Skip to content

Weltraumkatze Jones

23. Mai 2011

Was ich an vielen Science-Fiction-Filmen aus den 70er und 80er Jahren sehr amüsant finde, ist die Ausstattung der Raumschiffe. Lauter Blinklichter, die in undefinierbaren Abständen aufleuchten. Kleine Monitore mit lauter Zahlen, aus denen der Nutzer sofort irgendwas lesen kann. Es hängen Schläuche aus der Decke, Rohre führen an den Wänden entlang und überall sind gefährliche Ecken und Kanten. Obwohl… so richtig gilt das auch nur für die Filme, die nicht so stilsicher durchs All flogen wie zum Beispiel „Star Wars“. 😉

Womit wir fast schon beim dem wären, worum es eigentlich geht: nämlich Ridley Scotts „Alien“. Toller Übergang, nicht wahr? 😀 Der eigentliche Übergang liegt in meiner Film-Biographie: Bevor ich mich nämlich mit dem Filmmonster Bekanntschaft machte, kannte ich halt nur die „lieben“ Science-Fiction-Geschichten von George Lucas und Co. Da war ja die Welt noch halbwegs in Ordnung, Science-Fiction hatte was Märchenhaftes und war für Kinder geeignet. Deswegen konnte ich wohl damals auch meine Oma überreden, dieses Video meines Onkels mit der Aufschrift „Alien“ zu gucken. Tja, und dann zerplatzte diese heile Science-Fiction-Welt für mich. Und das ging schon mit dieser Crew los: die sehen ja alle aus wie Hippies. Unrasiert, ungepflegt, ständig im Streit miteinander. Dass so eine Crew überhaupt eine Zulassung für Weltraumreisen hatte, war für mich total erschreckend. Hier war sicherlich keiner dabei, der die Macht in sich hatte. Aber wenigstens hatten auch diese Raumfahrer einen pelzigen Freund, den Kater Jones.

Doch die merkwürdige Crew war nicht das einzige, was meine heile Weltall-Welt noch mehr verwerfen sollte: Durch ein Signal wird das Schiff „Nostromo“ umgeleitet und gelangt zu einem unbekannten Planeten. Hier findet eine kleine Expedition das Wrack eines alten Raumschiffes. Im Inneren finden sie ein uraltes Skelett und jede Menge merkwürdiger Eier. Aus einem dieser Eier krabbelt dann auch tatsächlich etwas und befällt ein Mitglied der Crew. Entgegen aller Vorschriften wird der fremde Organismus an Bord der Nostromo gebracht, was sich als schwerwiegender Fehler erweist: das fiese Alien wird „geboren“ und macht sich daran, die kleine Crew zu dezimieren.

„Im All hört dich niemand schreien!“ Wie auch, wenn man mit offenem Mund vorm Fernseher sitzt. Ridley Scott macht Sci-Fi-Horror vom Feinsten, auch wenn es anfangs so aussieht, als wäre hier alles nach Schema F strukturiert. Kleine Gruppe wird nach und nach von bösem Monster verkleinert. Die Geschichte von „Alien“ hat einen Drei-Meter-Bart, aber die Art und Weise, wie und mit welchen Mitteln Ridley Scott die Geschichte erzählt, macht den Film großartig. Dieses schäbige, dunkle Raumschiff mit seinen engen Gängen bietet beste Voraussetzungen für perfektes Gruseln.

Dass es so richtig gruselig wird, verdanken wir aber auch dem grandiosen Design des Schweizers H.R. Giger. Sein Design ist einmalig. Selbst bei dem riesigen Wrack weiß man nicht wirklich, ob es mechanischem oder organischem Ursprung ist. Alles an diesem Wrack schreit nach Horror und das ist es ja dann auch: Schließlich entschlüpft hier wohl Gigers größter Coup. Man weiß bei seinem Alien nicht, was es eigentlich sein soll. Dieser lange, glänzende Kopf, dieser zweite Kopf im Mund, Säure als Blut, der lange Schwanz und diese flügelähnlichen Dinger am Rücken – was auch immer dieses Vieh ist, wenn es aus dem Dunkeln auftaucht, wird’s unheimlich. Verkörpert wurde das Alien übrigens von einem 2,18 m großen Typen. Auf der DVD gibt es einige entfallene Szenen, die sehr deutlich zeigen, dass unser Alien ein Typ mit Kostüm ist. Damit der Film und vor allem sein Monster nicht zu lächerlich wirken, entfielen diese Szenen. Zum Glück: So musste Scott sich auf wenige Augenblicke mit dem Monster beschränken. Es bleibt daher weitestgehend im Dunkeln. Mehr für den Kopf, weniger fürs Auge – das macht doch ein wahres Filmmonster aus, oder nicht???

