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Hoch lebe die US-Army!

18. Mai 2011

Was für ein Glück, dass irgend jemand irgendwann in den 70er und 80er Jahren Filme gedreht hat. Und was für ein Glück, dass einige von uns damals noch nicht in der Lage waren, ins Kino zu gehen – sei es, weil wir noch nicht einmal geplant oder vielleicht zu jung waren. Und was für ein Glück, dass Hollywood so gerne Remakes macht, um uns ein sperriges Original mit Effekten, die heute amateurhaft wirken mögen, zu ersparen. Vor allem die alten Horrorschinken von Carpenter und Co. werden immer wieder gerne neu verpackt. Und so verwundert es ja auch niemanden, dass ein Urgestein des Horrofilms auch immer wieder gerne bereit ist, seine Ideen einem jüngeren Publikum vorzustellen: Die Rede ist von Zombie-Urvater George A. Romero.

Nach „Dawn of the Dead“ (2004 – da noch von Zack Snyder gedreht) und „Land of the Dead (2005 – jetzt wieder mit Romero selbst hinter der Kamera) kam 2010 ein weiterer Romero-Film in die Kinos: „The Crazies“. Der wurde bereits 1973 von Romero gedreht, war dem Regisseur aber nicht gut genug, weil er ihn für zu politisch hielt. Und so durfte Regisseur Breck Eisner – unter der führenden Produzentenhand von Romero selbst – ein Remake drehen, dass Horrorfreunde wenig beeindrucken wird, aber dennoch unter dem beliebten Begriff „solide“ eingestuft werden kann.

In „The Crazies“ kämpfen die Bewohner der Kleinstadt Ogden Marsh mit den Folgen eines Militärexperiments. In der Nähe der Stadt ist nämlich ein Militärflugzeug abgestürzt, dass eine biologische Waffe namens „Trixie“ geladen hatte. Durch den Absturz gelangt das Zeug ins Grundwasser und beginnt damit, die Einwohner der Kleinstadt in Verrückte zu verwandeln. Irgendwann kommt das Militär, versucht die Lage unter Kontrolle zu bringen und scheitert kläglich. Was folgt sind Menschenlager, Revolten, Todeskommandos der Army und zahlreiche Tote. In diesem Chaos versucht Sheriff Dutton (Timothy Olyphant – ohne „Hitman“-Glatze kaum wieder zu erkennen) mit seiner schwangeren Frau Judy (die „Silent Hill“ erprobte Radha Mitchell) zu überleben und aus der Stadt zu flüchten.

Wie gesagt, „The Crazies“ ist ein solider Horrorstreifen ohne sonderlich große Überraschungen. Die Geschichte ist vorhersehbar, versucht aber einen kritischen Blick auf Militär und Wissenschaft zu werfen: Wenn die Wissenschaft versagt, dann feuert das Militär einfach drauf los. Da wird keine Rücksicht genommen – ob Kind, ob Frau, ob alter Mann, wer im Verdacht steht, infiziert zu sein, muss dran glauben. Allerdings fehlt diese Kritik arg plakativ aus, Wissenschaftler sind nur kurz zu sehen und wirken einfach zu überfordert. Aussicht auf Heilung: gleich Null. Schließlich sollte das Virus ja bei den Feinden eingesetzt werden – da ist es doch egal, ob die später wieder gesund werden. Von daher hilft nur stumpfe Gewalt zur Eindämmung – inklusive Massentötungen, Verbrennung und sonstigem. Auf was das alles hinausläuft, kann sich der Genre-Freund bereits nach zwei Minuten an den Fingern abzählen.

„The Crazies“ ist dabei aber kein typischer Zombie-Film – zumal wir es ja nicht wirklich mit Untoten zu tun haben. Trotzdem wirken die Infizierten vor allem ihrem Aussehen her wie Zombies, sind aber bei weitem nicht so gedankenlos wie ihre untoten Freunde. Die Verrückten reagieren und agieren, komplett seelenlos sind sie nicht, was sie ein wenig interessanter erscheinen lässt als normale Zombies. Dazu kommt ein gelungenes Setting – die abgesperrte Stadt, die im Chaos brennender Autos und Leichen versinkt, die Army-Stützpunkte, die dafür sorgen sollen, dass niemand hinaus kommt. Da gibt sich der Film die allergrößte Mühe, die gruselige Atmosphäre einzufangen.

