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Nenn mich Marco!

2. März 2011

Wir alle kennen das Märchen von Dornröschen: Die Prinzessin verfällt in einen hundertjährigen Schlaf und mit ihr das gesamt Königreich. Ein Dornwald umgibt ihr Schloss. Der Prinz kommt. Der Prinz küsst Dornröschen. Alle wachen auf, alle sind happy. Aber was wäre, wenn Dornröschen gar nicht aufwachen will? Was wäre, wenn der Traum, den Dornröschen hat, tausendmal besser ist als die Welt, in der sie aufwachen würde? Aber das ist vollkommen egal – soweit würde unser Prinz nicht denken, der knutscht lieber wild drauf los und macht dem Märchen ein Ende.

Der Manga „King of Thorn“ Yuji Iwahara nimmt sich dieser Dornröschen-Geschichte an und wandelt sie um. In „King of Thorn“ ist die Welt von dem Medusa-Virus bedroht – jeder Mensch, der davon befallen ist, versteinert und stirbt. Eine Heilung ist nicht in Sicht. Daher wird eine Stiftung ins Leben gerufen, die zufällig ausgewählte Menschen in den Kälteschlaf schicken will, bis eine Heilung gefunden ist. Dumm nur, dass nach kurzer Zeit alle wieder aufwachen – unter ihnen ist auch die Schülerin Kasumi und der Soldat Marco Owen, dessen einziger wichtiger Satz hier zum Titel des Artikels wurde 😉 Kasumi muss aber feststellen, dass etwas schief gelaufen ist: Dornen umrangen das Gelände der Stiftung (passenderweise natürlich eine alte Burg) und winzige Flugkreaturen zerfleischen fleißig die bereits erwachten Menschen. Am Ende bleiben nur noch sieben übrig, die sich einen Weg durch diese Dornen- und Monster verseuchte Anlage kämpfen müssen – um zu überleben und um herauszufinden, was vorgefallen ist.

Das Ganze klingt einigermaßen spannend, der Manga ist mit sechs Bändern abgeschlossen und wurde positiv bei Kritikern und Lesern aufgenommen. Klar, dass daraus irgendwas gemacht werden musste. Statt einer Mini-Serie entschied man sich aber dazu, die ganze Geschichte in einen Film zu packen. Was – gelinde gesprochen – eine ziemlich beschissene Idee gewesen ist.

„King of Thorn“ fängt ziemlich gut an: eine Aneinanderreihung von News-Meldungen erzählt uns alles, was wir über die Medusa-Katastrophe wissen müssen. Dann lernen wir einige der Kandidaten für das Kälteschlaf, unter ihnen halt auch Kasumi – ein leicht depressives Kind, die schwer darunter leidet, ihre Zwillingsschwester Shizuku zurücklassen zu müssen. Dann wäre da noch Owen, ein kleiner Junge und eine junge Mutter, die die ganze Zeit laut Dornröschen vorliest – das geht einem auf die Dauer tierisch auf den Sack, scheint den Macher des Animes aber äußerst wichtig. Vielleicht halten sie ihre Zuschauer auch einfach nur für zu blöd, um die Verbindung zwischen Märchen und Anime zu entdecken. Wer weiß???

Viel mehr erinnert „King of Thorn“ anfangs an eine etwas gewalttätigere Version von „Cube“: Von 160 Kälte-Schläfern überleben sieben und die kämpfen sich von Raum zu Raum. Dabei funktioniert „King of Thorn“ als Action-Survival noch ganz gut: Besagter Marco Owen ballert sich – nach dem Fund einiger Waffen – fröhlich durch die Reihen geifernder, gehörnter Monster. Die Atmosphäre stimmt: dunkle Gänge, Dornenranken überall und immer wieder diese blöden Viecher. Lange Zeit weiß keiner, was das alles zu bedeuten hat. Doch irgendwann stoßen die Überlebenden auf den Gründer der Stiftung, der die erste wichtige Offenbarung im Film macht: Medusa ist ein außerirdisches Virus, das durch einen Meteoritenschauer über Sibirien auf die Erde gelangte und dort ein kleines Mädchen infizierte. Die Stiftung findet dieses Mädchen und entdeckt, dass das Virus in der Lage ist, die Träume des Menschen Realität werden zu lassen. Weitere Experimente werden betrieben, aber Medusa bricht irgendwann über die ganze Menschheit aus.

Mit dieser ersten Offenbarung bricht dann aber auch „King of Thorn“ in sich zusammen. Immer mehr Geschichten werden aufgedeckt und es folgt ein ziemlich krampfhafter Versuch, die Sache mit den Dornen und den Monstern aufzuklären. Kasumi wird dabei zur Hauptrolle des Szenarios, aber selbst hier verwirrt der Film mehr mit Erklärungen als das er hilfreich sein würde. In eine Art „Inception“-mäßiger Geschichte überlagern sich Traum und Traum und Traum und Traum… irgendwann weiß der Zuschauer selbst nicht mehr, was eigentlich los ist. Die Story verstrickt sich – wenn man so will – in ihren eigenen Ranken. Die anfangs gute Action macht einer ziemlich wirren Szene-Abfolge Platz, in der sowohl Kasumi als auch Owen irgendwas gegen die Dornenranken versuchen.

Wenn der Film dann vorbei ist und man sich seine Gedanken gemacht hat, versteht man zwar doch noch den Film, muss aber Kopfschüttelnd zugeben, dass hier eine gute Story erbarmungslos verhunzt wurde. Aber das passiert, wenn man sechs Bände in einen Film packt: Es wird unübersichtlich und wirr.

„King of Thorn“ versucht viel und scheitert. Vielleicht hätte die Lektüre des Mangas geholfen, aber ich bezweifle das. Der Film verliert einfach an Spannung, weil am Ende nur noch Erklärung an Erklärung gereiht wird. Man sitzt vorm Fernseher, das Hirn kämpft verzweifelt, alles irgendwie beisammen zu halten… und schafft es mit letzter Kraft. Das einzige, was „King of Thorn“ ausgezeichnet hinbekommt, ist neugierig auf den Manga 😉

Wertung: 4 von 10 Punkten (coole Story komplett wirr dargestellt – da geht die Spannung schnell verloren)

4 Kommentare leave one →
  1. 2. März 2011 14:49

    „King of Thorn“ steht auch noch auf meiner Liste, wusste aber bisher nie um was es ging da ich nur die stylischen Poster sah, aber zum Glück gibt es ja Don derden Film für einem sieht und jetzt will ich in unbedingt sehen 😉

    • donpozuelo permalink*
      2. März 2011 15:58

      Echt? Hast du nicht gesehen??? Nur 4 von 10 Punkten!!! 😀

      Das Ganze ist ein übles Verwirr-Spiel mit reichlich alberner Auflösung. Interessanter wäre da tatsächlich die eigentliche Vorlage, die die Geschichte ja immerhin in 6 Bänden erzählt. Die stelle ich mir wesentlich interessanter vor.

  2. 2. März 2011 17:48

    Klingt gut. Also, der Manga. Den Film spare ich mir mal. 😉

    • donpozuelo permalink*
      2. März 2011 17:54

      So ist’s richtig! Der Manga steht bei mir auch schon mal auf der Liste!

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