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Rentner mit Problemen

29. April 2011

Es ist ja schon fast langweilig, sich immer wieder darüber auszulassen, dass Hollywood keine eigenen Ideen mehr vorbringt und sich stattdessen mit jeder noch so winzigen Comic-Reihe auseinandersetzt. Da kann man nur ein wenig hoffen, dass das auch nur so eine Phase ist, die irgendwann ihren Höhepunkt erreicht und dann durch etwas anderes, möglicherweise – hoffentlich – durch was Neues ersetzt wird. Aber so lange werden wohl noch einige Filme auf uns zu kommen, die auf einem Comic basieren.

Hollywood setzt bei solchen Verfilmungen natürlich immer auf den Vermarktungswert, der durch eine riesige Fangemeinschaft unheimlich in die Höhe steigt. Da mutet es fast schon risikofreudig zu, wenn ein Comic verfilmt wird, der keine offensichtliche Gemeinde hinter sich zu stehen hat. Vielleicht ist das auch der Grund, warum man die Regie einem Deutschen anvertraut hat – den kennt in den USA wahrscheinlich auch kaum jemand, die Verluste wären wohl nicht so dramatisch. Dabei ist besagter Deutscher mit schon ganzen zwei Hollywood-Produktionen auf dem Weg sich zu etablieren. Es ist also eine Zwickmühle, aber man hat es riskiert.

Regisseur Robert Schwentke (vor allem durch „Tattoo“ bekannt geworden und später durch „Flightplan“ mit Jodie Foster und „Die Frau des Zeitreisenden“ mit Eric Bana und Rachel McAdams auch in Hollywood etwas bekannter) verfilmt den aus drei Bänden bestehen Comic „RED“ von Warren Ellis und Cully Hamner. Dass die Studiobosse scheinbar doch Vertrauen in Schwentke hatten, zeigt sich an der Besetzungsliste: Bruce Willis, John Malkovich, Morgan Freeman und Helen Mirren spielen in „R.E.D.“ pensionierte Agenten und Auftragskiller. Frank Moses (Willis) wird in seiner Rente gestört – durch ein CIA-Team, das ihn töten soll. Moses erfährt über mehrere Ecken, dass der neue Mann beim CIA Cooper (Karl Urban) den Befehl dazu gegeben hat. Um herauszufinden, warum, holt Moses seine alten Freunde aus dem Ruhestand zurück und beginnt einen Kleinkrieg gegen die CIA. Mit fatalen Folgen (für die CIA) und überraschenden Erkenntnissen…

„Retired, Extremly Dangerous“ – dafür steht „R.E.D.“ Retired trifft für einen Großteil der Schauspieler auch zu. So ist Bruce Willis schon lange kein großer Action-Held mehr wie zu seinen „Stirb Langsam“-Zeiten. Man wird halt alt, was aber gerade bei Bruce Willis nicht unbedingt heißen muss, dass er schlechter wird. Im Gegenteil, es macht auch in „R.E.D.“ immer noch Spaß, dem Mann beim Töten zu zusehen. Zumal man ja neidlos anerkennen muss, dass gerade Bruce Willis das Altern echt gut bekommt 😉 Aber ich weiche vom Thema ab: Schwentke setzt bei seiner Besetzung auf alte Stars, die sichtlich Spaß dabei haben, sich mal ein wenig zum Affen zu machen. Vor allem John Malkovich als paranoider Marvin ist echt klasse. Und was ich am wenigstens gedacht hätte: Oscar-Preisträgerin Helen Mirren macht eine erstaunlich gute Figur im Blockbuster-Format als Waffen hantierende ältere Dame. Von wegen „Queen“, wohl eher „Killer-Queen“!

So viel Spaß wie alle Beteiligten ganz offensichtlich an diesem Ausflug ins Comic-Genre haben, so sehr verzweifelt Schwenkte daran, die Geschichte entsprechend umzusetzen. Vielleicht liegt es daran, dass die Geschichte sich dem Alter (und damit dem Tempo) seiner alten Stars angleicht, aber „R.E.D.“ ist streckenweise echt lahm. Wir reden hier immerhin von einem Film, der als Action-Komödie gehandelt wird: die Action ist gerade zum Anfang noch echt gut, wird dann aber schwächer. Und die Komödie dringt auch nur ganz schwer hervor. Mit der Zeit werden es Verlegenheitslacher, weil John Malkovich einfach zu albern wirkt und Bruce Willis einmal mehr beweist, dass er kein richtig komisches Talent hat. Coole Sprüche und Einzeiler mit Schweinebacken-Kommentaren sind okay, mehr aber auch nicht.