Neben dem „Alien“ ist da ja auch noch Sigeourney Weaver als Ellen Ripley. Nein, nicht als Monster, sondern als die erste Action-Amazone überhaupt. Obwohl ich es schwierig finde, „Alien“ nur auf Sigeourney Weaver zu reduzieren. Denn ihre Rolle wird erst zum Ende des Films zur Hauptrolle. Bis dahin darf sich aber zumindest die einzige Frau in der Crew nennen, die nicht sofort anfängt rumzuheulen. In diesem Sinne kann das dann wohl auch schon als ein Erfolg gelten 😉

Zusammen mit Weaver und dem Giger-Alien schickt uns Ridley Scott in einen unheimlichen Weltall. Es ist kein gewöhnlicher Film mit stählernen Helden und schicken Raumschiffen. Scotts Helden sind frustierte Arbeiter, die eigentlich nur mehr Geld wollen. Als es dann schließlich ums Überleben geht, bleiben sie diese frustierten Arbeiter – keiner will ein Held sein, sie wollen nur überleben. Diesen Überlebenskampf ist perfekt und spannend bis zur letzten Minute.

Ja, Ridley Scotts „Alien“ ist ein fieser Film, der mich beim ersten Mal richtig schön geschockt hat. Geschockt, aber gleichzeitig auch wahnsinnig fasziniert. Eine Faszination, die bis heute geblieben ist.

Wertung: 10 von 10 Punkten (fieses Alien gegen arme Menschlein und einen Kater – und wer überlebt??? Klar, der Kater!!! Ein Hoch auf den Kater.)

Advertisements
43 Kommentare leave one →
  1. christiansfoyer permalink
    23. Mai 2011 06:34

    Höhö, meine Entdeckung der SciFi-Welten war genau umgekehrt, habe „Alien“ vor allem anderen gesehen (ist ja sowieso der erste Film, den ich jemals gesehen habe) und erst ’ne ganze Zeit später „Star Wars“, „E.T.“ und co.
    Wie auch immer, überragender Film, überragendes Creaturedesign und eines der wenigen Beispiele, wo ich folgende ansonsten sehr schwammige Aussage unterschreiben würde: solche Filme werden heute nicht mehr gemacht, gerade in atmosphärischer Hinsicht.

    • donpozuelo permalink*
      23. Mai 2011 08:26

      Oh Gott. Ich glaube, wenn „Alien“ mein erster Sci-Fi-Film gewesen wäre, hätte ich Jahre lang nichts aus dem Genre mehr gucken können 😉 Da bin ich froh, dass ich kinderfreundlich angefangen habe. 😛

      Und ja, die schwammige Aussage kann man wirklich unterschreiben.

  2. 23. Mai 2011 07:34

    Ich wohne in Gigers Heimatstadt…der einzige regionale Künstler, auf den ich stolz bin. 🙂

    Ansonsten: Super Film, mit einer genauso superigen Fortsetzung. Und cool finde ich ja jeweils, dass die für mich wirklich wirklich guten Filme selbst heute noch ihre Wirkung erzielen, wohingegen schwache Filme bereits 3-4 Jahre später lächerlich wirken.

    • donpozuelo permalink*
      23. Mai 2011 08:28

      Echt? Cool! Damit kann man ja richtig angeben.

      Die „Alien“-Reihe gehört tatsächlich zu den sehr gelungenen. Zumal es so schön abwechslungsreich wird: Scott macht den gruseligen Anfang, Cameron macht Action und Fincher macht’s etwas mysteriöser. Teil 4 habe ich, ehrlich gesagt, nicht so gut in Erinnerung.

