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Masturbierender Hund auf Reisen

11. April 2011

Komödien und ihre Trailer sind immer eine sehr zwiespältige Angelegenheit. Man weiß nie, ob man in den 2:30 als Trailer bereits alle guten Gags des Films gesehen hat oder nicht? Da ich mir mittlerweile kaum noch Komödien im Kino angucke, da mich meistens nicht einmal der Trailer wirklich überzeugen können, kann ich auch keine Beweise für oder gegen diese These aufbringen. Umso schöner, wenn hin und wieder die Gags mal über den Trailer hinaus reichen. So geschehen damals bei „The Hangover“: Das war so ein Film, den ich anfangs echt skeptisch beäugt habe. Aber wie sich herausstellte, war der Film grandios, witzig, temporeich und eine der besten Komödien seit langem. Lag wohl auch daran, dass der Film weniger auf De Niro, Sandler und Co. setzte, sondern sich mal etwas frischere Gesichter holte, diese in eine irrwitzige Geschichte packte und einfach vor nichts Halt machte. „The Hangover“ lebte hin und wieder auch sehr stark von diesem kleinen, dicken Typen namens Zach Galifianakis, der erst so richtig durch „Hangover“ bekannt wurde. Da spielte er… ja, was eigentlich? Reicht das Wort „debil“ aus oder „grenzwertig“ oder „merkwürdig – keine Ahnung, jedenfalls spielt Galifianakis einen recht eigensinnigen, „verwirrten“ Mann, der aber für ein paar herrliche Lacher verantwortlich war.

Das würdigt „Hangover“-Regisseur, indem er Galifianakis nun seinen ganz eigenen Film geschenkt hat – an der Seite von Robert Downey Jr.: „Stichtag“. Die Geschichte ist relativ schnell erklärt: Peter (Downey Jr.) will von Atlanta nach L.A. – möglichst rechtzeitig zur Geburt seines Kindes. Aber schon am Flughafen legt sich ein dunkler Schatten über seine Reise: Er trifft auf Ethan Tremblay (Galifianakis), der auf dem Weg nach Hollywood ist, um als aufstrebender Schauspieler bei „Two and a half men“ mit zu spielen. Es kommt zu Verwirrungen und Irrungen und Peter und Ethan fliegen – schöner Wortwitz – aus dem Flugzeug und sind gezwungen zusammen mit dem Auto nach L.A. zu fahren. Samt masturbierendem Hut Hund, Ehtans Vater in einer Kaffeedose und zahlreichen Umwegen.

In „Hangover“ war die Dosis Galifianakis noch zu ertragen, in „Stichtag“ bekommen wir dafür die absolute Überdosis. Ich kann nicht genau sagen, was es ist, aber der Typ wird auf die Dauer anstrengend. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern ist erstaunlich gut: Downey Jr. gibt den vollkommen aufgelösten Reisenden, der zwischen sich und dem Typen neben ihm am liebsten den ganzen Grand Canyon hätte. Für Galifianakis‘ Figur gilt genau das Gegenteil: da wird mal eben zum Einschlafen im Auto masturbiert, Berührungsängste gibt es keine, persönlicher Freiraum gleich Null. Wie ein debiles kleines Kind rennt Ethan gegen jede „gesellschaftliche“ Sitte. Hin und wieder ist das ja ganz lustig, auf die Dauer aber eher nicht. Und dazu kommt dann halt mein undefinierbares Gefühl, dass dieser Hollywood-Grieche einfach irgendwie merkwürdig ist.

Aber gut… abgesehen von Galifianakis ist „Stichtag“ auch sonst kein besonders berauschender Film, der wiederum eindeutig in die Kategorie „Der Trailer zeigt schon die besten Szenen“ gehört. Was ein witziger Road-Trip sein soll, ist nur teilweise wirklich witzig. Wie schon gesagt, die Chemie zwischen Ethan und Peter stimmt bzw. stimmt nicht, weswegen gerade am Anfang Eiseskälte zwischen den beiden herrscht. Robert Downey Jr. füllt seine Rolle noch mit ein bisschen Würde und diesem hektischen „Ich werde bald Vater“-Trieb, der keine Pausen und Umwege duldet. Dabei zeigt er gleich zum Anfang – beim Besuch bei Ethans Dealerin (Juliette Lewis) – wie man mit nervenden Kindern auch umgehen kann 😉

Galifianakis ist also der durchgedrehte Gegenspieler, der eigentlich für fast alle schlimmen Situationen zuständig ist. Auf die Dauer werden die aber immer etwas alberner und alberner, die Dialoge wirken anfangs noch frisch, irgendwann aber alt und aufgebraucht. Dafür, dass der Film so sehr dialoglastig ist, hätte man sich da etwas mehr Mühe geben können. Aber Todd Philips‘ Komödie tut sich schwer, mit nur zwei Leuten (und einem Hund) in einem Auto wirklich komisch zu sein und verliert sich dann in langweiligen Situationen, die wir in anderen Filmen schon besser gesehen haben.

