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Hexenjagd in der Parallelwelt

7. März 2011

„Silent Hill“ ist für mich der Inbegriff eines perfekten Survival-Horror-Spiels. Dabei spreche ich allerdings eher von den ersten vier Spielen. Ich habe mir beim Spielen ja fast immer in die Hose gemacht: als kleines Etwas schleicht man – mit Heizungsrohr bewaffnet – durch eine unheimliche kleine Stadt, in der außer uns niemand ist. Abgesehen von den Weirdos, die da offenbar doch leben können und die bösen, bösen Monster. Wenn man dann noch durch einsame, dunkle Krankenhaus-Flure schleicht und hinter jeder Tür neuen Horror erwartet, ist der Horror-Trip gelungen. Und bei den „Silent Hill“-Spielen war ja wirklich immer alles perfekt aufeinander abgestimmt: die Story, die unheimliche Umgebung, die durch die absolut geniale Musik von Akira Yamaoka nur noch unheimlicher wurde. Perfekt zum Gruseln war auch immer dieses blöde Radio oder Funkgerät, dass ständiger Begleiter war: es funktionierte nie, aber wenn Viecher in der Nähe waren, dann kam dieses Rauschen – als Vorwarnung gedacht sorgte das Rauschen doch eher für Panik: „Wo sind sie? Wo sind sie? WO SIND SIE?“ und man wedelte mit der Taschenlampe, lud – wenn man konnte – die Waffe nach oder nahm das Heizungsrohr fester in die Hand.

Wenn man mich beim „Silent Hill“ spielen gefilmt hätte, hätte man wahrscheinlich sehr schöne „Gamer erschreckt sich voll“-Videos machen können. Auf jeden Fall bestätigen die Spiele, wie viel Spaß doch Gruseln machen kann. Die Spiele kann ich jedem nur empfehlen – aber bloß nicht nachts spielen. Die alten Spiele sind für mich unerreicht (aber wenigstens ist mit „Dead Space“ ein würdiges Spiel für die PS3 auf dem Markt!)

Bei so viel Euphorie für die Spiele könnte man ja meinen, dass die Nachricht einer Verfilmung böse Hasstiraden auslösen könnte. Aber als der Film von Christophe Gans ins Kino kam, bin ich bereitwillig hingegangen. Immerhin war Gans mit seinem „Der Pakt der Wölfe“ ein sehr stimmiger Film gelungen und somit hatte der Mann mein vollstes Vertrauen. Ein Vertrauen mit dem Gans ganz vorsichtig umging – schließlich ist die „Silent Hill“-Fangemeinde riesig. Aber Gans hat sich Mühe gegeben:

Rose (Radha Mitchell) fährt mit ihrer kleinen Tochter Sharon (Jodelle Ferland) ins verlassene Städtchen Silent Hill – ihre kleine Adoptiv-Tochter schlafwandelt nämlich und ruft dabei immer wieder den Namen der Stadt. Doch vor der Ankunft in Silent Hill hat Rose einen Autounfall und wird ohnmächtig. Als sie wieder aufwacht, regnet es Asche vom Himmel und Sharon ist verschwunden. Gemeinsam mit der Polizistin Cybill (Laurie Holden) macht Rose sich auf die Suche.

Menschenleere Straßen, eine graue Umgebung und gruselige Monster und eine Protagonisten auf Erkundungstour – den Teil hat Gans gut getroffen. Das Ganze hat vor allem für Spieler der Games Wiedererkennungswert, der dadurch noch gesteigert wird, dass Akira Yamaoka auch bei der Filmmusik seine Finger im Spiel hatte. Dazu treffen wir altbekannte Figuren wieder – allen voran unser guter, mysteriöser Freund Pyramid Head oder etwa die gesichtslosen Nurses. Was das Monster-Design angeht, hält sich Gans an die Vorlagen – aber alles andere wäre nicht ohne Folgen geblieben 😉 Ohnehin kopiert Gans viele Elemente der Spiele und soll sogar ganze Kamerafahrten den Spielen entnommen haben, um dem Spiele-Kenner gerecht zu werden.

Besonders gut gelungen sind Gans auch die ständigen Wechsel der Realitäten. Dazu muss man für alle Nicht-Wisser erklären, dass sich die Spiele ja auch immer auf zwei Ebenen abspielen: der Realität der Spielfigur und der Alptraum-Welt. Zusätzlich zu diesen beiden Ebenen fügt die Verfilmung noch eine dritte hinzu, in der Roses Mann (Sean Bean) verzweifelt nach seiner Frau sucht. Die Wechsel, die Rose miterlebt, überzeugen: Lautes Sirenengeheule leitet das Ganze ein, Wände fangen an zu „bluten“, ganze Gebäude werden was vollkommen anderes, alles wird düsterer und gruseliger. Optisch ist „Silent Hill“ ein absolutes Highlight und mit Radha Mitchell hat Christophe Gans eine würdige „Silent Hill“-Heldin gefunden, die sich deutlich von den üblichen Kreisch-Damen abhebt, aber trotzdem nicht zur Überheldin mutiert.