  3. 23. Mai 2011 08:06

    Oh ja! Einer meiner absoluten Sci-Fi-Lieblingsfilme. Die 10 Punkte sind ohne Frage gerechtfertigt.

  4. 23. Mai 2011 11:32

    Den jugendlichen Nostalgiebonus kann ich da nicht bieten, da ich „Alien“ erst vor einem halben Jahr zum ersten Mal sah, dennoch: Mehr als überzeugend, habe selten so feinen Grusel gesehen. Auf die Fortsetzungen habe ich allerdings nur mäßig Lust. 😉

    • donpozuelo permalink*
      23. Mai 2011 14:20

      Erst vor einem halben Jahr??? Nicht schlecht. Egal – Hauptsache, du hast ihn gesehen 😉

      Die Fortsetzungen sind aber jetzt gar nicht soo schlecht. Vor allem Finchers dritter Teil ist allein schon wegen der ausgelösten Kontroverse unter „Alien“-Fans sehenswert.

  5. 23. Mai 2011 13:32

    Wo ist mein Kommentar plötzlich hin?! oO

    Naja, dann halt nochmal. Ich habe ja mit dem zweiten Teil begonnen, da meine Mutter den so gut fand und ich ihn mir schon mit 6 oder 7 Jahren ansehen durfte. Den Erstling habe ich dann – ähnlich wie Borstel – erst vor kurzem gesehen und nichtmal die ständigen Werbeunterbrechungen konnten die Atmosphäre trüben. Subtiler Horror wie er sein soll: das Schlimmste sind nicht die Momente, in denen das Monster zu sehen ist, sondern jene, in denen man auf das Autfachen selbiges wartet. Die Anspannung zerreißt einen fast und dann ist es plötzlich da! Genau das Prinzip, welches Dead Space so großartige gemacht hat.

    Einziger Kritikpunkt sind wirklich die Szenen mit dem Monster, weil man da schon erkennt, dass es ein Kostüm ist. Aber selbst dann ist es noch um Längen gruseliger als ein 1,70m großer Japaner in einem Godzillakostüm. 😀

    • donpozuelo permalink*
      23. Mai 2011 14:23

      Der Kommentar musste freigeschaltet werden, weil du ne andere Mail-Adresse angegeben hast als sonst. Ich lass jetzt aber nur den hier stehen 😉

      Und wie bitte??? Deine Mutter hat dich Teil 2 mit 6 oder 7 Jahren sehen lassen??? Ist ja schon fast fahrlässig. 😀

      Dass mit dem Monster finde ich geht noch. Klar sieht man an einigen Stellen, dass es nen Typ im Kostüm ist. Aber es wird ja selten so gezeigt. Da sind die „Deleted scenes“ schon krasser – das sieht teilweise richtig lächerlich aus.

      • 23. Mai 2011 17:03

        Okay, vielleicht war ich auch….8. 😀

        Aber wenn man mit 7 schon beim Schlachten hilft, sind Filme wie „Alien“ oder „Starship Troopers“ jetzt auch nicht soooooo fruchterregend. 😉
        Es lebe die Dorfjugend! \oO/

        • donpozuelo permalink*
          23. Mai 2011 19:45

          Ui.. okay. Wer echtes Blut und echte Gedärme gesehen hat, den kümmern wirklich keine Aliens mehr 😉

      • 24. Mai 2011 08:08

        Und man darf auch nicht solche traumatisierenden Filme wie „Cap und Capper“ oder gewaltverherrlichende Slasher wie „Tom und Jerry“ vergessen. 😀

  6. 24. Mai 2011 00:26

    Bei mir begann alles mit den Bügeleisen-Griffen in „Raumpatrouille“ (1966). In den 70ern nahm uns unser Kunstlehrer mit in eine Giger-Ausstellung im Kunsthaus Zürich. Man musste durch einen kleinen Eingang hindurch – und betrat sein „Reich“. Diverse Schüler weiblichen Geschlechts kotzten. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      24. Mai 2011 07:31

      Woah… krass!!! Ein Glück ist das Ripley nicht passiert… sonst wäre es ein doofer Film geworden. 😀

