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Alles nach Plan

11. März 2011

Philip K. Dick war ein Visionär! Wer noch nichts von ihm gelesen hat, sollte das dringend nachholen. Was der Mann an Science-Fiction geschrieben hat, ist großartig, spannend und regt vor allem zum Nachdenken an. Dicks Romane und Geschichten beschäftigen sich mit vielen Dingen gleichzeitig, vor allem aber verarbeitete er in vielen Geschichten die Sorgen seiner Zeit, suchte nach Lösungen für den Kalten Krieg, malte sich Welten nach einem Atomkrieg oder gar nach einem Sieg Hitlers aus. Egal, was man von Philip K. Dick in die Hand nimmt, man kann sich sicher sein, dass man es verschlingen wird. Die Genialität Dicks hat auch Hollywood schnell erkannt und bedient sich seit Jahren immer wieder fröhlich am Werk des Science-Fiction-Autors. Das funktioniert mal auszgezeichnet (siehe „Blade Runner“), das geht aber auch öfter mal gehörig in die Hose (siehe „Next“ oder „Paycheck“).

Jetzt hat es wieder eine Dick’sche Geschichte in stark abgewandelter Form in unsere Kinos geschafft. Die Geschichte trägt den Titel „Adjustment Team“, der Film heißt „The Adjustment Bureau“, was im deutschen Kino unter dem unsagbar nichtssagenden und nichts versprechenden Titel „Der Plan“ gezeigt wird. Man soll ja ein Buch nie nach seinem Cover beurteilen, aber wenn ich „Der Plan“ lese, dann weckt das nicht sonderlich großes Interesse. Aber wenn „based on a short story by Philip K. Dick“ drunter steht, kann man sich sicher sein, dass ich den Film gucke.

In „Der Plan“ bekommt es der junge Politiker David Norris (Matt Damon) mit einer unheimlichen Organisation zu tun. Die bestimmen das Schicksal der Menschheit, das eines jeden Menschen, denn alles verläuft nach einem bestimmten Plan. Sollte es kleiner Schwierigkeiten geben, wird ein bestimmter Sektor „eingefroren“, die darin befindlichen Elemente so umgewandelt, dass alles wieder nach Plan läuft und dann geht das Leben weiter. Der Fehler eines Mitarbeiters dieser Organisation führt dazu, dass Norris sich in die Tänzerin Elise (Emily Blunt) verliebt, die er eigentlich nur kurz hätte kennen lernen sollen. Norris erfährt durch Zufall von der Organisation, erfährt, dass freier Wille nicht existiert und versucht sich dagegen aufzulehnen.

Regisseur und Drehbuchschreiber George Nolfi hat Dicks Geschichte stark umgewandelt. In „Adjustment Team“ geht es darum, dass ein Weg gefunden wird, um den Kalten Krieg zu beenden. Weil sich so was heute wahrscheinlich nicht so gut verkauft, macht Nolfi daraus eine Liebesgeschichte mit religiösem und pseudo-philosophischem Unterton. Es wird viel über das Konzept des freien Willen geredet, und der Film geht der Frage nach, wie viel freier Wille wirklich in uns steckt – das Ganze immer nett in der Liebesgeschichte verpackt.

Und hier muss man Nolfi echt loben: Er schafft es, die Grundidee Dicks zu nehmen und eine ganz eigene Geschichte zu erzählen, die sich viel besser für einen Film eignet. Dicks Gedanken über Gott, Vorherbestimmung und Schicksal bleiben bestehen, auch wenn die – zugegebenermaßen – etwas plump in die Geschichte eingeführt werden. Aber darauf basierend wird aus der klassischen Mann-trifft-Frau-Geschichte ein rührendes Drama um einen Mann, der für die Liebe alles tun würde.

Von der Umsetzung her ist „Der Plan“ keine typische Dick-Verfilmung wie man sie zuletzt gesehen hat. Es ist kein action-geladenes Effektfeuerwerk, stattdessen schafft Nolfi es tatsächlich, eine Geschichte von Philip K. Dick zu einem Date-Movie zu machen. Denn nichts anderes ist „Der Plan“: sanfte, anrührende Liebesgeschichte verpackt mit gerade so viel Science-Fiction, dass es als angemessen (und keinesfalls nerdig) anerkannt werden kann. Dazu bekommen wir mit Matt Damon und Emily Blunt ein wirklich süßes Leinwand-Pärchen, die schon fast wie Romeo und Julia verzweifelt um ihre Liebe kämpfen müssen. Da werden Fehler gemacht, wieder eingesehen; hier wird noch für die wahre Liebe gekämpft.

Zugegebenermaßen gehört „Der Plan“ in die Sparte Film, die man entweder mag oder nicht. Ich mochte den Film. Wenn Nolfi sich etwas mehr getraut hätte – und gerade in Zeiten von „Inception“ und Co. Darf man das ruhig – dann hätte „Der Plan“ die beste Dick-Verfilmung seit „Blade Runner“ sein können. Leider schöpft Nolfi nicht das ganze Potenzial seiner Geschichte aus, vor allem beim Teil mit der Organisation schleift es ganz schön. Dafür konzentriert sich voll und ganz auf seine beiden Hauptdarsteller und ihre ganz eigene Geschichte, was – wenn man Romanzen mag – Nolfi sehr gut gelungen ist. Als echter Dick-Fan kommt man daher nicht ganz auf seine Kosten.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Romanze mit Köpfchen, die besser hätte sein können, wenn Nolfi dem Zuschauer etwas mehr zugetraut hätte)

6 Kommentare leave one →
  1. 11. März 2011 09:48

    Mal sehen, dann lesen. Aber Damon mag ich ja eigentlich schon und Blunt finde ich unheimlich attraktiv. Also so angenehm attraktiv. Nicht wie Megan Fox. 🙂

    Gelesen habe ich nichts von Dick, werde mir jetzt aber mal ein Buch bestellen.

    • donpozuelo permalink*
      11. März 2011 10:54

      😀 Ok! Emily Blunt ist wirklich sehr attraktiv.

      Zum Thema Dick-Buch: Eigentlich kann man da nicht viel falsch machen, allerdings würde ich mir nicht sofort „Die Valis-Trilogie“ zur Hand nehmen. 😉

      Empfehlenswert sind:
      „Ubik“
      „Eine andere Welt“
      „Zeit aus den Fugen“
      „Die drei Stigmata des Palmer Eldritch“
      „Träumen Roboter von elektrischen Schafen?“ (Vorlage für „Blade Runner“)
      „Das Orakel vom Berg“

  2. 11. März 2011 15:32

    Was Dick angeht, will ich dir nicht widersprechen. Die Verfilmungen reizen mich aber selten, und für „Der Plan“ gilt das umso mehr, als dass die Kritik insgesamt ja nicht gerade berauschend war. Ich glaube, dein Review stellt da schon den Höhepunkt von allem da, was ich bis jetzt gelesen habe. 😉

    • donpozuelo permalink*
      11. März 2011 15:41

      Echt? Also so schlimm ist „Der Plan“ nun auch wieder nicht. Das Ende ist vielleicht etwas kitschig geraten und all zu viel Dick’scher Fantasien findet man hier auch nicht – insgesamt ist es aber trotzdem ein gelungener Film.

      Aber gut, gerade hier während wir wieder beim Thema Literaturverfilmungen und da kann ich dich schon verstehen.

  3. 11. März 2011 19:50

    Ich war ein wenig enttäuscht: Hätte dem Trailer nach eher einen intelligenten Thriller statt einer Romanze erwartet…

    • donpozuelo permalink*
      12. März 2011 08:26

      Kann ich verstehen, der Trailer hat wirklich ein ganz anderes Bild vermittelt. Dadurch geht man dann auch mit etwas anderen Erwartungen in den Film…

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