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Der mit dem Whisky reitet

11. Februar 2011

It’s Berlinale, baby!!! Und als Eröffnungsfilm gab’s dieses Mal Hollywood vom Feinsten. Was man von der Eröffnungsveranstaltung selbst nicht behaupten konnte. Warum ausgerechnet die Beatstakes performen oder Anke Engelke mit eher schlechten Witzen durch den Abend führen musste, ist mir zwar irgendwie entgangen. Dafür entlohnte uns „Mr. Berlinale“, wie Klaus Wowereit Dieter Kosslick nannte, mit einem kurzen Besuch im Friedrichstadtpalast, bevor ich dann endlich für eine Stunde Schlange stehen und neun Euro Eintritt das neueste Werk der Coen-Brüder zu Gesicht bekam.

Es ist die Geschiche der jungen Mattie Ross (Hailee Steinfeld), die den alten Marshall Cogburn (Jeff Bridges) anheuert, um den Mörder (Josh Brolin) ihres Vaters zu jagen. Unterstützt wird das ungleiche Paar vom Texas Ranger LaBeouf (Matt Damon). Das Ganze basiert auf einem Roman, der schon einmal erfolgreich mit John Wayne als „Der Marshall“ verfilmt wurde. Allerdings, so beteuern die Coen-Brüder, ist es kein Remake des Films, sondern eine Neuinszenierung des Buches. So oder so kann ich nicht sagen, was nun wirklich stimmt, da ich weder Buch noch Wayne-Film je gelesen bzw. gesehen habe. Was ich allerdings mit Gewissheit sagen kann, ist folgendes: „True Grit“ fühlt sich im ersten Augenblick nicht unbedingt an wie ein Coen-Film, dafür aber wie ein waschechter Western.

Für einen Coen-Film fehlen die zahlreichen ironischen Wendungen im Film und die etwas verschrobenen Charaktere, die von vornherein schon vom Unglück verfolgt sind. Für einen Western aber wird hier alles geboten, was ein echter, guter Western braucht: Cowboys, Pferde, Indianer, kleine Reiter vor majestätischer Kulisse und wilde Schießereien. Ich habe in meiner Zeit als „Cineast“ nicht viele Western gesehen, um es wirklich beurteilen zu können, aber den Coen-Brüdern ist ein wunderbares Genre-Stück gelungen. Was uns wiederum dazu führt, dass „True Grit“ tatsächlich etwas befremdlich erscheint: es ist ein glattes Genre-Stück ohne große Experimente. Der Film ist ein Western und bleibt einer. Wo bei den Coens sonst noch zahlreiche kleinere Nebengeschichten verlaufen, verläuft bei „True Grit“ nichts. Der Film konzentriert sich allein auf seine drei Haptfiguren: Auftrag, losreiten, schießen, Feierabend. Das ist für Coen-Verhältnisse sehr, sehr simpel, für Western-Verhältnisse wohl schon fast klassisch zu nennen.

Einzig und allein durch die Wahl ihrer Schauspieler geben die Brüder ihren ganz persönlichen Ton hinzu. Allen voran Jeff Bridges. Sein Cogburn ist ein versoffener, alter Haudegen, mit Augenklappe und dicker Plautze, der während des langen Ritts gerne mal von seinen beiden Ehefrauen erzählt oder den Texaner LaBeouf heruntermacht. Wenn es aber drauf ankommt, dann ist der gute Marshall zur Stelle. Bridges spielt in mit einer fast schon „Dude“-haften Leichtigkeit: Wenn er ganz gemählich in seinem alten Bett liegt oder lässig und angetrunken auf seinem Pferd sitzt, dann spürt man den wahren Bridges, der so locker-leicht in dieser Rolle aufgeht, der so herrlich flucht und mit seinen skurrilen Äußerungen immer wieder für einen Lacher gut ist. Dazu muss ich sagen: „True Grit“ hat eine Menge Lacher, denn durch das Zusammenprallen des laxen Marshalls und der sehr toughen Mattie treffen zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein können. Der Film wird eine Komödie, aber eine gute, die weniger auf Slapstick, sondern mehr auf Dialoge setzt. Und da zeigt sich dann wieder das große Talent der Coens, gelungene Geschichten zu erzählen.

Um ganz ehrlich zu sein, hat mich „True Grit“ zwar aufs Köstlichste unterhalten, ob sie mit dem Film tatsächlich Chancen auf die vielen Oscars haben, halte ich für fragwürdig. Jeff Bridges ist zwar – vor allem nach dem „Tron: Legacy“-Fiasko – wieder in Top-Form. Aber für mich war’s das auch, Hailee Steinfeld kann sich ganz gut gegen die Leinwandpräsenz von Jeff Bridges behaupten, wirkt aber trotzdem nur wie ein kleines Anhängsel. Ähnliches kann man auch über Matt Damon sagen. Somit ist und bleibt „True Grit“ ein Jeff-Bridges-Film. Dafür aber ein guter (wenn auch nicht so gut wie „The Big Lebowski“, aber mal ehrlich: Der ist doch sowieso nicht zu toppen 😉 ).

