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Trinkwasserverschmutzer

13. April 2011

Eigentlich wollte ich ja jetzt einen Verriss zu Eli Roths „Cabin Fever“ schreiben – einen der peinlichsten „Horrorfilme“, die ich bis jetzt gesehen habe. Zumal ich gar nicht weiß, ob der Begriff „Horrorfilm“ überhaupt passend ist. Sowieso weiß man nicht wirklich, was „Cabin Fever“ denn nun eigentlich sein soll: Horror, Komödie, „Gesellschaftsstudie“ oder einfach nur Verwurstung billiger Klischees von Silikon-Braut über dusseligen Einheimischen im Nirgendwo?

Aber kann man einen Verriss schreiben über einen Film, der möglicherweise nie den Anspruch hatte, wirklich ernst genommen zu werden? Schließlich war „Cabin Fever“ Roths erster Film, die Finanzierung war so mau, dass die Schauspieler kaum Gage bekamen. Außerdem zieht mein Argument „Jeder Amateur hätte diesen Film spannender machen können“ nicht mehr, wenn man bedenkt, dass so ziemlich alle, die da mitgespielt haben, kaum Erfahrung im Business hatte. Das könnte die schlechten schauspielerischen Leistungen eines jeden Darstellers entschuldigen. Das könnte möglicherweise sogar die spannungsarme Geschichte entschuldigen, die auf Stereotypen aufbaut und verzweifelt versucht, an bestimmten Stellen ironisch zu sein (ist sie aber nicht, sondern nur albern).

Wenn man das alles in Betracht zieht, könnte man vielleicht sogar verstehen, warum Peter Jackson angeblich so begeistert von dem Film gewesen sein soll. Nimmt man Jacksons Anfänge mit so trashigen Sachen wie „Bad Taste“, dann darf man Roth wohl noch gratulieren – immerhin hat sein „Cabin Fever“ mehr Substanz als Jacksons Außerirdische in „Bad Taste“. Warum allerdings Quentin Tarantino auch so auf Eli Roth steht und ihn sogar die „Zukunft des Horrors“nennt, versteh ich jetzt wirklich nicht. Klar, Roth hat mit seinen „Hostel“-Filmchen das Folter-Horror-Genre auf die Spitze getrieben, aber das war’s doch dann auch schon wieder. Für Tarantino reicht’s aber aus, der Mann steht auf Roth: Der durfte dann sogar für die „Grindhouse“-Filme einen Fake-Trailer drehen und erhielt die große Ehre, Regie beim Film-im-Film-Segment in „Inglorious Basterds“ zu führen (ihr wisst schon, die Geschichte mit Daniel Brühl als glorreicher Soldat). Außerdem produzierte Ziehvater Tarantino seine „Hostel“-Filme.

Man könnte also all diese Lobpreisungen für Eli Roth nehmen und sagen: „Naja, für einen Low-Budget-Horrorfilm ist ‚Cabin Fever‘ ja doch nicht so schlecht!“ Aber Moment… wir lassen uns nicht von Tarantino, Jackson und Co. beeinflussen und sehen die Wirklichkeit. Und die Wirklichkeit ist, dass wir schon bessere Low-Budget-Filme gesehen haben.

„Cabin Fever“ ist aber wirklich, wirklich, richtig, richtig schlecht: Eine Gruppe Teenager machen Urlaub im Wald. Ein Typ kommt vorbei – infiziert mit irgendeinem Virus. Die Teens vertreiben ihn, der Typ stirbt, fällt ins Wasser und infiziert so das Wasser. Die Teens trinken das Wasser und krepieren ebenfalls nach und nach.

Die schlechten schauspielerischen Leistungen habe ich ja schon angesprochen. Man merkt zwar, dass sich alle furchtbar viel Mühe geben, auch ganz angestrengt zu keuchen, zu schreien und zu brüllen. Aber wenn man nur oberflächliche Figuren bekommt, dann kann man halt nur oberflächliche Sachen machen und so Dinge sagen wie „Das ist wie ein Flugzeugabsturz und das einzige woran du dann denkst, ist mit dem Typen neben dir noch einmal Sex zu haben, weil es ja eh das Letzte ist, was man tun kann!“ Klare Sache. Wäre bei einem Absturz auch mein erster Gedanke, gleich nach: „Ich hoffe, wir überleben und landen auf der ‚LOST‚-Insel!“ Solche scharfsinnigen Überlegungen bekommen wir in „Cabin Fever“ häufiger. Dieses Kommentar ist dann damit verbunden, dass Frau Silikon-Busen zum zweiten Mal im Film blank ziehen darf. In der Horrorwelt von Eli Roth ist dann halt doch alles sehr einfach: wir haben Angst, wir schreien… und ach ja, zwischendurch kann man auch schnell noch mal in die Kiste springen.

Der Film macht wirklich in keinster Weise „Spaß“. Selbst die komischen Momente wirken überzogen und albern, die Schauspieler hochgradig überfordert. Wenn man dann überlegt, dass Eli Roth Angst vor Blut hat, dann spritzt es in seinen Filmen ordentlich (Kunstblut scheint in Ordnung zu sein). Das ist aber auch das einzige, was in „Cabin Fever“ funktioniert.

Aber… wie es scheint, stehe ich mit meiner Meinung ziemlich alleine da, wenn man überlegt, dass der Film bei einem Budget von knapp 1, 5 Millionen fast 33 Millionen eingespielt und eine Fortsetzung erhalten hat. Naja, über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten 😉

Wertung: 2 von 10 Punkten (den Trip in den Wald kann man sich sparen, den Hype um Herrn Roth auch)

9 Kommentare leave one →
  1. 13. April 2011 05:14

    Also ich fand Cabin Fever auch ziemlich schlecht. Und Eli Roth mag ich nur, weil er einfach sympathisch wirkt. Er ist ziemlich offensichtlich ein Fanboy, was vor allem beim Schauen von MakingOfs klar wird. Und an solch ambitionierten Leuten, die mit Spass hinter ihre Arbeit gehen, mangelt es in Hollywood.

    • donpozuelo permalink*
      13. April 2011 10:21

      Roth ist ganz offensichtlich Fanboy. Aber die Filme, die er bisher gemacht hat, sind alle nicht so mein Fall gewesen – trotz Tarantino und Co. Dass es hollywood an ambitionierten Leuten fehlt, zeigt sich doch jetzt schon an der Massen-Verwurstung von alten Sachen. Nur, ob Herr Roth daran was ändern kann, ist fraglich.

      Wo ich ihn aber tatsächlich sehr mochte, war in seiner Rolle bei „Inglorious Basterds“ 😉

  2. 13. April 2011 07:19

    Yep, ich mochte den Film auch nicht sonderlich. Habe damals zwar ein oder zwei Pünktchen mehr gegeben, ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Film gnadenlos überbewertet ist.

  3. dom permalink
    13. April 2011 11:54

    Sers!

    Sach mal, haben wir den Schund damals in guildford ned miteinander gschaut? der ist doch uuuuralt??

    Grüße

    Dom

    • donpozuelo permalink*
      13. April 2011 13:47

      Ich habe ihn jetzt das erste Mal gesehen. „Uuuralt“ ist der schon irgendwie – 2002 kam der raus. Und hätte eigentlich gleich wieder verschwinden müssen 😉

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