Einziges Manko an „Silent Hill“ ist das Ende. Hier wird einfach alles in einer langen „Ich erzähl euch mal, was wirklich alles passiert ist“-Rückblende zusammengefasst. Ein richtiges Detektiv-Spiel, wie man es aus den Spielen kennt, ist das nicht gerade. Aber was soll’s? Der Film macht trotzdem Spaß.

„Silent Hill“ funktioniert zwar auch ohne Vorwissen, macht aber deutlich mehr Spaß, wenn man die Spiele kennt. Und somit freue ich mich schon darauf, mal wieder die PS2 anzuschließen und mal wieder „Silent Hill“ selbst zu besuchen (nach meinem Trip durchs All in „Dead Space 2“, das versteht sich ja von selbst 😉 )

Wertung: 8 von 10 Punkten (die Story ist zwar nicht der Hammer, aber der Rest ist grandios – Gans gelingt eine Super-Game-Verfilmung, die den Spielen gerecht wird)

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19 Kommentare leave one →
  1. 7. März 2011 10:21

    Da geb ich dir recht, der Film verdient aufjedenfall 8 Punkte ich persönlich hätte sogar einen halben Punkt oben drauf gelegt wegen der geilen Bildkomposition.

    • donpozuelo permalink*
      7. März 2011 11:17

      Da hast du wohl Recht. Technisch und optisch ist der Film sogar 10 Punkte wert: das Zusammenspiel aus Bildkomposition, Fahrten, Schnitt, Effekte und Musik ist grandios. Das saugt einen richtig in dieses unheimliche Städtchen hinein.

  2. 7. März 2011 10:26

    Ich habe die Spiele zwar nie gespielt, fand den Film aber auch klasse!

    • donpozuelo permalink*
      7. März 2011 11:18

      😀

      Also die Spiele kann ich nur empfehlen – aber nur die ersten. Also ich hab Teil 2-4 in so einer Sammlerbox, die Spiele sind echt der Hammer. Die neueren werden – ähnlich wie schon bei Resident Evil – etwas actionlastiger.

  3. 7. März 2011 14:28

    Ein oft zu unrecht nicht in „Gute-Game-Verfilmungen-Listen“ auftauchender Film. 🙂

    Off topic aber mich immer wieder irritierend: Radha Mitchell und Izabella Scorupco sind verdammte Zwillinge. Also nicht in echt. Aber ich mein, Hallo? Die sind IDENTISCH. Manchmal.

    • donpozuelo permalink*
      7. März 2011 14:33

      Ja, der Film gehört sogar in die „Sehr-Gute-Game-Verfilmungen-Liste“! Genau wie die Spiele mehr geehrt werden sollten 😉

      Und off topic gebe ich dir in Bezug aufs „Manchmal“ Recht, obwohl ich ja die werte Frau Scorupco sehr viel heißer finde 😛

  4. 9. März 2011 11:14

    Für einen Moment dachte ich: Geil, der Don macht jetzt auch Game-Reviews!! 😉

    Silent Hill ist die beste Videospiel-Verfilmung. Mir fällt spontan zumindest nichts besseres ein, das a) so treffend die Vorlage einfängt und b) gleichzeitig als eigenständiger Film funktioniert. Man muss natürlich auch zugeben, dass die Silent Hill-Spiele an sich schon sehr filmisch und deswegen nah zum Film sind.

    Und Dead Space (Teil 1) ist bei mir als Import gerade in der Post unterwegs. Freue mich schon. Bzw. freue mich nicht. Das kostet alles nur Nerven!! 🙂

    • donpozuelo permalink*
      9. März 2011 11:22

      Sorry, ich bleibe hier erst mal bei den Filmen, nutze aber – wie du siehst – jede Entschuldigung, um meine Lieblingsspiele zu promoten 😉

      Ja, die Verfilmung ist wirklich die beste Videospiel-Verfilmung – ohne Zweifel. Aber du hast auch Recht mit den Spielen: Das sind ja wirklich schon selbst Filme – unterbrochen von Spielsequenzen.

      Zum Thema „Dead Space“ kann ich dir sagen: Mach dich auf was gefasst. Sehr, sehr geil und sehr, sehr, sehr unheimlich. Habe mich gestern gerade erfolgreich und mit viel Angstschweiß durch den zweiten Teil gekämpft 😉

  5. luzifel permalink
    10. März 2011 09:16

    Kann wie so oft nur zustimmen zur Bewertung. Silent Hill war im Kino so scheiße unheimlich und ziemlich beeindruckend..

    Ich hab übrigens gestern bei einem Kumpel ein Teaser-Bild von einer angeblich beginnenden Produktion eines neuen Silent Hill-Films gesehen. Ist da was dran oder war es ein Fake?

    Grüße, Luzifel..

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