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Waste Allocation Load Lifter – Earth Class

9. Februar 2011

Ich bin ja – was Home-Entertainment angeht – noch in der Steinzeit. Das einzige moderne Gerät ist meine PS3, die einsam neben einem stinknormalen Röhrenfernseher steht. Kein Flat-Screen, kein Dolby Sourround, kein gar nichts. Umso ergreifender war da ein Ereignis, dass ich bei diesem allseits beliebten Technikfachgeschäft hatte: Da stand ein riesiger Fernseher – angeschlossen an einen Blu-Ray-Player und was lief? Einer meiner absoluten Lieblingsfilme: „WALL-E“. Aber in so satten, frischen Farben, wie ich es noch nie gesehen habe. Stehenbleiben war da Pflicht. Man hätte rein greifen können. Und als wenn ich nicht schon von Pixars kleinem Müll-Roboter genug fasziniert wäre, war dieses Erlebnis ein weiteres Plus für „WALL-E“ (und für mich endlich mal ein vernünftiger Grund, etwas Geld für eine hoffentlich bald kommende Home Entertainment-Einrichtung beiseite zu legen). Aber irgendwann bin ich dann doch gegangen… nur um mich dann zuhause noch einmal von „WALL-E“ mitreißen zu lassen.

Für alle, die noch nicht wissen, wer das ist: „WALL-E“ ist einer von zigtausend Robotern, die auf der Erde aufräumen sollen. Während sich die Menschen in riesigen Schiffen ins All geschossen haben, sollen WALL-E und seine Mitstreiter die Erde wieder aufräumen. 700 Jahre lang macht WALL-E seinen Job. Alle anderen seiner Art sind schon betriebsunfähig, aber WALL-E presst und stapelt weiter fleißig Müll: riesige Gebirge davon. Sein einziger Weggefährte: eine Kakerlake und die tanzenden Schauspieler aus dem Film „Hello, Dolly!“, den sich der kleine Roboter immer wieder anschaut und auch nur zu gerne, Liebe erleben würde. Und dafür ist für den Roboter die Zeit gekommen: Ein Raumschiff landet auf der Erde – und so lernt WALL-E EVE kennen, eine Drohne, auf der Suche nach Vegetation. WALL-E ist hin und weg von ihr, zeigt ihr seine Sammlung, unter der sich auch ein kleines Pflänzchen befindet und schon ist EVE wieder weg – mit der Pflanze. Aber WALL-E lässt nicht locker, folgt ihr und gelangt so zum Raumschiff „Axiom“, auf dem die Menschen seit Jahrhunderten durchs All gleiten.

„WALL-E“ ist die Geschichte eines verschrobenen kleinen Roboters, der nach all den Jahren eine eigene Persönlichkeit entwickelt hat. Und auf wundersame Weise gelingt es Pixar auf grandiose Art und Weise, diesem Roboter eine äußerst liebenswerte Persönlichkeit zu geben. Man muss dieses kleine Ding einfach lieb haben: diese großen Augen, diese kindliche Naivität und Neugierde, die ihn immer wieder in lustige Situationen bringt, sein Fiepen und Piepsen, seine Sehnsucht nach Liebe. Es steckt so viel Menschliches in diesem Metallklotz, dass man sich wunderbar in diese einsame Seele hinein versetzen kann.

Die erste Hälfte von „WALL-E“ konzentriert sich dann auch nur auf WALL-E selbst. Der Film selbst lebt dann von den Slap-Stick-Momenten, der Musik, den Geräuschen – ganz ohne Dialog kreiert Regisseur Andrew Stanton ein cineastisches Kunstwerk, dass allein durch seine Bilder lebt. Ich hätte ewig so weitergucken können. Selbst als mit EVE eine zweite Figur eingeführt wird, beschränken sich „Dialoge“ auf das Aussprechen von Namen. „WALL-E“ ist bis hierhin ein Film vor allem für Erwachsene – die kleinen ironischen Spitzen sind herrlich. Besonders der Apple-Startton, wenn WALL-E wieder aufgeladen ist, die verzweifelten Versuche, EVE seine Liebe zu gestehen. All das funktioniert bei „WALL-E“ dank der Figuren und der musikalischen Untermalung ohne große Worte und reißt einfach mit. So viel Mut bei einem Animationsfilm ist sehr lobenswert.