  7. 24. Mai 2011 21:15

    Ich bin so alt, ich kann gar nicht mehr sagen, was mein ersten Science Fiction Film war 😆
    Ja Raumpatrouille, Odyssee im Weltraum, Silent Running und später Star Wars.
    Zu „Alien“ habe ich mich selbstbewusst mit viel MakeUp ins Kino „geschlichen“, da ich ja erst 16 war als er hier im Kino lief und man erst mit 18 reindurfte (und es steht zwar geschrieben, er wäre im Oktober ’79 im Kino gelandet, tatsächlich lief er aber erst im Sommer ’80, soweit ich mich erinnere).
    Das besondere an „Alien“ ist natürlich auch die Filmmusik und dieser ständig wummernde Herzrhythums im Hintergrund. Dadurch wurden spannungsreiche Szenen manipuliert und noch gemeiner.

    • donpozuelo permalink*
      25. Mai 2011 05:14

      😀 Ich weiß, der erste Film, in den ich mich reingeschlichen habe, war „Starship Troopers“.

      Aber „Alien“ im Kino zu sehen, ist wohl noch wieder was ganz, ganz anderes!!! Das hebt den Film doch auf ein neues Level: Schön im Dunkeln mit riesiger Leinwand und dem fiesen Sound aus allen Ecken. Stelle ich mir großartig vor 😉

      • 25. Mai 2011 17:32

        Ja das war schon extrem aufregend so auf der Riesenleinwand.
        Als dann Aliens anlief, hatte ich sogar das Glück beide im Doppelprogramm nochmals zu sehen mit THX Sound System (Berlin hatte damals das erste Kino dieser Art). Ich fands gut, meine Freundin war damals fix und fertig ;D

        • donpozuelo permalink*
          26. Mai 2011 05:22

          Jetzt hör aber auf, ich werd ja noch ganz neidisch… 😀

  8. 16. August 2012 08:13

    Ich mochte eigentlich das Klischee, des „zehn kleine Negerlein Prinzips“ nie und wie gesagt so ein grosse Science Fiction Fan bin ich auch nicht aber Prometheus machtem ich halt doch ein bisschen neugierig und ich bin wirklich angehehm überrascht wie solide und beängstigend der Thriller geworden…und Sigourney ist toll

    • donpozuelo permalink*
      16. August 2012 09:26

      Sigourney ist wirklich super. Und „Alien“ einfach nur ein geiler Film!!!

      • 16. August 2012 09:31

        bin gepsannt auf Teil 2+3 :D, 4 soll ja nicht wirklich super sein :/

        • donpozuelo permalink*
          16. August 2012 09:39

          Teil 2 ist ein wirklich klassischer Cameron: ein klein wenig mehr Bombast als in Teil 1, ein paar mehr Viecher, ein paar mehr Menschen zum Töten.. nach dem Motto „Bigger is better“.

          Teil 3 hat dann dank Fincher für ein paar nette Kontroversen gesorgt. Ist ein sehr sehenswerter Film.

          Und ja, Teil 4 kann man eigentlich wirklich in die Tonne treten.

Trackbacks

  1. Hol das Stöckchen!!! « Going To The Movies
  2. A Movie-Stick by Maloney « Going To The Movies
  3. Gegen die Dunkelheit « Going To The Movies
  4. May the Schwartz be with you! « Going To The Movies
  5. Des Keyzers Kriminelle « Going To The Movies
  6. Der Wahnsinn einer Weltraum-Reise « Going To The Movies
  7. Erinnerungen an die Zukunft « Going To The Movies
  8. Unerwartete Genre-Highlights | Going To The Movies
  9. Gefangen im All | Going To The Movies
  10. Fahrkarte zur Hölle | Going To The Movies
  11. Zombie-Arm-Prothese | Going To The Movies
  12. GET TO DA CHOPPA! | Going To The Movies
  13. Kampf der Mütter | Going To The Movies
  14. Mutter des Todes | Going To The Movies
  15. Blogparade: Die fünf gruseligsten Film- und Serien-Monster | Going To The Movies
  16. 11 und der verschwundene Junge | Going To The Movies
  17. Who you gonna call? | Going To The Movies
  18. Calvin, der Marsianer | Going To The Movies
  19. Die Evolution des Bösen | Going To The Movies
  20. Zurück im Upside Down | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: