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Old Western Scarface

21. März 2011

Ich gebe es zu: Ich bin ein Unwissender. Ein verfluchter Mitläufer, ein Mainstream-Comicleser, der zwar gerne mehr abseits allem Mainstream lesen würde, sich dann aber doch lieber seinen altbekannten Freunden widmet. Aber zum Glück gibt es für mich „Mainstream-Nerd“ Rettung: Hollywood lebt ja in letzter Zeit davon, alte Marken neu zu vermarkten und hin und wieder ist da ja auch ein Comic mit dabei, der für die große Leinwand wieder belebt wird. Wenn ich den dann auch noch nicht kenne, bin ich immer gerne bereit mir sowas mal anzuschauen: So ist es dann auch bei mir und „Jonah Hex“ geschehen.

„Jonah Hex“ ist ein Western-Antiheld, den sich John Albano und Tony DeZuniga ausgedacht und der von DC Comics veröffentlich wurde. Und was für ein fieser Typ Jonah ist, versucht auch der Film von Jimmy Hayward zu zeigen: Jonah Hex (Josh Brolin) ist ein fieser Cowboy mit noch fieserem Narbengesicht, bei dem selbst „Scarface“ übel werden würde (und er müsste auch seinen Namen gleich abgeben – immerhin hat der doch nur eine winzige Narbe im Gegensatz zu Jonah Hex). Aber halt, so fies ist der fiese Jonah eigentlich gar, denn eigentlich ist er ein einsamer Mann auf Rachemission: Seine Familie wurde von dem bösen Quentin Turnbull (John Malkovich) umgebracht, weil der Jonah für den Tod seines Sohnes verantwortlich macht. Knapp dem Tod entronnen und mit der Fähigkeit, mit den Toten zu sprechen, wird Hex zum Kopfgeldjäger, bis schließlich der junge Präsident der noch zu jungen USA an ihn herantritt: Turnbull will nämlich mit einer super-duber-mega-waffe die neuen vereinigten Staaten zerstören.

Ja, es klingt albern und es ist auch albern. Ich kenne die Comic-Reihe nicht und kann nur hoffen, dass die es da besser gemacht haben. Was uns hier mit „Jonah Hex“ als Western angeboten wird, ist absolut unterirdisch, unspektakulär und unspannend. Zugegeben hat der Film einiges Potenzial, aber scheinbar hat man das lieber beim Drehbuchschreiben versoffen. Da kann sich Josh Brolin dann noch so viel bemühen, gegen soviel Unfug kann auch er nichts machen. An einigen Stellen blitzt zwar der Gedanke des alten, vernarbten und zynischen Haudegens durch, in ein paar wilden Rückblicken erleben wir den Tod seiner Familie hautnah mit, aber trotzdem bleibt Brolins Jonah Hex eine kaum ergründete Figur. Nur weil ein paar Indianer ihn wieder aufpäppeln und er knapp dem Tod entgangen ist, flattern Krähen hinter ihm her und redet mit den Toten! Hallo??? Wie ist denn das alles passiert? Und im Film ist das Ganze – aber vor allem die Sache mit den Toten – unausgereift und irritiert mehr. Wie gesagt, eigentlich echt schade: Da hatte Brolins kurzer Auftritt in „True Grit“ mehr Western-Flair und Tiefgang als in „Jonah Hex“.

Noch mehr als das traurige Drehbuch und Brolins verzweifelten Versuch, es mit Leben zu füllen, hat mich der Auftritt von John Malkovich fasziniert: entweder ist der Mann verzweifelt oder er hatte getrunken, als er für diesen Film zugesagt hatte. Immerhin reden wir hier von John Malkovich – aber John Malkovich bekommen wir hier nicht. Sein Quentin Turnbill ist in etwa so fies wie ein Welpen mit Husten. Der kläfft zwar viel rum, aber macht keinem wirklich Angst. Dafür versucht er in albernster James-Bond-Bösewicht-Manier die USA zu zerstören… was wie zu erwarten in die Hose geht.

