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Pure Man-Power

9. März 2011

Als ich Zack Snyders „300“ das erste Mal im Kino gesehen habe, war ich wenig begeistert. Die großen Erwartungen, die ich an eine Frank-Miller-Verfilmung nach „Sin City“ hatte, wurden schwer enttäuscht. Irgendwie hatte ich mir von diesem Spartaner-Perser-Gemetzel mehr erwartet und so ging ich schwer enttäuscht aus dem Kino.

Jetzt ist einige Zeit vergangen. Mittlerweile hatte ich Zeit, mir Millers Comic mal durchzulesen. Und mittlerweile stehe ich „300“ nicht mehr ganz soooo skeptisch gegenüber. Damit will ich nicht sagen, dass ich jetzt komplett begeistert von dem Film bin, aber ich sehe ihn jetzt in einem etwas besseren Bild als damals.

Frank Miller erzählt in seinem Comic die Schlacht bei den Thermopylen nach. Die Perser unter ihrem Gottkönig Xerxes I. (Rodrigo Santoro) sind auf dem Vormarsch. Griechenland ist in Gefahr. Doch die Spartaner unter ihrem König Leonidas (Gerald Butler) setzen sich zur Wehr. Obwohl das Orakel ihm es eigentlich verbietet, macht sich Leonidas mit 300 seiner besten Soldaten auf den Weg, um das Perserheer an den Thermopylen aufzuhalten. Hier kämpfen die Soldaten erfolgreich gegen die unterschiedlichsten Schergen des Xerxes’… bis sie verraten werden.

Frank Millers Comics zeigt harte Kerle im Kampf gegen harte Kerle, Monster und andere Viecher. Zack Snyders Verfilmung zeigt genau das gleiche – in Punkto Werktreue hat er sich sehr viel Mühe gegeben. Seit „Sin City“ wissen wir aber, dass Millers Comics sehr gut bildlich für die Leinwand umgesetzt werden können. Und so könnte man Zack Snyder für teilweise sehr brillante Einstellungen und Bildmotive loben, wenn die nicht eigentlich 1:1 aus Millers Comic übernommen worden wären. Aber hey… das wollen wir Snyder und seinem Team nicht anhängen. „300“ ist bildgewaltig, epochal, martialisch. Harte Kämpfe in düsteren Sepia-Tönen – das sieht schon verdammt cool aus…

… für etwa 30 Minuten. Aber „300“ geht fast zwei Stunden und besteht eigentlich nur aus zwei Bestandteilen: kämpfen und über Ehre und Stolz reden. Die Kämpfe sind wunderbar choreographiert, toll in Szene gesetzt und mit einigen Slow-Motion-Aktionen wirklich geil anzuschauen. Trotzdem reichte es mir irgendwann, es fehlt die Spannung. Wir hocken einfach davor und schauen zu, wie die Spartaner weiter fleißig Köpfe abtrennen, Arme abhacken und Körper durchstechen. Um das Ganze „aufzulockern“, kommen dann diese schwungvollen Reden. Und die sind irgendwann richtig unerträglich. Das verwundert es nicht, dass Znyder sich bei der Weltpremiere auf der Berlinale (!!!) viele Faschismus-Vorwürfe anhören musste: Ehre hier, Vaterland da. Stolz sterben fürs Volks… blablabla… nach 120 Minuten Film hat man alle wilden One-Liner und Monologe in Bezug auf Vaterlandstolz gehört. Deswegen aber gleich Faschismus-Vorwürfe??? Erstens: wenn überhaupt, müsste man Miller diese Vorwürfe machen; und zweitens kann (und konnte) sich Znyder ganz gut hinter der Tatsache verstecken, dass die Spartaner ja tatsächlich so drauf waren. Es ist zwar nervig, aber so sollen die Spartaner ja WIRKLICH drauf gewesen sein.

Was ich persönlich viel krasser fand, waren die Schauspieler und die Art und Weise, wie der Film sie immer wieder heroisiert: diese knallharten Über-Männer mit Muskeln aus Stahl!!! Da hätte wahrscheinlich sogar Leni Riefenstahl ihre Freude dran gehabt… und mit ihr vermutlich jemand anderes auch noch. Halbnackte, athletische Männer kämpfen fürs Vaterland…. da muss nicht viel gesagt werden, um zu erahnen, wo manche Kritikpunkte sehen. Mein persönlicher Kritikpunkt ist eigentlich nur der, dass ich irgendwann genug halbnackte Männer-Körper gesehen hatte. Zumal… hallo??? Ich will auch so ein Waschbrett, aber hab ich Zeit für sowas? Bin ich Spartaner? Hoffentlich haben nicht viele Frauen zugeguckt 😉

Damit man nicht aber nicht dem Testosteron-Überschuss erliegt, baut Znyders „300“ die Geschichte von Leonidas‘ Frau Gorgo (Lena Headey) etwas mehr aus. Im Comic ist sie kurz mal zu sehen, in der Verfilmung hat sie ein wenig mehr zu tun. Sie zeigt ihre Brüste und lässt sich vögeln. Immerhin… Hurra!!! Eine tolle Frau. Und zurück zu den Männern!!!

„300“ ist zwar optisch grandios, aber das viele pathetische Schwafeln, dazu dann noch diese düstere Erzählerstimme machen nach einer Weile einfach keinen Spaß mehr. Dazu fehlt Spannung. Zu keinem einzigen Zeitpunkt fiebert man wirklich mit. Egal, was Xerxes losschickt, die Spartaner kloppen es eh nieder. Als visuelles Highlight kann man „300“ zwar schon bezeichnen. Wenn es aber Optik mit Inhalt sein soll, dann nehme ich doch weiterhin lieber „Sin City“.

Wertung: 6 von 10 Punkten (Testosteron auf Film gebannt – zwar lahm an Inhalt, aber toll in der Optik)

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24 Kommentare leave one →
  1. 9. März 2011 08:17

    Filme dürfen ruhig auch nur mal Eye-Candy sein. Und diesbezüglich spielt 300 in der höchsten Liga.

    Zu den Faschismus-Vorwürfen: Ich. Kanns. Nicht. Mehr. Hören.

    Das ist so unendlich bescheuert. Jeder Film, bekommt von irgendwem irgendwelche Vorwürfe. Das ist reine Selbstprofilierung.

    Herr der Ringe, Gladiator, das Olympia 2012 Logo….man kann überall etwas reininterpretieren.

    • donpozuelo permalink*
      9. März 2011 11:14

      Naja, für Eye-Candy waren es ein paar zu viele halbnackte Männer, aber hey, dafür ist ja jetzt „Sucker Punch“ gedacht 😛

      Und ja, die Faschismus-Vorwürfe kann ich auch nicht mehr hören, dachte aber, es wäre hier noch mal interessant, sie zu erwähnen.

      Das mit dem Interpretieren ist ja eh immer so eine Sache. Wenn du Herr der Ringe schon ansprichst, da wurde Tolkien ja sogar Homosexualität „vorgeworfen“, weil er kaum Frauen in seinem Epos auftauchen lässt.

      Man kann das alles so und so sehen. Für mich bleibt „300“ ein optischer geiler Film, der mich von der Story zwar nur wenig mitreißt – was man aber hin und wieder verschmerzen kann.

  2. 9. März 2011 08:18

    Fand den Film optisch auch sehr gelungen. Inhaltlich eher… naja, das was er halt ist eben. Hab damals 7 Punkte vergeben und seitdem nicht mehr gesehen.

    • donpozuelo permalink*
      9. März 2011 11:16

      😀

      Also damals gleich nach dem Kino hätte ich dem Film wohl noch nen Punkt weniger gegeben – da war die Enttäuschung noch sehr groß. Mittlerweile sehe ich „300“ als das, was er wirklich ist: reines Action-Spektakel mit cooler optik. Mehr aber auch nicht.

  3. 9. März 2011 09:38

    Ja ich finde lässt man die visuellen Effekte mal weg ist es ein stinkt normaler eher langweiliger Actionfilm

    • donpozuelo permalink*
      9. März 2011 11:17

      Recht hast du. Ohne das ganze Drumherum wäre dieser Film wohl auch nicht gemacht worden. Aber der schwamm ja damals eh auf so einer euphorischen „Frank-Miller-Comic“-Welle: erst „Sin City“, dann „Batman“ und dann „300“…

  4. 9. März 2011 12:42

    Zack Snyder halt viel Action, Blut und wenig Haut 😀 stellenweise erinnerte er mich ziemlich an eine trash Version von „Der Herr der Ringe“

    • donpozuelo permalink*
      9. März 2011 12:51

      😀 Ja, ein paar „Gefährten“ sind ja mit dabei.

  5. 9. März 2011 22:05

    „Da hätte wahrscheinlich sogar Leni Riefenstahl ihre Freude dran gehabt… und mit ihr vermutlich jemand anderes auch noch.“

    Irgendwann hat jeder Internet-Nutzer seinen ersten Hitler-Vergleich. 😀

    Zum Film: Fand ich damals super, heute würde ich ihn grottenschlecht finden. Außer Krawall und halbnackten Männern hat der ja wirklich gar nichts, nur Style. Muss ich nicht haben. Und was „The Lord of the Rings“ angeht: Frodo und Sam sind ja wohl soooo gay, und das ist perfekt so! 😉

    • donpozuelo permalink*
      10. März 2011 12:24

      😀 Tja, musste wohl irgendwann sein, der Vergleich!!!

      Und was Frodo und Sam angeht: WORD!!! 😀

  6. 10. März 2011 19:37

    Immerhin wurde „300“ noch in richtiger Hochglanzoptik gedreht (bzw. später eingefügt) und schafft es ja doch oft, die Story nicht so negativ zu sehen. Das hat Millers Regiearbeit „The Spirit“ dann ja nicht mehr geschafft…

    • donpozuelo permalink*
      10. März 2011 23:07

      Stimmt, die Kritiken zu „The Spirit“ waren ja – trotz Top-Besetzung – eher vernichtend. Weswegen ich mir den Film auch gar nicht erst angeguckt habe 😉

      Dagegen ist „300“ zum richtigen Zeitpunkt durchaus zur Wiederholung geeignet.

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