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Schrödingers Katze

23. Februar 2011

Erwin Schrödinger scheint echt kein Katzenfreund zu sein, sonst hätte es vielleicht Schrödingers Hund geheißen. Nichtsdestotrotz ist Katzenfeind Schrödinger mit seiner Katze bekannt geworden… wenn auch nur in der Quantenmechanik. Schrödingers Experiment geht von einer Katze in einem undurchsichtigen Karton aus, in dem außer der Katze auch noch eine Giftampulle steckt, die entweder nach einer Weile von selbst oder durch das Öffnen der Kisten zerstört wird. Da kein Mensch in die Kiste sehen kann, weiß man also nicht, ob die Katze tot oder lebendig ist. Sie kann quasi als beides angesehen werden: lebendig und tot. Aber sobald man nachschauen würde, wäre die Katze eh tot.

Zum Glück für Schrödinger war das Ganze nur ein „Gedankenexperiment“ – wir würden doch nie einer süßen Katze etwas antun wollen; und zum Glück für uns Normalsterbliche müssen wir in die Materie von Quantenmechanik und Quantenphysik nicht weiter einsteigen, um dieses Paradoxon zu verstehen. Gleichzeitig ist es aber ein sehr schönes Beispiel dafür, wie herrlich verwirrend und komisch doch Naturwissenschaften sein können.

Das hat wohl auch Chuck Lorre entdeckt, der nach „Hippie-trifft-Yuppie“ und „Alkohliker-trifft-Bruder-und-dessen-Kind“ mal den Nerd feiern will. Und was für Nerds er erschaffen hat, sehen wir in der Sitcom „The Big Bang Theory“. Die Serie läuft jetzt zwar schon seit 2007, aber ich bin – aus unerfindlichen Gründen – erst jetzt auf die Serie gestoßen… und ein großer Fan geworden. Groß genug, um den „I Like“-Button bei facebook zu drücken 😉

„The Big Bang Theory“ hat nicht einen Nerd, sondern gleich vier. Und wo Nerds in anderen Sitcoms eher eine Nebenrolle spielen, dürfen sich die vier hier so richtig schön austoben. Da wäre zum einen die Wohngemeinschaft der Hauptcharaktere Dr. Leonard Hofstadter (Johnny Galecki) und Dr. Sheldon Cooper (Jim Parsons). Dazu kommen die beiden Freunde Howard Wolowitz (Simon Helberg) und Dr. Raj Koothrappali (Kunal Nayyar). Das ist der Kreis der Nerds: junge Wissenschaftler, die aber auch mit den Problemen des Alltags zu kämpfen haben. So versucht Leonard die hübsche Nachbarin Penny (Kaley Couco) anzubaggern – das Gegenstück zum hohen Nerd-Faktor der Serie: eine angehende Schauspielerin/ Kellnerin.

Ich weiß nicht, ob man seinen eigenen inneren Nerd umarmen muss, um die Serie zu mögen oder nicht. Aber mein innerer Nerd bekommt immer Herzrasen, wenn eine neue Folge nur anfängt. Chuck Lorre hat es tatsächlich geschafft, Nerds witzig erscheinen zu lassen. Was vor allem daran liegt, dass hier immer wieder zwei Welten aufeinander prallen: diese durchdachte, durchstrukturierte Welt, die voller Star Wars, Star Trek, Comics und Wissenschaft steckt und die Welt der „Normalos“, in denen die Nerds auf viele (teils auch selbstgestellte) Schranken stoßen. Die sie natürlich auf ihre ganz eigene Art und Weise zu umgehen versuchen. Dabei ist mein Personal-Favorite, „The King of the Nerds“ Sheldon Cooper. Jim Parsons erschafft mit seiner Figur den Prototypen, einen Alles- und Besserwisser, ein scheinbar asexuelles Wesen, das so weit über uns in der Evolution steht, dass es wie ein Außerirdischer wirkt. Dazu die ohnehin schon hagere Gestalt von Parsons und die Illusion ist perfekt (perfekt genug auch für einen Golden Globe und einen Emmy 😉 ).

Lorres Serie schreckt auch vor religiösen Themen nicht zurück: so ist Wolowitz ein Jude, der immer noch bei seiner Mutter wohnt und verzweifelt nach einer Frau sucht und da ist Hindu Raj, der Frauen nur unter Alkohol-Einfluss ansprechen kann. Leonard ist der einzige, der so halb normal erscheint und fast schon wie ein Sprachrohr zwischen Sheldon und der Außenwelt ist.

„The Big Bang Theory“ lebt von den Macken und Ticks seiner Figuren, aber es schadet auch nicht, selbst ein kleiner Nerd zu sein. Die zahlreichen Vermerke auf Fernsehserien (natürlich bevorzugt Science-Fiction), Filme, Comics, Superhelden und Co. muss man schon deuten können, um die Witze dahinter auch voll auskosten zu können. Aber es geht ja auch um Wissenschaft – und da ist es gerade Sheldon, der immer wieder versucht, seine Umgebung durch seine Wissenschaft zu erklären. Da kommt dann zum Beispiel auch Schrödingers Katze zum Einsatz, um die Beziehung zwischen Penny und Leonard zu analysieren.

Noch lache ich regelmäßig Tränen über dieses chaotisch-liebenswerte Quartett, die so herrlich anders sind als alles, was bis jetzt über Nerds im Fernsehen gesehen hat. Zumal ja selbst der Titelsong „History of Everything“ von Barenaked Ladies schon herrlich nerdig die Geschichte der Welt in knapp zwei Minuten zusammenfasst.