„Jonah Hex“ ist echt miserabel, wenn selbst John Malkovich dabei nichts bringt. Da hilft es dann auch nicht, dass Megan Fox ihre wenigen Auftritte im Film in Korsett und Strapse durchführt – vielleicht hilft es für ein paar feuchte Teenager-Träume, für mehr aber auch nicht… 😉

Wenn man ganz, ganz ehrlich sein will, dann sollte man das wohl alles so zusammenfassen: „Jonah Hex“ ist sooo schlecht, dass er Will Smiths „Wild Wild West“ zu einem grandiosen Film macht: Immerhin gibt’s da mechanische Riesenspinne, Kenneth Branagh als schrulligen Bösewicht und Salma Hayek zeigt uns wenigstens ihren Hintern.

Wertung: 3 von 10 Punkten (wieder ein Beweis dafür, dass nicht jede Comic-Verfilmung gut ist und dem Comic gerecht werden kann)

18 Kommentare leave one →
  1. christiansfoyer permalink
    21. März 2011 07:57

    Den hab ich vor ein paar Wochen gesehen, hab auch ’ne Review geschrieben – und hab dann völlig die Lust verloren, die fertig zu stellen und zu posten. So wenig Bock hatte ich auf mehr als fünf Minuten der Auseinandersetzung mit diesem verunglückten Werk. Völlig verfälscht gegenüber der Vorlage, durch die Eingriffe des Studios übelst kastriert und, wie du ja auch einräumst, zwar mit Potenzial, aber das das vorhanden ist und nicht genutzt wird macht den Film letztlich nur noch unnötiger

    • donpozuelo permalink*
      21. März 2011 09:54

      Die Lust verloren??? Kann mir ja gerade bei solchen Filmen zum Glück nicht passieren. Da kommt bei mir eher der „Retter“ zum Vorschein, der die Welt vor solchem Unfug bewahren will. 😉

      Ich kenne leider die Vorlage nicht, aber kann mir trotzdem vorstellen, dass der Film ihr nicht in Ansätzen gerecht wird.

  2. 21. März 2011 08:47

    Ok, Schweizerdeutsch: Dä Film isch so gschissa. Würklich. I bin so enttüscht gsi.

    Ehrlich. Ich hab mich so genervt. Der verschenkt hier wirklich WIRKLICH ein riesiges Potential. Und das ist jetzt nicht nur so daher gefloskelt. Aber was erwartet man. Die haben zuerst die beiden total überschätzten Crank-Regie-Fuzzis anfangen lassen, waren nicht zufrieden und dann musste der Horton-hört-ein-Hu-Regisseur (!) einspringen und mit dem bereits gedrehten Schnippseln einen Film zusammenschustern. HIGH FIVE, ihr Deppen.

    Mann. Und dann noch die völlig verschenkte WTF-Rolle vom „Comedian“ als Toter in einer viiiiiiel zu dunkel gedrehten Szene.

    Einziger Lichtblick war, wie ich finde, Michael Fassbender. Der war ganz in Ordnung.

    • donpozuelo permalink*
      21. März 2011 09:56

      Schweizerdeutsch perfekt verstanden 😉

      Horton-hört-ein-Hu-Regisseur… aua. Der arme Mann kann einem nur leid tun. Nach den Crank-Leuten übernehmen zu müssen, um dann noch irgendwas zu retten. Da hätte niemand was bringen können.

      Was Fassbender angeht, gebe ich dir vollkommen Recht. Wollte ich auch noch schreiben. Der war wirklich super in dem Film.

  3. 21. März 2011 09:46

    Das „einzig“ gute am Film war die nackte Haut die Megan Fox zwischendurch durchblitzen liess von ihren schauspielrischen Künsten muss ja aber jetzt niemand anfangen. Josh Brolin versuchte dies zwar konnte dann den Kopf aber auch nicht übers Wasser bekommen. John Malkovich sckockierte mich dann geradezu ich meine dieser Mann war einmal oscarnominiert und macht in letzter Zeit nur noch Müll, bin zutiefst entsetzt.

