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Pakt mit dem Teufel

8. April 2011

Dass Mickey Rourke in den 80ern mal mit James Dean und Marlon Brando verglichen wurde, erscheint heute fast schon wie ein Witz. Allein wenn man in das Gesicht dieses Mannes schaut, fragt man sich schon, wo da was von Dean oder Brando sein soll. Aber gut… wenn der Gute sich nicht irgenwann mit Profiboxen versucht hätte, dann hätte er vielleicht auch noch das Schönling-Image, weswegen ihn viele Frauen nach „9 ½ Wochen“ gerne zu sich eingeladen hätten. Mittlerweile kann man Rourke wohl eher als „Charakter-Fresse“ bezeichnen, was durch seine letzten Rollen ja nur bestätigt wurde.

Aber als Mickey Rourke noch gut aussah, machte er auch eine Reihe von Filmchen, von denen ich bislang nur diesen langweiligen und vollkommen überschätzten Soft-Porno mit ihm und Kim Basinger gesehen habe. Jetzt endlich habe ich mal was „vernünftiges“ mit Rourke in der Hauptrolle gesehen: „Angel Heart“.

Rourke spielt den Privatdetektiv Harry Angel, der von dem unheimlichen Louis Cyphre (Robert De Niro) angeheuert wird, um den verschollenen Musiker Johnny Favorite zu suchen. Favorite litt nach dem Zweiten Weltkrieg an Amnesie und wurde in einer Anstalt behandelt. Doch als Angel dort nachfragt, ist Favorite schon lange verschwunden. Die Suche führt Angel nach New Orleans und in die Voodoo-Szene. Und je weiter Angel bohrt und wühlt, desto offensichtlicher wird, dass jemand nicht will, dass Favorite gefunden wird. Denn sobald der Detektiv eine Person befragt, wird diese kurz danach tot aufgefunden.

„Angel Heart“ ist eine fast gekonnte Mischung aus Okkult-Thriller und Detektiv-Film. Das „Fast“ kommt vor allem daher, dass der Film in der Mitte ganz schöne Längen aufweist, weswegen alles etwas langweilig wird. Schlimmer ist das nur die Tatsache, dass man ab da auch schon ahnen kann, worum es eigentlich wirklich geht. „Angel Heart“ hat der gekonnte Zuschauer ziemlich schnell durchschaut, angucken macht aber trotzdem Sinn. Warum? Da gibt es einiges…

Da wäre vor allem die Regie von Alan Parker, der es trotz der etwas langen Geschichte hinbekommt, einen tollen Film zu drehen, der voller versteckter Motive steckt, deren Entschlüsselung richtig Spaß machen kann, wenn man sich darauf einlässt. Allerdings gibt es solche und solche Motive: Am offensichtlichsten sind zum Beispiel die Namen Angel und Louis Cyphre, was man schnell als Namen des gefallenen Engels erkennen kann. Interessanter wird da schon das sich wiederholende Bild eines sich rückwärts drehenden Ventilators. Der taucht immer wieder auf, so richtig begreifen kann man das Bild aber erst, wenn man die Auflösung der Geschichte kennt. Parkers „Angel Heart“ lebt von diesen kleinen versteckten Rätseln und Rückblenden, die er in sehr schönen Bildern zeigt. So wird die Haupthandlung immer wieder durch sehr kryptische Szenen unterbrochen, die erst mit der Auflösung ihre wahre Bedeutung offenbaren. Aber Okkult ist Okkult, und spätestens wenn das Thema zur Wahrsagerei und Voodoo übergeht, wundert man sich auch nicht mehr über Parkers Herangehensweise.

Auch sehr sehenswert ist Robert De Niro als Louis Cyphre. Mit Vollbart und langen, spitzen Fingernägeln, immer im Sitzen und einem langen schwarzen Stock in der Hand ist De Niros Cyphre so undurchschaubar wie eine Betonwand. Er taucht urplötzlich auf, gibt sich mehr als nur mysteriös und herrlich fies. Eine besondere Szene, die auch viel über seinen „wahren“ Charakter verrät, spielt sich ab, wenn Angel und Cyphre in einem Restaurant sitzen. Während Cyprhe ein Ei schält, erzählt er Angel, dass einige Kulturen das Ei als Symbol für die Seele ansehen. Kurz darauf beißt Cyphre mit einem absolut gruseligem Blick auf Angel in das Ei…. So eine Szene kann nur ein De Niro wirklich überzeugend hin bekommen.