Mit der Ankunft auf der „Axiom“ wird der Film etwas kinderfreundlicher: es wird bunter, schriller, mehr Figuren – sowohl Roboter als auch Menschen – werden hinzugefügt. Aus Kunstfilm wird kindlicher Abenteuer-Film. Persönlich hätte ich lieber noch etwas mehr von der „sprachlosen“ Schönheit der ersten Hälfte vertragen können, aber um sich als Kinderfilm zu etablieren, musste dieser Einschnitt wohl sein. Zumal die Geschichte dadurch ja nicht schlechter wird – und auch nicht an Kritik spart: Die fetten Menschen, die sich alles nur noch von Maschinen bringen lassen; die keine persönlichen Interaktionen pflegen, sondern alles nur noch durch Computer regeln. Aber es bleibt der typische Trickfilm-Optimismus und so können auch die fetten Menschen irgendwann wieder auf eigenen Beinen stehen. Verbunden mit der Musik aus Kubricks „2001“ („Also sprach Zarathustra“) sorgen zahlreiche kleine Film-Referenzen auch dafür, dass die Erwachsenen am Ball bleiben – insbesondere angetan scheinen die Macher aber tatsächlich von „2001“ gewesen zu sein: Man denke nur an den Bord-Computer, der das gleiche runde, rote „Auge“ hat wie HAL 9000.

„WALL-E“ ist ein wahnsinnig liebenswerter Film mit dem liebenswertesten nicht-menschlichen Wesen der Filmgeschichte. Die Geschichte ist zwar einfach gestrickt, aber gerade die Tatsache, dass die Protagonisten des Films sich nur durch Geräusche verständigen und die erste Hälfte des Films komplett ohne Dialog auskommt, wertet den Film ungeheuer auf. Ich hab’s schon einmal gesagt und ich sag’s immer wieder gerne: So wie der Anfang hätte von mir aus der ganze Film sein können.

Wertung: 9 von 10 Punkten (scheiß-süßer Roboter in witziger Geschichte – kultig)

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16 Kommentare leave one →
  1. 9. Februar 2011 13:25

    Ich würd ihm sogar 10 Punkte geben, neben „Nemo“ und „Rattatoullie“ der beste Pixar bis jetzt der nebenbei noch eine tolle Botschaft hat „Müllt die Erde nicht zu sonst müsst ihr einem Raumschiff durch den Weltraum fliegen werdet so fett dass ihr noicht mehr gehen könnt und auf der Erde räumen kleine Roboter den Dreck weg, bis ihr wieder da seid auch wenn ihr gar nicht wieder kommt“. Der Kurzfilm BURN-E dazu ist übrigens auch sehr empfehlenswert.

    • donpozuelo permalink*
      9. Februar 2011 14:14

      10 von 10 hätte ich ihm auch gegeben, aber nach der Ankunft auf der Axiom geht so ein wenig dieser Charme der ersten Hälfte verloren. Es ist und bleibt aber trotzdem mein Lieblingsfilm von Pixar.

      Und ja, den „BURN-E“ fand ich auch großartig. Vor allem, weil sie ihn so toll in die Hauptgeschichte einbinden. Aber der eigentliche Kurzfilm mit dem Zauberer und seinem Kaninchen ist auch spitze.

  2. 13. Februar 2011 13:10

    Wall-E ist nicht nur mein liebster Pixar-Film, sondern überhaupt einer meiner All-Time-Favourites. Absolut grandioser Film. Aber ich muss dir zustimmen, die erste Hälfte ist besser, da weniger bunt, laut und kitschig. Dennoch ist auch die zweite schön, ich denk nur an die Szene, in der Wall-E und Eve durchs All düsen und die Musik, die dazu läuft… Hach! Auf Blu-ray ist er aber wirklich eine Wucht, kein einziger Film in meiner (noch recht bescheidenen) Sammlung kommt da technisch ran.

    Und jetzt hab ich grad wahnsinnig Lust, in mir anzusehen. Na toll 🙂

    • donpozuelo permalink*
      13. Februar 2011 17:58

      Du hast schon Recht, in der zweiten Hälfte sind auch viele schöne Momente, das will ich gar nicht bestreiten. Aber der Anfang ist einfach absolut genial. Und ja… auch Blu-ray und mit der passenden Technik wird der Film gleich noch um Längen besser.

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