„Stichtag“ hätte komischer sein können, wenn man sich vielleicht ein bisschen mehr auf die einzelnen Figuren konzentriert hätte. Stattdessen ist die Entwicklung vorhersehbar – sie werden schließlich doch irgendwie Freunde. Statt Klasse setzt Phillips auf Masse: ordentliche viele Merkwürdigkeiten sollen für die Lacher ausreichen. Naja, wer’s mag…

Dank Robert Downey Jr. kann man sich „Stichtag“ zwar angucken, man kann es aber auch sein lassen. Aber wenn jemand weiß, warum dieser Zach Galifianakis so komisch ist, dann meldet euch 😀

Wertung: 5 von 10 Punkten (ein eher unkomischer Road-Trip, bei dem der „Two and a half men“-Ausschnitt noch mit am komischsten war)

11 Kommentare leave one →
  1. graval permalink
    11. April 2011 06:42

    „Samt masturbierendem Hut“ – Und du bist sicher, dass wir den gleichen Film gesehen haben? :mrgreen:

    Ansonsten stimme ich dir wohl in jedem Punkt zu: Der Trailer verbrennt wirklich die besten Szenen des Films. Und Galifianakis nervt mit der Zeit. Nicht im lustigen Sinne. Was auch ein bisschen misslingt, ist der versuchte Spagat zwischen Niveau und Blödelkomödie, den man auch in den Personen Downey Jrs. und Galifianakis zeigt. Man hätte sich besser für eines entschieden und das durchgezogen. Aber für einen Männerabend oder Ähnlich taugt der Film allemal. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      11. April 2011 12:43

      😀 Ein masturbierender Hut wäre doch mal witzig (wurde aber geändert!!!)

      Ich finde aber den Film nicht einmal wirklich Männer-Abend-tauglich. Irgendwie ist der Film für nichts tauglich. Weswegen ich mich auch immer wieder frage, warum der gute Robert Downey Jr. da überhaupt mit gemacht hat. Wahrscheinlich wollte er auf den „Hangover“-Erfolg aufsteigen.

      • graval permalink
        11. April 2011 13:50

        Nein das wäre äusserst unwitzig und unschön! Pfui! 😛

        Aber ja, ich finde den Film am ehesten für Männerabende tauglich, wos nicht viel Krachen muss. Hab ihn jedoch tatsächlich mit einer Dame geschaut, was meine These so ziemlich widerlegt ^^

  2. 11. April 2011 07:39

    Extrem schlechter, unwitziger Mist, den man verbannen sollte. Todd Phillips ist nicht so meins, er hat ja ständig das gleiche Schema – und es funktioniert nicht. Alleine der erste Blick von Downey Jr. und Galifikanikis am Anfang des Films hatte Stil, dann gings aber auch nur noch bergab.
    Aus irgendeinen Grund mochte ich ansatzweise den Trailer von ,,Hangover II“, von daher ist die Hoffnung vielleicht doch nicht verloren. ^^

    • donpozuelo permalink*
      11. April 2011 12:45

      Tja, „Hangover II“ sehe ich ja auch noch etwas skeptisch, auch wenn ich den Trailer auch nicht soooo schlecht finde.

      Ich find’s halt nur schade, dass man mit aller Gewalt so einen zweiten Teil da hin kloppen muss, der doch im Endeffekt nichts anderes sein wird als der erste Teil – halt nur in Asien. Mal schauen, was das so wird…

  3. 11. April 2011 20:34

    Ich finde Zach Galifianakis überhaupt nicht lustig und eigentlich ziemlich untalentiert.
    Warum manche ihn trotzdem für witzig halten – keine Ahnung.
    The Hangover fand ich auch schon so schwach. Beim ersten mal bin ich eingeschlafen und dann hatte ich durch den Film gequält ^.^
    Stichtag fand ich auch sehr schwach. Besser vielleicht mit jemand anderem als Zach Galifianakis. Wer weiß?

    • donpozuelo permalink*
      12. April 2011 05:41

      Ein anderer als Galifianakis wäre sicherlich besser gewesen, aber wenn die Witze eh die gleichen bleiben hätte das am Film an sich wahrscheinlich auch nicht viel geändert – außer dass Galifianakis nicht mehr mit gespielt hätte 😉

      Aber Phillips scheint ihn ja sehr zu mögen…

      „The Hangover“ fand ich da um Meilen besser, habe mich bei dem Film ehrlich gesagt auch sehr köstlich amüsiert und eigentlich irgendwie gehofft, dass es so auch mit „Stichtag“ wird. Aber so wird man halt wieder einmal von einer Komödie schwer enttäuscht…

  4. 29. April 2011 16:10

    Hangover hat halt den Vorteil des Überraschungseffekt. Bei diesem Fall hat sich wahrscheinlich 80% der Zuschauer schon ein Hangover II erhofft und das ist er halt einfach nicht.

    Der Vorteil von Komödien im Kino ist, dass der ganze Saal lacht. Das finde ich persönlich wertet einen Film auf. Ist mir schon öfter passiert, dass ich den gleichen Film Jahre später dann noch einmal im TV gesehen habe und ihn dann einfach nur langweilig fand. Da bin ich anscheinend einfach gestrickt, wegen Leuten wie mir werden in Sitcoms Lacher vom Band eingespielt 🙂

    • donpozuelo permalink*
      30. April 2011 14:22

      Ja, der Saal-Lacher ist immer etwas besser als der „einsame“ Lacher zu Hause vorm Fernseher. Aber ich glaube, selbst bei diesem Film hätten mich auch die Saal-Lacher nicht weiter gebracht.

      • 30. April 2011 15:15

        Andersherum: Wenn die Leute im Saal lachen und der Gag überhaupt nicht witzig gewesen ist, dann macht das den Film gleichermaßen viel unsympathischer und, mich jedenfalls, verärgert das eher, als dass mich das ansteckt. Da bin ich doch häufiger für den ,,einsamen“ Lacher zu Hause 😀
        Hat beides was, manchmal stört die Gesellschaft, manchmal aber auch nicht..der einsame Lacher zu Hause ist nämlich auf eine Art wirklich einsam =(

        • donpozuelo permalink*
          2. Mai 2011 05:41

          Hast du wohl Recht! 😉

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