Zum Ende hin nimmt „Angel Heart“ dann auch ordentlich Fahrt auf und schockt vor allem durch seine Auflösung, die sehr viel fieser war, als das, was ich mir gedacht hatte. Im Großen und Ganzen ist „Angel Heart“ ein toller Film, dem eine etwas zügigere Erzählweise gerade im Mittelteil gut getan hätte – hier läuft Angel einfach zu oft zu irgendwelchen Leuten, redet, beobachtet und tut sonst nicht viel.

Das Interessante ist nur, dass ich „Angel Heart“ für einen jener Filme halte, die beim zweiten Mal gucken, durchaus interessanter sein könnten. Denn durch das Vorwissen kann man die einzelnen Motive und Bilder besser interpretieren und sich so (vielleicht) noch besser in die Geschichte reinfinden.

Wertung: 8 von 10 Punkten (toller Horror-Thriller mit tollen Bildern und Motiven, der zwischendurch einen Hänger erleidet, daran aber nicht zugrunde geht)

9 Kommentare leave one →
  1. 8. April 2011 06:32

    Hab ich noch nie gesehen…klingt aber interessant. Den DeNiro hab ich gerade gestern erst in Limitless gesehen. Der macht eigentlich, im Gegensatzt zu der Zeit, auch nicht mehr wirklich bemerkenswertes. Irgendwie.

    • donpozuelo permalink*
      8. April 2011 10:53

      „Angel Heart“ kann ich wirklich nur empfehlen. Was Robert De Niro angeht, finde ich es auch sehr schade, dass er mittlerweile doch stark nachgelassen hat. Aber gut, dafür gibt’s ja dann die alten Filme auf DVD. 😉

  2. 8. April 2011 12:14

    Wohl einer mein liebster okkulter Horrorthriller. Einfach großartig, besonders bei der Erstsichtung. Habe den Film aber bestimmt schon ein halbes dutzend Mal gesehen und immer wieder Spaß damit. Sollte ich mir auch einmal wieder gönnen.

    • donpozuelo permalink*
      8. April 2011 12:29

      Ja, in die Kategorie gehört der jetzt wohl bei mir auch. Obwohl ich sagen muss, dass die Erstsichtung teilweise etwas anstrengend war. Ich schätze den Film eher so ein, dass er beim zweiten Mal interessanter wird, weil man dann noch intensiver Ausschau nach einzelnen Motiven hält.

  3. 8. April 2011 13:16

    Ist schon traurig was Rourke mit seiner visage gemacht hat naja wenigstens hat sein Schauspieltalent dabei nichts abgekrieg. Der Film klingt intressant werde ich mir merken.
    P.S. Ist das Bild von Drew Struzan gezeichnet?

    • donpozuelo permalink*
      8. April 2011 19:25

      Tja, da kann man nur sagen: Selber schuld! Wer sich als Profi-Boxer probiert und sich dann alles irgendwie durch OPs kaputt machen lässt… so darf er sich jetzt zumindest „Charakter-Darsteller“ nennen (eine schöne Umschreibung für hässlich, aber gut 😉 ).

      Das Bild sieht zwar sehr nach Struzan aus, das gebe ich zu, allerdings glaube ich nicht, dass es wirklich von ihm ist. Ich weiß ehrlich gesagt aber auch nicht, von wem es ist.

  4. 29. April 2011 16:05

    Netter kleiner Film, wurde neulich auf AXN glaube ich auf rauf und runter gezeigt. Kann mir auch vorstellen, dass der beim zweiten Mal auch noch trägt.

    Eine erinnerswerte Rolle hat auch die brave Tochter aus der Cosby-Show…

    • donpozuelo permalink*
      30. April 2011 14:21

      Ich kenn mich mit der Cosby-Show so überhaupt nicht aus, weswegen mir das nicht so aufgefallen ist.

      Aber auch so ein netter kleiner Film 😉

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