    • donpozuelo permalink*
      21. März 2011 09:58

      Naja, zu Megan müssen wir echt nichts mehr sagen. Schmückendes Beiwerk hätte ein richtiger Ausdruck sein können, passt aber selbst hier nicht wirklich.

      Tja, zu Brolin kann man auch nur sagen: „Hoffentlich war das nur ein Ausrutscher“. Was der man bisher sonst noch so gemacht hat, spricht ja eigentlich eher für als gegen ihn.

      Und Malkovich… das tut einfach nur noch weh!!!

  4. 21. März 2011 18:15

    Ich habe noch nichts gutes über den Film gelesen und da meine Freude und mein Interesse an Western eher gering ist, belasse ich es bei dem Film bei anderorts fabrizierten Worten, die sicherlich unterhaltsamer sind als der eigetntliche Film…

    • donpozuelo permalink*
      21. März 2011 18:27

      Ich hatte vorher tatsächlich auch nichts gutes über den Film gelesen, war aber irgendwie dann doch neugierig (was wohl eher an Megan Fox auf dem DVD-Cover lag 😉 ). Aber man kann sich diesen Film echt sparen – bittere Kost und grausame Quälerei.

  5. 21. März 2011 20:30

    Habe den letztens gesehen und wird wohl noch ein paar Zeilen dazu geben. Unterschreiben kann ich das hier auf jeden Fall. Hier haben wir mal wieder so einen Film bei dem ich mich ernsthaft fragen, wie man große Schauspieler – wie Brolin oder Malkovich – zu so einem Stuss überreden konnte.

    Ich meine: 70 Minuten Film?! Da kann man doch nicht mal ansatzweise etwas erzählen und so war’s dann ja auch. Nicht mal die Grundzüge der Comicreihe konnten die ordentlich verpacken und der erzwungen coole Spruch am Ende hat einem wirklich den Rest gegeben und war zudem extrem vorhersehbar.

    Einfach nur buägh. Da hilft nicht mal der Westernbonus.

    • donpozuelo permalink*
      22. März 2011 08:45

      „Einfach nur buägh“ 😀 Das beschreibt den Film wirklich ausgezeichnet 😉

      Und dieses Phänomen, das selbst gute Schauspieler sich zu solchem Stuß hinreißen lassen, kann nur bedeuten, dass die Geld brauchen oder einfach nur sehr leichtgläubig sind (oder sie sind große Fans und wollen unbedingt mit dem Comic/ Film in Verbindung gebracht werden).

  6. 22. März 2011 06:26

    Aber ehrlich gesagt war Megan Fox nicht mal besonders attraktiv in dem Film. Also für ihre Verhältnisse. Das Korsett sah scheisse aus, sie sah immer auf eine negative unerotische Art und Weise verschwitzt aus und hatte zudem ausschliesslich unsympathische Sprüche drauf.

    • donpozuelo permalink*
      22. März 2011 08:47

      Das hast du auch irgendwie Recht. Da hat die gute Megan in anderen Filmen wirklich eine bessere Figur abgegeben…

  7. 22. März 2011 10:20

    Mir wurde erst vor kurzem vorgejammert, wie schlecht der wäre. Spätestens mit deiner Kritik hab ich jetzt aber mit ihm abgeschlossen. Verstehe gar nicht, wie man da was falsch machen konnte: Josh Brolin ist die coolste Sau Hollywoods, die Vorlage scheint düster und fies zu sein und Western sind sowieso immer was Feines. Ich bin enttäuscht, noch bevor ich ihn mir überhaupt angesehen habe 😐

    • donpozuelo permalink*
      22. März 2011 10:23

      Das ist bitter, aber leider nicht zu ändern. Der Film steht mal wieder dafür, dass halt nicht alles wirklich umgesetzt werden kann. Obwohl… wenn da jemand Fähiges hinter der Kamera gesessen hätte, der auch etwas für die Comics übrig hat, hätte das ein durchaus geiler Knaller werden können.

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