

      Hört, hört…. also „Ocean’s 27“ würde ich mir dann auch nicht mehr anschauen. Und das Kevin ein ganz Großer ist, ist doch sowieso klar 😉

  5. 31. Mai 2011 20:19

    Den Film fand ich auch echt schwach. So möchtegernabgehoben.

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