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„Siamesische“ Zwillinge

20. Mai 2011

Eigentlich wollte ich die bezaubernde Penelope Cruz bei ihrem ersten Auftritt in der „Fluch der Karibik“-Reihe bewundern. Aber ich kam etwas zu spät, Sitzplätze gab’s nur noch in den vordersten Reihen (was ich grundsätzlich ablehne) und dazu war’s auch noch eine Vorstellung mit Unterbrechung (was ich noch viel mehr ablehne). Also hieß es: „Kino oder gar kein Kino!“ Ein kurzer Blick auf das, was das Kino noch so zu bieten hatte, verriet mir aber: „Dies ist ein Piraten-Kino!“ und das in fast jedem Saal. Um nicht wieder nach Hause zu gehen, entschied ich mich dann ganz spontan für Jodie Fosters „The Beaver“ („Der Biber“), ein Film mit ihr und Mel Gibson in den Hauptrollen.

Eigentlich mag ich ja Mel Gibson. Ich fand seine Filme – fast – immer gut (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel). Natürlich musste der Mann einiges einstecken, dafür hatte er aber auch ordentlich ausgeteilt (metaphorisch gesprochen mit seinen Judenäußerungen und wörtlich gesprochen mit häuslicher Gewalt). Darf man da eigentlich Mel Gibson noch mögen? Schwierige Frage! Jodie Foster scheint ihn noch zu mögen und holte den Mann, der lange Zeit von der Bildfläche verschwunden war, wieder zurück.

Eigentlich hätte man von Gibsons Leinwand-Comeback mehr erwartet – zumindest mehr Gewalt, Action und Explosionen. Doch sowas sucht man in Jodie Fosters Film verzweifelt: Gibson spielt den schwer depressiven Walter Black. Walter hat schon alles versucht – Pillen, Therapien, etc. Aber nichts kann ihn aus seiner Lethargie holen. Für seine Familie wird er immer mehr zur Belastung – so sehr, dass seine Frau (Jodie Foster) ihn rausschmeißt. Vor einer Einkaufshalle, in einem Müllcontainer, findet der einsame Walter dann eine Puppe – eine Handpuppe: den Biber. Und mit diesem Biber wird Walter ein neuer Mensch – oder besser gesagt, er wird ein neuer Biber. Von dem Zeitpunkt an spricht und handelt Walter nur noch durch den Biber.

Eigentlich will „Der Biber“ eine Mischung aus Drama und Komödie sein. Am liebsten wäre „Der Biber“ dabei so eine Art „American Beauty“ mit Handpuppe: die zerrütete amerikanische Vorstadtfamilie, die sich nach und nach selbst vernichtet. Leider gelingt Foster das nicht so ganz, was vor allem daran liegt, dass sie keine wirklich spannende Geschichte erzählt. Ihre Geschichte spaltet sich in zwei Stränge: auf der einen Seite haben wir Walter und seinen Biber, auf der anderen Seite Walters ältesten Sohn Porter. Doch leider schafft Jodie Foster es nicht, beide Stränge auch wirklich sinnvoll auszufüllen. Vor allem diese High-School-Liebesgeschichte zwischen dem Nerd und der Cheerleader-Queen wirkt sehr unnatürlich. Sie passt nicht in die große Geschichte hinein, weil sie sich auch nicht richtig durch sie definiert. Es ist halt einfach nur eine weitere Geschichte, um hin und wieder von Walter und seinem Biber abzulenken.

Eigentlich ist aber doch die Geschichte zwischen Walter und seinem Biber die interessantere. Durch den Biber bekommt Walter sein Leben und seinen Job in den Griff, wird jedoch immer abhängiger von dem Stofftier. Diese Geschichte widerum erinnerte mich stark an „A Beautiful Mind“: Gibsons Walter steigert sich immer weiter und weiter in diese absurde Idee hinein, bis er glaubt, der Biber sei tatsächlich echt. Dass dieser Hauptteil der Geschichte wirklich gut geworden ist, verdankt der Film vor allem Mel Gibson. Ja, ihr habt richtig gelesen: Mel Gibson beweist großes Talent. Talent, dass ich ihm schon fast nicht mehr zugetraut hätte. Aber man sollte schon ein wenig Talent haben, um sich vor laufender Kamera mit seiner eigenen Hand zu unterhalten und es dabei auch noch echt aussehen zu lassen. Gut, Gibson profitiert von „Braveheart“ und so spricht „Der Biber“ selbst mit einem sehr schönen britischen Akzent. Gibson zeigt Vielfältigkeit, springt von depressiv zu happy und wieder zurück. Anfangs erlebt der Zuschauer dadurch sehr lustige und skurrile Momente, ist aber auch live dabei, wenn der Spaß aufhört. „Der Biber“ bietet uns einen hervorragenden Mel Gibson, der dabei leider alle anderen Figuren etwas leer und blass aussehen lässt. Ohne viel Charakter und Tiefe.