Mit „True Grit“ hat die Berlinale witzig und sehr unterhaltsam begonnen (abgesehen von der elendigen Eröffnungsshow) und man kann nur hoffen, dass es so weitergeht.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein ungewohnter Coen-Film mit einem bestens aufgelegten Jeff Bridges, den dann alle anderen ab dem 24. Februar in den Kinos bewundern können)

20 Kommentare leave one →
  1. 11. Februar 2011 08:56

    Sehr schön. Ich mag Western, obwohl ich bis jetzt auch nicht allzu viele gesehen habe. Sind halt auch ein wenig rar geworden, in der heutigen Zeit.

    • donpozuelo permalink*
      11. Februar 2011 13:49

      Willkommen!

      Ja, heutzutage gibt es nicht mehr viele Western, obwohl es da einige gute gibt, wie zum Beispiel das Remake „Todeszug nach Yuma“. Ist zwar ein Scheißtitel, aber ein ziemlich cooler Film mit Russell Crowe und Christian Bale. Da ist „True Grit“ ein weiterer würdiger Vertreter für den modernen Western. Und für alle „Red Dead Redemption“-Spieler eh ein Muß!!! 😉

  2. 11. Februar 2011 10:14

    Ich freue mich PRUTALSTENS auf diesen Film. 🙂

    Werde deine Review wie immer erst im Nachhinein lesen.

    • donpozuelo permalink*
      11. Februar 2011 10:50

      Mach das! Und viel Spaß beim Gucken, der Film ist echt sehr witzig und unterhält extrem gut. Solltest du den O-Ton bevorzugen, such dir echt was mit Untertiteln. Jeff Bridges nuschelt so dermaßen, dass man ihn kaum versteht. Aber ansonsten: Daumen hoch 😉

  3. 11. Februar 2011 16:59

    Ja, da bin ich ja auch gespannt drauf. Ich stehe Total auf Coen…

    • donpozuelo permalink*
      11. Februar 2011 17:02

      Ja, ich auch. Aber wie gesagt, das eigentlich Tolle an „True Grit“ ist, dass er sich anfangs gar nicht so sehr wie Coen anfühlt.

  4. Dr. Borstel permalink
    11. Februar 2011 18:29

    Ach, wenn ich doch nur was mit Western anfangen könnte … Aber mit den Coens hab ich’s ja auch nicht so.

    • donpozuelo permalink*
      11. Februar 2011 19:12

      Stimmt ja 😀

      Dann warte noch ein wenig. Nächste Woche zeigen sie „The King’s Speech“ im Berlinale Special.

  5. 12. Februar 2011 20:54

    Mhh, die Spannung steigt. Noch bis Ende des Monats warten, dann heißt es: ab nach Berlin in ein O-Tonkino und sich berieseln lassen. ^^

    Die Review werde ich dann lesen.

    • donpozuelo permalink*
      13. Februar 2011 17:54

      Berliner O-Ton-Kino? „Cinestar Original“ vielleicht. I like 😉

      Aber wie gesagt, bei „True Grit“ ist echt Vorsicht geboten, wenn es um den O-Ton geht. Normalerweise verachte ich ja Untertitel, aber bei „True Grit“ war ich heilfroh, dass welche dabei waren. Jeff Bridges nuschelt nur, und nachdem sich Matt Damon fast die Zunge abbeißt, ist es bei ihm auch nicht wirklich besser 😉

  6. 13. Februar 2011 13:03

    Gerade WEIL True Grit ein waschechter Western ist, freu ich mich auf ihn. Nachdem ich in letzter Zeit einige Ausflüge ins Genre machen durfte, bedauere ich es nämlich wirklich, dass heutzutage kaum noch „richtige“ Western gemacht werden. Obwohl ich mich auch auf Mash-Ups wie Cowboys vs. Aliens freue, tse… 🙂

    • donpozuelo permalink*
      13. Februar 2011 17:56

      Ja, ich glaube, heute ist der Markt für Western einfach nicht mehr da. „True Grit“ zieht ja auch mehr wegen den Coen-Brüdern und Jeff Bridges als wegen der Bezeichnung „Western“. Da sind solche Filme wie „Cowboys vs. Aliens“ schon vielversprechender… 😀

  7. 16. Februar 2011 22:15

    Interessiert mich schon und mein Herz blutet, dass ich noch immer nicht selbst bei der Berlinale bin – naja Abi geht vor.

    • donpozuelo permalink*
      16. Februar 2011 23:23

      Abi geht vor… kenn ich irgendwo her 😉 Aber keine Sorge, die Berlinale wird’s ja noch ein Weilchen geben. da werden sich noch Gelegenheiten für dich bieten. Und gerade Filme wie „True Grit“ schaffen ja dann auch locker den Sprung auf die große Leinwand.

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