Als Horrorfilm fehlt „The Crazies“ einfach der Horror. Es gibt nur wenige wirkliche Schockmomente. Eisner versucht es zwar ein paar Mal, aber dank der Vorhersehbarkeit der Geschichte erschreckt hier nichts wirklich. Als Survival-Thriller funktioniert der Film da schon etwas besser, weil die Endzeit-Stimmung und die Panikmache durch mögliche Übergriffe, Infektion und Tod dann doch wieder recht spannend inszeniert sind. Sozialkritisch wird der Film aber auch nicht wirklich – er hebt nur einen Finger, um auf die böse Army zu zeigen. Das „Fressen und gefressen werden“ innerhalb der Gemeinde kommt dadurch zu kurz, dass die Soldaten relativ früh eingeführt werden. Vielleicht hätte es „The Crazies“ gut getan, wenn man länger die bedrohte Kleinstadt-Idylle gezeigt hätte, in der Väter ihre Familie verbrennen (so wie am Anfang des Films) oder Ehefrauen den toten Ehemann rächen. Leider wird das nur kurz angesetzt, um anschließend mehr auf den Sheriff und sein kleines Grüppchen überzugehen. Dank Olyphant und Mitchell erleben wir aber ein durchaus sympathisches Film-Pärchen, denen wir es nur zu gerne gönnen würden, wenn ihre kleine Familie überleben würde.

Somit bleibt „The Crazies“… ja, was eigentlich? Halt „solide“ Unterhaltung, die sich irgendwo zwischen Katastrophen- und Horrorfilm bewegt.

Wertung: 6 von 10 Punkten (allzuviel Spannung darf man nicht erwarten, zu viel Horror auch nicht – dann ist der Überlebenskampf noch halbwegs nett anzuschauen)

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8 Kommentare leave one →
  1. 18. Mai 2011 06:32

    Gefiel mir sehr gut. Die wenigen paar Schreckmomente fand ich sogar ziemlich gut…beispielsweise im Babyzimmer mit dem Mutter-Sohn-Rächerpärchen.

    Und die „Start-Szene“ auf den Baseballfeld fand ich sogar fantastisch.

    Und: Der Nebendarsteller…also der Deputy…liefert überdies auch eine ziemlich beeindruckende Leistung ab.

    • donpozuelo permalink*
      18. Mai 2011 09:47

      Sehr gut hätte ich es wohl auch gefunden, wenn ich genau gewusst hätte, was mich erwartet. Wenn ich den jetzt noch einmal sehen müsste, dann würde der Film sicher besser bewertet werden 😉

      Auch wegen der von dir erwähnten Szenen. Dieses Mutter-Sohn-Rächerpärchen war wirklich krass.

  2. 18. Mai 2011 09:13

    Ich bin bei dem Film damals fast eingeschlafen. Der Deputy war irgendwie für mich der Klischee-Sidekick. Nervig und wir wissen alle, wie es mit ihm ausgeht. Für den Rest zitier ich mich mal selbst:

    „Ein Survival-Horror, ohne Horror und aufkommende Survivalstimmung. Folglich eine Gurke, die man wirklich nicht sehen braucht. Der Grund für die Epidemie ist so hanebüchen wie einfallslos und es kommt einfach nie Spannung auf. Ganz ehrlich, da schaue ich mir lieber wieder einen Ich-renn-mit-der-Kamera-durch-die-Gegend-Film an, als mir sowas anzutun. “ 😉

    • 18. Mai 2011 09:22

      Heeey…jetzt hab ich drüben bei dir gerade deine Review zu Priest gelobt. DAS NEHM ICH JETZT ZURÜCK.

      🙂

      • 18. Mai 2011 11:09

        Ähm, ähm bevor ich so rasch unterbrochen wurde, wollte ich natürlich sagen: der Darsteller des Deputys leistet echte Arbeit und es ist eine wahre Schande, dass er dafür nicht ausgezeichnet wurde. 😀

    • donpozuelo permalink*
      18. Mai 2011 09:52

      Woah!!! Eine Gurke??? So schlimm fand ich „The Crazies“ nun auch wieder nicht (siehe oben 😉 )

      • 18. Mai 2011 16:43

        Okay, Gurke war damals vielleicht etwas hart formuliert. ^^
        Aber ein Horrorfilm, bei dem ich fast einschlafe und dem man trotz geselliger Runde einfach nichts abgewinnen kann, ist schon ein wenig schlecht.

        Immerhin kann ich sagen, dass er nicht so schlecht wie der Film danach war. Was bei Hatched 2 allerdings auch nicht allzu schwer war. 😉

        • donpozuelo permalink*
          18. Mai 2011 19:50

          Ich merke gerade, dass der Begriff „Horrorfilm“ für „The Crazies“ möglicherweise auch ein wenig in die Irre führt. Klar, unter Horror stellt man sich schon ein bisschen mehr vor. Man könnte es ja „Survival-Katastrophen-Film“ nennen. Mit dieser Bezeichnung funktioniert der Film dann auch schon besser 😉 (möglicherweise)

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