Eigentlich hätte „Der Biber“ ein richtig guter Film sein können, aber an den Stellen, wo es wirklich zählt, denkt man nur an die Filme, bei denen es funktioniert hat. Foster ist in ihrer Regie sehr bedacht und ruhig, trägt am Ende aber zu dick auf: schwere, langsame Musik, dazu ein trauriger Mel Gibson und eine zerstörte Familie, die vielleicht, vielleicht doch noch Hoffnung auf eine Zukunft hat. Vielleicht hätte Foster die Familie weglassen und stattdessen nur das Ehepaar Foster-Gibson nehmen sollen. Dann wäre etwas mehr Tiefgang möglich gewesen. So plätschert der Film etwas vor sich her, hat seine guten und seine weniger guten Momente und bleibt ein Film für einen DVD-, aber nicht für einen Kino-Abend.

Wertung: 6 von 10 Punkten (eigentlich nicht schlecht, was aber nur daran liegt, dass Mel Gibson überzeugt)

12 Kommentare leave one →
  1. 20. Mai 2011 07:20

    Mel Gibson war ja gar nicht weg…erst kürzlich lief doch Edge of Darkness…

    • donpozuelo permalink*
      20. Mai 2011 08:23

      Ok, stimmt. Aber wirklich präsent war er trotzdem nicht. Jetzt hat er zumindest eine Handpuppe dabei – das zieht doch gleich viel mehr 😉

  2. 20. Mai 2011 10:34

    „und dazu war’s auch noch eine Vorstellung mit Unterbrechung (was ich noch viel mehr ablehne)“ dann darfst du aber nie in der Schweiz ins Kino gehen, wir haben ja bei JEDEM Film eine Pause, ausser es handelt sich um Vorpremieren oder so…

    • donpozuelo permalink*
      20. Mai 2011 12:19

      Echt??? In jedem Film??? Uff, das fänd ich echt hart. Ich hasse diese Pausen – immer schön mitten im Film: BANG! PAUSE!!! BITTE KAUFEN SIE JETZT NOCH MEHR TEURES POPCORN!!! Ganz, ganz schlimm…

      • 20. Mai 2011 12:46

        Naja so schlimm ist es auch wieder, zumal es einem die Möglichkeit bietet dringende Geschäfte zu erledigen ;)…und wie teuer ist das Popcorn denn bei euch?

        • donpozuelo permalink*
          20. Mai 2011 14:08

          Dringende Geschäfte erledige ich immer vorher. 😉 Popcorn fängt, glaube ich, so ab 4 Euro aufwärts an. Aber ich bin ja eh kein Popcorn-Esser. Eher Nachos mit Käse 😉

  3. 20. Mai 2011 10:35

    …und Pirates wird so schnell wie möglich geschaut! VERSTANDEN!?

    • donpozuelo permalink*
      20. Mai 2011 12:20

      VERSTANDEN!!! Wird so schnell wie möglich gemacht!!! 😉 Allein schon wegen Penelope… 😛

      • graval permalink
        22. Mai 2011 10:27

        Naja, guck dir Pirates nicht an. Der ist beschissen. Langweilig, schlecht gespielt, doofe Witze, eine Story so flach wie Hollands Topografie. Ne, lass das bleiben.

        Wenn du was gutes sehen willst, dann schau dir… ähm… wart… Läuft „Never Say Never“ noch? Da kannst du einen rechten Bieber schauen 😉

        Ernst jetzt: Ich kann mit „Der Biber“ nichts anfangen. Ist mir irgendwie zu abgefreakt, und selbst, wenn du sagst, dass man den Film ernstnehmen kann, glaube ich nicht, dass ich genug Interesse aufbringen könnte, einem mit einem Biber sprechenden Typen zuzusehen. :/

        • donpozuelo permalink*
          22. Mai 2011 19:36

          Also, diesen Sarkasmus… kommt das jetzt mit dem Alter??? 😉

          Und trotzdem würde ich den Mel-Gibson-Biber dem Justin Bi(e)ber immer noch tausendmal vorziehen. (Außerdem kannst du mir „Pirates“ nicht ausreden, allein wegen Penelope nicht :D)

          Was den Film angeht, ist der halt echt Geschmackssache.

      • graval permalink
        23. Mai 2011 07:09

        Ich wär mit der Kollegin sogar beinahe den Bieber-Film schauen gegangen. Habens dann aber immer wieder nicht geschafft. Leider. Wuah, ich hätte die kleinen Mädels sooo gern kreischen gehört 😉

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  1. Unterwegs mit Papa! | Going To The Movies

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