Wissenschaft meets Comedy funktioniert bei „The Big Bang Theory“ ausgezeichnet. Hoffentlich verfällt die Serie nicht in die Sitcom-Falle der Endlosigkeit (momentan sind sie bei Staffel 4). Das ist ja dann selbst fast schon eine wissenschaftliche Gegebenheit: Je länger etwas gut läuft, desto schlechter wird es nachher. Aber vielleicht haben die Nerds ja eine Lösung parat. Noch aber sind sie sehr, sehr sehenswert.

Wertung: 9 von 10 Punkten (liebenswerte Nerds im Kampf gegen die Normalität und die Tücken des Alltags – der Beweis, dass Wissenschaft richtig Laune macht)

21 Kommentare leave one →
  1. 23. Februar 2011 10:04

    Sehe ich genauso und mir macht die Serie auch in ihrer aktuellen Staffel noch sehr viel Spaß!

    • donpozuelo permalink*
      23. Februar 2011 13:20

      Danke! 😉

      Bei Pro Sieben haben sie jetzt die dritte Staffel durch und haben wieder von vorne angefangen. Würde ich jetzt zwar nervig finden, wenn mir nicht ein paar Folgen der ersten Staffel fehlen würden 😀

  2. 23. Februar 2011 11:04

    Und ich schaue immer noch keine Serien. Und Comedy-Serien kämen bei mir ohnehin an letzter Stelle.

    • donpozuelo permalink*
      23. Februar 2011 13:19

      Echt nicht? Bei manchen Sachen verpasst du da aber echt was? Ich meine nicht mal „Lost“ oder „Dexter“ oder… oder… oder… hin und wieder ist so eine kleine Serie doch echt was angenehmes. Kurze Unterbrechung vom vielen Filme-Gucken 😉

  3. 23. Februar 2011 16:10

    Die erste Staffel ist ja wirklich genial. Die Zeitmaschine sage ich nur.
    Leider verliert sich die Serie zusehends in Belanglosigkeiten und selbst der Nerd-Faktor fährt in der 4. Season deutlich zurück…
    Ein kleiner Kritikpunkt: Wie kommst du denn auf den Namen „Holowitz“? 😀

    • donpozuelo permalink*
      23. Februar 2011 16:47

      Die Zeitmaschine ist wirklich cool! 😀

      Und es nimmt echt ab??? Also ich habe jetzt bis Ende Staffel 3 gesehen und fand’s immer noch großartig.

      Und den Holo-Witz habe ich jetzt umgeändert. Danke für den Hinweis. Nur so beim Hinhören dachte ich immer, es wäre ein „H“.

  4. 23. Februar 2011 16:41

    Jupp, ist auch meine Lieblingsserie seit 2 Jahren, ganz großes Tennis.

    • donpozuelo permalink*
      23. Februar 2011 16:48

      Willkommen! 😀

      Ganz großes Tennis!!! Da hast du Recht. Gehört jetzt auch zu meinen neuen Lieblingsserien.

  5. christiansfoyer permalink
    24. Februar 2011 15:30

    Seit auch meine Freundin die Serie vor ein paar Tagen (endlich!) für sich entdeckt hat, läuft sie bei uns rauf und runter 😉
    Staffel 4 sackt für mich nur einer gewissen überflüssigen, ultranervigen female-Sheldon etwas ab, ansonsten immer noch hoch amüsant. Ich finde auch nicht, das zunehmende Belanglosigkeit ein Problem der Serie ist, denn mal ehrlich: letztlich belanglos und gerade deshalb oft so schreiend komisch ist das doch irgendwie alles, und ich mag es extrem gerne, dass die Serie einem halt nicht ständig irgendwelche ernsten Themen, Weisheiten und ’ne Moral oder sonstwas reindrücken will. Pure Freude an der Unterhaltung, auf hohem Niveau und der kleine Nerd in uns allen kreischt jedes Mal vor Freude

    • donpozuelo permalink*
      24. Februar 2011 16:41

      Auf jeden Fall. Ich glaube diese Female-Sheldon, auf die du ansprichst, ist die gute Frau, die im Finale der dritten Staffel eingeführt wird, oder??? Die hat mich da schon etwas genervt.

      Ansonsten pflichte ich dir bei: Herrlich belanglose Sachen können herrlich lustig sein. Und dieser Kampf der Nerds gegen den Alltag ist halt einfach nur göttlich.

      • christiansfoyer permalink
        24. Februar 2011 17:21

        Genau von der ist die Rede. Mit der tut sich die Serie keinen Gefallen…

  6. Dr. Borstel permalink
    24. Februar 2011 16:56

    Ich schließe mich Jan an: Die vierte Staffel nervt zunehmend mit infantilen Furzwitzen und was sonst noch dazugehört, wo früher noch – für Lorre-Verhältnisse, dessen „Two And a Half Men“ ich für Gekasper auf unterem Mario-Barth-Niveau halte – hintergründiger, liebenswerter Humor vorherrschte. Nun, intelligent wie ihre Protagonisten war die Serie sicher nie, aber eben wahnsinnig liebenswert, von daher steht die 9/10 da sehr zurecht, zumindest in Bezug auf die tollen ersten beiden Staffeln.

    • donpozuelo permalink*
      24. Februar 2011 17:19

      Die vierte Staffel habe ich noch nicht gesehen, aber was du allein schon zu „Two and a half Men“ sagst, stimmt vollkommen. Die Serie ist echt sehr, sehr böse abgerutscht. Aber die ersten Staffeln von „Big Bang Theory“ sind sehr unterhaltsam – i like…

      … und wer bitte ist Jan? 😉

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