Für „R.E.D.“ hätte ich mir trotz der vielen Rentner-Agenten etwas mehr Tempo gewünscht. Es ist ein guter Film und irgendwie auch wieder nicht. Gut wird er durch seine Schauspieler, schlecht durch die platte Geschichte und ihre extrem in die Länge gezogene Erzählweise. Man merkt dem Film sehr deutlich an, dass trotz aller Hollywood-Größen kein Hollywood-Regisseur das Sagen hatte. Dann wäre vielleicht tatsächlich etwas mehr Action und weniger Gerede gewesen. Aber viel Gerede muss ja nicht immer schlecht sein. Nur in diesem Fall hätte dieses Gerede dann auch wirklich witzig sein müssen.

Robert Schwentke erschafft mit „R.E.D.“ einen eher durchschnittlichen Film, der mit großen Namen lockt. Wenn man das mag, kann man sich sicher mit „R.E.D.“ die Zeit vertreiben – in Sachen Action-Komödie gibt es aber definitiv würdigere Vertreter.

Wertung: 6 von 10 Punkten (etwas lahmende Geschichte, dafür aber mit sehr gut aufgelegten Schauspielern, die Spaß dabei haben, noch einmal Räuber und Gendarm zu spielen)

6 Kommentare leave one →
  1. 29. April 2011 06:17

    Ich fands auch schade. Schauspieler und Idee hätten was hergegeben; und nach dem herrlich makaber-realistischen „Eierdiebe“ (2003), der sich natürlich nicht in die amerikanische Traumwelt übertragen liess, hatte ich ein wenig mehr erwartet.

    • donpozuelo permalink*
      30. April 2011 14:32

      Willkommen! 😉

      „Eierdiebe“ habe ich nicht gesehen und hatte dementsprechend nicht sonderlich hohe Erwartungen an diesen Film. Ist wohl so wie mit „wanted“: Man sollte lieber beim Comic bleiben. Da funktioniert dann wenigstens alles.

  2. 29. April 2011 06:31

    Der Filmhat meiner Meinung nach ein ähnliches ‚Problem‘ wie die Oceans 11-13 Filme. Ohne grosse Schauspieler wäre er nur eine leere Hülle.

    Aber es macht halt schon Spass den Alten zuzusehen. Die Action jedoch kam in der Tat ein wenig zu knapp.

    Karl Urba finde ich hier übrigens ziemlich grossartig. Insbesondere am Anfang als Fiesling.

    • donpozuelo permalink*
      29. April 2011 11:46

      Der Vergleich mit „Ocean’s“ ist gar nicht so verkehrt, obwohl ich sagen muss, dass mir da der erste Teil noch richtig Spaß gemacht hat (Bevor es in Teil 2 nur noch um große namen und leere Hülle ging). Von daher würde ich persönlich, „Ocean’s“ noch fast vor „R.E.D.“ stellen…

      Obwohl… Bruce Willis spielt mit… ok, unentschieden 😉

  3. 29. April 2011 20:03

    Karl Urban ist wirklich super und die großen, alten Hasen tun halt das, wofür man sie kennt. Und ich kann es nur erneut betonen: niemand steigt so cool aus einem Auto aus wie Bruce Willis. ;D

    Ansonsten ist die Story ja eher mau und manche Wendungen waren jetzt auch nicht der Bringer. Guter Durchschnitt.

    • donpozuelo permalink*
      30. April 2011 14:24

      Guter Durchschnitt, aber dank Bruce Willis kann man es sich anschauen. So aus dem Auto zu steigen wie er ist tatsächlich cool. Wird nur noch davon getoppt, wie Angelina Jolie James McAvoy in „Wanted“ in ihr Auto „lädt“ 😉

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